Im weiten Feld der Nachschlagewerke sieht sich der Benutzer einer großen Fülle an Auswahlmöglichkeiten ausgesetzt. Seien dies nun Standardwörterbücher – einsprachig oder zweisprachig, historische Wörterbücher, Kollokationswörterbücher, Sprichwörterbücher, Synonym- oder Antonymwörterbücher, etymologische Wörterbücher, Enzyklopädien oder diverse Datenbanken. Diese Liste ließe sich beliebig weiterführen, ohne dem Facettenreichtum der Lexikographiewelt gerecht zu werden. Für den Fremdsprachenerwerb sind vor allem didaktische Wörterbücher von Nöten: Neben den Grundwortschätzen ist der Wörterbuchtyp, der für den Fremdsprachenerwerb die größte Rolle spielt, das sogenannte Lernerwörterbuch. Es richtet sich an den fortgeschrittenen Fremdsprachenlerner und unterscheidet sich von Standardwörterbücher dadurch, dass weniger Lemmata enthalten, die jeweiligen Angaben zu den einzelnen Lemmata aber umfangreicher und an das Niveau von Nicht-Muttersprachlern angepasst sind. Auch im Bereich der Lernerwörterbücher des Englischen gibt es viele Auswahlmöglichkeiten:
„Die vier wichtigen Lernerwörterbücher des Englischen sind das „Oxford Advanced Learner´s Dictionary“ […], das „Longman Dictionary of Contemporary English“ […], das „Collins Cobuild Englisch Language Dictionary“ […] und das „Cambridge International Dictionary of English“. (Engelberg/Lemnitzer 2004: 26)
Diese Einstufung ist zutreffend, obige einsprachige Lernerwörterbücher sind am bekanntesten und am erfolgreichsten, allen voran das populäre Oxford Advanced Learner´s Dictionary (OALD).
Diese Arbeit versucht Lernerwörterbücher genauer zu untersuchen und ihre Struktur aufzuschlüsseln. Besonderes Augenmerk soll hierbei auf die beiden meistgenutzten Lernerwörterbücher gelegt werden: das Oxford Advanced Learner´s Dictionary und das Longman Dictionary of Contemporary English (LDOCE) sowie in ausgewählten Bereichen das Collins Cobuild Englisch Language Dictionary (COBUILD). Betrachtungsgegenstand ist die jeweilige Makro- und Mikrostruktur der Wörterbücher sowie die Entwicklungsprünge der unterschiedlichen Auflagen. Anhand einer Studie sollen zusätzlich Unterschiede zwischen den beiden Wörterbüchern LDOCE 5 und OALD 7 untersucht werden. Die Darstellung muss sich überwiegend an den Wörterbüchern selbst orientieren, da die Fachliteratur nicht immer mit den Neuerscheinungen der Lernerwörterbücher Schritt halten kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Structure of Learner´s Dictionaries
2.1 Informationen in Lernerwörterbüchern
2.1.2 Definitionen
2.1.3 Beispiele
2.1.4 Orthographie
2.1.5 Aussprache
2.1.6 Grammatik
2.2 Makrostruktur
2.2.1 Wege der Darstellung
2.2.2 Layout
2.3 Mikrostruktur
2.3.1 Lemmastruktur
2.3.2 Alphabetische Struktur
2.4 Homonymie vs Polysemie
2.5 Studie OALD 7 und LDOCE 5
3. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die strukturelle Aufbereitung englischer Lernerwörterbücher, mit besonderem Fokus auf das Oxford Advanced Learner´s Dictionary (OALD) und das Longman Dictionary of Contemporary English (LDOCE). Ziel ist es, die Makro- und Mikrostrukturen dieser Werke zu analysieren, ihre Eignung für den Fremdsprachenerwerb zu bewerten und Unterschiede anhand einer quantitativen Studie zu quantifizieren.
