Das Theodizee-Problem in David Humes "Dialoge über natürliche Religion"


Hausarbeit, 2013
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Die Theodizee-Problematik allgemein
2.1.1 Ein historisch-systematischer Überblick
2.1.2 Das Übel – malum morale und malum physicum
2.1.3 Lösungsversuche des Theodizee-Problems
2.2 „Hume on evil“ – Das Theodizee-Problem in den Teilen X und Xl
2.2.1 Der Argumentationsverlauf
2.2.2 Das logische Problem der Theodizee

3 Schluss

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Si Deus est, unde malum?“[1] Eines der wohl gravierendsten Probleme, das sich dem traditionellen Theismus – verbunden mit der Vorstellung eines allmächtigen, allwissenden sowie allgütigen Gottes – auftut, ist die Frage: ,,Warum gibt es überhaupt irgendwelches Unglück in der Welt?“[2] Insbesondere im Kontext der Auseinandersetzung mit der theologia naturalis, worin der deistische Vernunftglaube – abseits jenes auf der Offenbarung gegründeten Glaubens – untersucht wird, stellt der schottische Philosoph David Hume (1711-1776) in seinem religionskritischen Hauptwerk Dialogues Concerning Natural Religion (1779 posthum) auch das Problem der Theodizee[3] dar. Hierbei wird das aus De ira dei[4] postulierte, epikureische Theodizee-Trilemma präsentiert: ,,Ist er willens, aber nicht fähig, Übel zu verhindern? Dann ist er ohnmächtig. Ist er fähig aber nicht willens? Dann ist er boshaft. Ist er sowohl fähig als auch willens? Woher kommt dann das Übel?“[5] Profane Erfahrungen von pointless evil in Form von Naturkatastrophen, Krankheiten, Verbrechen und ähnlichen Kontingenzen tragen zu immerwährenden Aktualität und Zur Unlösbarkeit des Theodizee-Problems[6] bei, wodurch dieser Einwand gegen die Essenz oder gar Existenz eines supranaturalen, intelligent designers wohl legitimer Weise als eines der stärksten Gegenargumente gewertet werden kann. Erst jüngst neuzeitliche Ereignisse, wie der zur Zeit des Nationalsozialismus grassierte Holocaust, brachen sowohl im theologischen als auch im religionsphilosophischen Diskurs neue Debatten auf, wodurch der Theologe Armin Kreiner in Gott im Leid – Zur Stichhaltigkeit der Theodizee-Argumente berechtigt konstatiert: ,,Gläubigen wird sie [sc. die Herausforderung des Theodizee-Problems G.J.] nicht nur in Situationen unmittelbarer Leiderfahrung schmerzlich bewusst. In mittelbarer Weise ist sie im Zeitalter globaler Kommunikation und Information geradezu allgegenwärtig. Die Medien überschütten jeden täglich mit Bildern und Berichten von unfaßbarem Leid.“[7] Hieraus resultierend erscheint jedoch eine weiterhin konstante Annahme und Proklamation eines gütigen und allmächtigen Welturhebers, angesichts der scheinbaren Unlösbarkeit des Theodizee-Problems, als eher kontraintuitiv und für Laien unbegreiflich.[8] Aufgrund dieser Divergenz an Konsequenzen für die Rechtfertigung Gottes und im ferneren Sinne für die Religion per se[9] ist die Behandlung der Probleme mit der Theodizee Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit. In dem ersten Abschnitt wird hierbei die generelle Theodizee-Problematik stärker durchleuchtet und anhand von näherer Bestimmung des Übels und mannigfaltiger Lösungsansätzen charakterisiert. Der zweite Abschnitt bezieht sich schließlich explizit auf die Dialogues, indem zuerst der Argumentationsgang der Teile X und XI textimmanent rekapituliert und anschließend the question of logical consistency[10] als Teilproblem des Problembündels der Theodizee[11] analysiert wird.

