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Traumadarstellung in „Bashir Lazhar“ und dessen Bedeutung für die kanadischen Immigranten

Titel: Traumadarstellung in „Bashir Lazhar“ und dessen Bedeutung für die kanadischen Immigranten

Essay , 2013 , 9 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Thomas Laschyk (Autor:in)

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

2011 kam der Film „Monsieur Lazhar“ von Philippe Falardeau au den Markt und wurde im darauffolgenden Jahr bei der Oscarverleihung sogar für den besten fremdsprachigen Film nominiert. Der Film machte die großen Schwierigkeiten, die politische Flüchtlinge in dem großen Asylland Kanada haben, weltweit bekannt. Seine Popularität zeigte die große Relevanz der Probleme, mit welchen sich Einwanderer jeden Tag in Form von sprachlichen und sozialen Barrieren tagtäglich konfrontiert sehen, sowie die seelischen Versehrtheiten, die mit der Flucht aus dem eigenen Land oftmals einhergehen. Der Film basiert auf dem in Kanada überaus erfolgreichen Drama „Bashir Lazhar“ von Évelyne de la Chenelière, die wenige Jahre zuvor mit „Des fraises en janvier“ ihren internationalen Durchbruch hatte und später den Prix littéraire de langue française du gouverneur général für ihre literarischen Leistungen erhielt. "Bashir Lazhar", ein algerischer Immigrant, dessen Familie einem Mordanschlag zum Opfer gefallen ist, ist nach Kanada geflüchtet und ersucht dort um Asyl und sucht nach Arbeit. Er übernimmt einen Lehrerposten in einer Schule, welcher frei geworden ist, da sich die vorangegangene Lehrerin im Klassenzimmer erhängt hatte. Lazhar und seine Schüler helfen sich gegenseitig beim Umgang mit ihren Schicksalsschlägen und bauen eine Beziehung zueinander auf. Zwar bekommt Lazhar eine Aufenthaltsgenehmigung der kanadischen Regierung, jedoch wird in der Schule aufgedeckt, dass er kein qualifizierter Lehrer, weshalb er die Schule verlassen muss.
Im Folgenden wird das Drama "Bashir Lazhar" von Évelyne de la Chenelière darüber untersucht, in wie weit sich darin Darstellungen von traumatisierten Personen finden und welche etwaige Bedeutung dies für die moderne kanadische und speziell quebecanische Literatur hat.
Deshalb wird zunächst dargestellt, wie und durch welche Ursachen Traumata bei Menschen ausgelöst werden können und in welchen Symptomen sich diese manifestieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Rahmen

2.1 Definition des Traumas

2.2 Psychotraumatologische Auswirkungen

3. Analyse des Dramas "Bashir Lazhar"

3.1 Darstellungsweise und Erinnerungsebene

3.2 Dramenstruktur und Anachronismus

3.3 Genesungsprozess und dissoziative Störungen

4. Fazit und Bedeutung für die kanadische Gesellschaft

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit untersucht das Drama "Bashir Lazhar" von Évelyne de la Chenelière hinsichtlich seiner Darstellung von traumatisierten Personen und analysiert, welche Bedeutung diese Thematik für die moderne kanadische Literatur sowie den gesellschaftlichen Diskurs über Einwanderung hat.

  • Psychotraumatologische Grundlagen und Symptomatik
  • Narrative Strukturen des Dramas als Abbild von Erinnerung
  • Die Rolle der Identitätskonstruktion bei Flüchtlingen
  • Gesellschaftskritik an der kanadischen Einwanderungspolitik
  • Traumabewältigung und Wiederholungszwang in der Kunst

Auszug aus dem Buch

Traumadarstellung in „Bashir Lazhar“ und dessen Bedeutung für die kanadischen Immigranten

Nach dem Verständnis der Psychotraumatologie bezeichnet ein Trauma „ein vitales Diskrepanzerlebnis"4 zwischen den Faktoren, die die Situation bedrohlich erscheinen lassen und den Möglichkeiten, die das Individuum hat, um diese Situation zu bewältigen. Dies geht mit dem Gefühl von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einher und bewirkt deshalb eine anhaltende Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis.

Dieses beschriebene Selbst- und Weltverständnis von Lazhar kann dabei als Zentralaspekt von Lazhars Geschichte erachtet werden. Die Dramenstruktur selbst stellt sich in ihrer Rekonstruktion der Ereignisse und damit der Erinnerungen fragmentarisch dar und wird asynchron von Lazhar dargestellt und lässt sich nicht sofort in einen kausalen Wirkungszusammenhang fassen, sondern erscheint eher wie eine Collage auf den Zuschaue. Infolgedessen entsteht eine Dissonanz zwischen Chronologie der Geschichte und Chronologie der Darstellung, sodass sich das Drama in einem konstanten Anachronismus befindet.

