mTourismus. Einfluss mobiler Dienste auf die touristische Freizeit- und Urlaubsgestaltung


Bachelorarbeit, 2014
69 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis
1... Einleitung
1.1.. Hintergrund der Arbeit
1.2.. Zielsetzung
1.3.. Aufbau der Arbeit
2... Mobile Dienste
2.1.. Begriffserklärungen
2.2.. Entstehung und Entwicklung
2.3.. Ausgewählte Instrumente
3... Der Customer Buying Cycle nach Egger
3.1.. Einführung
3.2.. Die Phasen des Customer Buying Cycles
3.2.1 Anregungsphase
3.2.2 Informationsphase
3.2.3 Buchungsphase
3.2.4 Vorreisephase
3.2.5 Reisephase
3.2.6 Nachreisephase
4... Mobile Dienste im Kontext des Customer Buying Cycles
4.1.. Der Touchpoint als Verbindung zum Reisenden
4.2.. Das Bedürfnis als Touchpoint
4.2.1 Inspirationsbedürfnis
4.2.2 Generelles Informationsbedürfnis
4.2.3 Spezielles Informationsbedürfnis
4.2.4 Spezielles kontextbezogenes Informations- und Kommunikationsbedürfnis
4.2.5 Kommunikations- und Mitteilungsbedürfnis
5... Auswirkungen mobiler Dienste auf ausgewählte Reisearten
5.1.. Kultur- und Städteurlaub
5.2.. Fahrrad- und Wanderurlaub
5.3.. Winterurlaub
5.4.. Nutzen mobiler Dienste für Reisende
6... Konsequenzen für touristische Dienstleister
7... Fazit

III... Literaturverzeichnis

IV.. Anhang

V... Erklärung zur selbstständigen Anfertigung

I. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: „Begriffsabgrenzung und -verständnis“

Abbildung 2: „Prognose zum monatlichen mobilen Datenverkehr

weltweit (in Exabyte) 2010 – 2017“

Abbildung 3: „Customer Buying Cycle“

Abbildung 4: „Mobile Dienste im Kontext des Customer Buying

Cycle“

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Hintergrund der Arbeit

In den vergangenen fünfzehn Jahren hat das Internet als Informations- und Kommunikationsmedium eine rasante Entwicklung erlebt. Immer mehr breitet sich die Nutzung des World Wide Web in fast alle gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Bereiche aus. Die Tatsache, dass immer mehr Menschen einen Internetzugang besitzen, dass das Handy vom Smartphone[1] abgelöst wurde und dass fast täglich neue Kommunikationsplattformen und Internetdienste entstehen, zeigt inwiefern das mobile und virtuelle Leben an Bedeutung gewonnen hat. (Hettler, 2010, S.1-3)

Eine Branche, die bereits vom technologischen Fortschritt profitieren konnte, seither einer der weltweit größten Arbeitgeber ist und in vielen Ländern eine große wirtschaftliche Bedeutung hat, ist der Tourismus. „Dass der Tourismus als prädestinierte Branche für den Einsatz mobiler Dienste und Services angesehen werden kann, wird bereits durch dessen Eigenheiten, vor allem durch die, vorrangig durch den Ortswechsel hervorgerufene, Informationsintensivität erkennbar“ (Egger und Jooss, 2010, S.12). Besonders im Tourismus, in dem es im Wesentlichen um die Kommunikation und den Informationsaustausch zwischen Menschen geht und wo immaterielle, emotionsgeladene Güter verkauft werden, ist eine Verbindung zur virtuellen Welt des Internets und seiner, sich ständig weiterentwickelnden, Erscheinungsformen naheliegend. (Freyer, 2011, S. 30-31 und 288-291)

In der letzten Dekade hat bereits die Stufe des Web 2.0, bzw. die des Social Media Marketing, Einzug in die touristische Welt als weitere Schnittstelle zwischen Produzenten und Konsumenten gehalten. Die nächste Revolution, die sich sehr schnell entwickelt, ist die des mTourismus und der mobilen Dienste. Begriffe wie z.B. Location Based Services, Near Field Communication, Radio-Frequency Identification und Augmented Reality sind in diesem Zusammenhang entstanden und rufen eine grundlegende Veränderung der Nutzung von Internet und Smartphone und der virtuellen Interaktion zwischen Menschen hervor. (Egger und Jooss, 2010, S.5) „Mobile ist aus dem Alltag der Deutschen nicht mehr wegzudenken. Inzwischen greifen fast 40 Prozent der Deutschen über 14 Jahre mindestens einmal im Monat auf Angebote im mobilen Internet zu. Und das nicht nur eben zufällig: Über ein Drittel nutzt es schon gleich intensiv oder sogar noch häufiger als das stationäre Internet.“ (Böhm, 2014)

Hierbei stellt sich die Frage, inwiefern die vorstehend genannten Entwicklungen und mobilen Dienste Einfluss auf die touristische Freizeit- und Urlaubsgestaltung von Reisenden haben.

