Demographischer Wandel, Migration und Integration

Masterprüfung Soziologie (Prüfungsvorbereitung für die mündliche Prüfung)


Prüfungsvorbereitung, 2011
50 Seiten

Leseprobe

Masterprüfung Soziologie

1) Demographischer Wandel: Chancen, Probleme und Risiken der alternden Gesellschaft

Theorie des Geburtenrückgangs/Definitionen

Chancen, Probleme etc.

Lösungsmöglichkeiten, Projekte, Fallstudien

Hermann Korte/Bernhard Schäfers Bevölkerungssoziologie

- die wissenschaftliche Untersuchung von Bevölkerungsproblemen spielt in der BRD eher eine untergeordnete Rolle, ein Grund ist die nationalsozialistische Vergangenheit (S.76)
- Johann Peter Süßmilch (1707-1767) war ein früher Bevölkerungswissenschaftler und nutzte Statistiken über Geburten, Hochzeiten und den Tod, um nachzuweisen, dass nicht zufällig geboren und gestorben wird (S.77)
- Thomas Robertus Malthus (1766-1834): “Das Bevölkerungsgesetzt” (Buch von ihm): Der Versuch ein allgemeines wissenschaftliches Gesetz zum Wachstum der Bevölkerung zu formulieren, er wollte mit Rechenbeispielen nachweisen, dass sich die Zahl der Bevölkerung in 25 Jahren um die Hälfte steigert, da sich aber die vorhandene Nahrung nicht in dem Maße ausbreitet, suchte Malthus nach Formen um dem entgegenzuwirken und fand Seuchen, Krankheiten und das Zölibat als Erklärungen (S.77-78)
- John Stuart Mill (1806-1873) war der Meinung die Geburtenregelung sei eine individuelle Entscheidung und propagierte Verhütungsmittel, die hatte Malthus noch abgelehnt (S.78)
- Gerhard Mackenroth (1903-1955): Demographischer Übergang: die Geburtenzahl passt sich an die Sterbeziffer an: ab 1750 langsames, dann schnelleres Absinken der Sterbeziffer bei gleicher Geburtenzahl, ab 1860 Anstieg der Geburtenziffer bei Absinken der Sterbeziffer, ab 1875 nimmt die Geburtenziffer kontinuierlich ab, während die Sterbeziffer weiter sinkt, ab 1930 relative Konstanz (S.79)
- Nicht nur eine individuelle Sache, ob Menschen früher sterben, sondern auch Ausdruck bestimmter Vorsorgesysteme, wie dem Gesundheitsystem (S.80)
- in Deutschland: zwischen 1949 und 1961 Anstieg um 6 Mio. Menschen, ab 1961 kaum Zuwanderung aus dem Osten mehr, Anwerbung ausländischer Arbeitnehmer und Babyboom, Anwerbestopp 1973, Gastarbeiter holten Familien nach (7% Ausländer Ende der 80er), Sterbeziffer in den 70ern geringe Schwankungen (S.81)
- DDR: Bevölkerung nahm von 18,5 auf 16,5 % ab, nur 1,1% Ausländer (S.82)
- Debatte um das Absinken der Geburtenziffer: Def. Geburtenziffer: Anzahl der lebend Geborenen, bezogen auf 1 Jahr in 1000. 1952: BRD 16,2, 1963: 18,3, 1975: 9,7

“Pillenknick”: Schäfers und Korte sagen: der Geburtenrückgang setzte schon früher ein, 1970 nahmen erst 20% der gebärfähigen Frauen die Pille (S.83)

Es gab im Nachkriegsdeutschland eine hohe Zahl von kleinen Wohnungen, die die Familien dazu veranlasste nur ein oder zwei Kinder zu haben (S.83)

Die Betonung vom Segen vieler Kinder, wird fast immer mit dem Nationalsozialismus in Zusammenhang gebracht (S.83)

