Heinrich IV. und die Herrschaft der Salier. Eine Antwort auf die Frage der Machtstellung?


Hausarbeit, 2012

18 Seiten, Note: 2,0

Teresia Minjoli (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Stellung weltlicher - und geistlicher Macht vor der Exkommunikation
2.1 Das Verhältnis zwischen Heinrich IV. und Gregor VII

3. Der Kurswechsel des Königs und dessen Exkommunikation

4. Die Folgen der Exkommunikation für die Herrschaft Heinrich IV
4.1 Die Stellung des Papstes nach der Bannung und Absetzung Heinrichs
4.2 Zu den Ereignissen in Tribur

5. Canossa -Das Vorgehen Heinrich IV. gegen den Bann

6. Das Verhältnis zwischen weltlicher und geistlicher Macht nach Canossa

7. Fazit

8. Quellen - und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein reformtüchtiger Papst, ein hochmütiger König in seiner Politik sehr schwankend und von vielen Ratgebern stets manipuliert sowie viele unzufriedene Bischöfe und Fürsten. So könnte man die Zeit des Investiturstreits zusammenfassen. Doch damit wäre nicht mal annähernd die Regentschaft Heinrichs IV. beschrieben, die den Investiturstreit überwiegend einnahm.

Mit dem salischen Herrscher verbindet man zunächst einen ganz bestimmten Begriff: Canossa. Als eines der bedeutendsten Ereignisse des Mittelalters ging der Gang König Heinrichs IV. durch Schnee und Kälte nach Canossa in die Geschichte ein. Die Einen verbinden dieses einschneidende Ereignis mit großer Schmach und Niederlage, andere wiederum sehen den Gang nach Canossa als politisch durchaus klugen Schachzug, der dem

König letztendlich zur Kaiserkrönung verhalf. Doch was des Königs Buße vorausging ist nicht weniger von Bedeutung. Im Gegenteil, ohne die Exkommunikation Heinrichs IV. durch Papst Gregor VII. hätte diese Zäsur womöglich niemals stattgefunden. Ein Ausschluss aus der Kirchengemeinde aufgrund sozialen oder politischen Fehlverhaltens war alles andere als ungewöhnlich, jedoch war niemals zuvor ein deutscher König exkommuniziert worden. Als Teil einer ganzen Kette von Ereignissen gehört sie zu den bekanntesten Geschichten des Mittelalters, die ihre Wurzeln tief im Investiturstreit hat. Im Kampf um die Vorherrschaft, waren sich weltliche Macht und Kirche - wenn man es mit modernem politischem Verständnis ausdrückt - nur selten über ihren Zuständigkeitsbereich einig. Während sich der König auf Gottesgnadentum berief, machte Papst Gregor VII. in 27 Leitsätzen sein Herrschaftsverständnis des apostolischen Stuhls deutlich.[1]

Verbliebene Dokumente dieser Zeit, wie das Register Gregors VII. und Sammlungen verschiedener Briefe der Zeit Heinrichs IV. ermöglichen einen Einblick in diese Zeit. Die aktuelle Forschungsliteratur gibt weitere Hin - sowie Verweise auf noch heute bestehende Kontroversen, bezüglich der Ereignisse in Tribur und Canossa. Diese werden besonders in den Darstellungen der Autoren Johannes Laudage und Werner Goez deutlich. Während Goez in „Kirchenreform und Investiturstreit 910 - 1122“ Tribur und Canossa als „Kapitulation“ und „Schmach“ für Heinrich darstellt, zeigt Laudage, dass bei der Vorgehensweise des Königs durchaus Hintergedanken zu erkennen sind, die nichts mit Unterordnung zu tun hatten.

Im Folgenden werde ich aufgrund der Breite des Themas, zunächst das Verhältnis zwischen weltlicher und geistlicher Macht behandeln, um dieses mit den Folgen der Exkommunikation anzureichern. Der Gang nach Canossa und das darauf folgende Machtverhältnis schließt daran an, um die Bedeutung der Exkommunikation für den Investiturstreit heraus zu stellen und damit zu einem abschließenden Fazit zu gelangen, in dem noch einmal auf die Fragestellung eingegangen wird.