1.2 Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es, mobile Dienste, in Form von Anwendungen auf Smartphones, als Einflussfaktoren auf die Freizeit- und Urlaubsplanung und -gestaltung von Touristen zu prüfen und anhand von konkreten Diensten und Beispielen aus dem Reiseverkehrs- und Freizeitsektor herauszuarbeiten, wie präsent und ausgereift die Nutzung in diesem Bereich bereits ist. Dabei wird sowohl auf allgemeine Darstellungen, als auch auf touristische Aspekte eingegangen, wobei die tatsächlichen Kontaktpunkte auf der „Reise des Kunden“, sowie spezielle Anwendungsbeispiele und Einsatzmöglichkeiten aus der Tourismusbranche einen übergeordneten Stellenwert haben. Anhand der Vorstellung ausgewählter Reisearten und der dadurch gesammelten Erkenntnisse in Bezug auf die mobile Nutzung von Applikationen (im weiteren Verlauf als Apps bezeichnet), soll veranschaulicht werden, inwieweit diese Einfluss auf die verschiedenen Phasen einer Reise haben.

1.3 Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit ist in sieben Hauptpunkte unterteilt. Zunächst soll die Einleitung eine kurze Einführung in das Thema und die Zielsetzung geben, um dem Leser die Bedeutung dieser Arbeit darzulegen. In diesem Kapitel wird die Struktur der Arbeit vorgestellt, um die Sinnzusammenhänge der einzelnen Punkte aufzuzeigen. Im zweiten Abschnitt werden unter anderem die Begriffe „mobile Dienste“ und „mTourismus“ definiert und erläutert, was darunter zu verstehen ist.

Außerdem werden weitere wichtige Begriffsabgrenzungen vorgenommen und in einem eigens entwickelten Schaubild dargestellt, um das Verständnis der Zusammenhänge zu erleichtern. Dann folgen bedeutende Informationen zur Entstehung und Entwicklung mobiler Dienste, sowie eine Übersicht und Vorstellung der verschiedenen Instrumente.

Im dritten Gliederungspunkt wird der Customer Buying Cycle (CBC) nach Roman Egger, also die „Reise des Kunden“ entlang verschiedener Kontaktpunkte, präsentiert. Durch die Vorstellung der einzelnen Reisephasen soll deutlich gemacht werden, welchen Stellenwert mobile Dienste in der Tourismusbranche einnehmen und welche Auswirkungen sie auf das touristische Reise- und Informationsverhalten haben können.

Um anschließend die Verbindung zwischen dem Customer Buying Cycle und den mobilen Diensten explizit darstellen zu können, werden diese in Punkt vier in dessen Kontext gestellt. Dazu werden konkrete Touchpoints definiert, die als bestimmte Bedürfnisse in den einzelnen Phasen die Lücken zwischen beiden schließen. In Anlehnung an den CBC von Egger wird ein eigenes Schaubild entwickelt, das zusätzlich konkrete App-Beispiele aufzeigt, die die verschiedenen Bedürfnisse befriedigen können.

Punkt fünf der Gliederung umfasst eine Illustration selektierter Praxisbeispiele aus der Tourismusbranche. Die drei ausgewählten Reisearten: Kultur- und Städteurlaub, Fahrrad- und Wanderurlaub und Winterurlaub werden eingehend beschrieben. Dabei werden konkrete Nutzungskonzepte und Reiseapps vorgestellt, um einen adäquaten Praxisbezug zu touristischen Anwendungsfeldern zu erreichen. Eine weitergehende Gegenüberstellung jeder der drei Urlaubsarten für Reisen mit mobilen Diensten und Reisen ohne diese soll aufzeigen, welche Vor- und Nachteile ersteres für Touristen hat und welcher konkrete Nutzen sich letztendlich daraus ergibt.

Aus den vorherig gesammelten Erkenntnissen werden dann im sechsten Abschnitt die daraus resultierenden Konsequenzen für touristische Dienstleister abgeleitet, um auch die Einflussfaktoren auf die Anbieterseite zu beleuchten.