- Norbert Elias (1897-1990): betont die Notwendigkeit langfristiger Untersuchungen, nicht nur “Trends”, sondern langfristige Beobachtungen (S.84)
- Eine soziologische Erklärung zum Geburtenrückgang: 60er Jahre: beginnender Wohlstand, fortschreitende Technisierung, gesteigerter Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitskräften, Öffnung der Bildungseinrichtungen, auch viele Frauen mit höherem Schulabschluss und Studium, jedoch sinkt erstmal das Heiratsalter, Oswalt Kolle –> öffentliche Diskussion über Geburtenregelung (S.85)

These zum Geburtenrückgang. Die Geburtenziffer sinkt dann, wenn nach einer Phase des ökonomischen Aufschwungs mit individuellen Aufstiegsmöglichkeiten eine Phase wirtschaftlicher Stagnation oder Depression zur Verteidigung erreichter sozialer Positionen zwingt, Bestätigung am Beispiel England, zw. 1850 und 1870 war das der Fall (S.85), in der BRD ab 1970: steigendes Einkommen, hohe Inflationsrate, hohe Arbeitslosenquote, Kampf um Arbeitsplätze, Geburtenziffer sank (S.86)

- Neue Bundesländer: Demographischer Zusammenbruch: 1989: 200.000 Geburten, 1990: 175.000, 1991: 107.000, 1992: 80.000, keine staatliche Kinderbetreuung mehr etc., dies erhärtet die These, dass die Aussicht auf ökonomischen Aufstieg zur in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zum Rückgang der Geburtenziffer beiträgt (S.86,87)
- Notwendigkeit der Debatte einer Sterbeziffer: DDR hatten die Menschen aufgrund schlechterer Ernährung und gesundheitsschädigender Arbeitsbedingungen eine um drei Jahre verminderte Lebenserwartung (S.87)
- Kingsley Davis: “Death control”, d.h. Kontrolle der Todesursachen, zu diesem Thema gibt es in Europa so gut wie keine Forschungsergebnisse (S.88)
- Debatte der Wanderungen: 1949-1961: kamen 6,2 Mio Menschen in die BRD, hauptsächlich Übersiedler aus der “sowjetisch besetzten Zone”, Mitte der 70er 4 Mio Menschen an Zuwanderungsgewinn, zwischen 1949 und 1989 einen jahresdurchschnittlichen Wanderungsgewinn von 280.000 (S.89)
- Arbeitsmigration vs. Fluchtmigration: Push- und Pullfaktoren: Pullfaktor: Aussicht auf Arbeit in einem anderen Land: Pushfaktor, schlechte Lebensbedingungen im Heimatland, bei der Fluchtmigration überwiegen die Push- die Pullfaktoren, Sonderform der Migranten: Aussiedler (S.89/90)
- Hans-Joachim Hoffmann-Notwotny: These der Unterschichtung, Einheimische nutzen die Anwesenheit von Migranten um sich als sozial höher gestellte anzusehen, mit der Zeit kommt es zur Integration der Ausländer wie z.B. im klassischen Einwanderungsland USA oder zu ethnischen Segmentierung wie in der BRD in den 70er und 80er Jahren (S.90/91)
- Norbert Elias: Etablierten-Außenseiter-Theorie: stellt die Machtunterschiede zwischen den Menschen in den Mittelpunkt, Zuwanderer sind eine machtunterlegene Außenseitergruppe mit besonderen Schwierigkeiten hinsichtlich ihres Rechtsstatus’ und oft auch der Sprache, Etablierten-Außenseiter-Figuration: die etablierte Gruppe versucht ihre Position zu halten, während die Außenseiter ihre Stellung den Etablierten anpassen wollen, da der Zugang zu den Machtpositionen Vorteile vielfältigster natur mit sich bringt (S.91), Situationen haben sich geändert, Länder, aus denen BRD Gastarbeiter bezog, sind selbst Immigrationsländer geworden, in die Menschen aus noch ärmeren Ländern einwandern, nur 5% der weltweit auf der Flucht befindlichen Menschen, kommen nach Europa, Das Gefälle zwischen Etablierten und Außenseitern sind die Hauptursache für Wanderungen (S.92)
- die Weltbevölkerung soll sich bis 2025 verdoppeln, während sie zwischen 1950 und 1988 von 2,5 auf 5,2 Milliarden Menschen angestiegen ist (Buch ist von 1997) (S.93)
- es wird in der BRD mehr alte Menschen geben und mehr sehr alte Menschen (S.93)

