"Ich habe ihn geliebt, und Niemanden sonst". Richard Wagner und Friedrich Nietzsche

Die epochale Begegnung zweier Giganten


Lizentiatsarbeit, 2012

40 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Wilhelm Richard Wagner – kurze Einsicht in seinen Lebenslauf
1.1. Jugendjahre
1.2. Reifejahre

2. Richard Wagner und Bayreuth

3. Friedrich Nietzsche – kurze Einsicht in seinen Lebenslauf

4. Richard Wagner und Friedrich Nietzsche
4.1. Die erste Begegnung
4.2. Der Meister und sein Jünger
4.3. Die Wende
4.4. Zu Mythos und Wahrheit des Verhältnisses Richard Wagners und Friedrich Nietzsches
4.5. Das Verhältnis zwischen Friedrich Nietzsche und Cosima Wagner

5. Resümee

Zusammenfassung

Streszczenie w języku polskim

Literaturverzeichnis

Einführung

Täglich kommt es zu Begegnungen zwischen Menschen. Manche dieser Begegnungen sind erfreulich, andere interessant, noch andere würden wir gerne aus unserem Gedächtnis streichen. Die meisten Begegnungen wirken sich jedoch nur auf ihre direkten Teilnehmer aus. Die Sache verhält sich anders, wenn sich Menschen begegnen, welche von großer Bedeutung für ein Land, eine Kultur oder eine Religion sind. Die Zusammenkünfte von Politikern, ob offizieller oder privater Natur, haben oft Einfluss auf die Weltgeschichte. Persönliche Sympathie oder Abneigung entscheiden dann oft über den Verlauf der Geschichte von ganzen Nationen.

Doch nur in den seltensten Fällen kommt es zu Begegnungen, deren Spur sich wie ein Faden durch die Jahrhunderte der Kultur und Philosophie zieht. Eine solche folgenreiche Begegnung fand am 8. November 1868 im Hause Brockhaus in Leipzig statt.

An diesem Tag trafen zwei Giganten aufeinander – der zu dem Zeitpunkt bereits reife Künstler Richard Wagner und der junge Philologe Prof. Friedrich Nietzsche. Die Beziehung der beiden wird bis heute heftig diskutiert. Einmal aus der Sicht der Philosophie, dann wieder aus der Sicht der Musik, denn Nietzsche und Wagner wirkten sich aufeinander als Menschen, als auch auf ihr gegenseitiges Schaffen stark aus. Und obwohl der Einfluss Nietzsches auf die Musik und das Wirken Wagners sicherlich geringer war, als der des Musikers Wagner auf die Persönlichkeit und die Werke Nietzsches, so hat der Letztere Wagner sicherlich stark beschäftigt und war für ihn sehr wichtig. Die Beziehung endete in einem Auseinanderklaffen der Ansichten und auch in einem Zerwürfnis ihrer Freundschaft, und doch schrieb Friedrich Nietzsche in der „Fröhlichen Wissenschaft“:

,Wir waren Freunde und sind uns fremd geworden. Aber das ist recht so und wir wollen's uns nicht verhehlen und verdunkeln, als ob wir uns dessen zu schämen hätten. (...) Dass wir uns fremd werden müssen, ist das Gesetz über uns: ebendadurch sollen wir uns auch ehrwürdiger werden! Ebendadurch soll der Gedanke an unsere ehemalige Freundschaft heiliger werden! Es gibt wahrscheinlich eine ungeheure unsichtbare Kurve und Sternenbahn, in der unsere so verschiedenen Straßen und Ziele als kleine Wegstrecken einbegriffen sein mögen, - erheben wir uns zu diesem Gedanken! (...) Und so wollen wir an unsere Sternen-Freundschaft glauben, selbst wenn wir einander Erden-Feinde sein müssten."[1]

1. Wilhelm Richard Wagner – kurze Einsicht in seinen Lebenslauf

1.1 Jugendjahre

Richard Wagner wurde am 22. Mai 1813 in Leipzig als das neunte Kind von Carl Friedrich Wagner und Johanna Rosine Wagner, geb. Pätz geboren. Sein Vater starb früh und seine Mutter heiratete einige Zeit später den Dichter und Schauspieler Ludwig Geyer. Die Vermutungen, dass Ludwig Geyer der leibliche Vater Richard Wagners sei, konnten bislang weder be- noch widerlegt werden. Es überwiegt jedoch die Ansicht, dass der leibliche Vater Richard Wagners Carl Friedrich Wagner war.

