Hans Asmussens Verhältnis zum Augsburger Bekenntnis und der Volkskirche auf der Grundlage „Kirche Augsburgischer Konfession!“


Essay, 2012

11 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergrund

3. Kirche Augsburgischer Konfession!
3.1. Eine heilige Kirche
3.2. Die Sammlung der Gläubigen und Heiligen
3.3. Fälschungen des siebten Artikels der Confessio Augustana
3.4. Sichtbare und unsichtbare Kirche
3.5. Reine Lehre und rechte Sakramentsverwaltung
3.6. Übereinstimmung über die Lehre des Evangeliums
3.7. Kirche als Sammlung der Gläubigen und Heiligen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In seiner Schrift „Kirche Augsburgischer Konfession!“ verleiht der Pastor Hans Asmussen seiner Forderung nach Bekenntnistreue Ausdruck. Sie ist nach dem von Asmussen mitverfassten Altonaer Bekenntnis Ende 1932 und der Barmer Theologischen Erklärung im Mai 1934, an welcher er ebenfalls mitwirkte, einzuordnen. Auslöser für diese Rechtfertigung, die sowohl gegen die Deutschen Christen als auch gegen die Lutheraner gerichtet ist, sind die Dahlemer Bekenntnissynode im Oktober und Asmussens Austritt aus dem Reichsbruderrat im November 1934. Im Folgenden werde ich in der gebotenen Kürze die wesentlichen Ereignisse schildern, welche Asmussen zur Veröffentlichung der genannten Schrift bewogen haben, um vor dem Hintergrund schließlich auf diese selbst einzugehen und ihre Kernaussagen herauszustellen. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse erfolgt im Fazit.

2. Hintergrund

Das Altonaer Bekenntnis wurde als Reaktion auf den „Altonaer Blutsonntag“ am 17. Juli 1932 von einer aus fünf Pastoren bestehenden Kommission verfasst, um die Haltung der [evangelisch-lutherischen] Kirche [in Altona] gegenüber den politischen Bewegungen klarzustellen[1]. Am 19. Dezember wurde das von 21 von 25 Altonaer Pfarrern unterzeichnete Bekenntnis Bischof Mordhorst überreicht. Ferner erfolgte der Beschluss, das Bekenntnis in einem Gottesdienst am 11. Januar 1933 in der Altonaer Hauptkirche zu verlesen. Der Andrang war so groß, dass kurzerhand in der Altonaer Petrikirche ein zweiter Gottesdienst abgehalten wurde, dessen Leitung Hans Asmussen übernahm.[2] Das Altonaer Bekenntnis stellt eine Rückbesinnung auf die Bindung der Pastoren an Gottes Wort dar und fordert eine klare Abgrenzung von Politik und Kirche, wobei „[…] sie [die Verfasser] dem Nationalsozialismus nicht ablehnend gegenüber[standen]“[3].

Asmussen befürwortete Hitlers Machtübernahme, da er die Ablehnung von Kommunismus, Demokratie und Liberalismus teilte und die nationalsozialistisch motivierten Übergriffe Randgruppen zuordnete. Er ging davon aus, dass diese von der Regierung nicht gebilligt wurden. Asmussen stand dem Zusammenschluss der Landeskirchen zu einer Reichskirche positiv gegenüber, solange sie nicht nur als verfassungsrechtliches Konstrukt, sondern auf der Grundlage gleicher Bekenntnisse gebildet werden würde.

Anfang 1934 wurde Asmussen seines Amtes enthoben, da er, dem Landeskirchenausschuss zufolge, Unruhe in der Landeskirche stiften würde und nicht garantiert werden könne, dass er rückhaltlos zur DEK stünde.[4] Dies bestärkte Asmussen in seinem langsam erwachsenen kritischen Verständnis der Deutschen Christen.

Zur selben Zeit formierte sich die Bekennende Kirche, die, vom Bruderrat geleitet, die Opposition zu den Deutschen Christen bildete, als ihrem Verständnis nach rechtmäßige Evangelische Kirche Deutschlands. Am 29. Mai 1934 fand die erste Bekenntnissynode in Barmen statt, aus welcher die Barmer Theologische Erklärung hervorging. Die Vorbereitung für diese traf u. a. Asmussen, der für den theologischen Ausschuss das Referat hielt. Kurz darauf wurde er in den Bruderrat aufgenommen.