So befindet sich Lazhar auf Seite 15 zunächst m Klassenzimmer, wo er das erste Mal unterrichtet, in der nächsten Szene spricht er vor der Directrice um die freigewordene Stelle zu erwerben, anschließend ist er eine Woche später wieder im Klassenzimmer und übt Konjugationen mit seinen Schülern und in der wieder darauffolgenden Szene spricht er mit seiner Frau, mit der er im Bett liegt, welches nun offensichtlich vor dem Anschlag auf ihr Leben und vor seiner Ausreise nach Kanada stattgefunden haben muss. Die betreffenden Szenen, die jeweils zeitlich vor der jüngsten Handlung spielen, werden auch im Text eindeutig als „flash-back“ benannt. Das Trauma, das durch den Anschlag auf Lazhars Familie ausgelöst wurde, hat seine persönliche Kontinuitätserfahrung im Leben zerstört, welches dadurch auch eine Zerstörung der darstellerischen Kontinuität der Handlung zu Folge hat. Somit ist die asynchrone Darstellung, das Aufbrechen der Einheit der Handlung, welche ja wie obig beschrieben den Erinnerungen Lazhars entsprechen, ein Anzeichen für eine posttraumatische Belastungsstörung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in den Film und das Drama "Bashir Lazhar" sowie Darlegung der Relevanz von Fluchterfahrungen und sozialen Barrieren für Einwanderer.

2. Theoretischer Rahmen: Definition und psychologische Manifestation von Traumata sowie Erläuterung der posttraumatischen Belastungsstörung als Hintergrund für das Handeln der Figur.

3. Analyse des Dramas "Bashir Lazhar": Untersuchung der dramaturgischen Mittel, wie der Abwesenheit von Dialogpartnern und der fragmentarischen Erzählweise, zur Visualisierung eines Traumas.

4. Fazit und Bedeutung für die kanadische Gesellschaft: Zusammenfassung der Ergebnisse und Einordnung der im Werk enthaltenen Gesellschaftskritik hinsichtlich der Integrationspolitik und des Umgangs mit Flüchtlingen.

Schlüsselwörter

Bashir Lazhar, Évelyne de la Chenelière, Trauma, Psychotraumatologie, Posttraumatische Belastungsstörung, Kanada, Immigranten, Identitätskonstruktion, Episches Theater, Erinnerung, Flash-back, Flucht, Gesellschaftskritik, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert das Drama "Bashir Lazhar" im Kontext der Traumadarstellung und untersucht, wie die literarische Gestaltung das Schicksal eines algerischen Flüchtlings in Kanada widerspiegelt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind psychologische Traumata, die Identitätskrise von Flüchtlingen, die Herausforderungen der Integration in Kanada sowie die literarische Form des Dramas als Mittel zur Rekonstruktion von Erinnerungen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das Trauma der Hauptfigur durch die Struktur des Dramas (Anachronismen, fehlende Dialogpartner) auf der Bühne erfahrbar gemacht wird und welche gesellschaftliche Kritik daran geknüpft ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Analyse angewendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die psychotraumatologische Theorien und Konzepte des Epischen Theaters nutzt, um die spezifische Darstellungsweise der Chenelière zu deuten.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Struktur des Dramas, der Rolle von Flash-backs, der traumatischen Symptomatik der Hauptfigur und der Interpretation von Sprechakten als verdrängte Erinnerungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Trauma, Bashir Lazhar, Flüchtlingsschicksal, kanadische Literatur und Identitätskonstruktion definieren.

Wie korrigiert die "Stimme des Kindes" Lazhars psychischen Zustand?

Die Stimme wird als dissoziatives Element interpretiert, das nicht nur grammatikalische Fehler korrigiert, sondern symbolisch für den Beginn eines Genesungsprozesses und die notwendige Aufarbeitung des Traumas steht.

Warum ist das Drama als "asynchron" zu bezeichnen?

Das Drama bricht mit einer linearen Chronologie, da die Handlung aus Erinnerungsfragmenten besteht, die sich als "Collage" und ständiger Anachronismus präsentieren, was den psychischen Zustand eines Traumatisierten widerspiegelt.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Traumadarstellung in „Bashir Lazhar“ und dessen Bedeutung für die kanadischen Immigranten
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Theatre francophone
Note
1,0
Autor
Thomas Laschyk (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
9
Katalognummer
V277382
ISBN (eBook)
9783656701828
ISBN (Buch)
9783656702528
Sprache
Deutsch
Schlagworte
traumadarstellung bashir lazhar bedeutung immigranten
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Thomas Laschyk (Autor:in), 2013, Traumadarstellung in „Bashir Lazhar“ und dessen Bedeutung für die kanadischen Immigranten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277382
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Leseprobe aus  9  Seiten
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