Im Jahre 1814 siedelte Wagners Familie nach Dresden um. Nach dem Tod von Ludwig Geyer kam Richard Wagner nach Eisleben in die Obhut seiner Familie.

Ein Vorbild war für Wagner in dieser Zeit sein Onkel Adolph Wagner, der Philologe war und die Werke Sophokles’ übersetzte. Unter dessen Einfluss, sowie der Literatur, welche Wagner in der Bibliothek seines Onkels las, entstand Wagners erstes Drama unter dem Titel „Die Tragödie Leubald’.

Doch die wichtigste Passion Wagners sollte zum Vorschein kommen, als Richard mit 16 Jahren Beethovens Oper Fidelio – mit Wilhelmine Schröder – Devrient in der Hauptrolle sah. Es war eben dieses Erlebnis, welches Wagner darüber entscheiden ließ, Musiker zu werden. Kurz darauf entstanden auch seine ersten musikalischen Werke: Sonaten und ein Streichquartett. Der erste Versuch eine Oper zu komponieren, brachte zu diesem Zeitpunkt keinen Erfolg – es war die Oper „Die Hochzeit“. Seiner Entscheidung folgend, begann Wagner 1831 sein Studium an der Universität Leipzig, an der er Musik studierte. Er nahm zu diesem Zeitpunkt auch Kompositionsunterricht bei Christian Theodor Weinling. Sein erstes Werk, welches er seinem Lehrer widmete, war eine Klaviersonate in B-Dur, welche ein Jahr später auch gedruckt wurde. Wagner komponierte mit Erfolg weiter und seine Werke kamen auch zur Aufführung.

1.2. Reifejahre

Im Jahre 1833 entstand Wagners Oper „Die Feen“. Der Komponist selbst bekam zu dieser Zeit ein Engagement als Chordirektor des Würzburger Theaters.

Richard Wagner war ein vielseitig begabter Mensch. Er komponierte nicht nur Musikstücke, sondern dichtete auch selbst den Text zu seinen Opern. Er schrieb auch Dramen und Aufsätze für Zeitungen. Während seiner Zeit in Lauchstädt lernte Wagner seine künftige Frau Minna Planer kennen. 1837 wurde Wagner zum Musikdirektor in Königsberg ernannt. Kurz darauf schloss das Theater jedoch wegen finanziellen Problemen, welche infolge dann auch beim ehemaligen Direktor erhebliche finanzielle Not hervorriefen. Wagner lebte über seine Verhältnisse und nahm oft Darlehen bei Leuten auf, die er dann nicht zurückzahlen konnte. Aus diesem Grund musste er auch nach Riga fliehen. Von da begab er sich dann auch in einer Nacht und Nebel Aktion 1839 mit seiner Frau nach London. Die abenteuerliche Schifffahrt dahin bot ihm den Stoff für den „Fliegenden Holländer“. Danach reiste Wagner nach Paris, wo er den Opernkomponisten Giacomo Meyerbeer und Franz Liszt kennenlernte. Der erste von den beiden förderte ihn- von seinem Talent angetan. Doch auch in Paris plagten Wagner finanzielle Probleme. Dieses führte dann dazu, dass er seinen Prosaentwurf zum „Fliegenden Holländer“ an die Pariser Oper verkaufte.

Im Jahre 1842 schien das Dicht seiner finanziellen Probleme sich endlich zu lichten. Er bekam aus Dresden die Nachricht, dass das dortige Theater seine zum Teil in Riga entstandene Oper „Rienzi“ aufführen wollte. Wagner, der in Paris keine großen Erfolge feierte, kehrte also in die Stadt seiner Kindheit zurück. Die aufgeführte Oper wurde ein Erfolg und ebnete ihrem Autor den Weg zur Berühmtheit.

1843 wurde Wagner dann Königlich – Sächsischer Kapellmeister an der Dresdner Hofoper.