Auf Grund der Befürchtungen der Lutheraner, Teil einer neuen Kirchenunion zu werden, drohte eine dritte Front zu entstehen – eine große deutsche Reichskirche lutherischen Bekenntnisses[5].

Am 19. und 20. Oktober fand die Synode von Dahlem statt, im Laufe derer die Verkündung des Notrechts beschlossen und neue Leitungsorgane berufen wurden, da schließlich die Trennung von den deutschchristlichen Kirchenregimenten über die Unterschiede zwischen Reformierten und Lutheranern gestellt wurde.

Bei der am 9. November stattfindenden Sitzung des Reichbruderrates konnte keine Einigung über eine Übergangsleitung erzielt werden, da Bayerns Landesbischof Meiser von den Dahlemer Beschlüssen abrückte und ein Kirchenregiment im Sinne einer Volkskirche forderte.

Als August Marahrens als Vorsitzender des vorläufigen Kirchenregiments am 20. November bei der Reichsbruderratssitzung vorgeschlagen wurde, beschloss Asmussen seinen Rücktritt. Als dieser zwei Tage später, neben den Austritten von Karl Barth und Martin Niemöller, bekanntgegeben wurde, stand Marahrens als Vorsitzender fest.

Daraufhin verfasste Asmussen am 26. November 1934 seine Schrift „Kirche Augsburgischer Konfession!“. Der Artikel erschien in der Schriftenreihe „Theologische Existenz heute“, welche u. a. von Karl Barth herausgegeben wurde.

3. Kirche Augsburgischer Konfession!

3.1. Eine heilige Kirche

Asmussen beginnt seine Abhandlung mit dem ersten Satz des siebten Artikels der Confessio Augustana und schlussfolgert aus diesem, dass es keinen Zweifel an dem Bestand der einen heilige Kirche geben dürfe und es bekenntniswidrig sei davon auszugehen, dass Vorraussetzungen geschaffen werden müssten, damit die Kirche existieren könne. Der Kampf um die Einheit der Kirche sei abhängig vom Glauben an diese Einheit und könne nicht um der augenscheinlichen Einheit selbst willen geführt werden. Deswegen würde die Zusammenlegung der Landeskirchen keine Einheit bringen, da es sich hierbei lediglich um einen Verwaltungsakt handeln würde und damit nicht geklärt wäre, ob diese Landeskirchen wirklich in die Einheit der Kirche einbezogen seien. Nur das Streben nach der einen heiligen Kirche sei lutherisch und somit bekenntnismäßig.[6]

3.2. Die Sammlung der Gläubigen und Heiligen

Im zweiten Absatz widmet sich Asmussen der Versammlung der Gläubigen. Er stellt fest, dass „die Sammlung der Gläubigen und Heiligen […] die Kirche [ist].“[7]

und im Umkehrschluss, dass Menschen gesammelt werden müssten, um gläubig und heilig werden zu können. Wenn dieser Wunsch der Versammlung für die Bekenntnisfront vordergründig wäre, wäre es ihr vermutlich bereits gelungen, die Deutschen Christen im Hintergrund verblassen zu lassen und dadurch selber Stärke zu demonstrieren. Die Frage danach, wie diese Sammlung der Gläubigen aussehen soll und wie entschieden werden kann, ob jemand gläubig ist oder nicht, sind für Asmussen nur fadenscheinige Vorwände für die eigene Trägheit. Es geht ihm zunächst darum, dass gehandelt wird, soweit das Verständnis reicht und das Ziel vorerst zweitrangig ist. Er spricht den Versammelten jedenfalls Bestimmungsrecht zu und Ludwig Müller, dem Reichsbischof, dies ab, da „Recht und Verantwortung nach seiner Meinung sich nach irdischer Parteigesinnung bestimmen.“[8]. Deswegen sei es für die Bekennende Kirche so wichtig, sich auf das Bekenntnis zu berufen und denen, die sich unter dem Wort sammeln, die Bestimmungsrechte zu verleihen, da sich unter diesen normalerweise keine Deutschen Christen finden lassen.

