Geographie der ländlichen Siedlungen

Zusammenfassungen von Buchtexten und Artikeln zur Vorbereitung auf das Staatsexamen


Prüfungsvorbereitung, 2014
94 Seiten

Leseprobe

Glossar:

- Agglomeration: räumliche Ballung oder Verdichtung von Bevölkerung, Wirtschaft und technischer Infrastruktur in regionaler bis lokaler Größenordnung

- Allmende: gemeinschaftlich genutztes Land in einer Gemeinde oder einem gemeindeähnlichen Verband. Nur extensiv genutzt (Weide, Wald). Liegt meist am Rand. In Mitteleuropa nur noch in Relikten vorhanden.

- Almwirtschaft: Gebirgsweidewirtschaft bei der das Vieh im Sommer auf der Alm und im Winter im Stall gehalten wird.

- Anökumene: nicht auf Dauer durch sesshafte Bevölkerung bewohnbarer Teil der festen Erdoberfläche Dazu zählen Wüsten (Kälte, Trockenheit) und Hochgebirge Ballungsraum: Gebiet, in dem Menschen, Gebäude, wirtschaftliche Tätigkeit und technische Infrastruktur konzentriert sind. In Deutschland: mindestens 500.000 Einwohner und 1000 Einwohner/km2

- Deglomeration: Auflockerung des Agglomerationsraumes durch Bevölkerungsabnahme, Wirtschaftsabwanderung aber auch durch überproportionale Flächenerweiterung Drei-Felder-Wirtschaft: Wirtschaftsform seit der Karolingerzeit mit Drei-Jahres- Rhythmus von Sommergetreide, Wintergetreide, Brachjahr

- Einödlage: Flur besitzt Hofanschluss

- Esch: Dorfnahe Feldflur

- Extensiv: geringer Aufwand, minderwertige Güter

- Flur: parzellierte landwirtschaftliche Nutzfläche eines Siedlungs- und Wirtschaftsverbandes.

- Flurzwang: Verpflichtung der Obrigkeit zur Übernahme einer Bewirtschaftungsordnung des Ackerlandes. Anbau und Ernte mussten von allen gleichzeitig vorgenommen werden. Gemarkung: Gesamtfläche des Gemeindegebiets

- Gemengelage: Flur ist ohne Hofanschluss

- Intensiv: hoher Aufwand nötig, höherwertige Güter

- Kolchose: Russische Bezeichnung für die Kollektivierung (DDR: LPG) ehemals bäuerlicher Privatbetriebe. Reprivatisierung nennt man Sowchose.

- Melioration: Maßnahmen zur Bodenverbesserung (Düngung, Trockenlegung,…)

- Nomadismus: Wirtschaftsform, die durch regelmäßige Wanderbewegung ganzer sozialer Gruppen gekennzeichnet ist (Wanderhirtentum)

- Ökumene: auf Dauer besiedeltes Land bzw. auf Dauer ist eine Besiedlung hier möglich. Abgrenzung zur Anökumene durch Trocken-, Kältegrenzen etc.

- Pendler: überschreiten bei Anfahrt von Wohn- zu Arbeitsstätte Gemeindegrenze

- Plaggenwirtschaft: Düngung mit ziegelartig ausgestochenen Humusstücken (Plaggen), die im Stall als Streu verwendet wurden und danach auf die dorfnahe Feldflur gebracht wurden

- Plangewannflur: Mit Dreifelderwirtschaft planmäßig angelegte Gewannflur

- Siedlung: menschlicher Wohnplatz mit seinen Wohn- und Wirtschaftsbauten, Verkehrsflächen, Gärten, Hofplätzen, Erholungsflächen und Sonderwirtschaftsflächen. Kann durch Zäune, Mauern, Gräben etc. abgegrenzt sein.

