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Erinnerungsorte als Medien des kollektiven Gedächtnisses. Der Landschaftspark Duisburg-Nord

Title: Erinnerungsorte als Medien des kollektiven Gedächtnisses. Der Landschaftspark Duisburg-Nord

Term Paper , 2014 , 25 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anika Richmann (Author)

Cultural Studies - European Studies
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In den letzten Jahren hat das allgemeine Interesse an Diskursen über Erinnerung und Gedächtnis signifikant zugenommen. [...]Durch „[…] das Streben nach Dezentralisierung, das Ende autoritären staatlichen Handelns, die starke Präsenz von Einwanderern […]“ , kehren wir uns von einer linearen Nationalgeschichte und Gesellschaft ab, die auf traditionellen und generationellen Konzepten basierte. [...] Unser Leben ist gekennzeichnet von Brüchen, „[…] so dass eine fortwährende Vergewisserung der Vergangenheit erforderlich ist.“ In einer solchen Zeit, in welcher wir Orte zur Erinnerung benötigen, erlischt das eigentliche Gedächtnis, das sich nun über die Geschichte rekonstruiert. Maurice Halbwachs erkannte, dass „[…] das gesellschaftliche Denken wesentlich ein Gedächtnis ist, dessen ganzer Inhalt nur aus kollektiven Erinnerungen besteht, […] aber nur diejenigen von ihnen und nur das an ihnen bleibt, was die Gesellschaft in jeder Epoche mit ihren gegenwärtigen Bezugsrahmen rekonstruieren kann.“ In diesem Kontext erklärt sich das Festhalten an Orten, welche einen Rahmen für unser Gedächtnis bilden und es uns ermöglichen, an solchen Erinnerungsstätten das kollektive Gedächtnis einer Gruppe zu festigen. [...]
In Duisburg, das mit anderen Städten des Ruhrgebiets, im Jahr 2010 zur Kulturhauptstadt Europas erklärt wurde, existiert ein über 200 Hektar großes Gelände eines ehemaligen Hüttenwerks. Der drohende Abriss konnte unter breiter Unterstützung der Bevölkerung verhindert werden. Aktiv entschied man sich hier also dazu, einen Erinnerungsort zu konstituieren, der einen beispielhaften Rahmen der Hochindustrialisierung als auch des Strukturwandels des Ruhrgebiets darstellt. [...]
Aufgabe dieser Hausarbeit soll es sein, den Landschaftspark in Duisburg als ein herausragendes Beispiel für einen Gedächtnis- und Erinnerungsort im Ruhrgebiet begreifen zu können. In einem ersten Schritt werden so die verschiedenen Formen des Gedächtnisses herangezogen. Anhand der Metapher des ‚Kristallisationspunktes‘ findet außerdem eine erste Hinleitung zum Landschaftspark als Erinnerungs- und Gedächtnisort statt. Anschließend wird Pierre Noras Terminus des Erinnerungsortes beleuchtet, um herauszufinden, was genau ein solcher Ort eigentlich ist. Im weiteren Verlauf wird der Landschaftspark Duisburg-Nord in einem kurzen Überblick vorgestellt. Auch auf seine Bedeutung für die Region soll dabei eingegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kategorien des Gedächtnisses

2.1 individuelles Gedächtnis

2.2 soziales Gedächtnis

2.3 kollektives Gedächtnis

2.4 kulturelles Gedächtnis

3. Pierre Noras Konzept der Erinnerungsorte/ Lieux de mémoire

3.1 Was ist ein Erinnerungsort?

4. Geschichte des Landschaftsparks Duisburg-Nord

4.1 Errichtung und Betrieb der Anlage

4.2 Stilllegung 1985 oder von der Industriebrache zum Landschaftspark

5. Der Landschaftspark als Erinnerungs- und Gedächtnisort

5.1 Eine Industrieruine als Denkmal

5.2 Das Hüttenwerk als Landschaftspark

5.2.1 Umfrage

6. Tagung – Erinnerungsorte Ruhr

7. Abschließende Gedanken

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Landschaftspark Duisburg-Nord als herausragendes Beispiel für einen Gedächtnis- und Erinnerungsort im Ruhrgebiet, um zu analysieren, wie industrielle Stätten nach ihrem Strukturwandel die Identität und das kollektive Gedächtnis einer Region bewahren und prägen können.

  • Theoretische Fundierung von Gedächtnisformen (individuell, sozial, kollektiv, kulturell)
  • Analyse des Konzepts der "Erinnerungsorte" nach Pierre Nora
  • Historische Entwicklung des Hüttenwerks Meiderich vom Betrieb zur Industrieruine
  • Metamorphose zum Landschaftspark und dessen Rolle als Identitätsstifter
  • Empirische Einordnung durch eine Umfrage zum Erinnerungswert in der Region