Somit können im letzten Gliederungspunkt, dem Fazit, die Kernaussagen resümiert werden, die den Einfluss mobiler Dienste auf die touristische Freizeit- und Urlaubsgestaltung verdeutlichen.

2. Mobile Dienste

2.1 Begriffserklärungen

Um die Bedeutung und die Zusammenhänge von mobilen Diensten zu erkennen und sich dem Begriff zu nähern, ist es zunächst notwendig einige Begrifflichkeiten zu erklären, die im Kontext des mTourismus genannt werden.

Begriffe, die in diesem Zusammenhang häufig auftauchen sind: eBusiness, eCommerce, mBusiness, mCommerce und eTourism. Die Definitionen dazu sind in der Literatur nicht einheitlich.

Für den Verlauf dieser Arbeit werden die folgenden Wortbedeutungen als Basis zur Begriffseinordnung für sinnvoll erachtet:

eBusiness (electronic business) ist „[...] die integrierte Ausführung aller automatisierbaren Geschäftsprozesse eines Unternehmens mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie“ (Herden, et al., 2006, S.43). eCommerce wird hingegen als „Teil des Electronic Business [angesehen], der den Kauf und Verkauf von Waren und Leistungen über elektronische Verbindungen umfasst“ (Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: E-Commerce, 2014).

Auf mobiler Ebene, also mithilfe von Smartphones, Laptops, Tablets, etc., lassen sich die Termini mBusiness und mCommerce wie folgt definieren: „ M-Business ist der Oberbegriff für mobiles, elektronisches Business. Es ist die Integration aus E-Business und Mobilität, eine effiziente, ortsunabhängige Abwicklung von Geschäftsprozessen. M-Business nutzt die erhöhte Funktionalität und Leistungsfähigkeit von mobilen Kommunikationsgeräten wie Handys, Smartphones, Notebooks, Tablets, PDAs und diversen anderen und setzt diese als universelle Kommunikationsmittel in mobilen Arbeitsprozessen ein“ (IT Wissen, Stichwort: M-Business, 2014). „Mobile Commerce (M-Commerce) ist der elektronische Handel, [also] E-Commerce über mobile Endgeräte und damit ein Aspekt von Mobile Business“ (IT Wissen, Stichwort: M-Commerce, 2014).

Auch bezogen auf den Tourismus können die beiden Bereiche „electronic“ (e) und „mobile“ (m) unterschieden werden. Nach Dr. Dominik Rossmann (2010, S.371) werden als „[...] E-Tourismus [...] alle digitalisierten und über webbasierte Technologie realisierten Transaktionen verstanden, die von der Tourismuswirtschaft zur Optimierung der Wertschöpfungsprozesse eingesetzt werden, um dadurch die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.“

„Der Begriff mTourismus oder "mTourism" (engl.: mobile tourism) [hingegen] ist eine spezielle Ausprägung des mCommerce (engl.: mobile commerce) und meint die Unterstützung und Versorgung des Reisenden vor Ort, während der Reise, unter Verwendung drahtloser Informations- und Kommunikationstechnologien und mobiler Endgeräte.“ (Wohlfarth, 2010)

Um die Unterscheidung der oben genannten Bereiche noch einmal zu verdeutlichen und besser nachvollziehen zu können, wurde mit Bezug auf die vorherig erwähnten Definitionen folgendes Schaubild entwickelt:

Abbildung 1: „Begriffsabgrenzung und – verständnis“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

Demnach ist eCommerce als Teil des eBusiness anzusehen, aus dem sich in den vergangenen Jahren das mBusiness entwickelt hat. mCommerce ist wiederum, neben anderen Teilbereichen, in das mobile business integriert.

Als branchenspezifischer Zweig ist der electronic tourism aus dem eBusiness entstanden und inkludiert, als eine Variante des mCommerce, den mobile tourism. Bezogen auf die Definition des mTourismus von Wohlfahrt (2010) lassen sich nun die verschiedenen mobilen Dienste als „...drahtlose Informations- und Kommunikationstechnologien...“ ableiten, die unter Verwendung von sogenannten Apps auf Smartphones ausgegeben und als „...Unterstützung und Versorgung des Reisenden vor Ort...“, sowie auch schon vor der Reise genutzt werden können. Oftmals werden auch Laptops, PDA´s und Tablett PC´s in Verbindung mit der mobilen Nutzung gebracht. Diese Arbeit beschränkt sich jedoch aufgrund der höheren Mobilität und der Gegenwarts- und Zukunftsbezogenheit der Geräte stärker auf die Verwendung von mobilen Diensten in Apps auf Smartphones.