- Sozialbrache:

- Subökumene: befindet sich aufgrund menschlichen Handelns im Übergang von der Anökumene zur Ökumene (z.B. durch Bewässerung)

- Suburbanisierung: Dekonzentrationsprozess von Agglomerationsräumen bzw. Stadtregionen verursacht durch den Prozess der Stadtrandwanderung der Bevölkerung und Wirtschaftsbetriebe

- Transhumanz: Form der Fernweidewirtschaft. Herden wandern jahreszeitlich von schneefreien Küstengebieten oder Tälern im Winter zu den Hochlagen im Sommer und legen dabei große Entfernungen zurück. Vieh wird nicht eingestallt (im Gegensatz zur Almwirtschaft) und nicht vom Besitzer betreut (im Gegensatz zum Nomadismus).

Urbanisierung: Ausbreitung städtischer Lebensstile und Verhaltensweisen der Bevölkerung und der daraus resultierenden Prozessen und Raumstrukturen Verdichtungsraum: regionale Konzentration von Einwohnern und Arbeitsplätzen (= Ballungsraum). Definition in Deutschland: mindestens 150.000 Einwohner und 100 km2

Vereinödung: Auflösung von Gruppensiedlungen und Gemengefluren mit dem Ziel der Bildung von Einzelhöfen mit Einödfluren (v.a. England „enclosure-Bewegung“, Skandinavien). In Deutschland nach 1770 v.a. im Allgäu. Geschah im Zusammenhang mit Allmendeaufteilung und Zusammenlegen

Verstädterung: Ausdehnung , Vermehrung und/oder Vergrößerung der Städte eines Raumes nach Zahl, Fläche und Einwohnern sowohl absolut als auch zu den nichtstädtischen Siedlungen und der ländlichen Bevölkerung

Zelgenwirtschaft: Wirtschaftsweise bei der die Flur in Zelgen (Parzellenkomplexe) unterteilt, und einheitlich bewirtschaftet wurde (vgl. Drei-Felder-Wirtschaft.

LIENAU, Cay (2000): Die Siedlungen des ländlichen Raums. Braunschweig, Westermann, 246 S., (Das geographische Seminar)

1 Zur Definition der ländlichen Siedlung

Der ländliche Raum kennzeichnet sich durch:

- Land- und forstwirtschaftlich genutzte Produktionsflächen herrschen vor
- Relativ geringe Größe, geringe Bebauungsdichte
- Geringe Arbeitsplatzdichte
- Geringe Industriedichte, geringe Größe der Industriebetriebe
- Geringes Spektrum der vertretenen Berufsgruppen, geringes Einkommen, höherer Anteil im primären Sektor beschäftigter Personen
- In der Versorgung mit höherwertigen Gütern in hohem Maße von der Stadt abhängig
- Funktion:
- Erzeugung von Nahrungsgütern und Rohstoffen aller Art
- Erholungsräume der städtischen Bevölkerung
- Lufterneuerung, Wassergewinnung und -speicherung
- Raumreserve für Verkehrsflächen, Mülldeponien, Kraftwerke, Militär
- Negative Entwicklungsdynamik (Passivraum)

Die ländliche Siedlung charakterisiert sich durch:

- Dominanz der landwirtschaftlichen Nutzfläche
- Geringe Größe und geringe innere Differenzierung
- Geringe oder fehlende Zentralität
- Geringer Verknüpfungsgrad untereinander, hoher mit den Städten
- Geringe Anzahl von Arbeitsplätzen im sekundären und tertiären Sektor
- Pendlerdefizit
- Geringere Wirtschaftskraft und Entwicklungsdynamik
- Nennenswerter Anteil von Beschäftigten in der Landwirtschaft
- Sozial überschaubare Gesellschaft
- Von der Stadt unterschiedene Wohnformen
- Erscheinungsbild dass sich durch frühere bäuerliche Nutzung kennzeichnet

Stadtgrößen:

- <2.000 Einwohner: Ländliche Siedlung

- 2.000 - 5.000 Einwohner: Landstadt

- 5.000 - 50.000 Einwohner: Kleinstadt

- 50.000 - 100.000 Einwohner: Mittelstadt

- 100.000 - 1.000.000 Einwohner: Großstadt

- > 1.000.000 Einwohner: Megastadt

2 Siedlungsgeographie im Wissenschaftsgebäude der Geographie, Betrachtungsweisen, Arbeitsweisen, Terminologie

2.1 Siedlungsgeographie und ihre Stellung im Wissenschaftsgebäude der Geographie

Siedlungsgeographie ist Produkt des menschlichen Handels, nicht Faktor!