Strohmeier: Demographischer Wandel im Ruhrgebiet

- 1965-1975 fast Halbierung der Geburtenzahl, seit 1970er Jahren sterben in der BRD mehr Menschen als geboren werden, seit 1965 steigt die Zahl der kinderlosen Frauen, Ruhrgebiet wird bis 2015 mehr als 314.000 Einwohner verlieren (7% der Bevölkerung) (S.1).
- Aufgrund von Flüchtlingswanderungen nach 1987 vorübergehend wanderungsbedingtes Bevölkerungswachstum (S.2)
- Anstieg des Ausländeranteils von 10% Anfang der 90er auf über 40% 2010 –> demographische Herausforderung der sozialen Sicherungssysteme (S.3)
- Ruhrgebiet: in Essen oder Dortmund gibt es deutliches Nord-Süd-Gefälle hinsichtlich der sozialen und demographischen Merkmale der Stadtteile (S.3)
- Fortlaufende Segregation (Entmischung) der Bevölkerung, Arm und Reich, Jung und Alt, eingesessen und zugewandert rücken immer mehr auseinander (S.4)
- Essen von 720.000 Einwohnern 1970 auf 600.000 heute, weniger Familien in den Städten, in Stadtkernen oft junge Alleinlebende und Ausländer (S.4)
- negative Bevölkerungsbilanz z.B. in Essen und GE, nur 11.7 % aus Essen und 5,2 % aus GE in den KVR (S.6) bei den Fortzügen aus Essen und GE zeigt sich ein deutlicher Überschuss der unter 18-Jährigen (S.9)
- In der BRD wird in der Politik meist nicht auf die lokale Ebene geschaut (S.57)
- Innerhalb des Ruhrgebiets gibt es trotz Schrumpfen auch wachsende Gebiete (S.57)
- seit den 70ern ein drastischer Rückgang der Bevölkerung der kreisfreien Städte (S.57)
- in der schrumpfenden Stadtgesellschaft ist Bevölkerungswachstun das Ergebnis von Zuwanderung aus dem Ausland. Im Umland des Ruhrgebiets dagegen gibt es Wanderungsgewinne und Geburtenüberschüsse der deutschen Bevölkerung (S.57)
- die Ausländer im Ruhrgebiet leben kleinräumig verdichtet dort, wo auch die armen “Inländer” leben (S.58)
- NRW-Programm: Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf: 31 Projekte: Oberziel: städtebauliche, wirtschaftliche und soziale “Erneuerung” benachteiligter Stadtteile, u.a. Teilziele: städtebauliche Erneuerung, Verbesserung des Wohnungsbestandes und der Wohnumfeldqualität, Erhalt und Förderung von Bildungseinrichtungen, Förderung des kulturellen Miteinanders Kriminalitätsprävention. (S.58), wichtig: Aktivierung der Bewohner zur Mitgestaltung, Teilerfolge in Hamm und Recklinghausen durch grundlegende Verwaltungsumstrukturierung mehr Bürgernähe zu erreichen (S.59)
- in 190 Stadtteilen Erneuerungsbedarf, tatsächlich gibt es im Ruhrgebiet nur 16 ausgewiesene Programmgebiete (S.59)
- kein Stadtteilprojekt kann die Arbeitsplatzverluste im norden des Ruhrgebiets ausgleichen, dennoch ist ökonomische Förderung ei Ziel (S.60)
- in den Armenvierteln wächst der Großteil der nachwachsenden Generationen heran, Kinder zu haben ist eine Lebensform der Unterprivilegierten und Einwanderer in BRD geworden (S.61)
- “desaströse Einwanderungspolitik” (S.61)
- die meisten Benachteiligungen erleiden Kinder mit Migrationshintergrund (S.62)
- Def. Integration: Bei den unter 40-Jährigen gibt es in deutschen Großstädten bald eine Mehrheitsgesellschaft der Zuwanderer. Wie integriert man sich als Deutscher? Integration bedeutet, dass alle gleichen Zugang zu Eintrittkarten in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft haben (S.62)
- Armutsviertel des Ruhrgebiets brauchen besser ausgestattete Schulen, müssen Orte für Schüler und Familien sein, soziale Netzwerke (S.63)
- Stadtteilschulen: Evangelische Gesamtschule in GE-Bismarck, kooperiert u.a. mit FC Schalke (S.64)
- Erfahrungsschulen: Kinder erzählen dem Lehrer, was sie am Wochenende mit ihren Eltern gemacht haben (junge Mittelschichtgebiete), Kinder aus Armutsvierteln erzählen was sie im Fernsehen gesehen haben, Hertener Schule von 45 Minuten zu 90 Minuten Rhythmus (S.64)
- Erziehungs- und Familienschulen: Modellfamilie gibt es in Armutsvierteln nicht: broken home: alleinerziehende Mütter etc., Gesamtschule Bismarck daher ein Tandem auch Klassenlehrer und Klassenlehrerin um den Kindern verlässliche Beziehungen zu Erwachsenen zu ermöglichen (S.65)
- Emscherpark: Teil des Stadtteilprojekts GE-Bismarck, SchalkeNord, kaum Vandalismusschäden, kaum Schuleschwänzen, Schule auf Industriebrache in ökologischer Holzbauweise gebaut, auch außerhalb der Unterrichtszeiten halten sich die meist muslimischen Schüler gerne dort auf, Schule gibt es seit 1998, Grund für gute Annahme, Schüler bauen ihre Schule selbst, in der 5. Klasse bauen sie unter Anleitung selbst ein Klassenhaus, Unterhaltungskosten im Übrigen günstiger als an konventionellen Schule (S.65/66)

