„Gott mag die störrischen Esel“ titelte die Welt vergangenes Jahr kurz vor Weihnachten und schrieb weiter:
Tja, da zeigt sich eben wahre Größe: Den Eseln ist es nicht so wichtig, immer eigens erwähnt zu werden. Ihnen macht es nichts aus, dass sie in den biblischen Weihnachtsgeschichten nicht genannt werden. Wo doch sowieso klar ist, dass es ohne sie damals gar nicht ging. Als Josef mit Maria von Nazareth nach Bethlehem zog, dürfte ein Esel die Hochschwangere getragen haben. Im Stall dann, dem Ort von Jesu Geburt, werden Esel zum Inventar gehört haben. Und die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten – um das Kind vor den Mordplänen des König Herodes in Sicherheit zu bringen – ist ohne ein solches Tier ebenfalls nicht denkbar.
Jede Geschichte braucht ihre Nebenrollen und es gehört zu einer wichtigen Erfahrung im Leben, dass auch wir selber in gewissen Räumen des Lebens nur eine Nebenrolle spielen, dass umgekehrt auch auf unser Leben Personen Einfluss haben, die uns vielleicht maximal als Statisten bewusst sind.
Sich am Esel auszuprobieren ist sehr ungefährlich für alle Beteiligten: anders als bei der Auseinandersetzung mit dem stolzen Pferd, der klugen Eule oder dem Löwen als König der Tiere, muss hier niemand Sorge haben, der Figur des Esels nicht gerecht werden zu können. Dieser sympathische Typ hat sehr viel Potential, nur gelingt es ihm nicht immer, es voll auszuschöpfen. Damit ist er uns Menschen näher, als wir vielleicht wahrhaben wollen.
In der vorliegenden Hausarbeit steht im Zentrum die Figur der Eselin in der Bileamgeschichte des Alten Testamentes. Das Ziel ist, anhand des Esels das Konstrukt einer Unterrichtseinheit zu entwickeln, weshalb der Aufbau dieser Arbeit einem klassischen Unterrichtsentwurf ähnelt, jedoch mit stärkerem Fokus auf die Figur. Aus didaktischen Gründen, die in Kapitel 5.3 erläutert werden, bereiten zwei säkulare Esel die Begegnung mit der biblischen Eselin vor. Die Geschichte von Bileams Eselin wird im folgenden Kapitel zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eine Eselexegese
3. Hermeneutische Überlegungen
4. Unterrichtsentwurf zum Esel
4.1 Bedingungsanalyse
4.2 Sachanalyse zur Figur des Esels
4.3 Didaktische Analyse
4.4 Methodisches zum Esel
4.5 Eine Unterrichtseinheit zum Esel
5. Schluss
8. Anhang
Fabel vom Pferd und dem Esel, in verteilten Rollen
Geschichte von Bileam und seiner Eselin, Kurzversion
Geschichte von Bileam und seiner Eselin, Langversion
Vorlagen Puzzle
Der Kuckuck und der Esel
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die symbolische und didaktische Rolle des Esels in verschiedenen Kontexten, insbesondere in der biblischen Bileamerzählung, um Kindern den Zugang zu eigenen Emotionen und verborgenen Talenten zu erleichtern.
- Die Figur des Esels als unterschätzter Sympathieträger in Literatur und Religion
- Exegese der Bileamerzählung und deren Bedeutung für das Verständnis von Talenten
- Didaktische Konzepte zur Förderung von Empathie und Selbstwahrnehmung im Religionsunterricht
- Praktische Unterrichtseinheiten unter Einbezug von Fabeln und biblischen Texten
Auszug aus dem Buch
2. Eine Eselexegese
Das widersprüchliche Verhalten Gottes, Bileam erst loszuschicken und ihm dann einen Boten in den Weg zu stellen, wird in historisch-kritischer Auslegung als Beweis für das Verflechten verschiedener Texte verstanden. Von den Rabbinen wird hier jedoch ein einheitlicher Text gesehen. Sie verstehen Gottes Widersprüchlichkeit vielmehr als Zeichen „dass die entscheidenden Geschichten nie ohne Brüche passieren können“. Es wird der Bezug zur Isaak Opferung des Abraham gesehen. Auch hier wurde dem Abraham erst kurz vor Vollendung ein Bote Gottes geschickt, der seinem Handeln ein Ende setzte.