Die im Schaubild genannten Dienste werden in Kapitel 2.3 Ausgewählte Instrumente eingehend dargestellt. Doch zunächst wird im folgenden Kapitel die historische Entwicklung und die Entstehung mobiler Dienste erläutert, um eine tiefergehende Abgrenzung der verschiedenen Begrifflichkeiten zu verdeutlichen.

2.2 Entstehung und Entwicklung

Um die Entstehung und die Entwicklung mobiler Dienste erläutern zu können, müssen zunächst Faktoren beleuchtet werden, die eng in Verbindung mit ihnen stehen und ohne deren Evolution mobile Dienste vermutlich nicht entstanden wären. Diese Vorstufen und Partizipanten mobiler Kommunikation sind das Internet oder auch Web 1.0 und das Web 2.0.

„In den ersten zehn Jahren (1994-2004) seiner breiten Nutzung entwickelte sich das Internet zu einer weltweiten Informationsquelle und kreierte für die Benutzer virtuelle und interaktive Destinationen in unterschiedlicher Form [...]“ (Stanoevska-Slabeva, 2008, S.14). Dabei handelte es sich jedoch um sehr statische Internetseiten, die Informationen für die Nutzer nur zur Verfügung stellten. Laut Katarina Stanoevska-Slabeva (ebenda) war eine Interaktion zwischen Nutzern und Anbietern eingeschränkt: „Die Interaktivität bezog sich fast ausschließlich auf Inhalte, die von Unternehmen, Content Providern oder Online Anbietern bereitgestellt wurden und bot begrenzte Möglichkeiten und Formate für nutzerspezifische Beiträge.“

Eine grundlegende Veränderung des Nutzerverhaltens im Internet wurde erst durch die Entwicklungen ermöglicht, die unter dem Begriff Web 2.0 zusammengefasst werden. Die Weiterentwicklung der Technologien, wie u. a. die Verfügbarkeit von Breitband-Internetanschlüssen für nahezu jeden Haushalt und die damit verbundene Steigerung der Datenübertragungsraten, sowie die Senkung der Internetnutzungskosten führten dazu, dass sich das Internet in fast alle gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Bereiche ausdehnte. (Hettler, 2010, S. 1-3) Daraus resultierte letztendlich die grundlegende Neuerung in der Evolution von Web 1.0 zu Web 2.0: „[...] die Bereitschaft der Nutzer, selbst Inhalte für das Web zu schaffen, bzw. user generated content[2] zu produzieren [...]“ (Hettler, 2010, S.3). So zitiert Stanoevska-Slabeva (2008, S. 15-16): „Anders als Web 1.0 Plattformen, kreieren Web 2.0 Plattformen zumeist keine eigenen Inhalte und übernehmen keine redaktionellen Aufgaben. Sie stellen die Plattform zur Verfügung und definieren letztlich welche Funktionalitäten und Module das Angebot enthält und welche grundlegenden Regeln die Nutzer zu beachten haben (Högg, et al., 2006).“

In dem neu entstandenen „[...] Mitmach-Netz mit user generated content [...]“ (Freyer, 2011, S. 292) etablierten sich bis heute Social-Media-Dienste wie, Facebook, YouTube, Twitter, Flickr, oder auch Wikipedia. Einen Ausblick, wie sich Social-Media-Dienste entwickeln werden und in welche Richtung es nach Social Media geht zeigen die folgenden Aussagen von Claudia Hilker (2010, S. 186): „Es wird sicherlich laufend neue Social-Media-Plattformen geben, gerade auch für spezielle und kleinere Zielgruppen. Social Media werden sich stärker in unseren beruflichen und privaten Alltag integrieren und wir werden sie zukünftig vorrangig über mobile Endgeräte nutzen.“ Weiterhin sagt Sie voraus: „Social Media werden mobil [...] [und] [...] Handys erleben durch Social Media Apps Aufwind.“ (ebenda)

Einigkeit über die weitere Entwicklung des Internets herrscht in der aktuellen Literatur und in Fachbeiträgen aus dem Internet allerdings nicht. Die mit dem Begriff Web 3.0 bezeichnete nächste Evolutionsstufe kann technologische Neuerungen, weitere Änderungen des Nutzerverhaltens oder auch nur Weiterentwicklungen des Web 2.0 beinhalten, dessen Wachstum sicher noch nicht als abgeschlossen angesehen werden kann.