Rolf Heinze/Gerhard Naegele: Demographischer Wandel in Deutschland: Herausforderung und Chance

- Problem: Das “Reproduktionsniveau” (Kaufmann) ist zu stark abgesunken, so dass für den Aufbau des Humanvermögens der jüngeren Generation zu wenig getan wird, der “Unterjüngung” (Lehr) muss entgegen gewirkt werden (S.19)
- vom Kollektiven Altern ist besonders das Ruhrgebiet betroffen, schon heute ist es ein Laboratorium, denn diese demographische Situation wird es bald in ganz Deutschland geben (S.19)
- Bürgerliches Engagement: produktive Leistungen von älteren Menschen (S.19), durch bürgerliches Engagement werden ältere Menschen zufriedener und verbessern ihren Gesundheitszustand (S.20)
- zwei Mega-Trends in der BRD: konstant niedriege Geburtenraten mit wachsender Kinderlosigkeit und Rückgang der Gesamtbevölkerung, insbesondere nach 2025 und 2030 (S.20)
- dreifaches Altern: Zunahme der absolut älteren Menschen, ihres Anteils an der Gesamtbevölkerung und die überdurchschnittliche Zunahme des Phänomens der Hochaltrigkeit (S.21)
- Gegenwärtig liegt die Geburtenziffer pro Frau bei 1,35, d.h. jede Elterngeneration wird nur etwa zu zwei/dritteln ersetzt (S.21), bei den jetzigen Jahrgängen im geburtsfähigen Alter werden 40% kinderlos bleiben (S.21)
- Zahl der über 80-Jährigen wird von knapp 4 Mio heute auf 10 Mio 2050 ansteigen, Steigerung von 4% der Gesamtbevölkerung auf 12% (S.22)
- Ruhrgebiet schon heute der rentnerreichste Raum Deutschlands (S.23)
- Vorteil demographischer Prozesse: sie sind vorhersehbar und können genutzt werden, z.B für neue Arbeitsplätze (in der Gesundheitsbranche (S.24)
- geforderte gesellschaftspolitische und wirtschaftspolitische Zielsetzungen: Schaffung von Rahmenbedingungen um jungen Menschen ein gemeinsames Leben mit Kindern zu ermöglichen (Kinderbetreuung in Betriebskindergärten o.ä.), Steigerung der Attraktivität der Städte für junge Familien, Ausweitung der Dienste und Hilfe für sog. Problemgruppen, Ausweitung der Bemühungen um Ausländerintegration, verstärkte Bildungsanstrengungen für junge Migranten (S.24/25)
- weitere Forderungen: Förderung der Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer, Erkennen und Nutzen der gewachsenen Potentiale älterer Menschen, Absicherung der häuslichen Pflege und Betreuung, Förderung der “Wirtschaftskraft Alter”, Wachstumsfeld “Technik und selbstständige Lebensführung”, z.B. um die Eigenständigkeit im Alter zu verbessern

