Talentförderung im Fußball


Akademische Arbeit, 2001

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Training und Wettkampf
2.1 Das Mehr-Komponenten-Modell
2.2 Methoden Akzeleration und Enrichment
2.3 Eigene Stellungnahme

4. Altersthematik

5. Talentförderung in der DDR

6. Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1. Einleitung

Der aktuell hohe Stellenwert der Talentförderung lässt sich anhand der vielfach geführten Diskussionen ermessen. Nicht nur die Fachpresse wie das „Kicker- Fußballmagazin“ oder die Zeitschriften „Fußballtraining“, dass „DFB-Journal“ und weitere Verbandszeitschriften bringen diverse Beiträge zu diesem Thema. Auch die Tagespresse beschäftigt sich ausführlich mit dem Themengebiet der Talentförderung (siehe Literaturverzeichnis), nicht zuletzt aufgrund der insgesamt für die Bundesrepublik Deutschland sportlich enttäuschend verlaufenden Großereignisse wie die Fußballweltmeisterschaft 1998 in Frankreich (vgl. JOCH 2001b, S. 26) und die Fußballeuropameisterschaft 2000 in Belgien und den Niederlanden (vgl. PFEIFER/RÖSER 2000, S. 14-15).

Obwohl der DFB mit seinem pyramidenmäßigen Aufbau der Talentsichtung und -förderung ein funktionierendes System, welches weltweit Anerkennung findet, seit vielen Jahren installiert hat (vgl. ZEMPEL 2000, S. 52), haben aber die internationalen Mitstreiter wie die Niederlande oder Frankreich mit neuen, zeitgemäßen Konzepten der Talentförderung einen großen Erfolg errungen (vgl. PFEIFER 2001c, S. 13-14). Der DFB hat den Handlungsbedarf erkannt, und das nicht allein wegen der Leistungen der Nationalmannschaft und der Erfolge anderer Nationen. Auch das sogenannte „Bosman-Urteil“ von Dezember 1995 hat ein Umdenken in den Talentförderungsstrukturen zur Folge gehabt.

Exkurs: Das „Bosman-Urteil“

Das Urteil bedeutet, dass ein Teil des internationalen Transfersystems der Europäischen Fußballunion (UEFA) für rechtswidrig erklärt und damit abgeschafft wurde. Dazu zählen so namhafte Fußballnationen wie Deutschland, Italien, Niederlande, England, Frankreich, Spanien u.v.m.. Spieler der betroffenen Länder können seitdem nach Vertragsende innerhalb der Europäischen Union (EU) grenzüberschreitend ablösefrei den Verein wechseln. Nach neuester Rechtssprechung dürfen zudem europäische Spieler in unbegrenzter Anzahl verpflichtet und eingesetzt werden. Aus anderen Konföderationen des Weltfußballverbandes (FIFA) können bis zu drei Spieler unter Vertrag genommen werden (vgl. WUTTKE 1996). Für ein Novum sorgte zuletzt der Fußballbundesligist Energie Cottbus, der im Bundesligaspiel der Saison 2000/2001 gegen den VfL Wolfsburg keinen deutschen Spieler in seiner Anfangsformation aufgeboten hat.

Durch das Urteil ist eine vermehrte Anzahl von ausländischen Spielern in den höchsten deutschen Ligen verpflichtet worden und das macht es speziell den eigenen deutschen Talenten schwerer als jemals zuvor, sich in den hohen Spielklassen durchzusetzen (vgl. PFEIFER 2000b, S. 74-77). Der DFB hat daher den Vereinen der ersten und zweiten Bundesliga vorgeschrieben, eigene Nachwuchsleistungszentren zu errichten. Bei Nichteinhaltung des Zeitplans und der erforderlichen Strukturen droht der Lizenzentzug, ein Druckmittel, dass den Vereinen die Entschlossenheit des DFB verdeutlicht (vgl. DFB 2000; vgl. FRANZKE 1999, S. 90; vgl. KRAMER 2000a, S. 8-12; vgl. LINNHOFF 2000, S. 42-45).

