Dialogische Verfahren und Gesprächsmethoden bei Diagnostik und Evaluation

Lernzusammenfassung in Stichpunkten


Prüfungsvorbereitung, 2007

8 Seiten


Leseprobe

Dialogische Verfahren und Gesprachsmethoden

1. Arten diagnostischer Gesprachsmethoden ^ Abgrenzbarkeit...

1.1. Anamnese (gr. anamnesis: Erinnerung)

a) Definition

,,das Insgesamt der Mitteilungen eines Probanden Oder einer wesentlichen Bezugsperson uber seine Personlichkeit, Lebensgeschichte, soziale Bezuge, Erlebnisse, Handlungen, Ein- stellungen und Wunsche im Allgemeinen (!) Oder in speziellen Bereichen“ (Lukesch 1998, S. 95; Hervorhebung im Original)

b) Besonderheiten

- erfasst die Vorgeschichte eines Tatbestandes
- untersucht eher bewusstseinsnahe Aspekte; Exploration eher ganzheitlich und tiefer- gehend

c) Formen

- Biographische Anamnese
- relevante Aspekte der Lebensgeschichte werden erfragt
- objektive Daten z. B. Alter, Geschlecht, Schulbesuch, Berufsausbildung
- subjektive Lebensgeschichte ,,als Produkt subjektiver Erinnerung und Verarbeitung von Ereignissen" (Lukesch 1998, S. 96)
- Struktur entweder chronologisch oder nach inhaltlichen Bereichen
- Selbst- oder Fremdanamnese
- Angaben von der Zielperson selbst oder von einer dritten Auskunftsperson
- Anlasse: Kinder, psychiatrische Patienten, Familienprobleme
- Partielle Anamnese
- es werden nur Teilbereiche erfragt
- vor allem in der Schulberatung von Bedeutung ^ Folie 1 Vorschlage
- Lebenslaufanalyse
- zusatzlich zur Anamnese werden weitere Datenquellen untersucht z. B. Lebenslauf, Zeugnisse, Akten

d) Grenzen

- ,,Anamnestische Daten allein sind nur beschrankt aussagekraftig" (Lukesch 1998, S. 99)
- die erhaltenen Informationen mussen mit Hypothesen, Theorien und anderen Daten verbunden werden

1.2. Exploration - Erkundungsgesprach

a) Definition

Exploration ist ... die mit psychologischer Sachkunde vorgenommene nicht-standartisierte mundliche Befragung eines einzelnen Menschen durch einen einzelnen Gesprachsfuhrer mit dem Ziel, AufschluR zu erhalten uber 'das Individuum und seine Welt'“ (Lukesch 1998, S. 100;

Hervorhebung im Original)

b) Besonderheiten

- ermoglicht individuelle Orientierung und Anpassung durch den Interviewer
- Fragen, Erlebnisse usw. konnen in der personlichkeitsspezifischen Bedeutung erfasst werden
- der durch die Exploration untersuchten Person werden keine Inhalte aufgezwungen
- das Individuum wird nicht durch methodische Zwange eingeengt

,,Es geht bei der Exploration um die Abbildung einer 'durch den methodischen Zugriff noch nicht veranderten seelischen Wirklichkeit'" (Lukesch 1998, S. 100)

1.3. Interview-Befragung

a) Definition

„ein planma&iges Vorgehen mit wissenschaftlicher Zielsetzung, bei dem die Versuchsperson durch eine Reihe gezielter Fragen oder mitgeteilter Stimuli zu verbalen Informationen veran- la&t werden soll“ (Lukesch 1998, S. 101; Hervorhebung im Original)

b) Formen nach dem Grad der Vorstrukturierung

- standardisiertes Interview
- alle Fragen sind vorherfestgelegt; beim Antwortmodus ist dies auch moglich
-Ja/Nein, Stimmt vollig - stimmt gar nicht, Auswahlantworten aus Vorgaben
- vorAllem bei der Erfragung strukturierter Daten anwendbar
- Vorteile gegenuber Fragebogen
-Lesefahigkeit wird nicht vorausgesetzt
-die Aufmerksamkeit kann kontrolliert werden
-eventuelle Missverstandnisse konnen geklart werden
- Nachteile
-interaktionsbedingte Antwortverzerrungen
- halbstandardisiertes Gesprach bzw. teilstandardisierte Befragung
- Gesprachsthemen sind vorgegeben, Fragen aber nicht vorformuliert
- Oder: Fragen sind vorgegeben, aber dieAntwortmoglichkeiten offen
- Sonderform: problemzentriertes Interview
-verbindet offene Befragung mit dem Gesprach uber vorher festgelegte Themen
-zielt auf die subjektive Erlebniswirklichkeit des Probanden ab
- freies Interview bzw. nicht-standardisierte Befragung
- Gesprachsthemen ergeben und entwickeln sich im Verlauf der Untersuchung
- Anwendung z. B. als Tiefeninterview oder als qualitatives Interview
- charakteristische Informationen subjektiv nicht bedeutsam oder nicht bewusst