2 Hauptteil

2.1 Die Theodizee-Problematik allgemein

Wie die Omnipräsenz des Übels und die stetigen Kontigenzbewältigungen der Menschen verbunden mit der langen Geschichte der verschiedensten Weltreligionen deutlich erkennen lässt, steht das problem of evil[12] und ferner das Problem der demonstratio Dei[13] in langer Tradition und enger Verbindung mit dem Glauben an eine transzendentale Instanz. Zwar titulierte der deutsche Philosoph und Wissenschaftler Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) erstmals den Sachverhalt in seinem umfangreichen Buch Essais De Théodicée sur la Bonté de Dieu, la Liberté de l'Homme et l'Origine du Mal (1710) als Theodizee, doch war der Versuch, die göttlichen Attribute Allmacht, Allgüte und Allwissen mit den Zweckwidrigkeiten und Leiden dieser Welt zu vereinen, deutlich früher vorgenommen und verzeichnet worden, was sich bereits durch „Epikurs alte Fragen“[14] manifestieren lässt. Im Folgenden wird ein knapper historisch-systematischer Abriss zur Genese und Entwicklung des Theodizee-Problems gefolgt von einer prägnanten Kennzeichnung des Übels dargestellt, um es abschließend zum ersten Teil dieser Untersuchung zu ermöglichen, verschiedene Varianten von Lösungsversuchen zur Rechtfertigung Gottes samt einzelner Beurteilungen zu präsentieren. Des Weiteren soll hierdurch gewährleistet werden – im zweiten Abschnitt der Arbeit – die Position Humes im Diskurs des Theodizee-Problems heraus zu kristallisieren.

2.1.1 Ein historisch-systematischer Überblick

Der in der Antike internalisierte, polytheistische Götterglaube fördert bereits theodizeeanaloge Überlegungen und Deutungen des Leides[15] zutage, welchen jedoch eine andere Konzeption im Vergleich zum Mittelalter oder gar zur Neuzeit zugrunde liegt. Denn der Gottesbegriff, mit welchem zu dieser Epoche operiert wird, differenziert sich dadurch, dass die Götter[16] weder unendlicher Natur noch akkreditierte Welturheber sind.[17] Repräsentativ hierfür steht der bereits angeführte Epikur (341 v. Chr.-270 v. Chr.), welcher zudem das Terrain der Gottheiten in intelligiblen Intermundien[18] sah, sowie der christliche Apologet Laktanz (ca. 250 v. Chr.-320 v. Chr.). Doch auch die Metaphysik und Epistemologie des sokratischen Schülers Platon (428/427 v. Chr.-348/347 v. Chr.) weisen bereits Probleme mit der Frage nach dem Bösen im Kontext seiner philosophischen Theologie auf. Seine noumenale Idee des Guten[19] kollidiert hierbei mit der Faktizität des Bösen und kann lediglich als sukzessiv abgestuftes Fehlen des ursprünglichen Guten (privatio boni[20]) ausgedrückt werden. Des Weiteren dokumentieren Querverweise, dass auch die lateinische Stoa, welche im Spätmittelalter – primär in Italien – eine erneute Blütezeit bei einzelnen Humanisten widerfährt, Bezug auf das Problem des Übels nehmen und „das Theodiceeproblem als hart empf[a]nden und zum erstenmal versucht[en], ein vollständiges System der Theodicee zu geben.“[21] Welche fundamentale Bedeutung und Relevanz dem antiken, stoischen Rationalismus zukommt, zeigt sich in der gesamten christlichen Dogmatik sowie Scholastik und vor allem in der – durch die florierende Aufklärung ­– Ausbreitung des Rationalismus Ende des 17. Jahrhunderts, wodurch auch die Popularität des Theodizee-Problems stark avanciert.[22]

