Personenbegriff und Lebensschutz der Tiere durch den Menschen


Essay, 2013

11 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Gliederung:

1.Der Personenbegriff

2. Lebensschutz der Tiere, durch den Mensch

3. Fazit

Einführung

In der Frage des Lebensschutzes ist die Perspektive meist auf die Sicht des Menschen beschränkt. So komplex diese auch sein mag, und ohne eine ganzheitliche Antwort auf die Frage nach der Tragweite des angebrachten Lebensschutzes für den Menschen geben zu können, möchte ich dennoch nur kurz auf dieses Thema eingehen und über dieselbe Frage in der Kategorie der Tierwelt einen Vergleich anstreben.Es soll die Frage geklärt werden, ob und inwiefern die Kategorie Mensch in der Frage nach dem Schutz des Lebens eine vergleichbare Rolle spielt wie die Kategorie Tiere und falls nicht, weshalb dies der Fall ist. Um diese Frage adäquat klären zu können, möchte ich mit dem Versuch einer Definition des Personenbegriffes beim Menschen beginnen. Über die Frage inwiefern eine Pflicht des Menschen besteht, tierisches Leben zu schützen, möchte ich auf einen Vergleich abzielen, an dessen Ende klar werden soll, wie sich Lebensschutz bei Menschen und Tieren gleicht, oder aber ausschließt. In meinem Fazit komme ich zu einem Ergebnis, das sich für mich persönlich aus den dargelegten Haltungen und Argumenten ergibt.

1. Der Personenbegriff

Dem Personenbegriff kommt eine besondere Bedeutung zu, wenn es sich um Grenzgebiete des menschlichen Lebens handelt, z.B. in Bereich wie Abtreibung, Früheuthanasie, Behandlungsabbruch und Sterbehilfe. Die ethischen Geister scheiden sich bei der Definition des Begriffes »Person« in der Beschreibung derer, auf die der Begriff überhaupt zutrifft. Hier steht schon die Frage im Raum, ob nur Menschen oder auch Tiere Personen sein können. Doch selbst auf Menschen bezogen ist es schwer, jemandem den Personenbegriff zuzuschreiben: Sind alle Menschen Personen oder aber nur diejenigen, denen personale Merkmale zukommen? Hierzu gib es zwei Schulmeinungen.

Die eine, vor allem von Theologen und christlich geprägten Philosophen vertreten, ist der Ansicht, der Umfang des Begriffes »Mensch« und »Person« deckt sich, die andere der Meinung vertritt die These, dass nicht alle Menschen den Personenstatus haben und schreibt ihn z.B. auch höherentwickelten Tieren, wie Menschenaffen, zu. Wichtig bei dieser letzteren Haltung ist, dass personenbestimmende Merkmale Interessen und Bedürfnisse sind, die Personen zukommen, während die erstgenannte Ansicht den Personen-Status lediglich zuschreibt. Die letztere Ansicht hat zur Folge, dass sich die Zuschreibung des Personenbegriffes nach den Eigenschaften des Bedürfnisses und der Interesse richtet: Fähigkeiten sind nicht von Nöten, um den Personenstatus zu erlangen, lediglich das Bedürfnis, oder aber das Interesse an Gegenständen wie Freiheit oder anderen Rechten, sowie moralischen Ansprüchen. Es besteht überdies die Ansicht katholischer Moraltheologen, der Personenstatus käme bereits der befruchteten Eizelle zu, da dieser das für den Menschen charakteristische Genom besitzt. Diese Haltung orientiert sich eher an der Deckungsgleichheit der Begriffe Mensch und Person, da der befruchteten Eizelle mit ihrem Status als Mensch gleichzeitig auch der Status als Person zukommt, uneingeschränkt der Fähigkeiten, Bedürfnisse oder Interessen (wobei in diesem Sinne kaum angenommen werden kann, dass eine befruchtete Eizelle bereits eine der drei genannten Eigenschaften aufweisen kann, geschweige denn direkte Rechte oder Moral besitzt, was Birnbacher später auch als Kritik dieser Haltung anbringen wird. Ebenso verhält es sich mit Leiche, was die Eigenschaften angeht und die Zuschreibung des Personenstatus kontraintuitiv macht, nur weil die Zuschreibung des Menschstatus eventuell zutrifft; Im engeren Sinne spricht Birnbacher bei einer Leiche von einem Mensch, da die Eigenschaft lebendig zu sein nicht direkt mit der, Mensch zu sein, zusammenfällt.).