Im Folgenden werden daher unterschiedliche Ansichten über die Zukunft des Internets und Entwicklungstendenzen gegenübergestellt, um schlussendlich die mobilen Dienste passend in den Kontext des Internets einordnen zu können. Auf eine detaillierte Erläuterung der einzelnen Prognosen und Techniken wird hierbei verzichtet, da dies als nicht zielführend angesehen wird und den Rahmen dieser Arbeit übersteigen würde.

Blog-Autor Matthias Gläßner (2011) beispielsweise sieht mehrere Szenarien als realistisch. So nennt er z.B. eine Verbesserung der Geschwindigkeit von Internetseiten mithilfe von nativen Codes im Browser, die Implementierung von 3D-Websites, eine bessere Semantik des Webs um Informationen optimaler verbinden zu können, eine weiter wachsende Vernetzung durch Metasuchmaschinen und die Integration weiterer Technologien wie z.B. Spracherkennung und- ausgabe oder die Nutzung von GPS-Daten an Desktop-Computern.

Nach Auffassung von Katarina Stanoevska-Slabeva (2008, S. 29-36) werden das mobile Internet und die mobile Nutzung von Smartphones, mithilfe der dazugehörigen Dienste wie QR oder RFID, die alltägliche Welt noch mehr beeinflussen. Sie prognostiziert durch die mobile Verfügbarkeit ein stärkeres Zusammenwachsen von digitaler und realer Welt und eine Verbreitung mobiler Medien, als Weiterentwicklung von Web 2.0, in sämtliche Lebensbereiche (Internet der Dinge). Weiterhin sieht sie einen Fortschritt bei Mash-ups als Verbindung zwischen unterschiedlichen Datendiensten, um die Dienstleistungsqualität zu verbessern. Ebenso sollen neue Suchmaschinen entstehen, die unter dem Begriff Semantic Web zusammengefasst werden. Ein Begriff der bei Zukunftsprognosen des Internets sehr häufig fällt. Antworten werden damit durch Verlinkungen von verschiedenen Informationen und Plattformen detaillierter ausgegeben. Computer und Maschinen sollen dadurch intelligenter werden und Suchanfragen von Nutzern besser verstehen und kontextbezogen reagieren können.

Um an den von Stanoevska-Slabeva genannten Aspekten anzuknüpfen, bietet sich ein Blick auf die Ansicht von Ralf Kreutzer (2014) an.

Seiner Meinung nach, wird die Zukunft des Internets wie folgt aussehen: „Die Anzahl der mobilen Endgeräte steigt dramatisch. Bereits heute werden in Deutschland mehr Smartphones als Standard-Mobiltelefone verkauft. [...]“

„Außerdem erfolgt in einem immer größeren Umfang ein mobiler Zugriff auf Online-Angebote. Nicht nur Facebook wird zu über 60% bereits mobil genutzt, auch Online-Einkäufe und Online-Recherchen finden in zunehmendem Maße mobil statt. Vor diesem Hintergrund wird mit einem exponentiellen Wachstum des mobilen Datenverkehrs gerechnet (vgl. Cisco 2013, S. 5).“ (Kreutzer, 2014, S. 321) Zur Unterstreichung der obenstehenden Aussage zieht Kreutzer (2014, S. 323) eine Grafik, basierend auf der Umfrage „Cisco Visual Networking Index: Global Mobile 2013“, des US-amerikanischen Telekommunikationsunternehmens „Cisco Systems“ heran:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: „Prognose zum monatlichen mobilen Datenverkehr weltweit (in Exabyte) 2010 – 2017“

Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/172511/umfrage/prognose---entwicklung-mobiler-datenverkehr/

Anhand dieser Grafik lässt sich erkennen, welchen Stellenwert die mobile Datenübertragung im Vergleich zu den vergangenen vier Jahren bereits eingenommen hat und in Zukunft noch einnehmen wird. Ausgehend von dem aktuellen Jahr 2014 wird - laut Prognose - der monatliche mobile Datenverkehr gemessen in Exabyte[3] bis 2017 jährlich mehr oder weniger um das 1,5-fache zunehmen. Somit wird die mobile Datenübertragungsrate im Jahr 2017 monatlich 8,4 Exabyte mehr betragen als im Jahr 2014 – also das 4-fache des aktuellen mobilen Datenaufkommens.

