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Siedlungsgeschichte und Sprache der Burgunder

Title: Siedlungsgeschichte und Sprache der Burgunder

Seminar Paper , 2013 , 37 Pages , Grade: 5,5 (Schweiz)

Autor:in: Jelena Zagoricnik (Author)

German Studies - Linguistics
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Das heutige Burgund – die Region Bourgogne in Frankreich – ist vor allem für seine Weine, seine Kirchen, Paläste und Schlösser bekannt. Doch wie sieht es aus mit dem spätantiken namhaften Volk der Burgunder? Dieses kennen die Meisten aus Sagen wie dem Nibelungenlied, der Thidrekssaga Dietrichs von Bern, dem Siegfried-, Dietrich-, Brunhild- oder Atlilied aus der Liederedda, welche inhaltlich in die Völkerwanderungszeit zurückreichen. Den Sagen zufolge, die den historischen Stoff mit weiteren mündlich überlieferten germanischen Heldensagen verflochten, hatte der burgundische König Gunther seinen Hauptsitz in Worms, was Literaturwissenschaftler, Historiker und Archäologen dazu veranlasste in diesem Gebiet nach den historischen Spuren des burgundischen Volkes zu suchen; bis heute jedoch ohne Erfolg. Auch historische literarische, inschriftliche und die wenigen archäologischen Quellen aus der Zeit des Römischen Reichs konnten bei diesem Unternehmen nicht weiterhelfen.
Auch über die Identität und Kultur der Burgunder erfahren wir äusserst wenig durch die Römer, die in der Sapaudia ab 443 mit ihnen Landbesitz und Nachbarschaft teilten; dies z. B. aus Sidonius Apollinaris’ sarkastischem Gedicht an Catullinus (MGH, AA 8, 1887, 230f.), wo er die Burgunder als ein vielfrässiges, germanisch sprechendes Volk mit barbarischem Betragen, langen mit ranziger Butter eingeschmierten Haaren, das zwar sehr gern und auch gut sang, aber dennoch am morgen früh schon nach Knoblauch und Zwiebeln stank (vgl. Beck 1981, 229). Über die rechts vom Rhein sesshaften Burgunder erfahren wir durch Sokrates, dass sie friedlich von der Landwirtschaft, ihrer Pferdezucht, dem Handel und ihrem Lohn als Handwerker (Holzbauleute), und nicht von Beutezügen lebten (vgl. Kaiser 2004, 31 und 34f.).
Es stellen sich weitere Fragen, wie: Woher kamen die Burgunder und wo genau siedelten sie über längere Zeit nach ihrer Teilnahme an der Völkerwanderung? Wie mag ihre Sprache geklungen haben und welcher Sprachgruppe würde man das Burgundische heute am ehesten zuweisen? Welche sprachlichen Gemeinsamkeiten hat es mit dem West- und Ostgermanischen und welche Charakteristika unterscheiden es von beiden? Wie lange wurde das Burgundische gesprochen? Und zuletzt: Welchen Einfluss hatte das Lateinische auf das Burgundische oder es selbst auf andere Sprachen, wie das Frankoprovenzalische? ...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Geschichte der Burgunder (2. v. Chr. – 6. Jh. n. Chr.)

2. Siedlungsgeschichte der Burgunder

2.1. Ortsnamen mit dem Suffix –ings

3. ‚Die burgundische Sprache’

3.1. Phonologie, Morphologie und Lexik des Burgundischen

3.1.1. Gemeinsamkeiten mit den ostgermanischen Sprachen

3.1.2. Gemeinsamkeiten mit den westgermanischen Sprachen

3.1.3. Eigenheiten des Burgundischen

3.2. Lehnwörter im und aus dem Burgundischen

3.2.1. Frankoprovenzalische Wörter burgundischen Ursprungs

3.2.2. Burgundische Wörter lateinischen Ursprungs

Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Siedlungsgeschichte sowie die sprachlichen Merkmale und Lehnbeziehungen der Burgunder im Zeitraum der Völkerwanderung. Ziel ist es, die Zuordnung des Burgundischen zu einer spezifischen germanischen Sprachgruppe anhand philologischer Indizien zu prüfen und den Einfluss des Burgundischen auf das Frankoprovenzalische sowie den Einfluss des Lateinischen auf das Burgundische zu analysieren.

  • Historische Entwicklung der Burgunder vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zum 6. Jahrhundert n. Chr.
  • Analyse des Siedlungsgebiets anhand spezifischer Ortsnamensuffixe
  • Linguistische Rekonstruktion des Burgundischen als ostgermanische Sprache
  • Untersuchung der Lehnbeziehungen zwischen dem Burgundischen, dem Lateinischen und dem Frankoprovenzalischen

Auszug aus dem Buch

1. Geschichte der Burgunder (2. Jh. v. Chr. – 6. Jh. n. Chr.)

Da die Burgunder kein eigenes Herkunftszeugnis zurückgelassen haben, müssen wir uns vor allem auf die Stellungnahmen römischer und griechischer Autoren stützen, um etwas über ihre Geschichte ihr Siedlungsgebiet und ihre Identität zu erfahren. Dabei sind die Quellen bis zum 3./4. Jh. sehr spärlich, weil sich die Burgunder noch nicht im eigentlichen römischen Gebiet befanden.