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Perspektiven der Objektbetrachtung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Zur siedlungsgeographischen Terminologie

- Begriffe ändern sich, sie sind klar definiert und grenzen sich häufig von denen in der Umgangssprache ab!

2.4 Arbeitsweisen, Forschungs- und Darstellungsmethoden

Methoden der Siedlungsforschung

- Beobachtung und Kartierung
- Auswertung aller Arten von schriftlichen Quellen
- Archäologische Methoden (C14, Dendrochronologie, Pollenanalyse)
- Ortsnamen-, Wortforschung
- Befragung
- Statistische Verfahren

3 Geschichte der Siedlungsgeographie

3.1 Siedlungsgeographie bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

- Zunächst Hilfswissenschaft der Geschichte
- Im frühen Griechenland Wende vom mythologischen zum logischen Denken
- Ptolemäus 2. Jh.: „Kanon bekannter Städte“
- Herodot beschreibt Land und Leute Ägyptens
- Ab 17. Jh.: Reiseberichte
- 1. Systematik bei Johann Georg Kohl (1908 - 1878)
- Carl Ritter (1779 - 1859)
- Alexander von Humboldt (1769- 1859) „Vater der modernen Geographie“
- Friedrich Ratzel (1844 - 1904) „Begründer der Anthropogeographie“; beschreibt in seinem Werk „Anthropogeographie“ die Naturabhängigkeit der Größe und Verteilung der Siedlungen.
- Ferdinand von Richthofen (1833 - 1905) gibt in seinen Vorlesungen zur Allgemeinen Siedlungs- und Verkehrsgeographie Auskunft über bodenvage und bodenstete Siedlungen.

3.2 Deutsche Siedlungsgeographie bis zur Schwelle der Gegenwart

- Herausbildung der Siedlungsgeographie als eigener Zweig bei Schlüter und Gradmann während der 50er Jahre.

- Einige wichtige Geographen:
- Walter Christaller (1893 - 1969)
- Hans Fehn (1903 - 1988)
- Hans Bobek (1903 - 1990)
- Martin Born (1933 - 1978)

3.3 Siedlungsgeographie im Ausland

- Paul Vidal de la Blache (1845 - 1918): Principes de géographie humaines: Weltkarte der Wohnstätten differenziert nach deren Baumaterialien

3.4 Aktuelle siedlungsgeographische Forschung in Deutschland

- Untersuchungen zur aktuellen Siedlungsstruktur und Gestalt
- Historisch genetische Siedlungsforschung
- Planungsbezogene Siedlungsforschung
- Dorferneuerung, Flurbereinigung, Dorfökologie
- Typologisch-klassifikatorische und modelltheoretische Ansätze und Arbeiten
- Monographien

4 Siedlungsgestalt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Siedlungsgestalt resultiert aus Anzahl, Gestalt und Anordnung ihrer Elemente.

4.1 Behausungsformen

Behausung: Alle Formen überdachter menschlicher Unterkünfte (Haus, Hof, Gehöft, etc.) Gebäude: Wohnhäuser, Wirtschaftsbauten, Kirchen, Infrastruktur

Hof: zu einem bäuerlichem Besitz gehörende Gebäude Hofstätte: Hof und Grundstück (ohne Flur)

4.1.1 Gestaltung von Haus und Gehöft

Abhängig von:

- Behausungsart
- Haus: Gebäude aus Dach und Wänden
- Hütte: Dach und Wände gehen ineinander über, meist nur ein Raum

- Bauweise
- Holz (Wald), Stein (Gebirge), Lehm (Trockengebiete), Fachwerk (Übergang)

- Konstruktionsform
- Blockbauweise (liegende Stämme, meist Nadelholz, da regelmäßiger)
- Ständerbauweise: (stehende Stämme, eher Laubholz (Eiche) da resistenter)

