Der Roman schildert den Weg des sechzehnjährigen Timothy Young aus dem Nachkriegsengland ins Deutschland der 50er Jahre. Er besucht in Heidelberg seine Schwester Kath, die dort für die amerikanischen Streitkräfte arbeitet. Timothy, geprägt durch persönliche Erfahrungen während der Bombenangriffe auf London und die britische Kriegspropaganda, durchläuft während seines Ferienaufenthalts einen vielschichtigen Erfahrungsprozess und erweitert respektive verändert seine Sicht von den Deutschen als auch von der Alliierten. Es kommt einerseits zu einem Kulturvergleich zwischen England und Amerika auf deutschem Boden, wobei das zentrale Thema aber die Begegnung des englischen Jugendlichen mit Deutschland und der deutschen Geschichte ist. Eine zentrale Rolle in diesem Erkenntnisprozess spielen Vorurteile und Stereotype. Ziel dieser Arbeit ist es, die Entstehung und die Revision der Vorurteile im Text herauszuarbeiten und deren Einfluss auf das Fremd- und Eigenbild darzulegen. Am Anfang steht deshalb ein kurzer theoretischer Abriss des Vorurteilsbegriffs, auf deren Grundlage der Roman untersucht wird. Zusammenfassend wird das ästhetische Potential der Vorurteile und Stereotype und ihr Effekt auf den Erkenntnisprozess betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: David Lodge
2 Vorurteilstheorie
2.1 Vorurteile als Teil der Persönlichkeitsstruktur
2.2 Widerlegung des Vorurteils
3 Entstehung des Vorurteils
3.1 Kindliche Erfahrungen
3.2 Gesellschaftlicher Einfluss
3.3 Tims geistiger Schutzraum
3.4 Störungen des Eigenbildes
4 Erfahrungen in Deutschland: Revision des Vorurteils
4.1 Die Reise: Verlassen des gewohnten Umfelds
4.2 Zerschlagung des Hitlerbildes
4.3 Aufbrechen des homogenen Deutschlandbildes
4.4 Gut und Böse verschwimmt
4.5 Revision alter Idealbilder
5 Das Vorurteil und der Erkenntnisprozess
6 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Roman "Out of the Shelter" von David Lodge im Hinblick auf die Entstehung und die schrittweise Revision von Vorurteilen und Stereotypen beim Protagonisten Timothy Young. Ziel ist es aufzuzeigen, wie persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Einflüsse das Fremd- und Eigenbild formen und wie eine Konfrontation mit der Realität zu einem tiefergehenden Erkenntnisprozess führt.
- Theoretische Grundlagen zu Vorurteilsstrukturen und Stereotypen
- Einfluss von Kindheitserfahrungen und Kriegspropaganda auf die Weltwahrnehmung
- Psychologische Funktionen von Vorurteilen als Schutzmechanismen
- Prozess der Revision von Feindbildern durch Auslandsaufenthalte
- Die Rolle der Literatur bei der Hinterfragung subjektiver Wahrnehmung
Auszug aus dem Buch
3.3 Tims geistiger Schutzraum
„Auch nach dem Krieg, als das Leben sich normalisiert, bleibt das Streben Timothys nach Sicherheit vorrangig, was ihn veranlasst, geistige shelters aufzubauen, wie Ordnung, Routine, klare Moralvorstellungen.“ Tim nutzt das Vorurteil zur Stabilisierung seines eigenen Charakters und auch zur Selbstdefinition, mit klaren Feindvorstellungen und idealisierten Freundvorstellungen. Dem Leser wird diese klare Struktur vor allem beim Spiel klar, wo Timothy immer wieder nach gleichem Muster Partei bezieht.
Mit kindlicher Vorstellungskraft wird die wegen ihrer scharfen Ecken ohnehin verhasste Wohnzimmerkommode schnell zum Symbol für Deutschland und deshalb mit Spielzeugbombern schwer attackiert. Besonders in seinen Zeichnungen, die oft Rennsituationen zeigen, werden seine Präferenzen gegenüber anderen Staaten deutlich: „[T]he order was always the same: England was first, America was second, Russia was third, France was fourth, Italy fifth, Germany sixth and Japan last. Somtimes Germany and Japan crashed or sank and didn’t finish.“ Der ganze Krieg ist für Tim wie ein Spiel mit dem Motto: wie du mir, so ich dir.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: David Lodge: Vorstellung des Romans als autobiographisch gefärbtes Werk und Einordnung in das Schaffen des Autors.
2 Vorurteilstheorie: Erläuterung der psychologischen Funktionen von Vorurteilen und der Schwierigkeit ihrer Widerlegung.
3 Entstehung des Vorurteils: Analyse der prägenden Kindheitserfahrungen, gesellschaftlicher Einflüsse und der Rolle von Schutzräumen.
4 Erfahrungen in Deutschland: Revision des Vorurteils: Untersuchung der Wandlung von Tims Deutschlandbild durch direkte Begegnungen und das Hinterfragen moralischer Absolutheitsansprüche.
5 Das Vorurteil und der Erkenntnisprozess: Erörterung der literaturwissenschaftlichen Bedeutung von Stereotypen als Instrument zur Charakterentwicklung.
6 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung des Erkenntnisgewinns des Protagonisten und der Vermittlung dieses Prozesses an den Leser.
Schlüsselwörter
David Lodge, Out of the Shelter, Vorurteile, Stereotype, Feindbilder, Identitätsbildung, Erkenntnisprozess, Deutschlandbild, Nachkriegsliteratur, Psychologie, Selbstbild, Fremdbild, Timothy Young, Sozialpsychologie, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung des Protagonisten Timothy Young im Roman "Out of the Shelter" von David Lodge und zeigt auf, wie er bestehende Vorurteile und Feindbilder gegenüber Deutschland durch persönliche Erfahrungen abbaut.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Entstehung von Stereotypen, deren Funktion zur Stabilisierung des eigenen Ichs sowie der Prozess der Revision dieser Bilder bei Konfrontation mit einer neuen Realität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Entstehung und Revision von Vorurteilen im Text herauszuarbeiten und deren Einfluss auf die Konstruktion des Fremd- und Eigenbildes beim Protagonisten darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die theoretische Konzepte zur Vorurteilsbildung mit der konkreten Textarbeit am Roman kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Entstehung der Vorurteile durch Kindheit und Medien sowie die detaillierte Darstellung der Revision dieser Vorurteile während Tims Deutschlandreise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Vorurteile, Stereotype, Identitätsbildung, Erkenntnisprozess, Fremdbild und die literarische Charakterzeichnung bei David Lodge.
Welche Bedeutung kommt dem Begriff "Schutzraum" in der Arbeit zu?
Der Schutzraum symbolisiert sowohl physische Zufluchtsorte wie Luftschutzbunker als auch geistige Konstrukte, mit denen Timothy versucht, Komplexität zu reduzieren und sich gegen Unsicherheit abzugrenzen.
Warum spielt die Figur des "Onkel Jack" eine so entscheidende Rolle für den Protagonisten?
Onkel Jack fungiert als Identifikationsfigur und als Personifikation des Guten, dessen Tod Tim nachhaltig in seinem Hass auf Deutschland und die Deutschen bestärkt.
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- Markus Fellner (Author), 2004, David Lodge: Out of the shelter - Entstehung des Vorurteils und Revision desselben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27780