WEISE, verantwortlicher Leiter des DFB-Stützpunktkonzepts, hat mir in einem persönlich geführten Gespräch die schwierige Situation der jungen Talente beschrieben (vgl. Anhang Mündl. Auskunft 2001e). Die Aufgabe der DFB-Stützpunkttrainer ist es jetzt, Talente noch besser auszubilden, damit sie sich mit Leistung gegenüber den ausländischen Spielern durchsetzen. Mittlerweile ist gerade den europäischen Spitzenclubs die Förderung der eigenen Nachwuchstalente zu einer wichtigen Aufgabe geworden, denn eine weitere Auswirkung des „Bosman-Urteils“ sind explosionsartig in die Höhe katapultierte Spielergehälter. So werden bereits sehr junge Spieler mit viel Geld von einem Verein zum nächsten „gelockt“ (vgl. MARX 1999, S. 16-17; vgl. PFEIFER 2000a, S. 12-14).

Der deutsche Fußball geht neue Wege. Ziel ist es langfristig, zur Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land im Jahr 2006 eine Nationalmannschaft zu präsentieren, die die hohen Erwartungen der eigenen Bevölkerung erfüllen kann. Grundlage dafür ist ein funktionierendes Talentfördertraining.

2. Training und Wettkampf

Im Rahmen dieser Arbeit wird nur auf grundsätzliche Aspekte des Trainings eingegangen. Eine differenziertere Betrachtung des Themas Training würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Für eine intensivere Betrachtung verweise ich daher auf entsprechende Fachliteratur (vgl. u.a. WEINECK 1997). Das Training ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Talentförderung. Hier wird das Fundament gelegt, dass in der Zukunft hohe und höchste sportliche Leistungen erreicht werden können. Die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit ist ebenso ein anzustrebendes Ziel der Talentförderung. Die Förderung von Sporttalenten erfolgt in einem langfristigen, systematischen und differenzierten Trainingsaufbau und zielt demnach nicht auf unmittelbare und kurzfristige Erfolge ab (vgl. JOCH 1997, S. 345).

Im Sport umfasst die Talentförderung vor allem die vielfältigen Ausbildungs-, Trainings- und Begleitmaßnahmen, durch die eine optimale sportliche und körperliche Leistungsentwicklung potentieller Talente im Hinblick auf langfristige Ziele gesichert werden soll. Auch gezielte Maßnahmen zur Entfaltung der Persönlichkeit werden im spitzensportorientierten Training mit einbezogen. Bei der langfristigen Talentförderung lassen sich verschiedene einander nachfolgende Trainingsabschnitte unterscheiden, die oftmals als Allgemeine Grundausbildung, Grundlagentraining, Aufbautraining und Anschlusstraining bezeichnet werden (vgl. RÖTHIG 1992, S. 496).

Durch die Gliederung des Talentfördertrainings in Trainingsabschnitte können von den jeweiligen Fachverbänden Leistungsanforderungen vorgegeben werden. Sie beziehen sich auf alle Bereiche des Trainings und Wettkampfes und besitzen eine Kontrollfunktion, denn die Leistungsentwicklung ist kein hochrechenbarer Prozess (vgl. JOCH 1997, S. 86-87).

Das Training ist ein zielgerichteter Vorgang, der den anerkannten Prinzipien der Trainingslehre folgt:

- Ganzheitlichkeit,
- Spezialisierung,
- Allmählichkeit,
- Langfristigkeit,
- Systematik und
- angemessene Häufigkeit

Neben der Steuerungsfunktion des Trainings zur Förderung des Talents spielt auch die Wettkampferfahrung eine entscheidende Rolle. Die Wettkämpfe sind ein Bestandteil des Talentfördertrainings. Sie werden durch das Training beeinflusst, wirken aber selbst auch auf die jeweiligen Trainingsmaßnahmen ein (vgl. JOCH 1997, S. 95).

2.1 Das Mehr-Komponenten-Modell

Der Prozess der Talentförderung ist sehr komplex, da eine Vielfalt von Einfluss- und Bedingungsfaktoren vorhanden ist, die sich komprimiert in einem „Mehr-Komponenten-Modell“ von JOCH darstellen lässt. Dieses Modell dient als Orientierungshilfe in der Talentdiskussion und versucht, eine Verbindung von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit der Praxiserfahrung zu verbinden.