- Strukturmerkmale und Aufbau von Lernerwörterbüchern
- Vergleich der Makro- und Mikrostruktur führender Wörterbuch-Editionen
- Lexikographische Methoden zur Darstellung von Lemmata und Bedeutungen
- Umgang mit Homonymie und Polysemie in der Wörterbuchpraxis
- Quantitative Vergleichsstudie zwischen OALD 7 und LDOCE 5
Auszug aus dem Buch
2.3.2 Alphabetische Struktur
Generell sind alphabetische Ordnungsstrukturen leicht nachvollziehbar. Sie führen zu einem schnellen Zugriff und sind damit sehr benutzerfreundlich. Insofern sind sie zu befürworten und werden auch meist verwendet. Folgen Wörterbücher striktalphabetischen Anordnungsstrukturen, werden alle Lemmata und Sublemmata in einer alphabetischen Reihenfolge geordnet (Herbst/Klotz 2003: 189). In den untersuchten Wörterbüchern wird allerdings im Falle von Sublemmata die alphabetische Reihung des Öfteren durchbrochen. So zum Beispiel beim Eintrag mock im LDOCE 5:
mock1 /mɒk $ mɑːk/ v 1 [I,T] formal to laugh at someone or something and try to make them look stupid by saying unkind things about them or by copying them; = make fun of: Opposition MPs mocked the government´s decision. | “Running away?” he mocked. | It´s easy for you to mock, but we put a lot of work into this play. 2 [T] formal to make something seem completely useless: Violent attacks like this mock the peace process. – mocking adj: Her tone was mocking. – mockingly adv: His lips twisted mockingly. – mocker n [C] mock sth ↔ up phr v to make a FULL-SIZE model of something so that it looks real → mock-up mock² adj [only before noun] 1 not real …
Nach den Sublemmata mocking/mockingly/mocker folgen weitere Haupteinträge (mock² und mock³), zudem steht das phrasal verb mock up unter mock1 als Verb und nicht alleine als Eintrag mock-up. Ebenso wird im OALD 6 bei selbigem Wort die alphabetische Reihung verändert, wenn auch auf andere Weise, denn mockingly adj steht hier vor mocking-bird noun, ebenso wie mocker nicht korrekt alphabetisiert ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Lernerwörterbüchern für den Fremdsprachenerwerb ein und definiert das Ziel, die Struktur führender Werke zu untersuchen.
2. Structure of Learner´s Dictionaries: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die verschiedenen Informationskomponenten, wie Definitionen, Beispiele und Grammatik, in modernen Lernerwörterbüchern.
2.1 Informationen in Lernerwörterbüchern: Hier werden die Basiskomponenten eines Wörterbucheintrags behandelt, von der Definition bis hin zur Aussprache und Grammatik.
2.1.2 Definitionen: Der Abschnitt erläutert die Methoden zur Beschreibung von Wortbedeutungen durch Kontextualisierung und Paraphrasierung.
2.1.3 Beispiele: Es werden die Funktionen von Beispielsätzen hervorgehoben, die zur Erhöhung der Authentizität und Verdeutlichung sprachlicher Eigenschaften dienen.
2.1.4 Orthographie: Dieser Teil beschreibt, wie Wörterbücher mit regionalen Schreibweisen und dialektalen Varianten umgehen.
2.1.5 Aussprache: Die Darstellung von Lautschrift nach IPA-Richtlinien und der Umgang mit unterschiedlichen Sprachvarietäten wie British und American English stehen hier im Fokus.
2.1.6 Grammatik: Dieser Abschnitt widmet sich der systematischen Erfassung grammatikalischer Informationen wie Wortklassen und morphologischen Formen.
2.2 Makrostruktur: Dieser Bereich behandelt die artikelexternen Strukturen und das allgemeine Layout, welches den Benutzer beim schnellen Nachschlagen unterstützen soll.