Richard Wagner war auch ein politisch engagierter Mensch. Nachdem er seiner Zeit beim Corps Saxonia Leipzig kurze Zeit aktiv war und diesen dann wegen seiner apolitischen Haltung beim Aufstand in Polen verließ, um sich während seiner Pariser – Zeit sehr intensiv mit der dortigen politischen Situation zu beschäftigen. Er war auch ein begeisterter Fürsprecher der Französischen Revolution, seine Begeisterung ging so weit, dass Friedrich Nietzsche im „Fall Wagner“ Folgendes dazu schrieb: „Wagner hat, sein halbes Leben lang, an die Revolution geglaubt, wie nur irgendein Franzose an sie geglaubt hat. Er suchte nach ihr in der Runenschrift des Mythus, er glaubte in Siegfried den typischen Revolutionär zu finden.“[2] Jetzt stand er mit August Röckel in Kontakt, mit dem er auch hauptsächlich über Politik sprach. Die beiden Herren wurden im Jahre 1849 auch im Dresdner Maiaufstand aktiv, was ihnen eine steckbriefliche Verfolgung und die Notwendigkeit der Flucht einbrachte. Richard Wagner floh mit einem falschen Pass über Paris nach Zürich, wo er sich dauerhaft niederließ. Dort sollten später seine ”Zürcher Kunstschriften“ entstehen. Zu dieser Zeit hatte R. Wagner, ähnlich wie seine Frau Minna in Riga seiner Zeit, eine Affäre und floh, wie vorher seine Frau mit dem Kaufmann namens Dietrich, mit einer Geliebten – der verheirateten Jessie Laussot nach Bordeaux. Doch, genau wie seine Frau, kehrte er nach einiger Zeit in den Hafen der Ehe zurück. Bereits 1852 lernte Wagner jedoch Otto und Mathilde Wesendonck kennen und fing eine Affäre mit Frau Wesendonck an, zu deren Dichtungen er Musik schrieb. Im Jahre 1858 erfuhr Wagners Frau von dem Verhältnis und provozierte eine Szene. Danach stand die Ehe dann wieder unter einem Fragezeichen und Wagner verließ schließlich seine Frau, die ihm jedoch einige Zeit später nachreiste.

Später reiste Wagner nach Venedig, während sich seine Frau nach Dresden begab. Er musste jedoch 1859 Venedig aus den ihm gewohnten politischen Gründen verlassen. Er fuhr also nach Luzern, danach wieder nach Paris, wo er Unterstützung von Fürstin Pauline von Metternich und Marie von Kalergis erfuhr, die ihm wieder die Realisierung seiner musikalischen Pläne ermöglichte. 1862 erließ der sächsische König eine Amnestie, welche Wagner eine Reise nach Deutschland und Konzerte in Leipzig ermöglichte.

Seine endgültig zerrüttete Ehe ging 1862 zu Ende und bereits 1863 war Richard Wagner mit Cosima von Bülow, der Tochter von Franz Liszt, die Wagner früher im Jahre 1853 getroffen hatte, als Cosima erst 15 Jahre alt war, zusammen. Cosima hatte in der Zwischenzeit im Jahre 1857 den Komponisten und Dirigenten Hans von Bülow geheiratet. Die außereheliche Beziehung von Cosima von Bülow und Richard Wagner dauerte bis zu ihrer Scheidung von ihrem Ehemann.

Außer seines komplizierten Liebeslebens hatte Wagner weiterhin mit seinem ewigen Problem – dem Geld zu kämpfen. 1864 musste er deshalb von Wien nach Zürich fliehen. Von da fuhr er dann nach München, wo er von Ludwig II empfangen wurde, der kurze Zeit vorher zum König ernannt wurde. Die Beziehung von König Ludwig II sowohl zu dem Komponisten, als auch zu dem Menschen Richard Wagner war äußerst intensiv. Die beiden Herren unterhielten regen Schriftverkehr. Ludwig II war ein Mäzen Wagners. Zu der Zeit kam Wagners politisches Engagement wieder zum Vorschein. Er verfasste Schriften und fungierte als ein wichtiger Berater Ludwigs II. Nach einiger Zeit musste Wagner das ihm vom König zur Verfügung gestellte Haus in München verlassen und reiste nach Lyon und Marseille, da die Bevölkerung in Bayern heftig die verschwenderische Lebensart des Königs und des Komponisten kritisierte.

