„Bewerten heißt vergleichen”
Hinter dieser einfachen Aussage von Moxter (1991) steckt die Idee, dass der Unternehmenswert durch die Diskontierung der finanziellen Überschüsse einer Investition mit adäquaten Alternativen verglichen werden sollte. Verfolgt man die Idee weiter, erfolgt die Bewertung des Unternehmens durch Kapitalisierung der erwarteten finanziellen Überschüsse. Zur Bestimmung des relevanten Kapitalisierungszinssatzes wird von einem risikolosen Zinssatz - auch Basiszinssatz - ausgegangen, welcher anschließend um einen Risikozuschlag erhöht wird. In der Literatur findet man zur Unternehmenswertermittlung eine Vielzahl von unterschiedlichen Erklärungsmodellen. Dies ist auf die Ursachen der steigenden Globalisierung und internationalen Unternehmensaktivitäten zurückzuführen und hat schlussendlich dazu geführt, dass vom Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. ein gemeinsamer Grundsatz: Durchführung von Unternehmensbewertungen (IDW S 1 i.d.F.2008) verfasst wurde. Bis es zu dieser finalen Einigung kam, im IDW Hauptfachausschuss, wurden viele intensive Diskussionen in der Theorie und Praxis geführt. Dieser Einigungsprozess spiegelt in gewisser Weise die vielen Aspekte die dem Wertbegriff per se zu Eigen sind wieder. Zu einer der wesentlichsten Neuerungen des IDW S1 i.d.F. 2008, gehört die Berechnung der Eigenkapitalkosten nach persönlichen Steuern im Halbeinkünfteverfahren im CAPM Model. Das Ziel der Hausarbeit ist es das CAPM Modell systematisch zu beschreiben, einen Überblick der weiterentwickelten CAPM Varianten zu verschaffen und abschließen den Bezug zu aktuellen Problemen des Finanzmarkt herzustellen.
Zu Beginn wird im Abschnitt 2 der Zusammenhang zwischen der Ertragswertmethode und dem zu definierenden Unsicherheitsbegriff herausgearbeitet. Im Abschnitt 3 wird das CAPM Verfahren ausführlich in seinen Funktionen, Formen, Besonderheiten und einhergehenden Kritikpunkte behandelt. Anschließend werden im 4. Abschnitt die beobachteten Risikoquellen des Finanzmarktes im Rückblick der Subprime Finanzkrise hervorgehoben. Als nachstehendes werden die wichtigsten Punkte der einzelnen Abschnitte zusammengefasst und Enden in einem kurzen Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Marktorientierte Objektivierung des Kalkulationszinsfußes
3. Das Capital Asset Pricing Model
3.1 Der marktorientierte CAPM Ansatz
3.2 Der Tax-CAPM Ansatz
3.3 Der multifaktorielle CAPM Ansätze
3.4 Weitere diversifikaitonsdimensionen des CAPM
3.5 Der Betafaktor
3.6 Kritik am CAPM Verfahren
4. Der Finanzmarkt
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit hat zum Ziel, das Capital Asset Pricing Model (CAPM) systematisch darzustellen, einen Überblick über dessen weiterentwickelte Varianten zu geben und eine Verbindung zu aktuellen Herausforderungen am Finanzmarkt, insbesondere der Subprime-Krise, herzustellen.
- Theoretische Grundlagen und marktorientierte Objektivierung des Kalkulationszinsfußes
- Systematische Beschreibung des klassischen CAPM und seiner Modellannahmen
- Analyse verschiedener CAPM-Varianten wie Tax-CAPM und multifaktorieller Ansätze
- Diskussion des Betafaktors und dessen Anpassung an Kapitalstrukturrisiken
- Kritische Würdigung der CAPM-Methodik vor dem Hintergrund des Finanzmarktversagens
Auszug aus dem Buch
3.1 Der marktorientierte CAPM Ansatz
Trotz einiger Kritik, wird an dieser Stelle in der Praxis und Theorie regelmäßig auf das Capital Asset Pricing Model verwiesen.20 Das klassische CAPM definiert die risikoäquivalente Rendite in einem Modell ohne Steuern unter der Prämisse, dass die Investoren bestimmte Erwartungen über deren gewünschten Erträge haben, also eine ex-ante Sichtwiese auf die Renditeverteilung des Portfeuilles besitzen. Das Verfahren ist einperiodig und unterstellt, dass alle Investoren die gleiche Erwartungshaltung besitzen. In Analogie zur Bernoulli-Theorie müssen die betrachteten Ertragsverteilung auf eine Normalverteilungsform oder auf die quadratische Risikonutzenfunktion der Investoren transformiert werden, ohne Berücksichtigung von Transaktionskosten, Steuern und anfallenden Gebühren.21 Um das unternehmensindividuelle Risiko zu ermitteln, kann ein Index aus der Varianz der Renditen gebildet werden, welche sich aus den prognostizierten Veränderungen des Börsenkursverlaufs innerhalb einer Periode ergeben.22 Im Fall, das vom Markt eine Risikoprämie verlangt wird, ergibt sich der Stückpreis des allgemeinen „volkswirtschaftlichen“ Risikos aus:
(1)
mit: = Erwartungswert, erwartete Veränderung des Börsenkursindexes; = Kapitalmarktzins; = Varianz der Veränderung des Börsenkursindexes. Sind die Zusammenhänge zwischen dem unternehmensspezifischen Risikos und dem allgemeinen- oder volkswirtschaftlichem Risiko bekannt, dann ist die verlangte Risikoprämie der Investoren determinierbar als: (2)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Vergleichens bei der Unternehmensbewertung ein und stellt das Ziel der systematischen CAPM-Analyse vor.