Der lateinische Kirchenlehrer der Spätantike und Philosoph des beginnenden Frühmittelalters, Augustinus von Hippo (354-430), ist einer der ersten Repräsentanten der abendländisch-, christlichen Frömmigkeit. Mit der Lehre sowie Qualifizierung des Negativen als Ur- und Erbsünde[23] ist ein verhältnismäßig simpler, theologischer Lösungsansatz vorgebracht, welcher die Schwierigkeiten einer Theodizee – von theistischer Warte aus – fast gänzlich zu eliminieren scheint. Mit dem Entwurf des liberum arbitrium (Der freie Wille[24] ) des Menschen soll eine stetig fortwährende Quelle des Bösen funktionalisiert werden, welche die Verantwortung und Zuständigkeit allen Übels von dem unendlich gütigen Welturheber ab- und der abgefallenen Menschheit zuwendet. Angesichts dieser Art von Schuldzuweisung des Menschen und der Abwertung des Diesseits als dystopisches Zwischenstadium zur Ewigkeit, zum Jenseits wird Gott nun vielmehr als „harte[r] Herr“[25] oder „strenge[r] Richter“[26] verstanden. Diese Mensch-Gott-Korrelation ermöglicht es, das irdische Leiden als Mittel zur jenseitigen Seligkeit zu interpretieren und vor allem „[…] d[er] Frage nach dem ‚Warum?‘ […]“[27] die Legitimationsgrundlage zu entziehen.

Im Zuge der Reformation des 16./17. Jahrhunderts bringt der deutsche Theologieprofessor Martin Luther (1483-1546) eine weitere Rechtfertigungslehre zur Existenz des supranaturalen, allmächtigen Weltschöpfers hervor, welche über das augustinische Plädoyer hinausgeht und von einer alternativen Vorstellung Gottes sowie der Relation von diesem zum Gläubigen zeugt. Jenes Verhältnis kennzeichnet sich primär dadurch, dass er es als ein persönliches auslegt und analog hierzu den Glauben als vertrauensvolle Hingabe an eine göttliche Instanz als „gütige[n] Vater“[28] definiert. Die Notwendigkeit der Sünde sowie der daraus resultierenden Strafe ist daher nicht mehr gegeben. Für Luthers Position wurde infolge dessen „[…] die juristische Betrachtungsweise der Theodicee hinfällig; weil er gar nicht nach der Rechtfertigung Gottes fragte, […].[29]

Professor Doktor Lothar Kreimendahl formuliert in seinem Aufsatz Hume über das Mißlingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee um 1748[30] prägnant: „Man hat von der philosophischen Seite das 18. Jahrhundert nicht zu Unrecht als das ‚Jahrhundert der Theodizee‘ bezeichnet.“ Im Zuge der expandierenden Aufklärung und der Hochkonjunktur des wissenschaftlichen Geistes, welcher von den Forschungen und Erkenntnissen des Galilei, Kopernikus, Newton und Bacon attestiert wird, erfährt neben den Naturwissenschaften sowohl die Philosophie als auch Theologie im inhaltlichen sowie methodologischen Bereich einen fulminanten Wandel. So wird die „[…]Methode des Empirismus […] eine Weltanschauung.“[31] Analog hierzu widerfährt der Physikotheologie[32] einen Aufschwung und treibt das Interesse an der theologia naturalis - theologia rationalis, eines auf Vernunft gegründeten Glaubens – fernab von Fideismus und Offenbarungsglauben – voran. Genau hier setzen Auseinandersetzungen mit dem Theodizee-Problem des 18. Jahrhunderts[33] an und bringen unter anderem Leibniz Theodizee-Entwurf des mundus optimus hervor, welcher die Zweckwidrigkeiten der Welt legitimieren soll, indem diese als die beste aller möglichen Welten angenommen wird. Doch auch theodizeekritische Überlegungen, wie sie bereits in Pierre Bayles (1647-1706) populärsten Monographie Dictionnaire historique et critique (1697) präsentiert werden, treten auf und lehnen eine Vereinbarkeit von Vernunft und Glaube gänzlich ab.[34] David Humes religionskritische Beiträge zur Theodizee[35] und natürlichen Religion bauen auf den vorangegangene – sowohl rationalistischen wie auch empiristischen – Theodizeen auf und dringen bis auf das Fundament jener Kontroverse durch, indem sie an der Existenz Gottes ansetzt.[36] Wie stark seine Kritik an der natürlichen Religion war, äußert sich vor allem im Kontext der Theodizee-Debatte, wobei Hume für die Unlösbarkeit des Theodizee-Problems[37] sowie der Unzulänglichkeit der Physikotheologie[38] plädiert. Das der deutsch-, preußische Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) in seinem einschlägigen Werk Prolegomena (1783) Hume dankend hervorhebt, zeugt davon, wie stark dessen genuinen Kritik influenzierte.[39] Dass sich auch Kant in die Riege theodizeekritischen Denker einreiht, wird anhand seiner Schrift Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodicee (1791) deutlich, in welcher er sich gegen das Konzept einer doktrinalen Theodizee ausspricht. Im 19. Jahrhundert erfährt der Theodizee-Begriff schließlich eine immense Bedeutungserweiterung und wird unter anderem von Arthur Schopenhauer (1788-1860) mit der natürlichen Theologie gleichgesetzt. In Frankreich wird sogar das Fach Théodicée zwischen 1840 und 1880 an Schulen und Hochschulen in den Fächerkanon aufgenommen.[40] [41]