Gerhard Naegele: Demographischer Wandel und demographisches Altern in Deutschland: Probleme, Chancen, Perspektiven

- Def. Demographischer Wandel: Damit sind im Allgemeinen strukturelle Veränderungen in der Bevölkerung u.a. hinsichtlich der Einwohnerzahl, der Besetzung der Altersgruppen sowie der ethnisch-kulturellen Zusammensetzung gemeint. (S.33)
- sinkende Geburtenraten: Geburtenziffer pro Frau bei 1,4, knapp vor Italien und Spanien (S.34)
- dreifaches Problem: 1. Die geistigen Eliten reproduzieren sich weniger als die anderen, 2. Es ist schwer Beruf, Ausbildung und Familie für die geistigen Eliten unter einen Hut zu bekommen, 3. Immer weniger Männer sind für immer mehr Frauen unqualifiziert für die Vaterrolle (S.35)
- “schwerwiegende Fehler in der Familienpolitik” (S.35)
- Auch die Migration kann die Entwicklung, dass es immer mehr ältere und immer weniger junge Menschen gibt, nicht stoppen (S.35)
- Feminisierung im Alter (S.36)
- von 7,5 Mio Ausländern sind 2 Mio Türken, das sind 28% (S.37)
- betrachtet man NRW und das Ruhrgebiet, dann fällt auf, dass verglichen mit dem Bundesdurchschnitt: das Schrumpfen der Bevölkerung früher einsetzt und stärker erfolgt, die Geburtenraten stärker sinken, das “dreifache Altern” der Bevölkerung früher und stärker ausgeprägt stattfindet, mehr (ältere) Menschen mit Migrationsgeschichte leben (werden) und die “Entberuflichung des Alters” früher und stärker ausgeprägt ist (S.38)
- bis 2025 ein Bevölkerungsrückgang in NRW von 18 Mio auf 17,6 Mio (S.38)
- ohnehin leben Im Ruhrgebiet schon überdurchschnittlich viele Menschen über 60, die meisten Alten (60plus) und Hochaltrigen (80plus) leben in Mülheim, die wenigsten Kinder in Bochum (S.39/40)
- vorläufiges Fazit: so regional uneinheitlich, wie sich das demographische Altern der Bevölkerung bzw. die demographische Gesamtsituation in NRW darstellt, so wenig kann auch eine (regional) einheitliche Strategie zur Lösung der aus ihnen erwachsenen Aufgaben konzipiert werden, im Ruhrgebiet werden die demographischen Prozesse zudem noch von problematischen sozialstrukturellen Problemen überlagert (u.a. hohe Arbeitslosigkeit, viele Menschen mit Migrationshintergrund) (S.41)
- Chancen des Wandels: notwendige Reformen in wichtigen Feldern können angestoßen werden, in der “alten Gesellschaft” liegen Potentiale, die es zu nutzen gilt, in der kommunalen Sozialpolitik sollte eine “Demographieorientierung” stattfinden (S.43)
- es braucht: Maßnahmen, die die Rahmenbedingungen für ein Leben mit Kindern schaffen, die eine lange, kontinuierliche, berufliche Karriere beider Partner ist, die bessere Ausländerintegration ermöglichen (S.44/45)
- Alterssicherungspolitik: Anhebung der Altersgrenzen auf dem Arbeitsmarkt bringt nur den Menschen etwas, die tatsächlich echte Beschäftigungsvoraussetzungen haben, Erweiterung der Arbeitslosenversicherung zu einer Beschäftigungsversicherung (S.45/46)
- Ältere-Arbeitnehmer-Politik: Beschäftigungsförderung älterer Menschen, Anpassung von Arbeitsbedingungen etc. (S.47)
- Gesundheits- und Pflegepolitik: mehr Anreize für Gesundheitsförderung und Prävention (S.47)
- Förderung des zivilgesellschaftlichen Engagements älterer Menschen: Ausschöpfung des Potentials von Freiwilligenarbeit, Uni Dortmund mit Weiterbildungsstudiengang für Senioren, mehrere Förderungsstrategien: individuumsbezogen (Selbstverwirklichungsinteressen), Kooperationsbezogen (bessere Zusammenarbeit von haupt- und nebenamtlichen), gemeinwesenbezogen (Seniorenbüros als zentrale Beratungsstellen), gesellschaftsbezogen (gesellschaftliche Rahmenbedingungen) (S.48/49)
- Förderung von Altenbildung und “lebenslangem Lernen”: Erwachsenenbildung (S.49)
- Förderung der “Wirtschaftskraft Alter”: “silver market” –> hohe Wirtschaftskraft Älterer –> neue Arbeitsplätze möglich in Pflege- und Gesundheitsbranche, Wohnungswirtschaft etc., Seniorenwirtschaft, wichtig: Berücksichtigung der Konsumbedürfnisse älterer Menschen, seniorenorientiertes Design (z.B. Telefone mit großen Tasten) (S.50/51)
- Fazit: In Deutschland besteht ein erheblicher Nachholbedarf im Bezug auf Perspektiven vom Altern der Gesellschaft. (S.55)