Im Verlauf der vorliegenden Arbeit wird allerdings nicht im Detail auf die Ereignisse in Canossa eingegangen. Ebenso wenig auf die Frage, ob nun der Gang nach Canossa Sieg oder Niederlage für den König war, wie so oft in der Forschung diskutiert. Vielmehr soll unter der Fragestellung, ob die Exkommunikation als eine Antwort auf den Investiturstreit zu verstehen sein könnte, erläutert werden, welche Auswirkungen die Versprechungen und Zugeständnisse Heinrichs, die er in Canossa tätigte, auf seine Autorität hatten. Oftmals werden in der Forschungsliteratur dabei die Ereignisse zwischen der Exkommunikation und Canossa sowie nach dem Bußgang weitgehend außer Acht gelassen. Zur Klärung der gestellten Frage, ist es aber unverzichtbar die Entwicklung des Verhältnisses zwischen weltlicher und geistlicher Macht vor der Exkommunikation bis nach Canossa zu erläutern, und wie sich dieses mit dem Bann veränderte.

2. Zur Stellung weltlicher und geistlicher Macht vor der Exkommunikation

Jahrhunderte lang verstand man das Mitwirken des Herrschers bei der Investitur von Bistümern und sogar der Besetzung des apostolischen Stuhls als eine Selbstverständlichkeit. Im Jahr 921 räumt selbst der inthronisierte Papst, Johannes X. die Abhängigkeit der Krone bei Investituren ein.[2] Kaiser Heinrich III. seinerseits ernannte 52 Bischöfe und entschied vier Mal über den apostolischen Stuhl[3]. Nach seinem Tod, und dessen zuletzt ernannten Papst, Viktor II.1057, sollte dieses Privileg Heinrich IV. nicht mehr ohne weiteres vorbehalten sein. Bis dahin herrschte zwischen dem deutschen Königshaus und dem Papst allerdings ein Verhältnis, wodurch sich die Regierungsübernahme Heinrichs sowie die Regentschaft der Kaiserin Agnes vereinfachen sollten. Sicher ist allerdings, dass Viktor II. kein Papst war, dem es wichtig war die weltliche Gewalt einzudämmen. Vielmehr hat er sich bemüht die Salische Dynastie mit Heinrich IV. andauern zulassen. Somit konnte Agnes in den Anfängen ihrer Regentschaft auch noch ohne jegliche Proteste Investituren mit Ring und Stab erteilen. Während der Regierung unter Vormundschaft des bis 1065 noch Minderjährigen Königs, litt das Ansehen und die Macht des deutschen Königshauses schließlich trotz aller Bemühungen. Mit dem Normannen - Bündnis[4] und den beschlossenen Themen der Lateransynode[5] um Papst Nikolaus II., verschlechterte sich zudem das Verhältnis der deutschen Krone zu Rom bereits 1059. Insbesondere durch die finanzielle und militärische Rückendeckung der Normannen, hatte die römische Kirche einen großen Schritt in Richtung Unabhängigkeit gemacht. Ebendiese erschien durch die versprochene Unterstützung, die die Normannen den Reformkardinälen leisten wollten, weiter gesichert. Gleichzeitig erschwerte dies der königlichen Gewalt, ihren eigens erwählten Kandidaten zum Papst wählen zu lassen. Der vorerst letzte Papst, bei dem das Königshaus seine Zustimmung ausdrücklich erteilte, war Honorius II. Nur kurze Zeit nach seiner Inthronisierung, musste er sich allerdings als erster, vom Hof akzeptierter Papst gegen den der deutschen Fürsten ausgewählten Alexander II. geschlagen geben. Zwar war dieser der Konkurrent des von der Kaiserinwitwe Agnes akzeptierten Papstes, jedoch wurde er von den Entführern Heinrichs - allen voran Anno von Köln - die dann als Vormund fungierten, unterstützt. Im Nachhinein - vermutlich aus Angst vor einem Autoritätsverlust - akzeptierte auch die Kaiserin den neugewählten Papst und zog ihre Anerkennung von Honorius II. zurück.[6] Der Papst blieb also vorerst ebenfalls von der Regierung akzeptiert. Als Heinrich IV. jedoch mündig wurde, änderte sich dies schlagartig. Jene, die Alexander II. zu seinem Amt verholfen hatten, und sich ihre Position während der Vormundschaft angeeignet hatten, duldete der noch junge König nun nicht weiter als seine Ratgeber. Es bildete sich nun zum ersten Mal eine Front zwischen dem König und dem Papst. Mit Alexander II. auf dem Stuhl Petri, welchen er sich vor Allem aufgrund des Staatsstreichs von Kaiserswerth aneignen konnte, hatte der noch junge König einen Papst gegen sich stehen, der ihm nicht untergeordnet war, da er ihn nicht persönlich eingesetzt hatte. Zudem stand Heinrich zu den Anfängen seines Regiments unter einem enormen Druck, die alte Machtstellung der Krone wieder herzustellen. Tatsächlich gewann die römische Kirche in der Zeit Alexanders II. aber an großem politischem Einfluss. Mit dieser erhöhten Autorität, steigert sich auch die versuchte Einflussnahme auf die Reichskirche. So zeigte sich immer deutlicher der päpstliche Machtanspruch, der zu diesem Zeitpunkt deutlich stärker als der des Königs zu sein schien. Nicht nur erteilt Alexander Weiheverbote für bereits investierte Elekten, suspendiert Bischöfe und Äbte und eröffnet zahlreiche Prozesse gegen prominente Vertreter der Reichskirche[7], auch Heinrich selbst muss sich der Schmach unterziehen gegen seinen Willen in seine Ehe mit Bertha von Turin zurück zu kehren, denn seiner Bitte um die Annullierung dieser Ehe wurde nicht nachgegangen.

