Kants Ästhetik. Das Verhältnis von Wohlgefallen und Interesse im ersten Moment


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

19 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Erstes Moment des Geschmacksurteils, der Qualität nach
2.1 §2 Wohlgefallen (das Geschmacksurteil bestimmend) ist ohne alles Interesse
2.2 §3 Das Wohlgefallen am Angenehmen (mit Interesse verbunden)
2.3 §4 Das Wohlgefallen am Guten (mit Interesse verbunden)
2.4 §5 Vergleich der 3 Arten des Wohlgefallens

3. Das Verhältnis von Wohlgefallen und Interesse

4. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

Zentrales Thema dieser Arbeit ist das erste Moment des Geschmacksurteils, der Qualität nach. Dieses ist in Kants Kritik der Urteilskraft, unter der Analytik des Schönen, enthalten.1

Kant spricht hier zuerst vom Geschmacksurteil und stellt den Gedanken auf, dass dieses Geschmacksurteil ästhetisch ist. Entscheidend sind hierbei für Kant Wechselwirkungen, die zwischen dem Subjekt, dem Objekt und den Erkenntnisvermögen Verstand, Urteilskraft und Vernunft stattfinden. Kant argumentiert in diesem Paragraphen (1) dafür, dass das Geschmacksurteil ästhetisch und nicht logisch ist.

Dieses Geschmacksurteil, um das es geht, wird von einem Wohlgefallen bestimmt. Dem Wohlgefallen am Schönen. Im Folgenden stellt Kant mehrere Wohlgefallen vor: Das Wohlgefallen am Schönen, am Guten und am Angenehmen.

Zuerst ist Kant jedoch wichtig, dass dieses Wohlgefallen, welches das Geschmacksurteil bestimmt, ohne alles Interesse ist. Und zwar, weil es den Wohlgefallen, der das Geschmacksurteil bestimmt von den anderen Wohlgefallen (am Schönen, am Guten und am Angenehmen) unterscheidet. Um diesen Gedankengang (der Wohlgefallen, der das Geschmacksurteil bestimmt, ist ohne alles Interesse) zu stützen, stellt Kant dem Wohlgefallen, der das Geschmacksurteil bestimmt, die Wohlgefallen gegenüber, die mit Interesse verbunden sind (des Angenehmen und des Guten). Das sind die drei Formen von Wohlgefallen die bereits genannt wurden (des Schönen, des Angenehmen und des Guten).

Hiernach konzentriert sich Kant auf das Wohlgefallen am Angenehmen und definiert gleich zu Beginn, was genau mit dem Wort „Empfindung“ gemeint ist, denn es unterscheidet sich von der gemeinhin bekannten Bedeutung leicht. Zudem erzeugt das Wohlgefallen am Angenehmen Neigung und „vergnügt“2 - was Eigenschaften sind, die das Wohlgefallen am Angenehmen ebenfalls von anderen Wohlgefallen abgrenzt.

Über das Wohlgefallen am Guten sprechend, nimmt Kant auch hier wieder eine Begriffsunterscheidung vor. Beim „Wohlgefallen am Guten“ kann, nach Kant, unterschieden werden zwischen Objekten, die „wozu gut“3 (zu etwas gut) und „an sich gut“4 sind. Beide Formen enthalten jedoch zwingend notwendig den Begriff eines Zwecks, aus dem ein „Wohlgefallen am Dasein oder einer Handlung“ folgt und damit ist das Interesse an der Existenz/dem Dasein oder aber der Handlung gemeint. Die Unterscheidung mittelbar-gut und unmittelbar-gut nimmt Kant vor, um dem Missverständnis entgegenzuwirken, das Angenehme, wie das Gute, als dasselbe anzusehen. Nachdem Kant die Unterschiede kurz erläutert hat, besinnt er sich auf die Gemeinsamkeit des Angenehmen und des Guten: Beide nehmen ein Interesse am Dasein (der Existenz) des Gegenstands ihres Wohlgefallen.

Abschließend vergleicht Kant die drei Arten des Wohlgefallens noch einmal, um sie dem Geschmacksurteil, welches zu Beginn als ästhetisch bestimmt wurde, gegenüber zu stellen. Entscheidend soll dabei sein, dass die genannten Arten des Wohlgefallens ein Begehren, oder auch Begehrungsvermögen aufzeigen, welches dem Subjekt keine freie Wahl lässt. Das Subjekt ist festgelegt, durch Sinne (im Falle des Wohlgefallen am Angenehmen) oder durch (das Interesse an der) Vernunft (im Falle des Wohlgefallen am Guten). Nur das Wohlgefallen, welches das Geschmacksurteil bestimmt ist frei und steht außer Konkurrenz („daß unter allen diesen drei Arten des Wohlgefallens das des Geschmacks am Schönen einzig und allein ein uninteressiertes und freies Wohlgefallen sei; denn kein Interesse, weder das der Sinne noch das der Vernunft, zwingt den Beifall ab“5 ).