Norek/Strohmeier: Zur sozialen Lage von jungen und alten Migranten im Ruhrgebiet

- in BRD: 15,1 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund (18,4% der Bevölkerung), doch die Zahl der Einwanderungen nimmt ab, Merkel will ein positiveres Image für die BRD als Einwanderungsland, die Zahl der Migranten stieg vor allem aufgrund von Geburten der Migranten (S.80)
- knapp 96% der Migranten leben in den Stadtstaaten, Baden-Württemberg, NRW und Hessen, neue Bundesländer nur ein Anteil von 5% (S.81)
- Ruhrgebiet mit Vorreiterrolle: es sind Kommunen mit Problemstellungen konfrontiert, die anderorts erst in ein paar Jahrzehnten auftauchen (S.81)
- Herausforderung des Ruhgebiets durch Zusammenwirken folgender Kräfte: Schrumpfen der Städte, Bevölkerungsrückgang, mehrheitlich Migrationshintergrund bei Kindern und jungen Erwachsenen in den Städten nach 2015, zunehmende “Korrelation” ethnischer, demographischer und sozialer Segregation (S.82)
- in den Kernstädten ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen in den letzten 30 Jahren gesunken, in Duisburg, GE und Dortmund z.B um bis zu 40%, diese Städte zeigen zugleich auch die höchsten Anteile von Kindern mit Migrationshintergrund auf (S.83)
- ohne Zuwanderung wäre das Ruhrgebiet mit weitaus größeren Wanderungsverlusten und Geburtsdefiziten konfrontiert (S.84)
- zwei von drei Haushalten mit deutschen Haushaltsvorstand keine Kinder (S.84)
- die Stadtteile, in denen die meisten Zugewanderten leben zeichnen sich durch hohe Armutsquoten und hohe Gewaltkriminalität aus (S.85)
- Ethnische Segregation kann im Ruhrgebiet als Indikator für benachteiligte Gebiete und hohen Familienanteil gedeutet werden (S.85)
- GE: hoher Ausländeranteil im Süden, weniger segregierter Norden (S.85)
- in GE-Schalke jedes dritte Kind von Sozialhilfe abhängig (S.86)
- auch hohe Armutsquoten unter den über 60-jährigen Migranten (S.86)
- Merkmalsprofil der Armen: überdurchschnittliche Kinderzahl, unterdurchschnittlicher Bildungsstatus der Eltern (S.86)
- Bildungsarmut und materielle Armut hängen zusammen: gemessen an Übergangsquoten von Grundschule zu weiterführenden Schulen, z.B. in Herne wechseln weniger ausländische Schüler ans Gymnasium wechseln, als deutsche, eine viermal höhere Zahl Migrantenkinder geht zu Haupt- und Sonderschulen, als Deutsche (S.87)
- ganz NRW: nur 7% der Abiturienten Ausländer (S.88)
- es erreichen etwa dreimal mehr Deutsche das Abi, während dreimal so viele nichtdeutsche Schulabgänger über keinen Abschluss verfügen (S.88)
- arme Kinder sind die Kinder armer Eltern: zweidrittel der 21-26-jährigen Sozialhilfeempfänger haben keine Berufsausbildung (S.90)
- Bildung ist der Schlüssel zur Integration (S.90)
- der Leistungsunterschied zwischen deutschen und ausländischen Schülern beträgt im Durchschnitt zwei Klassenstufen (S.93)
- 40% der Deutschen erreichen das Abi, nur 10% der Ausländer (S.94)
- die Arbeitslosenquote der nichtdeutschen Bevölkerung war 2003 wie 2004 beinahe doppelt so hoch wie die der deutschen (21% gegenüber 12%) (S.94)