2.1.2 Das Übel – malum morale und malum physicum

Um sich einer Theodizee, im Sinne einer Rechtfertigung der Existenz und All-Attribute Gottes, nähern zu können, ist es essentiell, das Übel in der Welt vorab zu definieren. Hierbei soll die von Armin Kreiner gegebene Definition übernommen werden: „[…] Übel im eigentlichen Sinne gilt als Empfinden von Leid in seinen vielfältigen Formen und Graden.“[42] Genau jene Vielfalt offenbart sich in der traditionellen Klassifikation erster Ordnung, worin unter natürlichen und moralischen Übel differenziert wird.[43] Der Unterschied zwischen beiden Formen liegt in ihrer Ursache. Während eine Naturkatastrophe eine natürlich bedingte Erscheinung ist, liegen die Wurzeln von Sadismus oder Mord in den Entscheidungen willensfreier Subjekte. Leibniz fügte diesem Paar noch den Typus des metaphysischen Übels hinzu, welcher die ontologische Unvollkommenheit repräsentieren, hier jedoch keine gewichtige Rolle zugesprochen werden soll. Eine weitere Unterteilung findet man unterdessen in der Forschung auch zwischen notwendigem und sinnlosem Übel (pointless evil).[44] Notwendig im Sinne, dass ihm konsekutiv betrachtet, ein größeres Gut folgen kann und soll. So zum Beispiel das Einnehmen bitterer Medizin zur Genesung. Die sinnlosen Übel, welchen ein solcher Hintergrund zu fehlen scheint, bieten das größte Angriffspotential gegenüber der Rechtfertigung des Welturhebers sowie der Rationalität theistischer Überzeugungen. Des Weiteren sollte man sich bei einer ernsthaften Untersuchung des Problems auf theodizeerelevante Übel fokussieren.[45]

[...]


[1] A. Kreiner, Gott im Leid – Zur Stichhaltigkeit der Theodizee-Argumente, S. 19.

[2] D. Hume, Dialoge über natürliche Religion, übersetzt und herausgegeben von Norbert Hoerster. S.103. Philo, der Skeptiker des fiktiven Polylogs, konfrontiert hierin den Repräsentanten des aufklärerischen Deismus, Cleanthes, mit dem omnipräsenten Übel in der Welt und führt somit in Teil X das Theodizee-Problem ein.

[3] Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10: St-T. S.1066-1074. Der Begriff Theodizee, gebildet aus dem altgriechischen θεός (Gott) und δίκη (Gerechtigkeit), ist ein auf den deutschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) zurückgehendes Kunstwort, welches metaphorisch die Anklage Gottes durch die Vernunft skizziert. ,,Unter einer Theodicee versteht man die Verteidigung der höchsten Weisheit des Welturhebers gegen die Anklage, welche die Vernunft aus dem Zweckwidrigen in der Welt gegen jene erhebt.“

[4] Laktanz, Vom Zorne Gottes, eingeleitet, herausgegeben, übertragen und erläutert von H. Kraft und A. Wlosok. S. 46f. Hier liegt eine abgewandelte Konstellation des Trilemmas vor: aut vult tollere mala et non potest/ aut potest et non vult/ aut neque vult neque potest/ aut et vult et potest.