1866 verschlug es Wagner nach Tribschen, wo er ein Haus mietete. König Ludwig II reiste ihm bald in der Absicht abzudanken und bei Wagner zu bleiben, nach, doch der Letztere konnte ihn zur Rückkehr nach München überreden. Wagner lebte in dem Haus in Tribschen samt seiner neuen Familie – Cosima mit ihren Kindern aus erster Ehe waren ihm nachgekommen. Später wird auch Cosimas und Richards gemeinsames Kind – Siegfried in dem Haus geboren.

1868 trifft Wagner zum ersten Mal Friedrich Nietzsche, der damals ein junger Professor an der Universität in Basel war. Er sollte Wagner in nächster Zeit regelmäßig besuchen und freundete sich auch mit seiner Frau Cosima an. 1872 zieht die Familie dann von Tribschen nach Bayreuth, wo der Komponist sein Opernhaus baut und auch die Villa „Wahnfried“, in der die Familie wohnt. Doch der gesundheitliche Zustand Richard Wagners verschlechterte sich, er litt immer öfter an Herzbeschwerden. Er starb 1883 in Venedig im Palazzo Vendramin-Calerghi, wo er kurz vor seinem Lebensende mit seiner Frau und seinen Kindern wohnte.

2. Richard Wagner und Bayreuth

„Von einem solchen Unternehmen wie dem Bayreuther gab es keine Vorzeichen, keine Übergänge, keine Vermittlungen; den langen Weg zum Ziele und das Ziel selber wusste keiner außer Wagner.“[3]

Am 22. Mai 1872 – am 59. Geburtstag Richard Wagners, fand die Grundsteinlegung für das Bayreuther Festspielhaus Wagners statt. Die Idee für das Opernhaus in Bayreuth entstand aus dem Bedürfnis Wagners etwas Eigenes zu haben. Er wollte sich mit seiner Familie niederlassen und ein Gebäude errichten, in dem seine großen Opern aufgeführt werden könnten. Er war mit den bisherigen Aufführungen seiner Werke, mit wenigen Ausnahmen, unzufrieden. Oft machte er sich auch über die Dirigenten, welche seine Opern dirigierten lustig. In Bayreuth wollte Wagner einen Tempel der Kunst schaffen – seiner Kunst. Dort sollten die Menschen die Möglichkeit bekommen die Werte des Lebens und der Kunst zu ergründen. Seiner Zeit wollte König Ludwig von Bayern ein Opernhaus in München für Richard Wagner einrichten, die Pläne wurden jedoch nie realisiert. 1871 besuchte R. Wagner mit seiner Frau Cosima Bayreuth. Sie besichtigten auch das dortige Margräfische Opernhaus, welches zu der Zeit über die größte Bühne Deutschlands verfügte. Der Makel dieses Opernhauses lag, nach Ansicht Wagners jedoch in der geringen Anzahl der Zuschauer, welche dieses aufnehmen konnte, nämlich 450.

Wagner entschied sich, nach der Besichtigung mehrerer Städte dann letztendlich ein neues Opernhaus in Bayreuth zu bauen. Dort sollte auch die Villa für ihn und seine Familie entstehen – Wahnfried. So begann ein Riesenvorhaben, sowohl aus finanzieller als auch aus bautechnischer Sicht, der Bau der „Anlagen“ R. Wagners in Bayreuth, welche bis heute tausende von Zuschauern, Operngängern und Touristen empfangen.

1873 war R. Wagner viel auf Konzertreisen, um sein Vorhaben finanziell zu unterstützen. Neben dieser Arbeit musste er sich auch mit den ihm so verhassten finanziellen Problemen, welche „Bayreuth“ mit sich brachte, beschäftigen, was seine Gesundheit sehr strapazieren sollte.