Daraus ergibt sich, dass dieser Wohlgefallen nur dann frei sein kann (nach Kant) wenn er ohne alles Interesse ist. Es ist daher höchst interessant, wie sich das Interesse auswirkt und wie ein Wohlgefallen frei sein kann, trotzdem er von Interesse ist, bzw. ob dies überhaupt möglich ist. Mit Beispielen, die den konkreten Fall veranschaulichen sollen, möchte ich mit dieser Arbeit zeigen, welche Verbindung zwischen den verschiedenen Wohlgefallen und dem Vorhandensein oder der Absenz von Interesse besteht, und wie sich das Vorhandensein oder das Fehlen von Interesse auf das Wohlgefallen auswirkt.

2. Erstes Moment des Geschmacksurteils, der Qualität nach

Die Kernaussage des Ersten Momentes beschreibt die Erklärung des Schönen, die aus den ersten 5 Paragraphen folgert:

„G e s c h m a c k ist das Beurteilungsvermögen eines Gegenstandes oder einer Vorstellungsart durch ein Wohlgefallen oder Mißfallen, o h n e a l l e s I n t e r e s s e. Der Gegenstand eines solchen Wohlgefallen heißt s c hön.“6

Entscheidend ist für Kant hier, dass dieses Wohlgefallen am Schönen ohne Interesse stattfindet, da nur so ein Geschmacksurteil stattfinden kann, das frei von jeder Beeinflussung ist. Sobald ein Interesse welcher Art auch immer an dem Gegenstand, der einem Geschmacksurteil unterzogen wird, vorhanden ist, richtet sich das Urteil nicht mehr nur nach der Ästhetik des Gegenstandes, sondern andere Parameter (Beschaffenheit, Nutzen, objektive Wertschätzung des Gegenstandes) bilden mit das Urteil und es ist verfälscht. Um das zu verhindern, ist die Grundvoraussetzung, dass das Geschmacksurteil der Ästhetik eines Gegenstandes ohne Interesse stattfindet. Kant beschreibt die drei übrigen Wohlgefallen (des Schönen, des Angenehmen, des Guten) um einer Kritik des Wohlgefallens am Schönen zu entgehen bzw. bereits im Vorfeld zu begegnen. Überdies listet er sie auf, weil sie seiner Ansicht nach die einzigen Arten von Interesse sind, die es gibt.7 Das Wohlgefallen am Angenehmen (das mit Interesse verbunden ist) definiert Kant als den Gefallen, den die Sinne empfinden. Bei diesem Wort sieht Kant jedoch eine große Gefahr der Verwechslung: Kant befürchtet, dass der Mensch gemeinhin annehmen könnte, dass alles was Wohlgefallen ist, angenehm ist, weil alles, was auch gefällt, angenehm ist, eben darin, dass es gefällt. Angenehm, befürchtet Kant, erscheint dem gemeinen Verstand somit alles das, was ihm nicht schadet. Ich denke, dass Kant meint, dass darin auch Zustände enthalten sind, die weder nicht gefallen, noch gefallen. Eben jeder Zustand, außer dem, der negative Gefühle ausschließt. Die Konsequenz daraus ist das, was für Kant unbefriedigend daran wäre: Eindrücke der Sinne, Grundsätze der Vernunft, reflektierte Formen der Anschauung, diese Zustände wären in ihrer Wirkung auf das Gefühl der Lust, gleichgültig.8 Kant möchte aber die Empfindung, die Bestimmung des Gefühls der Lust/Unlust ist von der Empfindung, die die Vorstellung einer Sache meint (durch die Wahrnehmung der Sinne) trennen. Kant sieht die letztere Bedeutung des Wortes Empfindung als erkenntniserweiternd an, während von der ersten Bedeutung keinerlei Erkenntnis zu erwarten ist, da diese die Beziehung der Vorstellung auf das Subjekt (im Gegensatz zur letzteren Bedeutung, die von der Beziehung der Vorstellung auf den Gegenstand handelt und das Subjekt völlig unbeteiligt, ganz ohne Interesse, Affekte, Emotionen, bleibt) behandelt. Im Beispiel wird der Unterschied deutlicher: Die objektive Empfindung ist von Kant definiert als die reflektierte Wahrnehmung eines Objektes unter Zuhilfenahme der Sinne. Die subjektive Empfindung hingegen ist von Kant beschrieben als „Gefühl, wodurch der Gegenstand als Objekt des Wohlgefallens [«] betrachtet wird.