Grundlegende Einigkeit, so kann man sagen, besteht jedoch darin, dass der Zuschreibung des Personenbegriffs die Zuschreibung eines bestimmten moralischen Status sowie die Zuschreibung von Rechten folgen. Des Weiteren kann man von Übereinstimmung sprechen, wenn beide o.g. Haltungen den Personenstatus an eine Vernunftfähigkeit geknüpft sehen. Dabei spielt diese Vernunftfähigkeit für die beiden Haltungen einmal eine eher kognitive Rolle (erstere Haltung, Deckungsgleichheit Mensch/Person) und einmal eine eher moralische Rolle (zweite Haltung, Personenbegriff basiert auf Interesse/Bedürfnisse). Als kognitive Fähigkeiten beschreibt Dieter Birnbacher in Bioethik zwischen Natur und Interesse:“

1. Intentionalität, Fähigkeit zu Urteilen;
2. Zeitliche Transzendenz
(Zukunftsbewusstsein/Erinnerungsfähigkeit)
3. Selbstbewusstsein, Ichbewusstsein
4. Selbstdistanz, Präferenzen zweiter Stufe
5. Rationalität, Vernünftigkeit“1

Während hingegen moralische Fähigkeiten folgende sind:“

1. Autonomie, Selbstbestimmung
2. Moralität, Moralfähigkeit
3. Fähigkeit zur Übernahme von Verpflichtungen
4. Fähigkeit zur kritischen Selbstbewertung“2

Im Folgenden soll die Haltung, die die Begriffe Mensch und Person deckungsgleich verwendet (erstere Haltung), „Äquivalenztheorie“ genannt werden und die Haltung, die Personen gewisse Interessen und Bedürfnisse zuschreibt „Nicht-Äquivalenztheorie“. Wie bereits kurz (in Klammern) erwähnt, kritisiert Birnbacher nicht nur die Äquivalenztheorie, sondern auch die Nicht-Äquivalenztheorie:

Nach Birnbacher ist der Personenbegriff schlecht definiert, wenn er durch Eigenschaften definiert wird (wie Bedürfnisse oder Interessen), weil dies voraussetzt, dass Personen - in diesem Sinne - diese Eigenschaften besitzen müssen. Es reichen nicht die Anlagen dazu aus, oder aber die Tatsache, dass diese Eigenschaften in der Vergangenheit einmal besessen wurden, sondern die direkt aktive Ausübung der Eigenschaften kann lediglich den Personenstatus definieren. Das ist ein Problem für den Anfang des Lebens (Embryonen), sowie das Ende des Lebens (das angesprochene Beispiel der Leichen oder aber demente, alte Menschen). Da in solchen Fällen meist nicht mehr oder noch nicht die Eigenschaften vorhanden sind, die für den Personenstatus relevant sind (Bedürfnisse, Interessen). Problematisch sind in diesem Fall auch die Eigenschaften eines schlafenden Menschen, der diese Eigenschaften nicht direkt aktiv besitzt, jedoch sowohl vor, als auch nach dem Schlaf. Weiterhin problematisch sieht Birnbacher auch die Tatsache, dass für eine Zuschreibung moralischer Rechte kein Personenstatus nötig ist. Diese moralischen Rechte können auch anders begründet ihre Berechtigung erlangen:

„[…] moralische Freiheitsrechte etwa durch die Bedingung der Handlungsfähigkeit, moralische Anspruchsrechte durch die Bedingung der (aktuellen oder späteren) Empfindungsfähigkeit: Freiheitsrechte machen nur Sinn bei einem Wesen, das handlungs- und entscheidungsfähig ist, Anspruchsrechte nur bei einem Wesen, das gegenwärtig oder zu einem späteren Zeitpunkt on der Gewährung oder Nichtgewährung dieser Rechte in irgendeiner Weise subjektiv betroffen sein kann.“3

Mit dem Beispiel des Todeskriteriums und der dauerhaften Bewusstlosigkeit möchte Birnbacher jedoch zeigen wie wenig die Frage nach dem Personenbegriff zur Thematik Bioethik, bzw. in diesem Sinne Lebensschutz, beiträgt.

