Heinrich Heines „Belsatzar“: Parallelen zwischen dem Menetekel und der Geschichte der deutschen Ballade


Seminararbeit, 2010

13 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse des Gedichts „Belsatzar“
2.1. Form
2.2. Inhalt

3. Die Flammeninschrift
3.1. Die Bedeutung des Menetekels
3.2. Parallelen zwischen dem Menetekel und der Geschichte der deutschen Ballade

4. Schlusswort

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang – Heinrich Heines „Belsatzar“

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit werde ich Heinrich Heines Ballade „Belsatzar“ zuerst formal und inhaltlich analysieren, um eine Grundlage zur Flammenschrift an Belsatzars Wand zu geben. Im dritten Kapitel werde ich als Erstes eine Einführung zur Schrift - dem Menetekelspruch – geben, indem ich das Buch David aus dem Alten Testament als Quelle hinzuziehe, um am Ende der Arbeit über das Hauptthema, die Parallelen zwischen dem Menetekel und der Geschichte der Ballade diskutieren zu können und um zu erläutern wie sich das Menetekel auf die Ballade auswirkt.

2. Analyse

Die Hauptfigur des Gedichtes „Belsatzar“ ist der bereits im Titel genannte tyrannische König von Babylon. An einem Abendmahl beginnt Belsatzar mit gotteslästernden Ausrufen und stellt sich sogar über Gott. Unerwartet erscheint durch Geisterhand eine unheimliche Flammeninschrift an der weissen Wand, die niemand deuten kann. In der gleichen Nacht wird Belsatzars Herrschaft beendet und er wird von seinen eigenen Knechten ermordet.

2.1. Form

Beim Gedicht „Belsatzar“ handelt es sich um eine Ballade, die unter den „Romanzen“ in Heinrich Heines Buch der Lieder veröffentlicht wurde.

Sie besteht aus 21 Strophen zu jeweils zwei Versen, welche im Paarreim geschrieben sind und eine reine, nicht alternierende Kadenz - männliche (betonte) Endungen - aufweisen. Das Metrum ist ein beinahe durchgehender vierhebiger Jambus, der in seinem Rhythmus lediglich in den Versen 14, 15 und 25 durch einen Anapäst unterbrochen wird.

Durch diesen Metrumwechel wird die dort beschriebene Sünde besonders hervorgehoben: „lästert die Gottheit mit sündigem Wort“ (V.14), „brüstet sich frech und lästert wild“ (V.15), „Jehova! dir künd ich auf ewig Hohn“ (V.25).

Die einzelnen Verse innerhalb einer Strophe sind durch ein Enjambement miteinander verknüpft, um den inhaltlichen Kontext der jeweiligen Verse innerhalb einer Strophe zu verdeutlichen.

Innerhalb des Gedichtes sind auch die Tempuswechsel zu berücksichtigen. Die Erzählung wird im Präteritum wiedergegeben (V.1-12; V.17-22; V.27-42), wogegen die sündhaften Taten und Ausrufe Belsatzars im Präsens stehen (V.13-16; 23-26) um seine Überheblichkeit noch deutlicher hervorzuheben und um den Leser unmittelbar am entscheidenden Geschehen der Gotteslästerung teilhaben zu lassen.

2. 2. Inhalt

Die Ballade „Belsatzar“ kann inhaltlich in vier Teile aufgeteilt werden:

Erster Teil:

In den Versen 1-12 geht es um die Feier des Königs. Wie es für die Ballade als Mischform aus Lyrik, Epik und Drama typisch ist, führt sie den Leser zunächst in die Welt der Erzählung ein, indem sie Angaben zur Tageszeit, zum Ort und zu den Hauptfiguren gibt. Es ist mitten in der Nacht („Mitternacht zog näher schon“, V.1) und in der ganzen Stadt Babylon herrscht Stille. Durch den Einsatz von eher dunklen Vokalen („u“ / “stummer Ruh“ V.2 und „o“ / „zog“ und „schon“ V.1, „Babylon“ V.2) wird die nächtliche Stimmung noch zusätzlich unterstrichen. In den Versen 3-4 liegt das Schloss des Königs im Zentrum, in welchem offenbar eine Feier stattfindet („da lärmt des Königs Tross“ V.4). Es wird schon von Anfang an, noch bevor wir seinen Namen erfahren, ein negatives Bild des Königs und seiner Anhänger aufgebaut („lärmt“ V.4), welches in den folgenden Versen noch weiter zugespitzt wird.

In den Versen 5-12 wird vom Fest, bzw. von der Orgie des Königs Belsatzars berichtet. In dieser nun hellen Umgebung, im Gegensatz zur dunklen Nacht, die draussen herrscht, werden vor allem helle Vokale benutzt („a“ / “Königssaal“ V.5, „Königsmahl“ V.6 und „i“ / „schimmernden Reihen“ V.7).

Der negative Eindruck des Königs Belsatzar nimmt nun allmählich zu („störrigen Könige“ V.10, „kecker Mut“ V.12), welcher sich im zweiten Teil der Ballade sogar weiter steigert („lästert“ V.14, „sündigem Wort“ V.14, „brüstet sich frech und lästert wild“ V.15).

Zweiter Teil:

Im zweiten Teil (V.13-26) beginnt die Blasphemie in Äusserungen und im Verhalten Belsatzars, die zusätzlich durch seinen deutlich erhöhten Alkoholkonsum bedingt ist („Im Wein erwuchs ihm kecker Mut“ V.12). Die Spannung und der beängstigende Eindruck werden hier durch Anaphern („Und“ / “Und“ / “Und“ Z.13-15) und Alliterationen („brüstet“ V.15 und “Beifall brüllt“ V.16, sowie „grause“ V.27 und „gellende“ V.29 oder „Busen bang“ V.28) erhöht.