Irgendwann war die finanzielle Lage Wagners so schlecht, dass er sogar in Erwägung gezogen hatte das Vorhaben aufzugeben. Die Bankiers waren der Meinung die Arbeiten aus Geldmangel einstellen zu müssen. Richard Wagners Reaktion war so, dass er damit drohte der Welt zu verkünden, dass sie seinen „Ring des Niebelungen“ nur zu sehen bekäme, wenn sie ihn finanziell unterstützte. Doch R. Wagner hatte auch viel Unterstützung von seinen Patronen, Freunden und Kunstliebhabern aus der ganzen Welt erfahren. Friedrich Nietzsche schrieb sogar ein Manifest an die deutsche Gesellschaft, welches diese, durch Beschämung dazu bewegen sollte Geld zu spenden. Doch, obwohl dieses in fast 4000 Buchläden im ganzen Land ausgehangen wurde, brachte es nur geringfügigen finanziellen Erfolg. Bayreuth war aus finanzieller Sicht eine Herausforderung. Anfänglich sollten sich die Kosten auf 300 000 Talar belaufen, welche aus 1000 „Mäzenatserklärungen“ erlangt werden sollten. Wagners Schwiegervater Franz Liszt kaufte 3 Stück, der türkische Sultan 10, der ägyptische Kediv ließ Wagner 500 Pfund zukommen, es wurde jedoch ganz schnell klar, dass nicht einmal die Hälfte der benötigten Beträge auf diese Weise eingeholt werden könne. Es gab verschiedene Ideen zur Rettung der disaströsen finanziellen Lage des Komponisten. Eine von ihnen war die Idee der Gründung von „Wagner – Vereinen“. Diese erforderte jedoch großen Zeitaufwand seitens des Meisters selbst und brachte darüber hinaus auch kein großes Geld ein. Zum Verhängnis sollte R. Wagner in dieser Hinsicht zu dieser Zeit auch sein Antisemitismus werden. Es kam sogar soweit, dass er und seine Frau Cosima den Briefwechsel zwischen dem Meister und seiner früheren Frau Minna aus den sechziger Jahren aufkaufen mussten, um einen für die Finanzierung des Vorhabens verheerenden Skandal zu vermeiden. Die Opernsängerin Malwina Schnorr (Isolde-Darstellerin) drohte aus ihrer Eifersucht auf R. Wagners Liebe zu Cosima heraus, damit, den Schriftverkehr mit seinen unpopulären Ansichten des Meisters, zu veröffentlichen. Wie so oft, kam auch dieses Mal der König von Bayern zur Hilfe. Er unterstützte das Vorhaben mit einem Betrag von 100 000 Talar und lieh R. Wagner auch das Geld für die Fertigstellung dessen eigenen Hauses. Die Wagners bezogen ihre neue Villa „Wahnfried“ am 28.04.1873. Das Haus - während sich häufender Probleme mit den Bauarbeitern auch „Ärgersheim“ genannt - trug über dem Haupteingang ein Gemälde, welches Wilhelmine Schröder – Devrient als Tragödie, Malwine Schnorr als den Wanderer, Cosima als die Musik und den kleinen Siegfried als Kunst der Zukunft darstellte.

Auch das Festspielhaus war aus architektonischer Sicht sehr interessant. Da es mitunter der Barockstil des Margräfischen Opernhauses war, welcher Wagner davon abhielt dort SEIN Opernhaus einzurichten (im neuen Festspielhaus strich Richard Wagner jegliche Ornamente aus der Planung), war das Festspielhaus Bayreuth in vielerlei Hinsicht neuartig. Unter anderem entschied sich Wagner ein „unsichtbares Orchester“ anzulegen. Dazu ließ er den Orchestergraben verdecken, damit dieser den Zuschauern verborgen blieb, was dazu führen sollte, dass sich die Zuschauer ganz und gar auf das sich auf der Bühne abspielende Drama konzentrieren konnten. Der Aufführungsraum war ein Holzbau ohne Seitenlogen, was die Akustik entschieden verbesserte, selbst die Sitze im Zuschauerraum waren einfache Holzsitze ohne Polsterung, damit weniger Schall „verschluckt“ wurde. R. Wagner hatte die Idee für eine solche Lösung in Riga gesehen, wo er seiner Zeit als Dirigent arbeitete und in dem dortigen Theater, welches ein einfaches Holzgebäude war, Stücke aufführte, und welches sich aus akustischer Sicht fast perfekt erwies. Auch das Problem des zu kleinen Zuschauerraums wurde in Wagners Festspielhaus gelöst. In dem entstandenen Gebäude fanden 1900 Leute Platz. Trotz der vielfältigen Probleme während des Baus des Opernhauses, konnte im Jahre 1876 mit den Proben zum „Ring des Niebelungen“ begonnen werden. Die Prämiere von „Rheinsgold“ fand dann am 13. August statt, unter Anwesenheit vieler wichtiger Leute, vor allem des Kaisers Wilhelm I.