2. Marktorientierte Objektivierung des Kalkulationszinsfußes: Dieses Kapitel erläutert die Notwendigkeit der Komplexitätsreduktion bei der Zinsfußermittlung und stellt den Individualansatz dem Marktansatz gegenüber.
3. Das Capital Asset Pricing Model: Hier wird das CAPM als zentrales Verfahren zur Ermittlung von Eigenkapitalkosten detailliert beschrieben, inklusive seiner Varianten und Kritikpunkte.
4. Der Finanzmarkt: Dieses Kapitel analysiert die Grenzen des CAPM-Modells anhand der Subprime-Krise und diskutiert reale Risikoquellen, die zum Marktversagen führten.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das CAPM trotz seiner Mängel in der Praxis weiterhin als nützliche, wenn auch unvollkommene Methode zur Zinsfußbestimmung dient.
Schlüsselwörter
CAPM, Unternehmensbewertung, Eigenkapitalkosten, Kalkulationszinsfuß, Marktrisikoprämie, Betafaktor, Tax-CAPM, Subprime-Krise, Finanzmarkt, Risiko, Portfoliotheorie, Kapitalmarkt, Marktwert, Investition, Unsicherheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Anwendung des Capital Asset Pricing Models (CAPM) im Rahmen der Unternehmensbewertung unter Berücksichtigung theoretischer sowie aktueller marktspezifischer Aspekte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die mathematische Herleitung des CAPM, verschiedene Modellvarianten, die Bedeutung des Betafaktors sowie die kritische Reflexion des Modells in Krisenzeiten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine systematische Beschreibung des CAPM-Modells, ein Überblick über dessen Varianten und der Bezug zur Finanzmarktkrise von 2008.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse finanzwissenschaftlicher Theorie- und Modellansätze sowie einer kritischen Auswertung von Standardwerken zur Unternehmensbewertung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Grundmodell, der Tax-CAPM Ansatz, multifaktorielle Ansätze, die Rolle des Betafaktors bei der Kapitalstruktur und die Kritik am Verfahren erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie CAPM, Unternehmensbewertung, Eigenkapitalkosten, Betafaktor und Subprime-Krise.
Wie unterscheidet sich der Individualansatz vom Marktansatz?
Der Individualansatz nutzt subjektive Erwartungen und Nutzentheorien, während der Marktansatz auf investitionstheoretischen Gleichgewichtsmodellen der Kapitalmarkttheorie basiert.
Warum ist das "Total-Beta Verfahren" laut Autor in manchen Fällen nicht anwendbar?
Es besteht eine Inkonsistenz in der Darstellung der Zahlungsströme, wenn systematisches und unsystematisches Risiko nicht korrekt innerhalb der Risikozuschläge verbunden werden.
Welchen Einfluss hatte die Subprime-Krise auf die Wahrnehmung von Marktrisiken?
Die Krise verdeutlichte, dass neben den klassischen CAPM-Risikoprämien weitere marktbeeinflussende Faktoren existieren, die zu einem systematischen Marktversagen führen können.
Wie bewertet der Autor den aktuellen Nutzen des CAPM?
Das CAPM wird als verbreitete und praxistaugliche "Übergangslösung" eingestuft, die jedoch noch weit davon entfernt ist, eine vollständig adäquate Lösung für komplexe Bewertungsfragen darzustellen.
- Arbeit zitieren
- Timo Tempel (Autor:in), 2013, Das Capital Asset Pricing Model (CAPM) im Kontext der Unternehmensbewertung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277420