“9 Wenn meine Sinne einen Gegenstand wahrnehmen, zu dessen Vorstellung keine Gefühle zugeordnet werden, von dem ich jedoch Interesse habe, dass es in meiner Vorstellung existiert (oder in einer bestimmten Weise, Zeit, Form etc. existiert), dann und nur dann kann von der Empfindung gesprochen werden, die Kant als das Angenehme im Wohlgefallen beschreibt. Dieser Gegenstand löst gleichzeitig eine Begierde im Subjekt nach demselben aus (was eine Neigung zu diesem erzeugt), und wirkt so erkenntniserweiternd, da es die Beziehung der Existenz des Gegenstandes auf den Zustand des Subjektes zum Inhalt hat. Das erweitert zumindest die Erkenntnis, mithilfe der sich das Subjekt selbst erkennt. Doch welche Erkenntnis durch diese Art der Empfindung noch gewonnen werden kann führt Kant nicht weiter aus. Der Zustand des Subjektes und die Erkenntnis des Subjektes, die die Vorstellung des Gegenstandes in ihm erzeugen, verengen somit gleichzeitig den Gegenstand, sodass dieser (Gegenstand) zu etwas wird, das so nur in der Vorstellung dieses einen Subjektes vorkommt. Dies macht die Vorstellung des Gegenstandes gewissermaßen subjektiv und dem jeweiligen Subjekt eigen, man könnte auch sagen privat. Kant unterscheidet das Wohlgefallen am Angenehmen und Guten unter anderem durch die Konsequenzen/Folgen die damit verbunden sein können. Während der Wohlgefallen am Angenehmen, die Konsequenzen nicht absieht, sondern die Empfindung der Sinne zum Inhalt hat, richtet sich das Wohlgefallen am Guten unter Zuhilfenahme der Vernunft auf die Konsequenzen/Folgen, die der Gegenstand auf den Zustand des Subjektes ausübt. Ich verstehe den Unterschied hier in der Form: Während das Angenehme unmittelbar betrachtet wird, wird das Gute mittelbar betrachtet. Unmittelbar mag es sein, dass meinen Sinnen der Geruch von Benzin gefällt und Wohlgefallen am Angenehmen Gegenstand des Benzin, bzw. des Geruches, den meine Sinne aufnehmen, gefällt. Doch mittelbar betrachtet, sagt mir die Vernunft (heutzutage, in einer Zeit, in der diese Erkenntnis verbreitet ist natürlich), dass dieser angenehme Duft schwere Krankheiten und negative Schäden an meinem Körper verursachen kann, wenn ich mich diesem längere Zeit aussetze (und je länger umso mehr Schaden). Somit gefällt dieser Gegenstand unmittelbar im Wohlgefallen des Angenehmen, missfällt jedoch mittelbar im Wohlgefallen des Guten. Es kann allerdings auch sein, dass Kant das Angenehme im Sinne der Reflexion der Sinne meint, sodass sein Beispiel der Gewürze, die den Sinnen angenehm sind, indem sie gut duften so verstanden werden kann, dass sie angenehm sind und gefallen, aber die eigentliche Folge, nämlich, dass die Mahlzeit, die mit diesen Gewürzen bedeckt, so gut riecht, schlecht ist und stinkt und nicht gesund, was jedoch nicht die Sinne, in ihrer Empfindung erkennen können, sondern erst die Vernunft empirisch durch die Erfahrung, und letztlich doch als Wohlgefallen am Guten missfällt. Der Wohlgefallen am Angenehmen nimmt die Eindrücke der Sinne einfach hin, und urteilt, ob sie gefallen oder nicht gefallen, je nachdem wie die Sinne die Gegenstände aufnehmen.

[...]


1 Zitate aus der Kritik der Urteilskraft entnehme ich stets der von Heiner F. Klemme herausgegebenen Version von 2009, und kürze Kritik der Urteilskraft im Folgenden mit KU ab. Die Seitenangaben beziehen sich auf die Originalpaginierung der B-Auflage von 1790.

2 KU B 10

3 Ebd.

4 Ebd.

5 KU B 15

6 KU B 16

7 „[«]daß es nicht mehr Arten des Interesse gebe, als die eben jetzt namhaft gemacht werden sollen.“ Mit diesem Satz schließt Kant den zweiten Paragraphen ab. KU B 6

8 KU B 8

9 KU B 9

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kants Ästhetik. Das Verhältnis von Wohlgefallen und Interesse im ersten Moment
Hochschule
Universität Konstanz  (Fachbereich Philosophie)
Veranstaltung
Kants Ästhetik
Note
2,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V278298
ISBN (eBook)
9783668195769
ISBN (Buch)
9783668195776
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kants, ästhetik, verhältnis, wohlgefallen, interesse, moment
Arbeit zitieren
Benjamin Muske (Autor), 2013, Kants Ästhetik. Das Verhältnis von Wohlgefallen und Interesse im ersten Moment, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278298

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