Die Bürger der Stadt Berlin sind wahrlich nicht zu beneiden. Zunächst der rasante Aufstieg zur, zumindest europäischen, Metropole, zu einer Stadt in der die Einwohnerzahl von deutlich unter einer halben Million noch im Jahre 1850 auf über 4,2 Mio. in 1933 anstieg 1 , in der sich Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur, wie in keiner anderen Stadt des europäischen Kontinents entwickelten 2 . Dann der noch rasantere Niedergang. Zwölf unsägliche Jahre eines menschenverachtenden Regimes waren nur nötig, bis die Physis und die Psyche der Stadt zerstört waren. Nichts war 1945 mehr übrig vom Berlin vor der Nazi-Zeit. Und diese zwölfjährige Demütigung sollte noch fortdauern: Aufgeteilt in vier Besatzungszonen fremder Länder, aus denen später de facto zwei Zonen werden sollten. Zwei Zonen, die zwei scheinbar unversöhnliche politische Blöcke symbolisierten, welche die Welt aufgeteilt hatten und sich, praktisch mit Blickkontakt, auf nur wenigen Quadratkilometern gegenüberstanden.
Und nachdem es um ganz Berlin in Folge des Viermächte-Abkommens vom Herbst 1971 zunehmend ruhiger wurde, konnte sich, zunächst begrenzt auf West-Berlin, nach der Wende auch in der ganzen Stadt, ein neues Berlin entwickeln: Das Berlin der politischen Affären und des Filzes, ein Berlin, das die Bürger dieser Stadt nicht verdient haben. Neben unzähligen “Skandälchen“ quer durch alle Berliner Parteien, gab es in der Stadt regelmäßig aufsehenerregende und folgenschwere politische Skandale: Im Zuge der sogenannten “Garski-Affäre“ musste 1981 der Senat um Bürgermeister Dietrich Stobbe (SPD) zurücktreten 3 , aufgrund vorgezogener Neuwahlen, wurden die Abgeordneten der SPD - erstmals seit 1948 - in die Opposition geschickt 4 . Als der Baustadtrat und Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Charlottenburg, Wolfgang Antes, 1985 zugeben musste, hohe Bestechungsgelder angenommen zu haben, hatte Berlin seinen nächsten großen Skandal. Bald ging es nicht mehr nur um Antes selbst, auch andere CDU-Politiker, allen voran der regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen, waren involviert 5 . Auch dieser Affäre wegen, wurde die CDU-F.D.P.-Koalition im Januar 1989 von den West-Berliner Bürgern abgewählt. Die neuste und in ihren politischen und vor allem finanziellen Auswirkungen meistbedeutende Affäre, will die vorliegenden Arbeit untersuchen: Der Skandal um die Milliardenverluste bei der Bankgesellschaft Berlin.
Inhaltsverzeichnis
A Einleitung
B. Die Bankgesellschaft Berlin
B. I. Gründung und Konzernstruktur
B. II. Geschäftsgegenstand
C. Chronik eines Skandales
C. I. Das “Vorspiel“ – Eine Bank wird gegründet
C. I. 1. Eine blühende Bank für blühende Landschaften?
C. 1. 2. Der West-Berliner Gründungsclub
C. II. Grundsteinlegung einer Katastrophe – Vorgänge bis Ende 2000
C. II. 1. Die Rundum-Sorglos-Fonds der BGB
C. II. 2. Das ganz spezielle Angebot – Die Prominentenfonds
C. II. 3. Ein Freund ein guter Freund
C. III. Das Kartenhaus fällt zusammen
D. Die Folgen für das Land Berlin
E. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Skandal um die Milliardenverluste bei der Bankgesellschaft Berlin, wobei der Fokus auf der Entstehung der Krise, den fragwürdigen Bankprodukten sowie den politischen und finanziellen Konsequenzen für das Land Berlin liegt.
- Gründungsgeschichte und Konzernstruktur der Bankgesellschaft Berlin
- Mechanismen geschlossener Immobilienfonds und das damit verbundene Klumpenrisiko
- Verflechtungen zwischen Lokalpolitik und wirtschaftlichen Akteuren
- Die Rolle der Prominentenfonds und Verlustzuweisungsmodelle
- Auswirkungen des Skandals auf den Berliner Haushalt und die politische Landschaft
Auszug aus dem Buch
C. II. 2. Das ganz spezielle Angebot – Die Prominentenfonds
Während die oben beschriebenen Fonds Publikumsfonds waren, bei denen also jeder mit den finanziellen Möglichkeiten Anteile zeichnen konnte, gab es noch mindestens zwei Fonds, die nicht öffentlich angeboten wurden.