- Dach- und Wandgestaltung
- Unterschiedliche Materialien s.o.
- Dächer: Satteldach, Walmdach, Zeltdach,…

- Baustoffe
- S.o. abhängig nach Angebot

- Art der Verbindung der Bauten mit dem Untergrund
- Bodenvage: Hausboot, Wagen, Zelt (Jäger, Nomaden)
- Bodenfest: Stationäre oder semistationäre Behausung

- Anordnung der Räumlichkeiten, Raumaufteilung und Ausstattung
- Vier Faktoren des Feuers: Heuer bewahren, es vo Ausbreiten schützen, Dach vor Feuer schützen, Rauchausbreitung vermeiden
- Verschiedene Aufteilungen eines Hauses s. Abb. 4

- Art und Zahl der zu einer Behausung gehörenden Bauten und deren Zuordnung zueinander

- Größe und Gestalt des Grundstücks und Verhältnis von überbauter Fläche, Wohnfläche und Grundstücksfläche zueinander

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.1.2 Haus- und Gehöftformen bestimmende Einflußgrößen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Klima:
- Nass: steile Dächer
- Trocken: Flachdach
- Kalt: Dicke Mauern, kleine Fenster
- Warm: Dünne Mauern, große Fenster
- Exposition

- Vegetation:
- Bestimmt den Baustoff
- Waldgebiete: Holz
- Mittelmeerraum: Lehm

- Naturgefahren
- Stelzenbauweise: Schutz vor Hochwasser, Ungeziefer
- Fester Untergrund: z.B. Erdbebenschutz
- Permafrostgebiete

- Wirtschaftsformen
- Traditionen, Kultur
- Familienstruktur
- Soziale Struktur
- Politik

4.1.3 Das Beispiel eines sibirischen Hofes

- Wald: Holzbauweise
- Nadelwald (Taiga): Blochbauweise
- Dicke Wände, kleine Fenster nach Westen und Süden
- Flur im Norden, Schlafzimmer im Süden, Küche und Wohnraum zentral
- Sauna, Ställe, etc.

4.1.4 Nichtlandwirtschaftliche Gebäude und Einrichtungen der materiellen Infrastruktur in der ländlichen Siedlung

- Quasi alle Gebäude außer Wohnhäuser, also Kirche, Wirtschaft, etc….
- Geben dem Dorf eigenen Charakter und eigenes Gepräge

4.2 Ortsgröße

Zu ermitteln nach

- Einwohnerzahl
- Anzahl der Häuser
- Umfang der überbauten Fläche

- Häufig korrespondieren die Zahlen, manchmal wie etwa in den Alpen aber auch nicht (Hohe Anzahl an Ferienhäusern)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.3 Ortsformen

4.3.1 Typologie der Ortsformen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Lineare Siedlungen:

- Reihendorf (z.B. Fluss als Leitlinie, lockere Bebauung)
- Straßendorf (dichte Bebauung = Zeilen, Straße als Zentrum)
- Sackgassendorf (Hildesheimer Börde, Ostkolonisation)
- Hufendörfer (Wald-, Hagen-, Marsch-, Moor-)

Polare Siedlungen

- Rundling
- Fortadorf
- Angerdorf

- Platz dient öffentlichem Leben, Kirche, Schule, Viehhaltung

Flächige Siedlungen

- Haufendorf

Die wichtigsten Charakteristika sind:
- Regelmäßig, unregelmäßig
- Linear, polar, flächig
- Dicht, mäßig dicht, locker

4.3.2 Ortsformen bestimmende Einflußgrößen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.4 Flurformen

4.4.1 Typologie der Flurformen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Breitnauer Schlagwirtschaft)

Die Flur lässt sich gliedern nach:

- Blockflur (Seitenverhältnis <1:2,5)
- Groß
- Klein
- Regelmäßig
- Unregelmäßig

- Streifenflur (Seitenverhältnis >1:2,5)
- Schmal (<40m)
- Breit (>40m)
- Kurz (<300m)
- Lang (>300m)