Als 1072 ein Konflikt um das Erzbistum Mailand entstand, demonstrierte Alexander II. seine Macht erneut, indem er den eigenen Kandidaten, nach dem Tod des Erzbischofs Wido als rechtmäßig gewählt anerkennen ließ und über den des Königs den Bann verkündet.[8] Im Jahr darauf exkommunizierte er gleich mehrere Ratgeber des Königs (vermutlich wegen Simonie, dies wird aber in den Quellen nicht konkret bezeugt) und droht dem König ebenfalls den Bann an, sofern er sich nicht von diesen trennen sollte. All dies kam einer offenen Kriegserklärung gleich, doch durch den Tod Alexanders, der sich schon im Monat darauf ereignete, konnte eine Eskalation des Konflikts verhindert werden. So scheint es, dass sich die geistliche Gewalt in diesen Jahren weit über der weltlichen befand und sich der König ein ums andere Mal einem sehr mächtigen Papst fügen musste.

2.1 Das Verhältnis zwischen Heinrich IV. und Gregor VII.

Das angespannte Verhältnis zwischen König und Papst zeigte sich auch noch nach dem Ableben Alexanders II.: Für die Wahl eines neuen Papstes erhielt Heinrich vermutlich keine Wahlanzeige.[9] Als schließlich Hildebrand, der fast von Anfang an Teil der Kirchenreform war, als Gregor VII. gänzlich unkanonisch und ebenfalls ohne Berücksichtigung der Interessen des deutschen Königs, den Heiligen Stuhl bestieg, wurde kein Protest gegen die Papstwahl eingelegt. Heinrich schickte sogar den Kanzler von Italien, Bischof Gregor von Vercelli, als Vertreter des Königshofes nach Rom um ihn statt seiner an der Papstweihe teilnehmen zulassen. Es deutete zunächst nichts auf weitere vorherrschaftliche Konflikte hin. Aufgrund des Krieges, indem sich Heinrich mit den Sachsen befand, war ein entspanntes Verhältnis zum Papst von hoher Priorität. Denn auch die Sachsen suchten bei diesem starken Rückhalt und versuchten immer wieder Rom in den Krieg mit einzubeziehen. Mit politischem Geschick schrieb der König seine „ supplex epistola “, ein Brief, indem er Gregor demütig jegliches Investiturrecht für Mailand und sonstige Bistümer einräumt, sich vergangener Sünden bekennt und in Zukunft Frömmigkeit gelobt:„[...] Ich habe gesündigt, teils getrieben durch das, was die Jugend reizt, [...] teils [...] folgte ich [...] der betrügerischen Lockung anderer Menschen [...].“[10] Heinrich bemühte sich sichtlich, einem Konflikt mit dem neuen Papst aus dem Weg zu gehen. Aber auch Gregor zog seinen Nutzen aus einem freundschaftlichen Verhältnis zum Königshaus. Im Dezember 1074 hoffte er auf Heinrichs Hilfe bei der Umsetzung seiner Pläne, den christlichen Glauben im Osten zu verteidigen und bat Heinrich in einem Brief um dessen Hilfe: „[...] ich bin nicht nur dir, den Gott auf den höchsten Platz in der Welt gestellt hat, [...] immer heilige würdige Liebe schuldig“.[11] Gregor räumte dem König hier einen höheren Rang ein, als dem Amt des Papstes. In einem weiteren Brief schrieb er allerdings: „[...]wir fühlen uns als sein Schuldner, denn wir selbst haben ihn zum König erkoren [...].“[12] Hier scheint es, als stufte er sich selbst als den Ranghöheren ein, da er den König einsetzt und nicht anders herum. Bedrohlich waren diese Worte aber zu keiner Zeit. Gregor lag die Frömmigkeit Heinrichs sehr am Herzen, was auch nach dem Bann noch der Fall zu sein schien. Insbesondere war Gregor VII. aber bedacht auf die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Reich: „Sacerdotium und Imperium müssen in Einmütigkeit und Einigkeit miteinander verbunden sein“.[13] In Gregor wurde die Hoffnung geweckt, mit Heinrich einen König zu haben, dem er vertrauen konnte und der ihm auch bei einem Kreuzzug zur Seite stehen würde. Im Juli des Jahres 1075 lobte Gregor Heinrich noch für seinen Reformeifer. Die Abwendung Heinrichs vom gebannten Hermann von Bamberg und Verhandlungen der Erzbischöfe Liemar und Siegfried konnten Situation weiterhin entspannt halten. Nicht zuletzt, da sich auch die weiblichen Salischen Adligen - Kaiserin Agnes, Markgräfin Beatrix von Tuszienund ihre Tochter Matilde - positiv für den König aussprechen, sah Gregor der Eintracht von Regnum und Imperium hoffnungsvoll entgegen. Diese Hoffnung sollte aber bereits im Septemberdesselben Jahres wieder erkalten.[14]