[5] D. Hume, Dialoge über natürliche Religion, S. 99.

[6] N. Hoerster, Zur Unlösbarkeit des Theodizee-Problems, S. 221.

[7] A. Kreiner, Gott im Leid – Zur Stichhaltigkeit der Theodizee-Argumente, S. 15.

[8] Vgl. ebd., S. 10f.

[9] Vgl. O. Lempp, Das Problem der Theodicee in der Philosophie und Literatur, S. 2. Otto Lempp hebt hier die Brisanz und Relevanz für die Religion hervor, indem er schreibt: ,,es handelt sich nichts bloß um die Frage der Stellung des Gottesbegriff zum Weltbegriff, sondern um die religiöse Forderung zu dem tatsächlichen Weltgeschehen, um die Existenzfrage der Religion.“

[10] D. O’Connor, Hume on Religion, S. 177.

[11] Vgl. A. Kreiner, Gott im Leid – Zur Stichhaltigkeit der Theodizee-Argumente, S. 16.

[12] D. O’Connor, Hume on Religion, S. 163.

[13] C.-F. Geyer, Das Theodizeeproblem – ein historischer und systematischer Überblick, S. 9-32, in: Theodizee – Gott vor Gericht?, hrsg. W. Oelmüller. S. 11.

[14] D. Hume, Dialoge über natürliche Religion, S. 99. (1 Einleitung: Das epikuerische Theodizee-Trilemma).

[15] Vgl. C.-F. Geyer, Das Theodizeeproblem – ein historischer und systematischer Überblick, S. 9-32, in: Theodizee – Gott vor Gericht?, hrsg. W. Oelmüller, S. 10.

[16] Vgl. ebd. C.-F. Greyer entzieht dem polytheistischen Gotteskonzeption der Antike hier die nötige Grundlage für die Theodizee-Problematik, indem er anmerkt, dass ,,das […] Theodizeeproblem erst auf dem Boden eines konsequenten Monotheismus formuliert werden konnte.“

[17] Vgl. E. Heinrich, Religionskritik in der Neuzeit – Hume, Feuerbach, Nietzsche, S. 252.

[18] Vgl. L. Kreimendahl, Humes frühe Kritik der Physikotheologie, in „Die Kirche ist mir ein Greuel“ – Studien zur Religionsphilosophie David Humes, S. 13.

[19] Siehe auch Sonnen-, Linien- und Höhlengleichnis in der Politeia, in dem Platon seine Ideenlehre einführt und exemplifiziert.

[20] Mit privatio boni oder auch prope nihil ist die ontologische Depotenzierung des Bösen manifestiert, wodurch allem Übel jeglicher ontologischer Status abgesprochen wird. Ein konträrer Entwurf hierzu ist die Annahme des Manichäismus, dass Gut und Böse zwei autarke Prinzipien darstellen, weshalb dies auch als Dualismus bezeichnet werden kann.

[21] O. Lempp, Das Problem der Theodicee in der Philosophie und Literatur, S. 5ff.

[22] Vgl. ebd. O. Lempp beschreibt hier eindeutig: „So war die Theologie aller christlichen Lager ganz durchtränkt mit diesem antiken Rationalismus […]. Es lag im Wesen dieses Rationalismus, daß ihm das Theodiceeproblem auf Schritt und Tritt folgen musste.“

[23] C.-F. Geyer, Das Theodizeeproblem – ein historischer und systematischer Überblick, S. 14. C.-F. Greyer fügt dem Entwurf Augustinus hinzu: „Man hat von einer ‚pessimistischen Anthropologie‘ Augustinus‘ gesprochen. Ihre zentrale These lautet: Das von den Menschen verantwortete Handeln […] macht sie zu Schuldnern. Das Schuldner-Sein gründet im Tod, seinerseits ‚Verdienst‘ der Sünde. Seine fortdauernde Gegenwart repräsentiert die biologische wie physiologische Leiblichkeit den schuldhaften Zustand der Seele.“

[24] Ebd., S. 13.