- Block/Streifenflur
- Kleinste Einheit ist die Parzelle (Flurstück)
- Parzellenverband: Nebeneinander liegende Parzellen meist gleicher Nutzung
- Parzellenkomplex: Nebeneinander liegende Parzellenverbände
- Gibt Hinweise auf Genese
- Gemengelage/Einödlage

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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4.4.2 Flurformen bestimmende Einflußgrößen

- Ortsform (geplant/ungeplant)
- Gesellschaftsstruktur
- Erbrecht
- Physische Gegebenheiten
- Wirtschaftsform
- Genese

4.5 Natur im Dorf und traditioneller Bauerngarten

Natur im Dorf vorhanden durch

- Flora: Typische Pflanzen, Bäume, Gärten
- Fauna: Kulturfolger

- Schützenswerter Raum (Ökosystem)

5 Siedlungsfunktion, Infrastruktur und sozialökonomische Struktur

5.1 Siedlungsfunktionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5.1.1 Wohnfunktion

- Ländliche Wohnsiedlungen: Wohnfunktionsüberschuss, Arbeitsstättendefizit, Auspendler überwiegen
- Ländliche Wohn- und Arbeitsstättensiedlungen: Alles ausgeglichen bzw. Pendler spielen keine Rolle
- Ländliche Arbeitsstättensiedlungen: Wohnfunktionsdefizit, Arbeitsstättenüberschuss, Einpendler überwiegen

5.1.2 Arbeitsstättenfunktion

- Agrarsiedlungen
- Reines Bauerndorf

- Agrar- und Industrie-/Gewerbesiedlungen
- Bauerndorf mit Industrie

- Ländliche Industrie-/Gewerbesiedlungen
- Hüttendorf, Köhlerdorf

- Ländliche Industrie-/Gewerbesiedlungen und Dienstleistungssiedlungen
- Dorf ohne Agrarwirtschaft

- Agrar- und Dienstleistungssiedlungen
- Bauerndorf mit Gasthöfen

- Ländliche Dienstleistungssiedlungen
- Fremdenverkehrsort

5.1.3 Versorgungsfunktion .

Modell der zentralen Orte von Walter Christaller:

- Azentrale Orte
- Orte ohne zentrale Einrichtungen
- Weiler, Doppelhof, Einzelhof

- Unterste Versorgungszentren (Kleinzentrum, Kern- oder Mittelsiedlung)
- Apotheke, Arzt, Bäcker, Schule
- Orte unterer Selbstversorgung
- Kirchdorf, Schuldorf, „das Dorf“
- <8000 Einwohner
- Dorf (klein, mittel, groß)

- Unterzentren (Grundzentren)
- Öffentliche Verwaltung, Höhere Schulen, Fachhandel, Kreditinstitut, Krankenhaus
- >8000 Einwohner
- Kleinstadt, Kreisstadt

Nicht mehr l ä ndlicher Raum:

- Mittelzentren
- Fachschulen, Hochschulen, Einkaufszentren, Theater
- >25000 Einwohner
- Mittelstadt, Regierungssitz

- Oberzentren
- >100000 Einwohner
- Großstadt, Landeshauptstadt

Siehe auch:

- Minderstädte: Flecken, Markt, Ackerbürgerstädte => meist agrarisch geprägt
- Dezentralitätsindex nach Moewes 1968

5.1.4 Erholung, Bildung, in Gemeinschaft leben, Kommunikation

Der Erholung dienen:

- Sportstätten
- Parkanlagen
- Kureinrichtungen

Der Bildung dienen:

- Schulen
- Museen

Kommunikation und in Gemeinschaft leben dienen:

- Verkehrswege
- Kirchen
- Gemeindehaus
- Bürgerhalle
- Gasthäuser

Zudem fallen nicht unter die zentralen Orte:

- Fremdenverkehrs-, Freizeit-, oder Erholungssiedlungen
- Verkehrssiedlungen (Bahnhof, Autobahnraststätte)
- Kultsiedlungen (Wallfahrtsort, Kloster)

5.2 Funktionale Differenzierung

- Für ländliche Siedlungen fällt innere Differenzierung schwer
- Meist nur eine Funktion
- Dorfkern mit Platz als Zentrum
- Generell: Je größer eine Siedlung ist umso eher weist sie eine funktionale Differenzierung auf!