[...]


[1] Gemeint ist der Dictatus Papae vom März 1075.

[2] Goez, Werner (Hg.): Kirchenreform und Investiturstreit 910-1122, Stuttgart, Berlin, Köln 2000, S.79 (im Folgenden zitiert als: Goez, Werner: Kirchenreform und Investiturstreit).

[3] Nobbe, K.: Heinrich III. beherrscht das Papsttum, in: Lautemann, Wolfgang und Schlenke, Manfred: Geschichte in Quellen Bd. 2 Mittelalter,S.256, (im Folgenden zitiert als: Geschichte in Quellen).

[4] Vgl. Goez, Werner: Kirchenreform und Investiturstreit, S.117.

[5] Vgl. Lautemann, Wolfgang: Das Papstwahldekret von 1059, in: Geschichte in Quellen, S. 258.

[6] Vgl. Goez, Werner: Kirchenreform und Investiturstreit, S.109.

[7] Vgl. Laudage, Johannes (Hg.): Die Salier - Das erste deutsche Königshaus, S.59, (im Folgenden zitiert als: Laudage, Johannes: Die Salier).

[8] Vgl. Lautemann, Wolfgang: Der Kampf mit Mailand, in: Geschichte in QuellenS.259.

[9] Vgl. Laudage, Johannes: Die Salier, S.61.

[10] Vgl. Lautemann, Wolfgang: König Heinrich IV. anPapstGregor VII., 1073, in: Geschichte in QuellenS.285.

[11] Ebd.Gregor VII. an Heinrich IV. über seine Pläne, 7. Dezember 1074, S.286.

[12] Ebd.Gregoran Herzog Rudolf von Schwaben, 1. September, S.284.

[13] Ebd.

[14] Vgl.Caspar, Erich (Hg.): Das Register Gregors VII.: Liber 3, S. 251 f. <http://www.dmgh.de/de/fs1/object/display/bsb00000472_00002.html?sortIndex=040%3A040%3A0002%3A010%3A02%3A00&sort=score&order=desc&context=das+register+gregors&subSeriesTitle_str=&hl=false&fulltext=das+register+gregors> ,28.09.2012 (im Folgenden zitiert als: Caspar, Erich: Das Register Gregors VII.).

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Heinrich IV. und die Herrschaft der Salier. Eine Antwort auf die Frage der Machtstellung?
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Die Herrschaft der Salier
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V278286
ISBN (eBook)
9783656711315
ISBN (Buch)
9783656712824
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Salier, Canossa, Papst Gregor VII., Heinrich IV., Investiturstreit
Arbeit zitieren
Teresia Minjoli (Autor), 2012, Heinrich IV. und die Herrschaft der Salier. Eine Antwort auf die Frage der Machtstellung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278286

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