Diese Hausarbeit behandelt eine Gegenüberstellung von zwei lokalen Festivals, die tourismusethnologisch unterschiedlich rezipiert worden sind. Bei den Festivals handelt es sich einerseits um die Alarde von Fuenterrabia, die im spanischen Baskenland stattfindet und andererseits um das Aboakyer-Festival in Winneba, Ghana. Grundlage für den Vergleich sind die Forschungen von Davydd Greenwood (1989) und Robert Wyllie (1994). Zunächst werden die beiden Festivals kurz beschrieben, um danach die lokale Rezeption auf den Tourismus ins Zentrum der Betrachtung zu stellen. Ein weiterer interessanter Aspekt sind unterschiedliche Wertungen, die durch die Autoren vorgenommen werden. Hieraus ergibt sich die Frage, welche ableitbaren Folgen sich für die Tourismusethnologie aus den differenten Fallbeispielen ergeben. Wie können Ethnologen den Tourismus angemessen erforschen und ist die Tourismusethnologie ein notwendiges und zukunftsfähiges Feld innerhalb der Ethnologie? Es kann vermutet werden, dass die unterschiedliche Rezeption der lokalen Bevölkerung und der Ethnologen auf den touristischen Einfluss auf lokale Kulturen eine Dialektik innerhalb des Tourismus zeigt. Die Tourismusethnologie ist aber gerade in ihrer Anfangszeit durch eine oft negativ konnotierte Tourismusrezeption aufgefallen. Daher soll gezeigt werden, dass sie sich vielmehr der Tourismusdialektik annehmen sollte, weshalb im weiteren Verlauf Normen für die Forschung herausgearbeitet werden. Das Ziel der Arbeit ist knapp zusammengefasst das Herausarbeiten der ableitbaren Normen für die Tourismusethnologie anhand der Gegenüberstellung der lokalen Rezeptionen der Alarde von Fuenterrabia und dem Aboakyer-Festival.
Inhaltsverzeichnis
1. Themeneingrenzung und Relevanz
2. Zwei tourismusethnologisch relevante Fallbeispiele
2.1 Alarde von Fuenterrabia
2.2 Aboakyer-Festival
3. Rezeptionen auf den Tourismus in den Fallbeispielen
3.1 Reaktionen der lokalen Bevölkerung auf den Tourismus
3.2 Ethnologische Wertungen auf touristische Einflüsse
4. Normenbildung für die Tourismusethnologie
5. Notwendigkeit von Tourismusethnologie und deren Umgang mit der Dialektik des Tourismus
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht anhand der Gegenüberstellung zweier lokaler Festivals – der Alarde von Fuenterrabia und des Aboakyer-Festivals in Winneba –, wie Tourismus ethnologisch rezipiert wird. Ziel ist es, aus den unterschiedlichen lokalen Reaktionen und den ethnologischen Bewertungen Normen für eine differenzierte tourismusethnologische Forschung abzuleiten, die sowohl wirtschaftliche Aspekte als auch kulturelle Dynamiken berücksichtigt.
