Die Bedeutung der christlichen Rede vom Gericht Gottes


Seminararbeit, 2011

23 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Gericht Gottes
2.1 Mögliche Gerichtsausgänge bei Markus Mühling
2.2 Zukunft als Spiegelbild der Gegenwart
2.3 Doppelter Ausgang
2.3.1 Der doppelte Ausgang bei Matthäus - Vom Weltgericht
2.3.2 Der Doppelte Ausgang bei Matthias Zeindler
2.3.3 Ein künstlerischer Rückblick
2.4 Allversöhnung
2.4.1 Christiane Janowskis Erwägungen zur Allversöhnung
2.4.1.1 Erste Modellbetrachtung
2.4.1.2 Zweite Modellbetrachtung
2.4.1.3 Dritte Modellbetrachtung

3 Schlussbetrachtung

4 Begriffsklärung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Bedeutung der christlichen Rede vom Gericht Gottes wird heute in den meisten Gottesdiensten, insbesondere in der theologischen Auseinandersetzung mit eschatologischen Fragen, den Fragen nach den letzten Dingen1, nicht mehr besonders hervorgehoben2. Gleichwohl die Bedeutung vom Gericht Gottes für jeden Einzelnen in der Gegenwart, aber auch in der eschatologischen Zukunft, eine entscheidende Rolle spielt. Was kann ein einzelner Mensch in seiner individuell erlebten Gegenwart bewirken, damit für ihn selbst das eschatologische Ende gut wird und als Verstorbener nach dem Gericht Gottes im Guten weiter existieren kann, in einer für ihn veränderten Form des Daseins. Also wie muss ein Mensch jetzt leben, damit er im Gericht Gottes - bildhaft ausgesprochen: aufrecht, mit positiven Blick nach vorn - sein eigenes gelebtes Leben im Schnelldurchlauf noch einmal wiedererlebt, um es dann vor Gott und vor allem vor sich selbst verantworten zu können. Und nicht sein eigenes Leben mit vielen Sünden im Gericht Gottes wieder erleben muss, um dann für diese Sünden vor Gott seine individuelle Verantwortung zu übernehmen. Oder geht es eher darum, dass das Gericht Gottes dem Menschen in der realen Gegenwart als Hilfe für ein möglichst sündenfreies Leben dienen kann. Geht es somit darum, wie der Mensch aktiv sein Leben nach den Regeln, so wie sie uns die Bibel beschreibt, gestalten sollte; mit der Hoffnung im Glauben an das Gute eine für ihn positive „Durchfahrt“ durch das Gericht Gottes zu erfahren.

Mit den folgenden Fragen möchte ich eine Problematik verdeutlichen, die mit dem Begriff Gericht Gottes konkludent sind. Was geschieht mit dem schlechten, sündhaften Verhalten gegenüber uns selbst und unseren Nächsten? Werden die Sünden im Gericht Gottes toleriert? Oder erfahren die Menschen im Gericht Gottes die ihnen persönlich zustehende Strafe Gottes, so wie man sich eine Strafe im Gericht Gottes nach dem Alten Testament vorstellt(e)?3 Und wenn sie die Strafe Gottes erfahren, gibt es einen guten Ausgang für jeden, oder unterscheidet sich Gutes von Bösem? Was würde dann mit dem Bösen geschehen, wie würde eine Strafe Gottes ausfallen?

Im Folgenden werde ich zum Gericht Gottes in einer kurzen Übersicht zwei Blickwinkel aufzeigen, die sowohl vergangene als auch neue Sichtweisen dieser speziellen Thematik in der Theologie, die vor allem mit den eschatologischen Fragen verknüpft sind, wiederspiegeln. Zum einen werde ich den Doppelten Ausgang aus der Sicht von Matthias Zeindler, reformierter Pfarrer in Bern wiedergeben. Anhand graphischer, bildhafter Darstellungen und Erklärungen werde ich kurz den Doppelten Ausgang reflektieren. Speziell werde ich im zweiten Teil zum Gericht Gottes die Gedanken von J. Christine Janowski zur Allversöhnung aufnehmen und zeigen, warum es so schwierig erscheint, sich auf einen bestimmten theologischen Standpunkt zu fixieren. Und in der Schlussbetrachtung werde ich versuchen, auf die eingangs gestellten Fragen eine Antwort zu finden. Ich möchte sowohl die Bedeutung des Gottesdienstes als auch die Bedeutung des Gerichts Gottes in der Gegenwart andeuten und meine Position dazu erklären.