In der Antike wurden die Burgunder von römischen Autoren meist auf zwei Arten genannt: Die erste und öfter verwendeten Variante war die schwache lateinische Form Burgundioni/Burgundiones und die zweite nach der starken lateinischen Deklination Burgundii/griech. Bourgoundoi. Dieses Ethonym lässt sich auf die Wurzel *burgund ‚hoch’ zurückverfolgen, welche vom indogerm. *bhrghus ‚gross, hoch, stark’ abstammt und somit auf eine hochgelegene Landschaft verweisen könnte (vgl. Escher 2006, 7; vgl. Beck 1981, 230). Die früheste Quelle, die die ursprüngliche Heimat der Burgunder indirekt nennt, ist Plinius des Älteren enzyklopädisches Werk Historia naturalis (IV, 99), deren erste zehn Bücher um 77 n. Chr. veröffentlicht wurden. Indirekt, weil er nur sagt, dass es fünf Hauptstämme der Germanen gibt, darunter einer – der der Vandiler – zu denen die Burgu(n)diones, die Variner (Warner), Chariner und Gutonen (Goten) gehören – welche somit zur Gruppe der Ostgermanen gerechnet werden können (vgl. Anton 1981, 235f.). Die Vandili sind die uns bekannten Vandalen, über welche einige Forscher sagen, dass sie ihre ursprüngliche Heimat in Skandinavien hatten (vgl. Kaiser 2004, 15f.). Wenn nun also die Burgunder ein Unterstamm des Hauptstammes der Vandalen ist, hätte Skandinavien auch ihre Heimat sein können. Doch weitere konkretere Zeugnisse zu ihrer ursprünglichen Heimat haben wir leider nicht.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Quellenlage zu den Burgundern ein und umreißt die zentralen Forschungsfragen zur Sprache und Siedlungsgeschichte.

1. Geschichte der Burgunder (2. v. Chr. – 6. Jh. n. Chr.): Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung und die verschiedenen Siedlungsphasen der Burgunder basierend auf antiken Schriftquellen nach.

2. Siedlungsgeschichte der Burgunder: Hier wird das Siedlungsgebiet der Burgunder detailliert anhand von Ortsnamenanalysen, insbesondere unter Verwendung des Suffixes –ings, untersucht.

3. ‚Die burgundische Sprache’: Dieses Hauptkapitel widmet sich der linguistischen Einordnung des Burgundischen, wobei dessen ostgermanischer Kern durch phonologische und morphologische Merkmale belegt wird.

Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die ostgermanische Sprachzugehörigkeit sowie das Aussterben der Sprache um das Jahr 600.

Schlüsselwörter

Burgunder, Völkerwanderung, Sprachgeschichte, Ostgermanisch, Lex Burgundionum, Siedlungsgeschichte, Ortsnamen, Frankoprovenzalisch, Akkulturation, Bilinguität, Germanische Sprachen, Sprachverwandtschaft, Sprachaussterben, Antike Quellen, Indogermanisch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Siedlungsentwicklung der Burgunder und der linguistischen Rekonstruktion ihrer Sprache im Kontext der Völkerwanderungszeit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die historische Identität der Burgunder, ihre Migration, die geografische Verteilung ihrer Siedlungen in Gallien und die sprachwissenschaftliche Klassifizierung des Burgundischen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, das Burgundische als eine im Kern ostgermanische Sprache nachzuweisen und seine Entwicklung sowie seinen Einfluss in einem multikulturellen Umfeld zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der historische Quellenanalyse, moderne Sprachwissenschaft (Onomastik/Etymologie) und archäologische Befunde kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die historische Abrissgeschichte, die siedlungsgeografische Analyse mittels Suffix-Forschung und eine tiefgreifende linguistische Untersuchung (Phonologie, Morphologie, Lexik).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Burgunder, ostgermanisch, Völkerwanderung, Siedlungsgeschichte und Sprachwandel.

Welche Bedeutung hat das Suffix -ings?

Das Suffix -ings dient als zentraler Indikator für die Identifizierung ehemals burgundischer Siedlungen, da es die offizielle Ansiedlung eines Stammes oder einer Familie anzeigte.

Warum wird das Burgundische als Trümmersprache bezeichnet?

Es wird so genannt, weil nur wenige schriftliche Quellen, vor allem Namen und einzelne Rechtstermini, erhalten sind, die eine vollständige Rekonstruktion der Sprache erschweren.

Welchen Einfluss hatte das Lateinische auf das Burgundische?

Das Lateinische beeinflusste vor allem die Kultur, die Rechtsprache (Lex Burgundionum) und verstärkte den Prozess der Bilinguität und Akkulturation, jedoch kaum den grundlegenden Wortschatz.

Wann ist das Burgundische nach heutigem Forschungsstand ausgestorben?

Die Forschung geht davon aus, dass das Burgundische als eigenständige Sprache spätestens um das Jahr 600 weitgehend in den romanischen Nachfolgedialekten aufgegangen war.

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Details

Title
Siedlungsgeschichte und Sprache der Burgunder
College
University of Zurich  (Deutsches Seminar)
Course
Völkerwanderungszeit (12 ECTS)
Grade
5,5 (Schweiz)
Author
Jelena Zagoricnik (Author)
Publication Year
2013
Pages
37
Catalog Number
V278362
ISBN (eBook)
9783656708513
ISBN (Book)
9783656710653
Language
German
Tags
Die Burgunder Siedlungsgeschichte burgundische Sprache
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jelena Zagoricnik (Author), 2013, Siedlungsgeschichte und Sprache der Burgunder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278362
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