Durch den Parallelismus in V. 17-18, „Der König rief[…]“ – „Der Diener eilt[…]“ wird die Eindringlichkeit des Ausdrucks gesteigert und die Dramatik weiter intensiviert.

Von den gotteslästerlichen Worten wird anfänglich nur im Allgemeinen berichtet und es wird zunächst nicht näher darauf eingegangen („er lästert die Gottheit mit sündigem Wort“ V.14). Die blasphemische Handlung verübt Belsatzar, indem er von seinen Dienern die Becher holen lässt, welche von ihm und seinem Gefolge aus dem „Tempel Jehovas geraubt“ (V.20) wurden, und aus einem der „heiligen Becher“ (V.22) trinkt. Während er aus dem Becher trinkt, wird Belsatzar das erste Mal verunsichert dargestellt („er leert ihn hastig“ V.23).

Trotzdem treibt es Belsatzar anschliessend auf die Spitze, indem er Jehova verhöhnt und sich gewissermassen selbst an dessen Position erhebt („Jehova! Dir künd ich auf ewig Hohn / Ich bin der König von Babylon!“ V.25-26). Die Verse 25-26 sind als Einzige im Gedicht als direkte Rede dargestellt, was als ein weiteres Mittel zur Hervorhebung der Sünde dient.

Dritter Teil:

Im dritten Teil (V.27-40) wendet sich die Stimmung schliesslich, indem Belsatzar selbst den Eindruck gewonnen zu haben scheint, dass er zu weit gegangen ist („Dem König ward’s heimlich im Busen bang“ V.28). Dennoch wird es ihm zunächst nur „heimlich / bang“ (V.28). Die Gemütslage ändert sich jedoch auch bei seinem Gefolge („Das gellende Lachen verstummte zumal“ V.29).

Im Vers 30 wird durch das Wort „leichenstill“ die ganze Situation noch beklemmender und man kann durch eine derartige Andeutung des Todes schon vermuten, wie Belsatzars Sünde für ihn enden wird.

In den darauffolgenden Versen 31-34 erscheint durch Geisterhand eine geheimnisvolle Flammenschrift an der Wand. In den Versen 31 und 33 verwendet Heine die Wiederholungen („Und sieh! Und sieh[…]“ V.31 und „Und schrieb, und schrieb[…]“ V.33) um die Verwunderung und das Unglaubliche an diesem Zwischenfall ausdrücklich zu betonen

Von Belsatzars Stolz, Arroganz und Überheblichkeit ist in den darauffolgenden Versen nichts mehr zu erkennen: „Der König stieren Blicks da sass, / Mit schlotternden Knien und totenblass. / Die Knechtschaft sass kalt durchgraut, / und sass gar still, gab keinen Laut.“(V.35-38), wobei hier erneut der Tod durch den Ausdruck „totenblass“ impliziert wird. Durch den Neologismus „durchgraut“ (V.37), welcher sich aus dem Wort „Grauen“ und dem Ausdruck „durch und durch“ zusammensetzt, wird zugleich die Spannung gesteigert und ein Ausdruck der Unbegreiflichkeit dargestellt.

In den letzten zwei Versen (V.39-40) dieses Abschnitts versuchen Magier, die Schrift an der Wand zu entschlüsseln, wobei sie jedoch keinen Erfolg haben.

Vierter Teil:

Im letzten Teil der Ballade (V.41-42) wird Belsatzar, wahrscheinlich aus Furcht vor einer Bestrafung Gottes, noch in der gleichen Nacht „von seinen [eigenen] Knechten umgebracht“ (V.42).

3. Die Flammenschrift

Die erste Frage, die man sich nach dem Lesen der Ballade „Belsatzar“ stellt, ist: „Was stand an der Wand in Belsatzars Schloss geschrieben?“, denn die Worte, die von der geisterhaften Hand an die Wand geschrieben werden (V.31-34), werden von Heinrich Heine im Gedicht nicht erwähnt.

In der ursprünglichen Geschichte im Alten Testament, im Buch Daniel, Kapitel 5.25, stehen die folgenden Worte in einer Flammenschrift an der Wand: „Mene mene tekel u-parsin“[1]

Doch niemand ausser dem Propheten Daniel konnte den Flammenspruch lesen oder gar entschlüsseln (Dan 5,8), was im Gedicht auf diese Weise nicht erwähnt wird.

[...]


[1] Die Bibel, Altes Testament, Buch Daniel. Kapitel 5,25.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Heinrich Heines „Belsatzar“: Parallelen zwischen dem Menetekel und der Geschichte der deutschen Ballade
Hochschule
Universität Zürich  (Deutsches Seminar)
Veranstaltung
Die Ballade
Note
bestanden
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V278348
ISBN (eBook)
9783656708537
ISBN (Buch)
9783656710523
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Seminararbeit wurde nicht benotet. Am Deutschen Seminar der Universität Zürich werden nicht immer alle Arbeiten benotet; oft werden sie - wie auch in diesem Fall - lediglich mit "bestanden" oder "nicht bestanden" bewertet.
Schlagworte
Heinrich Heine, Belsatzar, Ballade, Menetekel
Arbeit zitieren
Jelena Zagoricnik (Autor), 2010, Heinrich Heines „Belsatzar“: Parallelen zwischen dem Menetekel und der Geschichte der deutschen Ballade, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278348

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