2 Das Gericht Gottes

In der jüngeren Theologiegeschichte ist dem Gericht Gottes, welches oft auch als Jüngstes Gericht oder Endgericht bezeichnet wird, in eschatologischen Auseinandersetzungen eine veränderte Bedeutung beigemessen worden. Wie im Weiteren dargestellt ist, gibt es Theologen die einen doppelten Ausgang für exegetisch belegbar halten. Es gibt aber auch Theologen der systematischen Theologie, für die gerade ein doppelter Ausgang nicht richtig begründet erscheint und sie eher einer Allversöhnung bzw. dem dritten Weg zustimmen können. Beide Ansichten, doppelter Ausgang und Allversöhnung verdeutlichen eine sehr unterschiedliche Betrachtungsweise in den eschatologischen Auseinandersetzungen der neueren systematischen Theologie. Unterschiedliche biblische Fundstellen werden herangezogen und für die jeweilige These entsprechend ausgelegt. Wie kann man sich nun das Gericht Gottes vorstellen. Es geht nicht unbedingt darum, was als Ergebnis für den Menschen vom Gericht Gottes bleibt, sondern grundsätzlich um die Frage, ob der einzelne tote Mensch im Gericht Gottes die Gnade für seine Sünden erhalten kann. Also es geht nicht um das richten Gottes im Hier und Jetzt. Sondern es geht um das Richten und die Zurechtbringung des Einzelnen im Gericht Gottes, wenn er bereits verstorben ist und die Frage nach dem Sinn „Was kommt danach?“ entsteht. Natürlich ist es in gewisser Weise von Bedeutung, ob der Mensch die Auferstehung von den Toten erfahren kann oder ob es eher ein eschatologisches Ende für den Einzelnen geben wird. Deshalb liegt die Bedeutung des Gerichts Gottes vielmehr darin, ob der Mensch im Reich Gottes für und mit Gott gelebt hat, ob Gott ihm einen rechten Weg bestimmt hat und ob eben der einzelne Mensch diesen Weg auch tatsächlich gegangen ist.

Meine folgende graphische Darstellung, man könnte sie vielleicht „Zukunft als Spiegelbild der Gegenwart; Reflektion eines gelebten Lebens“ benennen, soll bildhaft die Bedeutung vom Gericht Gottes veranschaulichen. Sie soll eine Anregung zum Verständnis geben, warum die Bedeutung des Lebens von so eminenter Wichtigkeit in der gelebten Gegenwart in Bezug auf das eschatologische Ende ist und auch sein wird, für jeden einzelnen Menschen individuell, im Reich Gottes in der Gemeinschaft aller Menschen.

Zuvor aber muss der Begriff Gottes Gericht näher bestimmt werden. Gericht ist nicht wie im juristischen Sinn zu verstehen, in dem ein verurteilter Mensch seine Strafe direkt erhält und für seine Nichtbeachtung bestehender Gesetze und menschlicher Moral Verantwortung übernehmen muss. Mit dem Begriff Gericht ist also nicht wie im Alltäglichen ein Ort gemeint, wo eine Recht sprechende Behörde Straftaten verurteilt4. Es geht hier um die Art und Weise, wie ein Mensch sich verhält, gegenüber sich selbst und seinem Nächsten, also darum, die zehn Gebote Gottes zu respektieren und zu achten. Die zehn Gebote, so wie sie Gott sprach zu Mose. Und wie Mose sie wiederum dem Volk mitteilte. Die zehn Gebote, so wie sie heute in jeder Lutherbibel stehen, „[…] Du sollst nicht töten. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht stehlen. […]“.5 Mit Gottes Gericht ist also die Verantwortung des Menschen gegenüber sich selbst gemeint - im Gericht Gottes, im Reich Gottes und die Verantwortung gegenüber unseren Nächsten. Dabei spielen die (Inter)Aktionen des Einzelnen auf seine eigene Umwelt eine entscheidende Rolle, also wie geht der Einzelne mit seinem Leben und dem Leben anderer um.