2.2.1 Wege der Darstellung: Hier wird untersucht, wie durch visuelle Hilfsmittel wie Illustrationen oder Zusatzkästen (z.B. Word Focus) Wissen vermittelt wird.
2.2.2 Layout: Der Unterpunkt befasst sich mit der visuellen Gestaltung, den Farben und der typografischen Einheitlichkeit der untersuchten Wörterbücher.
2.3 Mikrostruktur: Es werden die elf Komponenten eines Eintrags nach Battenburg vorgestellt und auf ihre praktische Umsetzung in den Wörterbüchern hin analysiert.
2.3.1 Lemmastruktur: Dieser Abschnitt vergleicht die unterschiedlichen Ansätze zur Lemmatisierung, wie die wortartübergreifende versus die semantische Gliederung.
2.3.2 Alphabetische Struktur: Es wird die Durchbrechung striktalphabetischer Prinzipien zugunsten morphologischer Gliederungen (nestalphabetische Anordnung) erläutert.
2.4 Homonymie vs Polysemie: Hier wird das lexikographische Problem diskutiert, wann bei mehrdeutigen Wörtern separate Einträge (Homonyme) oder ein zusammengefasster Eintrag (Polysemie) sinnvoll sind.
2.5 Studie OALD 7 und LDOCE 5: In diesem Kapitel wird der Versuch unternommen, durch eine quantitative Untersuchung der Beispielhäufigkeit die Informationsdichte der beiden Wörterbücher zu vergleichen.
3. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert die starke Ähnlichkeit zwischen OALD 7 und LDOCE 5 und empfiehlt beide für den Fremdsprachenerwerb aufgrund ihrer Benutzerfreundlichkeit.
Schlüsselwörter
Lexikographie, Lernerwörterbuch, Makrostruktur, Mikrostruktur, Fremdsprachenerwerb, OALD, LDOCE, COBUILD, Lemmatisierung, Polysemie, Homonymie, Wörterbuchstruktur, Wortschatz, IPA, Sprachlernmethodik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der strukturellen Analyse und dem Vergleich englischer Lernerwörterbücher, insbesondere dem Oxford Advanced Learner´s Dictionary und dem Longman Dictionary of Contemporary English.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Makro- und Mikrostruktur von Wörterbüchern, die Methodik der Lemmatisierung, den Umgang mit Polysemie und Homonymie sowie die visuelle Aufbereitung von Informationen für Lernende.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die strukturelle Aufbereitung dieser Standardwerke zu entschlüsseln, Unterschiede in der Informationsdarbietung aufzuzeigen und zu bewerten, wie diese Faktoren den Lernprozess beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es wird eine deskriptiv-analytische Methode angewandt, ergänzt durch eine eigene quantitative Studie zum Vergleich der Beispielanzahl in den Wörterbüchern OALD 7 und LDOCE 5.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Wort-Informationen (Definitionen, Grammatik, Aussprache), die Analyse der äußeren Struktur (Makrostruktur) und die Untersuchung der detaillierten Artikelstruktur (Mikrostruktur).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Lexikographie, Lernerwörterbuch, Mikrostruktur, Makrostruktur, Lemmatisierung und Fremdsprachenerwerb beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Lemmatisierung im LDOCE 5 vom OALD 7?
Während das OALD 7 wortartübergreifend lemmatisiert, verfolgt das LDOCE 5 eine semantische Gliederung, bei der verschiedene Bedeutungen eines Wortes gezielt nummeriert unter einem Lemma aufgeführt werden.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Polysemie und Homonymie eine Rolle?
Sie ist für Lexikographen entscheidend, um zu entscheiden, ob ein Wort unter einem einzelnen Lemma (bei Polysemie) oder mehreren Einträgen (bei Homonymie) geführt werden sollte, was direkten Einfluss auf die Übersichtlichkeit des Wörterbuchs hat.
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- Bernhard Weidner (Author), 2009, Strukturen von Lernerwörterbüchern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277504