3.3. Fälschungen des siebten Artikels der Confessio Augustana

Im dritten Teil weist Asmussen der Volkskirche die Widrigkeit gegen das Bekenntnis direkt nach. Er unterscheidet hierbei zwischen zwei Fälschungen. Bei beiden geht es um die Ersetzung der Heiligen im siebten Artikel der Confessio Augustana. Im ersten Fall wirft er der Volkskirche vor, dass ihr Handeln eher der Prämisse „Es ist aber die Kirche die deutsche Bevölkerung, in der …“[9] entspreche, als einer Sammlung von Gläubigen und Heiligen. Bei der zweiten, theologischeren Variante hat es den Anschein, als ob die Kirche „die Summe der Getauften“[10] wäre. Diese „geistige Schiebung“[11] wäre im Katholizismus möglich, da die Taufe dort lediglich den Beginn der göttlichen Gnade darstelle und sie ein unwiderrufliches Prägemal verleihe. Verstehe man die Kirche im reformatorischen Sinn als die Summe der Getauften, so sei diese unweigerlich mit der bleibenden Sammlung verwoben und würde sonst jeder Logik entbehren. Die Tatsache, dass die Taufe bereits seit geraumer Zeit nicht mehr kirchenbildend zu sein scheine, ändere nichts an der Unentbehrlichkeit der Sammlung unter dem Wort.

Asmussen führt eine weitere Form der Fälschung des siebten Artikels der Confessio Augustana an, welche er als lehrkirchliche Fälschung tituliert und deren Lesart sich wie folgt gestaltet:

Es ist aber die Kirche die reine Lehre und die rechte Verwaltung der Sakramente, von der wir erhoffen, daß aus ihr Gemeinschaft der Heiligen werde.[12]

Auch diese Umkehrung lässt sich mit der Volkskirche in Einklang bringen, da diese leere Kirchen als lutherisch anerkennt und sich der Hoffnung bedient, eines Tages eine Sammlung von Gläubigen zutage zu bringen. Entscheidend hierbei ist jedoch, dass auch diese Vorstellung dem Bekenntnis widerspricht und der Versuch, diese zu rechtfertigen, durch die Trennung in sichtbare und unsichtbare Kirche unternommen wird, da dann die einzigen sichtbaren Ziele kirchlicher Arbeit die Reinheit der Lehre und der Sakramentsverwaltung wären. Auf die Unmöglichkeit der Trennung in sichtbare und unsichtbare Kirche komme ich weiter unten zu sprechen, da Asmussen sich im vierten Abschnitt damit beschäftigt.

Des Weiteren stellt die Volkskirche sich selbst dar, als ob die einzige Alternative zu ihr eine Sekte wäre und Asmussen merkt an, dass selbst wenn dem so wäre, die Volkskirche ihr Fähnlein nach dem Wind hängen würde und eben diese Sekte zur Volkskirche ernennen würde. Außerdem bedient sich die Volkskirche dem Missionsgedanken und betont die Verantwortung der Kirche gegenüber dem Volk. Asmussen lässt hier den Zweifel laut werden, ob ein großer uneiniger Haufen ohne Struktur tatkräftiger sei, als ein kleiner Kreis, der sich über seine Ziele im Klaren wäre. Er geht davon aus, dass es der Begriff der Volkskirche und die damit verbundene Ideologie ist, an der zwanghaft versucht wird festzuhalten. Es geht also um die Frage, ob die Volkskirche bereit ist, sich dem siebten Artikel der Confessio Augustana zu beugen, oder ob dieser Artikel im Sinne der Volkskirche gebeugt wird.