Deshalb sei hier noch einmal auf die eingangs genannten eschatologischen Ausgänge hingewiesen, auf die im weiteren Text eingegangen wird. Man unterscheidet gegenwärtig im Wesentlichen zwei Gerichtsausgänge. Zum einen den doppelten Ausgang und zum anderen die Allversöhnung. Um im weiteren Text nicht mehr auf die theologischen Inhalte des doppelten Ausgangs und der Allversöhnung einzugehen, sondern die speziellen Ansichten von Martin Zeindler und Christiane Janowski wiederzugeben, werde ich die beiden Gerichtsausgänge als Möglichkeiten in einer knappen Übersicht darstellen. Im nächsten Abschnitt unter Punkt 2.2 soll deshalb die Bedeutung des gelebten Lebens eines Menschen besonders herausgestellt werden, damit man über eben diese Bedeutung reflektieren kann.6

2.1 M ö gliche Gerichtsausg ä nge bei Markus M ü hling

Doppelter Ausgang: Ein doppelter Ausgang könne so verstanden werden, dass einige Menschen gerettet werden können und das ewige Leben erhalten. Andere Personen hingegen, könnten nicht gerettet werden und würden vernichtet und in das Nichts überführt. Eine Vorstellung der Annihilation sei in der Geschichte des Christentums eher selten. Es sei aber in mehreren Formen denkbar: 1. Nur die Gerechten würden die Auferstehung erfahren, die

Ungerechten gingen im Reich Gottes verloren. 2. Alle Menschen würden auferweckt werden, außer den Ungerechten, sie würden vernichtet werden. 3. Alle Menschen würden auferweckt werden, und die Ungerechten nach Ablauf einer gewissen Zeit der Strafe auch wieder vernichtet werden.

Vorteilhaft dieser Gerichtsvariationen sei, dass eben nur das Gute in die eschatologische Wirklichkeit übergehe und dass es zu keiner Verewigung des Bösen komme. Nachteilhaft dabei sei, dass der Heilscharakter anders verstanden werden müsste. Man halte jedoch an dieser Möglichkeit des doppelten Ausganges fest, weil die einen ein ewiges Leben und die anderen die ewige Pein erhielten.

Allversöhnung: Bei der Allversöhnung (apokatastasis panton) ginge es ausnahmslos um alle Personen, sie könnten eschatisches Heil erfahren. Der Ausgang der Allversöhnung sei allein durch Gott bestimmbar.

[...]


1 Leonhardt, R., Grundinformation Dogmatik, 388

2 Zeindler, M., Gott der Richter, 7

3 Mühling, M., Grundinformationen Eschatologie, 263

4 Göttert, K.-H., Neues Deutsches Wörterbuch, 323

5 Die Bibel, 2. Mose 20

6 Mühling, M., Grundinformation Eschatologie, 268-274

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der christlichen Rede vom Gericht Gottes
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Theologische Fakultät)
Veranstaltung
PS Eschatologie
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V277727
ISBN (eBook)
9783656705284
ISBN (Buch)
9783656706632
Dateigröße
1048 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gericht Gottes, die letzten Dinge, Ende, Tod, Auferstehung, Eschatologie, Bestattung, Urne, Beerdigung, Friedhof, Leben, Himmel und Hölle, Lucifer, Gott, Teufel, Endzeit, Versöhnung
Arbeit zitieren
stud. theol. Markus Weggen (Autor), 2011, Die Bedeutung der christlichen Rede vom Gericht Gottes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277727

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