Johannes Meier (Demographie konkret): Der Demographische Wandel: Strategische Handlungsnotwendigkeit und Chance für die Kommunen

- Demographischer Wandel zwingt dazu, sich verstärkt mit Fragen der Altenpflege und des betreuten Wohnens auseinandersetzen (S.7)
- Zusammenschluss kleiner und mittelgroßer Kommunen bietet die Chance im interkommunalen und regionalen Wettbewerb zu bestehen (S.8)

Strohmeier: Segregierte Armut in den Städten - Strategien sozial integrativer lokaler Politik (Demographie konkret)

- Armut hat in Deutschland zugenommen, vor allem die Armut von Kindern (S. 17)
- als arm bezeichnet man jemanden, der weniger als die Hälfte des “bedarfsgewichteten” durchschnittlichen Nettoeinkommens für sich zur Verfügung hat (S.17)
- Armut kann an Sozialhilfedichte gemessen werden: in ländlichen Räumen ist die Armutsdichte geringer, in Kleve bezieht jedes 60. Kind unter sieben Jahren Sozialhilfe, in Essen jedes sechste in der Essener Innenstadt jedes dritte (S.18)
- Kinder, die in Armutsstadtteilen aufwachsen, erfahren abweichende gesellschaftliche Normalität: Arbeitslosigkeit, soziale Ausgrenzung, Apathie, gesundheitliche Beeinträchtigungen, Familien ohne Vater, Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe als Regeleinkommen. (S.19)
- besonders in die Problemviertel gehören die besten Schulen mit den motiviertesten Lehrer (S.20)
- Bewohner von Armutsviertel sind vor allem misstrauisch, es gilt ihr Vertrauen zu gewinnen (S.21)
- eine Steigerung der Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtteil erreicht man über eine Beteiligung an der Verbesserung ihrer individuellen wirtschaftlichen Lage, der Wohnverhältnisse oder der Wohnumfeldbedingungen (S.22)
- Erfolgs versprechend sind oft “Selbermacherprojekte”, z.B. eine Hochhausanlage in Hamburg-Kirchdorf-Süd, in der die Bewohner gemeinsam die Eingangsbereiche und Flure ihres Hauses renovieren und umgestalten (S.23)

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Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Demographischer Wandel, Migration und Integration
Untertitel
Masterprüfung Soziologie (Prüfungsvorbereitung für die mündliche Prüfung)
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Autor
Jahr
2011
Seiten
50
Katalognummer
V277876
ISBN (eBook)
9783656705802
ISBN (Buch)
9783656710486
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Masterprüfung, demographischer Wandel, demografischer Wandel, Definitionen, Fußball, Migration, Integration
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Christine Konkel (Autor), 2011, Demographischer Wandel, Migration und Integration, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277876

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