- Tourismusethnologie als zukunftsfähiges Forschungsfeld
- Dialektik des Tourismus (Zerstörung vs. Entwicklung)
- Kritische Analyse der Begriffe Tradition und Authentizität
- Die Rolle des Ethnographen in der Wertungsneutralität
- Einfluss des Tourismus auf lokale Rituale und gesellschaftlichen Wandel
Auszug aus dem Buch
2.1 Alarde von Fuenterrabia
Die Alarde von Fuenterrabia ist ein öffentliches Ritual in der baskischen Stadt Fuenterrabia (dt. Hondarribia), welches an den erfolgreichen Widerstand der Stadt gegen die französische Belagerung aus dem Jahr 1638 erinnert. Ursprünglich feiert die Bevölkerung der Stadt einmal jährlich dieses Ereignis. Am Tag des Festes findet nach Greenwood ein gemeinsamer Umzug zum zentralen Platz der Stadt statt. An diesem Umzug nehmen sechs nach Stadtteilen gegliederte Gruppen teil. Dabei tragen sie Waffen, um an die erfolgreiche Schlacht zu erinnern. Diese Waffen nehmen darüber hinaus noch eine Funktion auf symbolischer Ebene ein: „The guns, by ward and then together, speak with one unified voice of the solidarity between the inhabitants that allowed them to survive” (Greenwood 1989: 175). Dieses Beispiel des parallelen Schießens verdeutlicht, dass die Alarde symbolisch für den Zusammenhalt und die Solidarität innerhalb der lokalen Bevölkerung steht. Jeder ist an den Vorbereitungen für das Fest beteiligt und alle sozialen Schichten feiern gemeinsam. „It involves almost all the men, women, and children in the town during the preparations for it and includes a staggering number of them in the actual enactment” (ebd.: 174). So wird eine Idee der Gleichheit zum Ausdruck gebracht. Es soll daran erinnert werden, dass 1638 alle Bevölkerungsgruppen die französische Belagerung überstanden haben. Die Einheimischen sprechen in diesem Kontext nach Greenwood von einem „unique concept of Basque ´collective nobility´“ (ebd.: 175, Markierung des Autors). Man kann daher von einer integrierenden Funktion des Festes sprechen, das für Werte wie Zusammengehörigkeitsgefühl und Solidarität steht, weshalb die Alarde von Fuenterrabia folglich nach der Definition von Geertz als öffentliches Ritual bezeichnet werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Themeneingrenzung und Relevanz: Einleitung in die Thematik der Tourismusethnologie anhand zweier Fallbeispiele sowie Begründung der wissenschaftlichen Relevanz.
2. Zwei tourismusethnologisch relevante Fallbeispiele: Vorstellung der Rituale Alarde von Fuenterrabia und Aboakyer-Festival inklusive deren Bedeutung für die lokale Gemeinschaft.
3. Rezeptionen auf den Tourismus in den Fallbeispielen: Analyse der unterschiedlichen Reaktionen der lokalen Bevölkerung und der Bewertung durch die Ethnologen Greenwood und Wyllie.
4. Normenbildung für die Tourismusethnologie: Ableitung wissenschaftlicher Normen für die Tourismusforschung, insbesondere im Umgang mit Begriffen wie Authentizität und Tradition.
5. Notwendigkeit von Tourismusethnologie und deren Umgang mit der Dialektik des Tourismus: Fazit zur Relevanz des Forschungsfeldes und der Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung des soziokulturellen Wandels.
Schlüsselwörter
Tourismusethnologie, Alarde von Fuenterrabia, Aboakyer-Festival, Tourismusdialektik, Kulturwandel, Authentizität, Tradition, Ritualforschung, Ethnographie, Massentourismus, Kommerzialisierung, lokale Identität, Fallbeispielanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie tourismusethnologische Forschung durch die Analyse lokaler Festivals und deren touristische Nutzung verbessert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Auswirkungen des Tourismus auf lokale Rituale, die Kommerzialisierung von Kultur und die wissenschaftliche Haltung der Ethnologie gegenüber touristischen Prozessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Ableitung von Normen für die Tourismusethnologie, um eine neutralere und differenziertere Forschungspraxis zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine komparative Fallstudienanalyse auf Basis der Forschungen von Greenwood und Wyllie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Reaktionen der lokalen Bevölkerung auf den Tourismus und wie diese die ethnologische Bewertung der Autoren beeinflusst haben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Tourismusethnologie, Dialektik, Authentizität, Tradition und kultureller Wandel.
Inwiefern unterscheidet sich die lokale Reaktion bei den beiden Festivals?
Während die Bevölkerung in Fuenterrabia den Tourismus zunehmend ablehnt und kritisiert, wird das Aboakyer-Festival in Winneba als wirtschaftliche Chance und Ausdruck regionaler Identität positiv aufgenommen.
Warum sollte der Begriff der Authentizität in der Ethnologie hinterfragt werden?
Da Authentizität ein subjektives Konstrukt ist und oft den touristischen Erwartungen statt einer objektiven Realität entspricht, ist der Begriff für die wissenschaftliche Analyse von Ritualen problematisch.
- Arbeit zitieren
- Oliver Ruck (Autor:in), 2014, Normenbildung für tourismusethnologische Forschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277466