Auszug aus dem Buch

3.1 Was ist ein Erinnerungsort?

Der Begriff des Erinnerungsortes bzw. Gedächtnisortes geht, wie bereits erwähnt, auf den französischen Historiker Pierre Nora zurück, der in seinem mehrbändigen Werk Les lieux de mémoire im Jahr 1984 die Kristallisationspunkte der französischen Erinnerungskultur zu erfassen versuchte. Hierzu setzt er in seinem programmatisch voranstehenden Werk Zwischen Geschichte und Gedächtnis drei Voraussetzungen fest, die einen solchen Ort simultan auszeichnen: Es besteht sowohl ein materieller, symbolischer und funktionaler Sinn. Vor der Erschaffung eines solchen Gedächtnisortes muss es laut Nora außerdem einen Willen gegeben haben, etwas im Gedächtnis zu verankern, um diesen in ein kollektives Gedächtnis zu expedieren. Von Interesse ist für ihn dabei vor allem die Wandlungsfähigkeit eines solchen Ortes, die er im Laufe der Zeit durch Metamorphose und Adaptionen durchlaufen hat.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Diskurse um Erinnerung und Gedächtnis sowie die Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich des Landschaftsparks Duisburg-Nord.

2. Kategorien des Gedächtnisses: Theoretische Differenzierung zwischen individuellem, sozialem, kollektivem und kulturellem Gedächtnis unter Einbezug von Halbwachs und Assmann.

3. Pierre Noras Konzept der Erinnerungsorte/ Lieux de mémoire: Erläuterung des zentralen theoretischen Rahmens von Erinnerungsorten und deren Anforderungen an Materialität, Symbolik und Funktion.

4. Geschichte des Landschaftsparks Duisburg-Nord: Historischer Abriss über Errichtung, industrielle Blütezeit und die anschließende Stilllegung des Hüttenwerks Meiderich.

5. Der Landschaftspark als Erinnerungs- und Gedächtnisort: Analyse der Transformation des Geländes zum Denkmal und Identitätssymbol sowie Auswertung einer Umfrage zur Wahrnehmung durch die Bevölkerung.

6. Tagung – Erinnerungsorte Ruhr: Reflexion über aktuelle fachwissenschaftliche Debatten zur Übertragbarkeit der Theorie auf die Industrieregion Ruhrgebiet.

7. Abschließende Gedanken: Resümee über die Rolle des Landschaftsparks als Medium der Erinnerungskultur und Träger des kulturellen Gedächtnisses.

Schlüsselwörter

Landschaftspark Duisburg-Nord, Erinnerungsort, kulturelles Gedächtnis, Pierre Nora, Ruhrgebiet, Industriedenkmal, Strukturwandel, kollektives Gedächtnis, Hüttenwerk Meiderich, Industriekultur, Identität, Kristallisationspunkt, Metamorphose, Geschichte, Erinnerungskultur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Transformation des ehemaligen Hüttenwerks Meiderich (heute Landschaftspark Duisburg-Nord) und untersucht, inwieweit dieses Gelände als "Erinnerungsort" fungiert, um die industrielle Vergangenheit der Region zu bewahren.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen umfassen die soziologische Theorie des Gedächtnisses, das Konzept der Erinnerungsorte nach Pierre Nora sowie die industrielle Geschichte und den Strukturwandel im Ruhrgebiet.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu begreifen, wie ein physischer Ort wie der Landschaftspark durch die Konstruktion von kollektivem Gedächtnis zur Identitätsstiftung einer Region beiträgt.

Welche wissenschaftlichen Ansätze kommen zum Einsatz?

Es werden kulturwissenschaftliche und geschichtstheoretische Ansätze (insbesondere von Pierre Nora, Maurice Halbwachs und Jan/Aleida Assmann) mit regionalhistorischen Daten und einer qualitativen Umfrage kombiniert.

Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Erinnerungs-Kategorien, die historische Genese des Hüttenwerks und die Analyse der Metamorphose des Standorts zum aktiven Erinnerungs- und Erlebnispark.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Besonders prägend sind die Begriffe "Erinnerungsort", "Kristallisationspunkt", "Industriekultur" und "kollektives Gedächtnis".

Warum wurde gerade der Landschaftspark Duisburg-Nord als Beispiel gewählt?

Der Park ist ein herausragendes Beispiel für den geglückten Erhalt einer Industrieruine, die trotz der Schließung durch Bürgerengagement bewahrt wurde und nun als lebendiges Denkmal den Strukturwandel symbolisiert.

Welche Bedeutung kommt der im Dokument erwähnten Umfrage zu?

Die Umfrage verdeutlicht die subjektive Wahrnehmung der ortsansässigen Bevölkerung und zeigt, dass der Park heute vor allem als Zeichen für Kameradschaft, sozialen Zusammenhalt und den ehemaligen Reichtum der "Stadt Montan" erinnert wird.

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Details

Title
Erinnerungsorte als Medien des kollektiven Gedächtnisses. Der Landschaftspark Duisburg-Nord
College
University of Hagen
Grade
1,3
Author
Anika Richmann (Author)
Publication Year
2014
Pages
25
Catalog Number
V277338
ISBN (eBook)
9783656711513
ISBN (Book)
9783656713289
Language
German
Tags
erinnerungsorte medien gedächtnisses landschaftspark duisburg-nord
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anika Richmann (Author), 2014, Erinnerungsorte als Medien des kollektiven Gedächtnisses. Der Landschaftspark Duisburg-Nord, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277338
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