Den Anfang machte ein Jahr vor der Gründung der BGB ein Fonds der LBB, die auch das Fremdkapital des Fonds bereitstellte. Die Kunden wurden offenbar direkt angeschrieben, so z. B. durch eine Faxofferte in die Vorstandsetagen vieler deutscher Geschäftsbanken. Den Anlegern mit einem Spitzensteuersatz wurde damals schon eine Rendite von ca. 50% nach nur zwei Jahren versprochen, alleine durch die Steuerersparnis. Zusätzlich sollte es noch eine jährliche Verzinsung von 1,4% geben. Als diese Rendite nicht gezahlt werden konnte, weil die erzielten Mieten nicht ausreichten, kaufte die LBB den meisten Anlegern ihre Fondsanteile zu 75% zurück (Schönball: 12). Später musste die damals noch zu 100% dem Land Berlin gehörende Wohnungsbaugesellschaft Gehag, den maroden Fonds kaufen, um ihn vor dem Konkurs zu retten.
Nur drei Jahre später wurde mit dem Fonds Bad Freienwalde/Gardelegen ein wirkliches Sahnestückchen angeboten. Für ein Einkaufszentrum in der nördlich von Magdeburg gelegenen Stadt Gardelegen, wurden 3% Verzinsung und eine gigantische Verlustzuweisung von 208% versprochen. Angenommen ein sehr gut verdienender, abhängig beschäftigter Fondszeichner hätte ein Jahreseinkommen von einer Mio. DM, dann müsste er, entsprechend seines Steuersatzes, deutlich über die Hälfte davon an Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag zahlen. Theoretisch konnte er jetzt einen kurzfristigen Kredit (für ein Jahr) in Höhe von 500 TDM aufnehmen. Dieser Betrag musste nur noch in diesen Fonds investiert werden, so dass der Steuerzahler bei der nächsten Steuererklärung 1,04 Mio. DM Verlustzuweisung von seinem Einkommen abziehen konnte (Multiplikation des investierten Betrages mit dem Faktor 2,08).
Zusammenfassung der Kapitel
A Einleitung: Beleuchtung der historischen Hintergründe Berlins und Einführung in die Thematik der politischen Skandale, die in der Affäre um die Bankgesellschaft Berlin gipfeln.
B. Die Bankgesellschaft Berlin: Darstellung der Gründung des Konzerns im Jahr 1994 als Holding und Analyse der geschäftlichen Schwerpunkte im Retail-, Wholesale- und Immobiliengeschäft.
C. Chronik eines Skandales: Detaillierte Rekonstruktion der Entstehung des Skandals, angefangen bei der Gründung über die problematischen Immobilienfonds bis hin zu persönlichen Verflechtungen und dem Kollaps der Konstruktion.
D. Die Folgen für das Land Berlin: Analyse der massiven finanziellen Auswirkungen auf den Landeshaushalt und der politischen Konsequenzen nach Bekanntwerden des Skandals.
E. Schlussbetrachtung: Kritische Würdigung der Ereignisse, wobei insbesondere das Versagen von Kontrollmechanismen und die ethische Problematik der Gewinnprivatisierung bei gleichzeitiger Sozialisierung der Verluste hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Bankgesellschaft Berlin, Immobilienskandal, geschlossene Immobilienfonds, Land Berlin, Verlustzuweisung, Klaus-Rüdiger Landowsky, Politikverflechtung, Aubis-Gruppe, Steuerersparnis, Klumpenrisiko, Landesbank Berlin, Korruption, Finanzkrise.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Entstehungs- und Verlaufsprozess des Skandals um die Bankgesellschaft Berlin, der Anfang der 2000er Jahre zu massiven finanziellen Verlusten für das Land Berlin führte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die problematischen Geschäftsmodelle mit Immobilienfonds, politische Filzstrukturen in Berlin und die Auswirkungen dieser Geschäftspraktiken auf den öffentlichen Haushalt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Ursprung der Bankgesellschaft, die riskanten Finanzprodukte und die politisch-wirtschaftlichen Verflechtungen zu beleuchten, die zu einer Milliardenbelastung für den Steuerzahler führten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse von Sekundärquellen, Medienberichten, Protokollen und politischen Dokumenten zum Bankenskandal.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Konzernstruktur, die Chronik des Skandals inklusive der „Prominentenfonds“ und der „Aubis-Affäre“ sowie die Analyse der Folgen für das Land Berlin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Bankgesellschaft Berlin, Immobilienfonds, Korruption, Steuervermeidung und politisches Versagen charakterisieren.
Warum wurden geschlossene Immobilienfonds als problematisch eingestuft?
Diese Fonds waren darauf ausgelegt, Verluste steuerlich absetzbar zu machen, während die Bank Garantien übernahm, die bei Misserfolg direkt das Land Berlin als Eigentümer der Bank belasteten.
Welche Rolle spielte der Investor "Greico" bei der Vertuschung der Verluste?
Die Greico-Stiftung wurde genutzt, um marode Immobilienengagements aus der Bankbilanz auszulagern, wobei sich herausstellte, dass das Geld für diesen "Kauf" aus einem Kredit der Bank selbst stammte.
- Quote paper
- Kai Posmik (Author), 2003, Der Skandal um die Bankgesellschaft Berlin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27801