Weiterhin, so Kreutzer (2014, S. 323) „[...] wird sich das Smartphone zu einem Smart Service Terminal entwickeln, das in der Online- und Offline-Welt zum zentralen, ganzheitlichen und vor allem zum ganz persönlichen Steuerungs- und Navigationsinstrument werden wird.“ Daraus resultieren für ihn eine steigende Anzahl leistungsfähigerer mobiler Endgeräte mit vor allem mobile Payment-Funktionen und anderen Diensten die über Apps ausgegeben werden. Außerdem wird die immer weiter voranschreitende Verschmelzung der analogen und digitalen Welt zu einer Änderung des Kaufverhaltens führen. Ferner erwartet er eine steigende Parallelnutzung mehrerer Medien und eine verstärkte Relevanz standortbezogener Dienste, wie z.B. Location Based Services. (Kreutzer, 2014, 322-326) Diese Ansicht teilen auch Egger und Jooss (2010, S.5): „Insbesondere der mobile Internetzugang sowie Location Based Services (LBS), also Dienste, welche abhängig von der geographischen Lage des Endgerätes ortsabhängige Informationen bereitstellen, gelten als zukunftsträchtig.“

Mobile Dienste können somit auf Basis der gesammelten Erkenntnisse als eine Weiterentwicklung des Web 2.0 und als zukünftiger Bestandteil des Web 3.0 angesehen werden. Doch viele der von den Autoren genannten Dienste sind mittlerweile keine Zukunftsmusik mehr. Sie existieren bereits und werden schon von vielen Menschen in unterschiedlichen Situationen genutzt. Daher werden im folgenden Abschnitt ausgewählte Instrumente dargestellt, deren jetziger Entwicklungsstand eine Nutzung bereits vollständig oder teilweise ermöglicht.

2.3 Ausgewählte Instrumente

Location Based Services, Radio-Frequency Identification, Near Field Communication, QR-Codes, Augmented Reality, Mobile Browsing und andere Informationsdienste sind die gängigsten Technologien der mobilen Dienste, bei denen in dieser Arbeit zunächst von einer sinnvollen Nutzbarkeit in der Tourismusbranche ausgegangen wird.

Um diese Dienste und ihre Leistungspotenziale kennenzulernen, werden sie im Folgenden eingehend beschrieben. Beispielhafte Einsatzmöglichkeiten für den Tourismus werden in den Kapiteln drei bis fünf erläutert. Weitere Services, wie z.B. Bluetooth, Infrarot, SMS und MMS, werden hier außer Acht gelassen, da sie schon eine längere Zeit in der Telekommunikationsbranche etabliert sind.

Location Based Services (LBS)

Location Based Services „[...] [bieten] dem Nutzer ortsbezogene Informationen und Services, wobei die angebotene Information von der aktuellen geographischen Position des Endgerätes abhängig ist“ (Egger, 2010, S. 478). Somit kann der User, bezogen auf seine momentane Situation und seinen Standort, kontextbezogene Informationen und Services direkt auf sein mobiles Endgerät erhalten und muss diese nicht lange selbstständig suchen. Dies können beispielsweise dynamische Karten zur Orientierung und Navigation oder Apps mit Informationen über Restaurants, Hotels und Sehenswürdigkeiten sein, die den Besitzer des Smartphones via GPS[4] oder anderer Technologien lokalisieren. (Kollmann, 2011, S. 17, 20, 21) Teilweise werden LBS in der Literatur (z.B. Egger und Jooss, 2010) auch als Überbegriff der hier vorgestellten mobilen Dienste gesehen. Der Einfachheit halber sind LBS in dieser Arbeit jedoch als ein Teil der mobilen Dienste zu verstehen, mit deren Hilfe sich der Nutzer auf dynamischen Karten orten und wissenswerte Informationen über Einrichtungen in der näheren Umgebung abrufen kann. NFC, AR und RFID werden hier separat betrachtet.

Radio-Frequency Identification (RFID)

„RFID [...] ist eine drahtlose Kommunikationstechnik mit dem Ziel Informationen zur Identifizierung von Objekten und Personen bereitzustellen“ (Egger und Jooss, 2010, S. 17). Diese Technologie, die sich elektromagnetische Wellen zunutze macht, arbeitet mit einem Schreib- und Lesegerät und einem Transponder. Befindet sich der Transponder im Lesebereich des Gegenstücks, kann eine Verbindung hergestellt werden, um den Transponder zu identifizieren.