5.3 Siedlungsarten

- Permanente Siedlungen: Stadt, Dorf, bodenfeste Bausubstanz
- Semipermanente Siedlungen: z.B. Wanderfeldbau-Siedlungen
- Temporäre Siedlungen:

- Mit längerfristiger Nutzung: Mehrere Wochen bewohnt
- Episodische Nutzung: unregelmäßig (Ferienhaus)
- Periodische Nutzung: regelmäßig (Almen)

- Mit ephemerer Nutzung: Tageweise bewohnt
-Episodische Nutzung: unregelmäßig
-Periodische Nutzung: regelmäßig

5.4 Demographische und soziale Strukturen der Dorfbewohner und ihr Ausdruck in Ortsgestalt und Flur

5.4.1 Demographische und soziale Strukturen

Typisch für ländliche Siedlungen ist:

- Größere, kinderreiche Familien
- Eigenheimbau/Ein- und Zweifamilienhäuser
- Abwanderung und Rückwanderung
- Soziale Beziehungen untereinander - Dorfgemeinschaft/Nachbarschaft
- Soziale Beziehungen enger als in der Stadt
- Zuzug städtischer Bevölkerung
- Vereinswesen

5.4.2 Soziale Differenzierung und Ortsgestalt

Folgende Gruppen bestimmen das Siedlungsbild

- Gruppen, die an der Nutzung der Ressourcen teilhaben (Bauern, Kötter…)
- Gruppen, die sich nach Stand, Herkunft, gesellschaftlichen Normen unterscheiden
(Kastenwesen)
- Berufs-, Alters- und Einkommensgruppen
- Ethnische Gruppen/Religiöse Gruppen
- Familiale und politische Gruppen

So bilden sich typische Dörfer wie etwa Bauerndorf, Arbeiterdorf, etc. heraus.

Beispiel: Altbauern siedeln als erste in lockerer Hofgruppe am und um den Esch (Drubbel). Zuzug der Nachsiedler an den Rand, in die Mark (Allmende, schlechter zu bewirtschaften). Zuzug z.B. städtischer Bevölkerung an den Ortsrand, keine Landwirtschaft. Im Dorfkern wohnt häufig die alte, ortsansässige Bevölkerung. Neubauviertel liegen am Ortsrand. Dorfkern kann durch finanziell (Studenten) und sozial (Hartz IV) schwache Bevölkerung oder Gastarbeiter stark verändert werden. Ehemals städtische, zugezogene Bevölkerung lebt meist in Neubau am Ortsrand und hat nur geringen Anteil am Dorfleben.

5.4.3 Sozialbrache - Ein Beispiel für die Flur als Spiegel sozialer Strukturen und Prozesse Sozialbrache tritt meist in Realteilungsgebieten auf. Definition s.o.

5.5 Sozialökonomische Siedlungs- und Gemeindetypisierung

Merkmale für sozialökonomische Gemeindtypisierung:

- Erwerbsstruktur der am Ort arbeitenden Bevölkerung
- Verhältnis Wohnbevölkerung/Arbeitsbevölkerung
- Pendlerzahlen
- Überörtliche Funktionen

[...]

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Details

Titel
Geographie der ländlichen Siedlungen
Untertitel
Zusammenfassungen von Buchtexten und Artikeln zur Vorbereitung auf das Staatsexamen
Autor
Jahr
2014
Seiten
94
Katalognummer
V277691
ISBN (eBook)
9783656705116
ISBN (Buch)
9783656712916
Dateigröße
7305 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geographie, siedlungen, zusammenfassungen, buchtexten, artikeln, vorbereitung, staatsexamen
Arbeit zitieren
Matthias Schopp (Autor), 2014, Geographie der ländlichen Siedlungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277691

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