Aus christlicher Sicht betrachtet, stellt sich die Frage nach dem Personenbegriff gar nicht: Es ist von vorne herein nur die Rede vom Menschen und somit fallen diese Begriffe hier vermutlich zusammen. Hier besteht der Schutz des Lebens von Menschen durch die Würde, die jedem Menschen a priori durch seine Existenz als Mensch zukommt. Durch diese Würde besteht das Recht auf Leben und Schutz des Lebens. Nicht aufschlussreich geklärt werden kann hingegen die Frage danach, wann ein Wesen als Mensch bezeichnet werden kann und wann nicht.

2. Lebensschutz der Tiere durch den Mensch

Aus christlicher Sicht besteht die Pflicht des Menschen, das Leben des Tieres zu schützen (da es sein Mitgeschöpf ist und ihm verantwortet wurde). Bis auf einige wenige Ausnahmen im Tierreiche, die vielleicht Delphine, Wale und Menschenaffen bilden, käme jedoch niemand auf die Idee, Tieren ähnliche Rechte wie den Menschen zuzusprechen (bezogen auf Würde oder Schutz des Lebens). Hier besteht eine ganz andere Ausgangssituation, da Tiere sich in der Regel nicht vor ihrer eigenen Art schützen müssen. Es entfällt also die Überlegung, ob oder inwiefern ein Tier vor demselben Tier seiner Art geschützt werden muss oder kann. Zudem entfällt bis auf wenige o.g. Tiere die Notwendigkeit diesen den Personenstatus zuzusprechen. Zudem ist der Mensch der hauptsächliche Grund aus dem der Lebensschutz der Tiere überhaupt thematisiert werden muss. Es ist also - wenn überhaupt - nötig, das Leben des Tieres zu schützen, da es von anderen Menschen bedroht wird. Maßstäbe, die helfen sollen zu beurteilen, inwiefern das Töten bzw. das Schützen des Lebens der Tiere gerechtfertigt werden kann, können unter anderem die Fragen sein, ob Tiere leidensfähig sind und falls ja in welchem Maße, in demselben Maße wie der Mensch, der für das Leiden der Tiere verantwortlich ist? Zudem besteht die Frage, ob Tiere einen ebenso wie Menschen gerichteten Sinn auf die Zukunft haben und somit weitere Leiden entstehen können, die das Leben des Tieres beeinträchtigen, wenn zu erwarten ist, dass das Tier im Hinblick auf seine eigene Zukunft unter Angst leidet, und damit das Leben des Tieres nicht mehr geschützt ist (denkbar ist, dass das Tier aus Angst nicht mehr frisst oder sich bewusst Gefahren aussetzt um seinem drohenden Leiden, das es in der Zukunft zu erwarten hat, zu entgehen). Aus christlicher Sicht wiederum fällt das Tier unter das Gebot der Nächstenliebe und muss demnach so wie ein Mensch gegenüber einem Menschen behandelt werden. Aus rechtlicher Sicht hingegen sind Tiere, zumindest im deutschen Staat, erst nach 1990 nicht mehr als Sache beschrieben4. Per Gesetzt ist der Mensch dazu verpflichtet, das „Leben und Wohlbefinden [der Tiere] zu schützen.“5 Tierversuche sind jedoch unter bestimmten Bedingungen davon ausgeschlossen und müssen hier ebenfalls Gegenstand sein, da sie oft zum Tod der Tiere führen, wenn nicht aus Versuchsgründen, so aus Überfluss Gründen nach dem Versuch. Diese Bedingungen sind:“