Dabei kann sich der Transponder auf Gegenständen, wie z.B. Gepäckstücken, auf Zugangskarten, oder - wie seit dem Jahr 2005 - auf dem neuen Reisepass befinden. Verlässt der jeweilige Gegenstand den Lesebereich wieder, wird die Verbindung beendet. (Egger und Jooss, 2010, S. 17) Der Transponder muss keine eigene Stromversorgung vorweisen und kann in einer Entfernung von einigen Metern vom Lesegerät erkannt werden. (Brüne, 2019, S.222)

Near Field Communication (NFC)

NFC ist ebenfalls eine drahtlose Technologie, die Daten auf kürzester Entfernung (ca. 10 cm) übertragen kann. Jedoch wird ihr im Gegensatz zur RFID ein größerer Leistungsumfang zugeschrieben, da es nicht nur einen Sender und einen Empfänger gibt, sondern jedes Gerät gleichwertig mit seinem Gegenstück kommunizieren kann. So können unterschiedliche Verbindungsarten zwischen dem sog. Initiator und dem sog. Target aufgebaut werden, die neue Anwendungsmöglichkeiten im Tourismus hervorbringen. Beispielsweise kann das Smartphone durch NFC als Schlüssel für das Hotelzimmer oder den Mietwagen fungieren, das Boarding ins Flugzeug ermöglichen, oder - wie momentan schon von der Deutschen Bahn angeboten - als Check-In und Check-Out – Registrierung und somit als mobiles Ticket für Zugfahrten dienen. Weiterhin ist es möglich NFC zur mobilen Bezahlung zu nutzen. (Egger und Jooss, 2010, S. 18)

Quick Response-Codes (QR-Codes)

QR-Codes sind kleine rechteckige Abbildungen, die ein schwarzweißes Muster darstellen. Dieser Code kann von einem Smartphone mit Kamerafunktion und einer entsprechenden App ausgelesen werden und führt normalerweise durch eine hinterlegte Verlinkung direkt zu einer Internetseite auf der der Nutzer Informationen erhält. Diese Informationen können Informationstexte, Kartenmaterial, Wegbeschreibungen, Videos, oder nur eine Homepage sein. Dadurch, dass QR-Codes abgedruckt werden müssen und dann durch einscannen in die digitale Welt führen, sind sie eine Schnittstelle zwischen realen Printmedien und digitalen Onlinemedien. (Stanoevska-Slabeva, 2008, S. 30-31)

Augmented Reality (AR)

Laut Mehler-Bicher (et al., 2011, S.10) ist Augmented Reality (dt. erweiterte Realität) definiert durch die: „Kombination von virtueller Realität und realer Umwelt mit teilweiser Überlagerung, [die] Interaktion in Echtzeit [und den] Dreidimensionalen Bezug von virtuellen und realen Objekten“ (zitiert nach Azuma, 1997, S.1f). Mit anderen Worten ist AR eine Technologie, die die reale Welt um dreidimensionale Darstellungen im Moment der Anzeige erweitert. Genutzt werden kann dieser Dienst ebenfalls mithilfe eines Smartphones, seiner Kamera und dem Display als Ausgabemedium. „Ein typisches Beispiel ist die Nutzung von „augmentierten“ Informationen zu Sehenswürdigkeiten oder U-Bahn-Plänen“ (Mehler-Bicher, et al., 2011, S.23). So können beispielsweise historische Informationen zu einem Gebäude ergänzend angezeigt werden, wenn die Kamera des Smartphones dieses in den Focus genommen hat.

Mobile Browsing und mobiles Internet

Unter Mobile Browsing ist hier das mobile Aufrufen von Webseiten mit einem Browser[5], der auf einem Smartphone als App installiert ist, zu verstehen. Über diesen Browser und sein Smartphone kann der Nutzer jegliche Informationen des Internets auf Homepages abrufen. Um dies zu ermöglichen, muss das mobile Endgerät eine Verbindung mit dem Internet aufbauen können. Die Verbindung kann beispielsweise über WLAN, 3G, bzw. UMTS, HSPA, HSPA+, oder LTE aufgebaut werden. Um einen tieferen Einstieg in die Materie des Mobilfunks zu vermeiden, werden die vorstehend genannten Technologien nur in Bezug auf ihre Mobilität unterschieden. Zur weiteren Information sind im Anhang (S. 54 ff.) der Beitrag: „LTE und UMTS im Vergleich – 3G und 4G Internet“ von Jan Gevert und der Artikel: „Grundlagen Mobilfunk“ von Patrick Schnabel zu beachten. 3G und LTE sind demnach Übertragungstechnologien, bei denen der Nutzer nicht an einen bestimmten Ort gebunden ist. Die Mobilität ist daher höher als bei der Nutzung von WLAN, da „[d]ie Reichweite von WLAN-Hotspots [...] mit Radien von rund 100 m [...] äußerst begrenzt [ist] und [sich] in ihrem Durchmesser typischerweise auf einzelne Räume, ein Stockwerk, ein Firmengelände, etc. beschränkt“ (Egger und Jooss, 2010, S. 16). Abseits von Apps kann der User mit Mobile Browsing beispielsweise Informationen zu Veranstaltungen, Destinationen, oder anderen für ihn nützlichen Content[6] empfangen.

