Grammatiktheorie. Klausurfragen und Antworten


Prüfungsvorbereitung, 2013
6 Seiten

Leseprobe

Klausurfragen Grammatiktheorie

Kasus:

- Bestimmen Sie die Kasus !

- Bestimmen Sie die Art der Kasusvergabe !

- Bestimmen Sie, welches Element im Satz für die jeweilige Vergabe des Kasus verantwortlich ist!

Arten der Kasusvergabe und verantwortliche Elemente:

1. Rektionskasus:

a) inhärenter/lexikalischer Kasus: Lernkasus, Verben, die nicht den Akkusativ fordern (Dativ- und Genitivverben, z. B. helfen, vertrauen, gedenken), außerdem alle mit Präpositionen gebildete Kasus
- wird von Verb, Adjektiv oder Präposition vergeben, Bsp. für Adjektiv: Sie ist des kalten Wassers überdrüssig/ihrer Schwester ähnlich/den Lärm gewohnt.

b) struktureller Kasus: bei Verben, die den Akkusativ fordern, Muster wird gelernt und immer wieder angewendet
- Nominativ wird immer strukturell vom finiten Verb vergeben, Dativ wird nie strukturell vergeben, Genitiv nur, wenn er von einem Nomen vergeben wird

2. Semantischer Kasus:

- kommt nur bei Anredenominativ, Akkusativ und Genitiv vor
- nicht vom Verb regiert
- Anredenominativ (z. B. liebe Lea), adverbialer Akkusativ (zeitliches oder räumliches Maß, z. B. Sie blieb einen Tag lang.), adverbialer Genitiv (Art, Zeitpunkt oder Standpunkt, z. B. Ich trat festen Schrittes in den Raum, eines Tages werden wir es wissen, meines Erachtens stimmt das nicht)

3. Kongruenzkasus:

- Bezugswort bekommt vom Verb einen Kasus zugewiesen und reicht diesen an seine Begleiter weiter, z. B. Der Hund war sein bester Freund. (Hund bekommt Nominativ strukturell vom finiten Verb und gibt diesen an das Prädikativ weiter)

- Bestimmen Sie die Kasusfunktionen (Theta-Rollen)!

- Theta-Raster = Was wird mit dem Verb verbunden?

- Thetarollen: Agens - (intentional) Handelnder

Stimulus - Auslöser eines Vorgangs/einer Empfindung (z. B. Der Blitz schlägt ein.)

Patiens - der Handlung Unterworfener, belebt

Thema - einer Veränderung/Bewegung Unterworfenes, unbelebt

Experiencer - psychischen Zustand Erfahrender (z. B. ich höre, sehe usw.)

Benefizient - der, dem die Handlung zugutekommt (alle Verben der sozialen Interaktion, helfen, sagen, schenken, aber auch negativ besetzte Verben, z. B. belügen)

Possessor - Besitzer, Besitzergreifender oder jemand, dem etwas fehlt

- meist gemeinsame Vergabe von Kasus und Thetarolle, aber nicht immer - AcI, Perfekt (Hilfsverb vergibt Kasus, aber Vollverb Thetarollen)

AcI: Akkusativ mit Infinitiv, anstelle des Objekts nach Verben der Wahrnehmung

- z. B. Ich sehe dich zur Tür hereinkommen. (sehen vergibt Kasus an ich und dich, aber kann nur eine Thetarolle vergeben und zwar an „ich“ (Experiencer), Thetarolle von „dich“ (Patiens) wird deshalb vom Infinitiv vergeben

Typologie:

- Klassifizieren Sie das Deutsche aus typologischer Sicht! Gehen Sie dabei auf folgende Parameter ein:
- relationale/kasussyntaktische Typologie:

- 2 Sprachtypen: Rektion (Nominativ-/Ergativsprachen) und Kongruenz (Aktivsprachen)