c) Formen nach derAnzahl der Beteiligten

- duale Form: ein Interviewer ein Befragter
- Jointinterview technique": einInterviewer mehrere Befragte
- Sozialverhalten zwischen den Befragten beobachtbar
- verandertes Verhalten durch Selbstdarstellungstechniken
- reziproke Sozialsituation: mehrere Interviewer ein Befragter
- z. B. bei Eignungsuntersuchungen
- mit Aufgaben- und/oder Rollenverteilung (z. B. beim Verhor)
- Erhohung von Objektivitat u. Reliabilitat vs. soziale Einflusse auf die Urteils- bildung

2. Einflusse auf die Ergebnisse dialogischer Verfahren

2.1. Allgemeine Voruberlegungen

a) Sicherung der Gesprachsinhalte ^ Genauigkeit vs. Okonomie
b) hoher Anspruch an Offenheit und Fahigkeit der Verbalisation und Selbst- einsicht
c) einzigartige subjektive Perspektive vs. eventuelle Nicht-Thematisierung wichtiger Bereiche
d) hohe Flexibilitat des Interviewers notwendig
e) Vergleichbarkeit der Antworten ^ besonders bei Forschungsprojekten
f) Auswertung sehr aufwandig ^ Inhaltsanalyse und Uberprufung auf Objekti- vitat

2.2. Pragmatische Axiome der menschlichen Kommunikation (Watzlawick et al.)

a) Axiom 1: ,,Man kann nicht nicht kommunizieren."

b) Axiom 2:

,,Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist."

- Mit allem, was wir sagen, wird auch deutlich, welche Beziehung wir zum Empfanger einnehmen.
- Auch, wenn wir nur uber Sachverhalte sprechen, definieren wir gleichzeitig - und kon- nen es nicht nicht tun - unsere Beziehung zu der anderen Person. Die Art, wie wir fra- gen oder sprechen (Tonfall, Mimik, Gestik) wird dabei unsere Einstellung zur anderen ausdrucken.
- Weiterhin steht fest, dass wir das meiste in unserem Leben, auch im Berufs- oder im Geschaftsleben, beziehungsgeleitet tun.

c) Axiom 3:

,,Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsablau- fe seitens der Partner bedingt."

- Diese "subjektive" Wirklichkeit, die wir zugleich fur objektiv halten, bestimmt dann un- serweiteres Handeln.
- Ein Ehepaar hat dauernd Streit. Sie, die Ehefrau norgelt dauernd an ihrem Mann her- um, der Ehemann zieht sich zuruck und sie norgelt.
- Beide interpretieren also ihr Verhalten als Reaktion auf das Verhalten des anderen, sie interpunktieren diese Ereignisfolgen so, dass jeweils das Tun des anderen als Ur- sache fur das eigene Tun genommen wird:
- Sie geht davon aus, dass sie norgelt, weil er sich zuruckzieht.
- Ergeht davon aus, dass ersich zuruckzieht, weil sie norgelt.

d) Axiom 4:

,,Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitaten. Di- gitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax, aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulangliche Semantik. Analoge Kommunikationen hingegen besitzen dieses semantische Potential, ermangeln aber die, fur die eindeutige Kommunikation erforderliche, logische Syntax."

- die digitale bezieht sich auf Worte und Satze, die bestimmten Objekten zugeordnet sind. Diese Sprache ist logisch, abstrakt und reprasentiert den Inhaltsaspekt.
- Objekte konnen auf zwei verschiedene Arten zum Gegenstand von Kommunikation werden. Sie lassen sich entweder durch Analogie (z.B. eine Zeichnung) oder durch einen Namen darstellen.
- Die Darstellung eines Objektes kann zweifach erfolgen, damit es Gegenstand von Kommunikation werden kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Dialogische Verfahren und Gesprächsmethoden bei Diagnostik und Evaluation
Untertitel
Lernzusammenfassung in Stichpunkten
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Psychologie)
Autor
Jahr
2007
Seiten
8
Katalognummer
V277984
ISBN (eBook)
9783656713999
ISBN (Buch)
9783656713487
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dialogische, verfahren, gesprächsmethoden, diagnostik, evaluation, lernzusammenfassung, stichpunkten
Arbeit zitieren
Diplom-Pädagoge Frank Alibegovic (Autor), 2007, Dialogische Verfahren und Gesprächsmethoden bei Diagnostik und Evaluation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277984

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