3.4. Sichtbare und unsichtbare Kirche

Der vierte Abschnitt handelt von der Unmöglichkeit der Trennung in eine sichtbare und eine unsichtbare Kirche, denn diese wird durch den siebten und achten Artikel der Confessio Augustana nicht zugelassen. Asmussen kommt zu dem Schluss, dass die Reinheit der Lehre und die Rechtmäßigkeit der Sakramentsverwaltung nur geglaubt werden können, da es keinen Maßstab dafür geben kann, was den Glauben entstehen lässt. Deswegen sind sichtbare und unsichtbare Kirche unabdingbar miteinander verwoben und man kann nur von beiden sprechen. Das innere Wesen und die äußere Ordnung der Kirche sind untrennbar und eine Veränderung der äußeren Ordnung würde sich zwangsläufig auch auf das innere Wesen der Kirche auswirken. Diese Tatsache verhindert eine Kirchenverfassung, welche dem Sinn nach im Vorhinein etwas festlegt, nachdem sich später gerichtet werden muss und was somit Einfluss auf das Wesen der Kirche nehmen könnte. Stattdessen wäre die Formulierung einer Kirchenordnung, welche von der Wirklichkeit ausgeht und dieser eine Richtung weist, der richtige Weg, um sichtbares und unsichtbares Miteinander in Einklang zu bringen und dem Staat zu verwehren, sich die sichtbare Kirche zu unterstellen.

3.5. Reine Lehre und rechte Sakramentsverwaltung

Der fünfte Abschnitt widmet sich der Frage, warum die reine Predigt und die rechte Sakramentsverwaltung grundsätzlich zur Kirche gehören, weshalb also eine Sammlung Gläubiger ohne dies nicht Kirche ist.[13]

Zunächst hält Asmussen dazu fest, dass Predigt und Sakramentsverwaltung für sich genommen keine Bedeutung haben, sondern die Gabe der Gläubigkeit und Heiligkeit verleihen, da sie Christus in der Versammlung gegenwärtig machen. Asmussen betont, dass gläubig und heilig keine Attribute sind, sondern viel mehr als Gabe verstanden werden müssen, da dies eine Überschätzung verhindert. Deswegen ist die eine Kirche die Versammlung der Gläubigen und Heiligen, weil hier das rechte Wort seinen Sitz hat, denn es wird durch reine Predigt und rechte Sakramentsverwaltung deutlich. Reine Lehre und rechte Sakramentsverwaltung kann es nur durch die Gegenwart Christi geben und diese ist wiederum an die Sammlung gebunden. Durch diese unerlässliche Verbindung folgt, dass nur aus der Sammlung die Kirche neu gestaltet werden kann und dies niemals jemand aus sich heraus tun kann.

Hieraus ergibt sich das Problem, dass kirchenrechtlich die Feststellung, dass ein Bekenntnis gilt, ausreicht, um als lutherisch angesehen zu werden. Ob die reine Lehre vertreten werde, ist kirchenrechtlich nicht fassbar und lange Zeit wurden die Reinheit der Lehre und die leeren Kirchen als zweierlei Probleme gesehen ohne zu bemerken, dass reine Lehre ohne Versammlung einen Akt des Unmöglichen darstellt und somit auch kein kirchliches Recht existiert.

Die Barmer Sätze dienen als Erweiterung zur Verständlichkeit und zur Rückbesinnung auf das Augsburgische Bekenntnis und sollen verdeutlichen, dass ein bloßes Übereinstimmen mit diesem nicht ausreicht, um Kirche bilden zu können.

[...]


[1] Konkukiewitz, Asmussen, 49.

[2] Vgl. a.a.O. S.53 f.

[3] Ludwig, Art. Altonaer Bekenntnis, Sp. 381.

[4] Vgl. Konkukiewitz, Asmussen, 86f.

[5] Vgl. Scholder, Kirchen II, 207.

[6] Vgl. Konkukiewitz, Asmussen, 4ff.

[7] A.a.O. S.12.

[8] A.a.O. S.15.

[9] A.a.O. S.16.

[10] Ebd.

[11] A.a.O. S.19.

[12] A.a.O. S.20f.

[13] A.a.O. S.27.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Hans Asmussens Verhältnis zum Augsburger Bekenntnis und der Volkskirche auf der Grundlage „Kirche Augsburgischer Konfession!“
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V277689
ISBN (eBook)
9783656707110
ISBN (Buch)
9783656709633
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hans, asmussens, verhältnis, augsburger, bekenntnis, volkskirche, grundlage, kirche, augsburgischer, konfession
Arbeit zitieren
Natascha Bea (Autor), 2012, Hans Asmussens Verhältnis zum Augsburger Bekenntnis und der Volkskirche auf der Grundlage „Kirche Augsburgischer Konfession!“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277689

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