- Nominativsprache (z. B. Deutsch): Agens transitiver Verben mit Subjekt intransitiver gleichgesetzt, beide Nominativ als Kasus, Patiens bekommt anderen Kasus (Akkusativ)
- Ergativsprache (z. B. Baskisch): morphologisch sichtbare Unterscheidung zwischen Agens transitiver Verben und Subjekt intransitiver, Subjekt eines intransitiven Verbs und Patiens eines transitiven selber Fall (Absolutiv), Agens transitiver Verben steht in einem anderen Fall (Ergativ)
- Aktivsprache: 2 Substantivklassen (aktiv oder belebt und stativ oder unbelebt), aktive und stative Verben, Agens (Aktiv) an Verbergänzung gekennzeichnet, Patiens (Inaktiv) durch andere morphologische Kategorie gekennzeichnet

- Wortstellungstypologie:

- prototypische Aufeinanderfolge von Subjekt, Verb und Objekt als Hauptelemente eines Satzes (faktische Reihenfolge kann variieren)
- 6 theoretische Möglichkeiten: SOV, SVO, VSO, VOS, OVS, OSV
- VO = kopf-initial, OV = kopf-final (Verb = Kopf, weil es Kasus des Objekts bestimmt), VO meist Präpositionen, OV meist Postpositionen
- Wortfolge innerhalb der Nominalphrase (Adj. N vs. N Adj., Gen. N vs. N Gen., Relativsatz N vs. N Relativsatz, Post- vs. Präpositionen)
- Stellung von Hilfs- und Vollverb
- Deutsch = Mischtyp: Hauptsatz SVO, Nebensatz SOV, insgesamt SOV auf dem Weg zu SVO

- morphologische Typologie:

- Möglichkeiten, wie einzelne Elemente im Satz verbunden werden
- flektierend/fusionierend: Grenze zwischen grammatischen Morphemen schwer zu bestimmen, mehrdeutige Formen, z. B. Frauen = Nominativ, Dativ oder Akkusativ Pl.
- agglutinierend: Morphemgrenzen leicht zu erkennen, eindeutige Formen (z. B. Atztekisch)
- isolierend: Wörter haben immer nur ein Morphem, verändern sich nicht (z. B. Chinesisch)
- polysynthetisch: extremer Affixgebrauch (Kasus, Tempus, mehrere Stämme durch Affixe zu einem Wort verschmolzen, z. B. Southern Tiwa, indigene Sprache Nordamerikas)
- introflexiv: Flexion nicht durch Affixe, sondern Wortstammveränderungen (z. B. Hebräisch)

- Nennen Sie 5 der Greenbergschen Universalien, die auf das Deutsche zutreffen!

1. In Aussagesätzen mit nominalem Subjekt und Objekt geht das Subjekt dem Objekt voraus.

19. Wenn die allgemeine Regel lautet, dass das deskriptive Adjektiv dem Nomen vorausgeht, gibt es keine Ausnahmen von dieser Regel.
25. Wenn das pronominale Objekt dem Verb folgt, tut dies auch das nominale Objekt.
26. Wenn eine Sprache getrennt stehende Affixe hat, hat es immer entweder Präfixe, Suffixe oder beide.
43. Wenn eine Sprache Genus-Kategorien im Nomen hat, so hat sie sie auch im Pronomen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Grammatiktheorie. Klausurfragen und Antworten
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Grammatiktheorie
Autor
Jahr
2013
Seiten
6
Katalognummer
V277787
ISBN (eBook)
9783656705451
ISBN (Buch)
9783656710622
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hierbei handelt es sich um eine Klausurvorbereitung. Die Klausur wurde mit 2,0 bestanden. Diese Vorbereitung wurde aber niemals durch einen Dozenten überprüft oder benotet.
Schlagworte
Tesnière, Chomsky, Grammatik, Orthografie, Deutsch, Nebensätze, Kasus, Kasusvergabe, Feldermodell, Vorfeld, Mittelfeld, Nachfeld, linke Satzklammer, rechte Satzklammer, Generative Grammatik, Satzgliedlehre, Satzmodelle, Typologie, Kasusfunktion, Thetarollen
Arbeit zitieren
Franziska Riedel (Autor), 2013, Grammatiktheorie. Klausurfragen und Antworten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277787

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