Auch für die oben beschriebenen Dienste wie z.B. QR-Codes, AR und teilweise LBS kann eine Verbindung zum Internet notwendig sein. Die Nutzung von mobilem Internet und von WLAN-Netzwerken in Hotels war in der Vergangenheit mit hohen Kosten an den Netzanbieter oder an das Hotel verbunden. Allerdings zeigen die Meldungen: „Kostenloses WLAN in immer mehr Hotels“, „NH führt weltweit Gratis-WiFi ein“ und „Travel & Surf: Neue Telekom-Datenpässe ab 6. Mai“ in welche Richtung dabei in Zukunft gedacht wird. Den Artikeln ist zu entnehmen, dass immer mehr Hotelketten kostenloses WLAN in ihren Hotels anbieten. So ermöglichen unter anderem ab Anfang diesen Jahres (2014) Sofitel, Novotel, Mercure, ibis, adagio, Steigenberger und InterCityHotels ihren Kunden eine gebührenfreie Internetnutzung (Neuhetzki, 2013). Kunden der Hotelgruppe NH Hoteles können diesen Service bereits ab 01. August 2012 nutzen. Damit war NH Hoteles die erste Hotelkette, die diesen Standard weltweit ohne Gebühren angeboten hat (o.N.,Tophotel, 2012). Auch in Bezug auf das mobile Internet über die Technologie 3G oder LTE gibt es aktuelle Neuerungen. Die Telekom, eines der größten europäischen Telekommunikationsunternehmen, passt ihre mobilen Datentarife an. So werden die Kosten für mobiles surfen im EU- und sogar Nicht-EU-Ausland um fast 90 % gesenkt. (Oestereich, 2014) Diesen Trend unterstützt auch das europäische Parlament, das zurzeit über eine Abschaffung der Roaming-Gebühren im Jahr 2015 debattiert (Stöcker, 2014). Diese Trends verdeutlichen, dass der Nutzung mobiler Dienste während der Reise bald kaum noch technologische Grenzen gesetzt sind.

[...]


[1] „Internetfähige Mobiltelefone. Smartphones kombinieren die Funktionen eines Mobiltelefons mit dem Leistungsumfang eines PDAs. Sie ermöglichen z.B. mobiles Browsing und das Herunterladen von Content. Smartphones verfügen in der Regel über einen druckempfindlichen Bildschirm (Touchscreen), über den die Bedienung und Eingaben erfolgen“ (Brüne, 2009, S. 234).

[2] „Bezeichnung für von Benutzern des Internets selbst erzeugte Inhalte. User Generated Content ist einer der Schlüsselbegriffe des Web 2.0. Hiermit soll ausgedrückt werden, dass Medieninhalte von den Nachfragern nicht mehr nur ausschließlich konsumiert, sondern aktiv mitgestaltet bzw. gänzlich selbst produziert werden“ (Brüne, 2009, S. 256).

[3] 1 Exabyte = 1.073.741.824 Gigabyte = 1.099.511.627.776 Megabyte (Hainke, 2014)

[4] „Abkürzung für Global Positioning System und Oberbegriff für satellitengestützte Ortungssysteme. Aus den Funksignalen der Satelliten berechnen GPS-Empfänger den genauen Standort“ (Brüne, 2009, S.123).

[5] „Software, die für die Kommunikation und den Datenaustausch im World Wide Web erforderlich ist. Da Internetseiten in einer speziellen Form erstellt werden, sind sie nicht direkt lesbar. Ein Browser dient dementsprechend zum bequemen Darstellen und Navigieren im Internet“ (Brüne, 2009, S.42).

[6] Informationsgehalt einer Website (Brüne,2009, S. 62)

Ende der Leseprobe aus 69 Seiten

Details

Titel
mTourismus. Einfluss mobiler Dienste auf die touristische Freizeit- und Urlaubsgestaltung
Hochschule
Fachhochschule Westküste Heide
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
69
Katalognummer
V278053
ISBN (eBook)
9783656705345
ISBN (Buch)
9783656707578
Dateigröße
8077 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tourismus, mobile Dienste, Smartphones, neue Technologien, mTourismus, Location Based Services, Web 3.0
Arbeit zitieren
Constantin Foltin (Autor), 2014, mTourismus. Einfluss mobiler Dienste auf die touristische Freizeit- und Urlaubsgestaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278053

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