1. Vorbeugen, Erkennen oder Behandeln von Krankheiten, Leiden Körperschäden oder körperlichen Beschwerden oder Erkennen oder Beeinflussen physiologischer Zustände oder Funktionen bei Mensch oder Tier,
2. Erkennen von Umweltgefährdungen,
3. Prüfung von Stoffen oder Produkten auf ihre Unbedenklichkeit für die Gesundheit von Mensch oder Tier oder auf ihre Wirksamkeit gegen tierische Schädlinge,
4. Grundlangenforschung“6

Eine weitere entscheidende Frage stellt sich nach dem Sinn des „Lebensschutzes der Tiere“ - und ob dieser auch so verstanden werden kann, dass der Sinn, den das Leben des Tieres hat, einem bestimmten entsprechen muss, bzw. überhaupt einen haben muss: Die Züchtung der Tiere zu einem bestimmten Zwecke wie Schlachtung oder experimentellen Versuchen z.B. widerspräche diesem. Allerdings wären Tiere, die aus bereits genannten Gründen gezüchtet werden, nicht am Leben, würde es nicht einen gewissen Zweck für deren Leben geben. Ein Recht auf Leben für Tiere hingegen zu begründen erfordert eine Basis auf der Tiere Rechte haben gegenüber Menschen:

1. Kontraktualismus (Vertragstheorie)7

Moral basiert hiernach auf Verhaltensregeln, die vertraglich zwischen Individuen festgelegt und unterzeichnet wurden. Individuen, die nicht selbst unterzeichnen können, oder dies zum Zeitpunkt der Aufsetzung des Vertrages nicht konnten, können von jenen geschützt werden, die direkt „unterzeichnen“ und somit direkt durch den Vertrag geschützt sind und ihre Moral und ihre Rechte erhalten. Ein Individuum, das direkt durch den Vertrag geschützt wird, da es diesen mit unterzeichnet hat, könnte demnach dennoch unmoralisch handeln gegenüber Säuglingen, oder dementen, sowie psychisch kranken Menschen, kleinen Kindern͙ Um diesem Fall zu entgehen, haben alle Individuen, die direkt durch den Vertrag geschützt sind die Möglichkeit, sich um diese Individuen, die nicht direkt durch den Vertrag geschützt sind zu sorgen. Dadurch sind dann auch o.g. Individuen durch den Vertrag geschützt - indirekt zumindest.

Tiere, an denen kein direktes oder indirektes Interesse besteht (Nutztiere, Laborratten), würden somit keinen moralischen Schutz genießen.  So schafft Macht Recht, da nicht jedes Individuum die Macht hat, den Vertrag mitzuunterzeichnen oder gar seinen Inhalt mitzubestimmen. Darüber hinaus stellt diese Theorie keine Pflichten von Individuen gegenüber Individuen ohne Gerechtigkeitssinn dar, sodass Individuen ohne Gerechtigkeitssinn moralisch frei sind zu tun was sie möchten, jedenfalls gegenüber Individuen, die den Vertrag nicht unterzeichnen konnten.

[...]


1 Dieter Birnbacher - Bioethik zwischen Natur und Interesse S.58-59 3 der Gegenwart

2 Ebd. S.59

3 Ebd. S.72 (ganzer erster Absatz)

4 Rolf Kramer - In Verantwortung für das Leben S.105 (letzter Absatz)

5 Ebd. S.106 (2. Absatz)

6 Ebd. S. 106

7 Tom Regan - Wie man Rechte für Tiere begründet, in: Texte zur Tierethik hrsg. von Ursula Wolf

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Personenbegriff und Lebensschutz der Tiere durch den Menschen
Hochschule
Universität Konstanz  (Fachbereich Philosophie)
Veranstaltung
Hauptlehren des Christentum
Note
2
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V278299
ISBN (eBook)
9783656713920
ISBN (Buch)
9783656713494
Dateigröße
1188 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
personenbegriff, lebensschutz, tiere, menschen
Arbeit zitieren
Benjamin Muske (Autor), 2013, Personenbegriff und Lebensschutz der Tiere durch den Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278299

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