Die Talentfrage ist in den entscheidenden Punkten weiterhin offen. Eine erste und wichtige Schlussfolgerung aus dieser Erkenntnis lautet deshalb: „Gesetzmäßigkeiten im Sinne strenger Determination – als naturwissenschaftliche „Wenn-dann-Beziehung“ – gibt es nicht. Der Prozeß der Talententwicklung ist variantenreich und ein Weg mit vielen Freiheitsgraden“ (JOCH 2000a, S. 4) . Eine wichtige Forderung für das Talentfördertraining ist nach diesem Modell, dass die Trainer qualifiziert sind. Die Trainerkompetenz setzt sich aus einer Fülle von Einzelmerkmalen und unterschiedlichen Fähigkeiten wie Erfahrung, Fachwissen, Einfühlungsvermögen und Durchsetzungsfähigkeit zusammen. Nur die optimale Verbindung der Merkmale und Fähigkeiten zeichnet einen qualifizierten Trainer aus (vgl. ebd., S. 5). Die Talente werden nur so gut sein, wie es die Trainer sind, sie werden sich in der Regel nicht von alleine durchsetzen. Natürlich müssen sich die Talente auch frei entfalten dürfen, aber die fast grenzenlose Freiheit muss in der Talentförderung eingeschränkt werden, wenn sie effektiv und erfolgreich sein will. Mit dem „Grundsatz der Vielseitigkeit“ wird eine Möglichkeit gefunden, die Offenheit und Begrenzung optimal zu verbinden.

„Diese zielgerichtete, systematische und planvolle Talentförderung verbunden mit Vielseitigkeit, Variantenreichtum und selbstbestimmten Leistungswillen bezeichne ich als „intentionale Vielseitigkeit“ (oder: zielgerichtete Vielseitigkeit)“ (Ebd., S. 6).

2.2 Methoden Akzeleration und Enrichment

Es sind in der Talentdiskussion zwei Wege der Talentförderung vorhanden. Als Alternativen stehen sich die Methoden der „Akzeleration“ und des „Enrichments“ gegenüber. Akzeleration bedeutet soviel wie Beschleunigung, d.h. das Talent zeichnet sich bereits in einem frühen Entwicklungsstadium durch eine hohe Leistung aus, wie neunjährige „Wunderkinder“, die den Schachweltmeister besiegen. Die Förderung dieser Talente besteht nun darin, die erkennbar frühe Leistungsauffälligkeit durch erhöhte Anstrengungen noch zu steigern. Ein gegenteiliges Konzept ist die Enrichment-Strategie. Enrichment heißt übertragen „Anreicherung“. Ziel ist bei dieser Strategie nicht die frühe Vollendung, sondern die Sicherung des Fundaments als Basis für die Talententwicklung. Bei der Talentförderung im Sport geht es nicht nur darum, einzelne Techniken zu lernen, die spezielle Kondition zu trainieren, taktische Spielzüge einzustudieren, sondern diese Grundvoraussetzungen durch Trainingsinhalte nachhaltig abzusichern. Diese Strategie ist langfristig ausgelegt so dass der kurzfristige Erfolg unwesentlich ist. Elemente der Enrichment-Strategie werden in der Grafik veranschaulicht:

GRAFIK JOCH fussballtraining S. 6

- Allgemein: das Allgemeine geht dem Speziellen voraus, es gilt als Basis und Ausgangspunkt
- Abwechslungsreich: steht gegen Trainingsmonotonie, die ein uneffektives, langweiliges und belastungseinseitiges Training charakterisiert
- Variantenreich: die Fähigkeit der variablen Verfügbarkeit stellt die höchste Stufe im Lernprozess dar.
- Vielseitig: neue Übungen werden im Trainingsprozess integriert, gehört zu den Begriffen abwechslungsreich und variantenreich
- Attraktiv: Training interessant gestalten mit viel Freude und Spass in der Vermittlung, aber auch altersgemäß und belastungsverträglich
- Gründlich: eine Vorgehensweise mit großer Achtsamkeit, eine genaue Bewegungsausführung als wichtiges Kriterium

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Talentförderung im Fußball
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V278052
ISBN (eBook)
9783656704614
ISBN (Buch)
9783656716167
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
talentförderung, fußball, überblick
Arbeit zitieren
Mirko Friedrich (Autor), 2001, Talentförderung im Fußball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278052

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