Bei der Eröffnungsfeier sprach Richard Wagner auch einen Toast auf seinen Schwiegervater – Franz Liszt aus und sagte, dass ohne diesen, keiner auf ihn (Wagner) aufmerksam geworden wäre. Die Kosten des Vorhabens „Bayreuth“ überstiegen Wagners Möglichkeiten und führten daher auch nach der Beendigung des Baus zu finanziellen Problemen bei der Familie Wagner. Das Darlehen von König Ludwig von Bayern sollte eigentlich innerhalb von 11 Monaten ab Erteilung dieses zurück gezahlt werden. Da die ersten Festspiele jedoch mit einem Verlust von 150 000 Mark endeten, musste das Festspielhaus 6 Jahre auf die nächste Aufführung warten.

In dieser Zeit versuchte Wagner alles, um seine Gläubiger zu befriedigen. Er reiste auch mit seiner Frau nach England, in der Hoffnung dort seine Finanzen aufbessern zu können. Auch damit sollte er kläglich scheitern. Als der Verlag der Brüder Schott eine bedeutende Vergütung für die „Götterdämmerung“ auszahlte, schrieb Cosima Wagner in ihrem Tagebuch, welches sie ihr ganzes Leben mit Wagner über führte, dass dieses die letzte große Summe wäre, welche sie bekommen sollten. Die Erbschaft, welche Cosima von ihrer Mutter bekam, wurde für die Schulden aufgebraucht, genauso wie die Vergütung für das Werk „Das Tribschener Idyll“, welches Wagner zum Geburtstag seiner Frau zu Tribschener- Zeiten komponiert hatte und trotzdem hatte das Ehepaar noch Schulden in Höhe von 100 000 Mark.

Und wieder einmal kam Richard Wagner der Bayerische Königshof zur Hilfe. Trotz der ab und an auftauchenden Gerüchte über die Möglichkeit der Entmündigung des Königs (es fand sich aber kein Arzt, der mutig genug war eine solche Erklärung zu unterzeichnen), entschieden seine Finanzberater die Rückzahlung des Darlehens an Wagner aufzuschieben und dem Komponisten ein neues zu gewähren. Den Bayern wurde auch das Recht der Realisierung aller Werke zugesprochen. Zehn Prozent aller Einnahmen sollten darüber hinaus für die Rückzahlung der Schulden des Meisters verwendet werden.

[...]


[1] Prof. Dr. D. Borchmeyer, Doppelgesichtige Passion: Nietzsche als Kritiker Wagners, WWW.uni-heidelberg.de, S.6, Zugriff vom 19.01.2012

[2] Friedrich Nietzsche, Richard Wagner in Bayreuth Der Fall Wagner Nietzsche contra Wagner, Philipp Reclam, Ditzingen 2008, S.95

[3] Fr. Nietzsche, Richard Wagner in Bayreuth Der Fall Wagner Nietzsche contra Wagner, Philipp Reclam, Ditzingen 2008, S.7

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
"Ich habe ihn geliebt, und Niemanden sonst". Richard Wagner und Friedrich Nietzsche
Untertitel
Die epochale Begegnung zweier Giganten
Hochschule
Uniwersytet im. Adama Mickiewicza w Poznaniu  (Zakład Literatury Austriackiej)
Note
2,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
40
Katalognummer
V278153
ISBN (eBook)
9783656763864
ISBN (Buch)
9783656763895
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
niemanden, begegnung, giganten, richard, wagner, friedrich, nietzsche
Arbeit zitieren
Anna Piasecka (Autor), 2012, "Ich habe ihn geliebt, und Niemanden sonst". Richard Wagner und Friedrich Nietzsche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278153

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