[25] D. Hume, Dialoge über natürliche Religion, S. 113.

[26] O. Lempp, Das Problem der Theodizee in der Philosophie und Literatur, S. 3.

[27] Ebd., S. 4.

[28] D. Hume, Dialoge über natürliche Religion, S. 113.

[29] O. Lempp, Das Problem der Theodizee in der Philosophie und Literatur, S. 4. O. Lempp fügt im Zusammenhang mit Luthers Bezug zur Theodizee hinzu: „Die mittelalterliche Frömmigkeit und Luther hatten praktisch das Theodiceeproblem gelöst.“ Diese Einschätzung muss mit Bedacht auf den theologisch- sowie historischen Kontext aus heutiger Sicht relativiert werden.

[30] L. Kreimendahl, Hume über das Mißlingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee um 1748, in „Die Kirche ist mir ein Greuel“ – Studien zur Religionsphilosophie David Humes, S. 28.

[31] O. Lempp, Das Problem der Theodizee in der Philosophie und Literatur, S. 8.

[32] L. Kreimendahl, Humes frühe Kritik der Physikotheologie, S.10. Zur Etymologie der Physikotheologie wird hier konstatiert: „Beweise dieser Art bezeichnet man, da sie aus der Natur (physis) auf ein sie hervorbringendes höchstes Wesen (theos) schließen, spätestens seit William Derhams einschlägigem Werk Physico- Theology aus dem Jahre 1713 gewöhnlich als ‚physikotheoligisch‘.“

[33] O. Lempp, Das Problem der Theodizee in der Philosophie und Literatur, S. 8. Für die modifizierten Anforderungen an eine Theodizee schreibt O. Lempp: „[…] die Theodicee müßte eine glatte, restlose Lösung finden, wie ein Rechenexempel, so daß es jeden überzeugen muss. Das war die Aufgabe vor die beim Beginn des 18. Jahrhunderts die Theologen und Philosophen gestellt waren.“

[34] Vgl. Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10: St-T. S. 1066.

[35] Siehe hierzu auch D. O’Connor, Hume on Religion, S. 164. „Hume’s discussion of the problem of evil in the Dialogues is a watershed in the philosophy of religion. It is the locus classicus of the topic, […].”

[36] O. Lempp, Das Problem der Theodizee in der Philosophie und Literatur, S. 200.

[37] L. Kreimendahl, Humes frühe Kritik der Physikotheologie, S. 24.

[38] Ebd., S. 12.

[39] Ebd., S. 23.

[40] Vgl. Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10: St-T. S.1070.

[41] Vgl. A. Kreiner, Gott im Leid – Zur Stichhaltigkeit der Theodizee-Argumente, S. 27f.

[42] Ebd., S. 28.

[43] Siehe N. Hoerster, Die Frage nach Gott, S. 92. Die Notwenig- und Zweckmäßigkeit einer solchen Unterteilung des Übels wird hierbei richtiger Weise hervorgehoben, da sie „[…] zu […] unterschiedlichen Problemstellungen führ[t].“

[44] Vgl. W. Löffler, Einführung in die Religionsphilosophie, S. 128.

[45] Siehe A. Kreiner, Gott im Leid – Zur Stichhaltigkeit der Theodizee-Argumente, S. 31f. A. Kreiner kritisiert hierbei die zu starre Differenzierung von malum morale und malum physicum und zeigt auf, dass die Grenzen bedingt, semipermeabel sein können.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Theodizee-Problem in David Humes "Dialoge über natürliche Religion"
Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V277674
ISBN (eBook)
9783656705161
ISBN (Buch)
9783656707363
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
theodizee-problem, david, dialoge, religion, Hume, Religionsphilosophie, Theodizee
Arbeit zitieren
Gordon Jung (Autor), 2013, Das Theodizee-Problem in David Humes "Dialoge über natürliche Religion", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277674

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