Es kann verwundern, warum Gott es zuließ, dass Bileam seine Eselin dreimal schlug, bevor der Engel des Herrn erschien und Bileam die Botschaft Gottes zukommen ließ. Im Midrasch wird die Zahl drei damit erklärt, dass sie einen symbolischen Hinweis zum Volk der Juden liefert, da diese nach TanB Balak § 13 dreimal im Jahr Wallfahrtsfeste feierten.
Im Verständnis der meisten Bibelexegeten handelt es sich in der hier vom Redaktor der Priesterschrift dargestellten Geschichte, um zwei ursprünglich eigenständige Traditionen der Bileamerzählung, die zu „einer leidlich einheitlichen Erzählung“ zusammengefügt wurden. Durch Verwendung der unterschiedlichen Gottesnamen, verschiedenen Vokabulars und einigen inhaltlichen Unstimmigkeiten sind die zwei Teile noch erkennbar. Es kamen jedoch noch poetische Texte mit je eigenem Vokabular hinzu, was die klare Trennung der verschiedenen Textteile von einander erschwert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des Esels als oft übersehene Nebenfigur und führt in die Absicht der Arbeit ein, den Esel als Hauptfigur für die Reflexion eigener Charakterzüge zu nutzen.
2. Eine Eselexegese: Dieses Kapitel analysiert die theologische und historische Einordnung der Bileamerzählung sowie die Bedeutung der Eselin im Vergleich zu den Handlungen Bileams.
3. Hermeneutische Überlegungen: Hier werden die anthropomorphen Züge der Eselin und ihre Symbolik für fremde Kulturen und Erkenntnisgewinn diskutiert.
4. Unterrichtsentwurf zum Esel: Dieser Abschnitt beschreibt die Lernvoraussetzungen, die sachanalytische Grundlage und die didaktische Planung der Unterrichtsreihe.
5. Schluss: Der Schluss fasst das Potential der Eselfigur für den lernbereichsübergreifenden Unterricht zusammen und betont die Identifikationsmöglichkeit mit dem sympathischen Tier.
Schlüsselwörter
Esel, Bileam, Eselin, Religionspädagogik, Bibel, Unterrichtsentwurf, Fabel, Empathie, Symbolik, Talente, Hermeneutik, Grundschule, Identifikation, Emotionen, Sachanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Figur des Esels in Kinderliedern, Fabeln und insbesondere in der biblischen Bileamerzählung aus religionspädagogischer Sicht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen die exegetische Analyse biblischer Texte, die Symbolik von Tieren in der Literatur sowie die praktische didaktische Umsetzung im Religionsunterricht der Grundschule.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Esel als Projektionsfläche zu nutzen, damit Grundschüler ihre eigenen Gefühle verbalisieren, ihre Grenzen kennenlernen und ihre eigenen Talente wertschätzen können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus historisch-kritischer Bibelauslegung, literaturwissenschaftlicher Betrachtung und didaktischen Planungsmodellen für den Unterricht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fachwissenschaftliche Exegese der Esel-Erzählungen sowie in einen detaillierten Unterrichtsentwurf mit Stundenverlaufsplänen und methodischen Erläuterungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Esel, Bileam, Religionspädagogik, Empathie, Identifikation und Talente charakterisiert.
Wie unterscheidet sich der Esel in dieser Arbeit von anderen Tieren?
Im Gegensatz zu stolzen oder dominanten Tieren wie dem Pferd oder Löwen wird der Esel als sympathischer, aber oft missverstandener Außenseiter dargestellt, der durch seine Fehlbarkeit eine Nähe zum Menschen aufbaut.
Warum spielt die Eselin in der Bileamerzählung eine so zentrale Rolle?
Sie wird als kluges Wesen dargestellt, das über Fähigkeiten verfügt, die der Prophet Bileam aufgrund seiner eigenen Verblendung nicht wahrnimmt, wodurch sie zur entscheidenden Retterin wird.
Welchen Stellenwert nimmt die Talenteshow am Ende der Einheit ein?
Sie dient dazu, den Schülern einen angstfreien Raum zu bieten, in dem sie ihre individuellen, teils verborgenen Talente präsentieren und sich gegenseitig positiv wahrnehmen können.
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- Johanna Dittrich (Author), 2014, Die Figur des Esels im Kinderlied, der Fabel und im Besonderen der Bileamerzählung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277424