Im Rahmen des Seminars „Les paysages littéraires allemands et français“ möchte ich mich in der vorliegenden Arbeit der literarischen Landschaft in Flauberts Œuvre „L´Éducation sentimentale“ zuwenden. Flaubert gilt gemeinhin als der „Nouveau Réaliste“, dessen künstlerische Ambitionen und Werke der älteren Generation der Realisten Stendhal und Balzac Nachfolge leisteten . Flaubert selbst wies jegliche Stilisierung als Realist und das damit Bedeutete von sich, auch wenn die gewählte literarische Form, Sujet, Technik und Stilistik diese Zuschreibung nicht obsolet werden lässt. Dennoch, wie die deskriptive Episode im Wald von Fontainebleau zeigen wird, lässt sich Flauberts Werk nicht uneingeschränkt in diesen klassifizierenden Begriff bannen. Das bewegte 19. Jahrhundert ist von zahlreichen geistesgeschichtlichen „Errungenschaften“ begleitet, die nicht ohne Einfluss auf die künstlerische Wahrnehmung bleiben sollten. Folglich zeichnet sich in der Kunst und Literatur ein Paradigmenwechsel ab, der nicht zuletzt in der Landschaftdarstellung jener Zeit spürbar wird. So werde ich im Folgenden nach einer kurzen theoretischen Einführung in den Realismus und seinen zeithistorischen Kontext, sowie in das Leben und Werk Flauberts, einen Überblick über den Handlungsverlauf der „Éducation sentimentale“ geben, um mich im Hauptteil der Analyse der erwähnten Landschaftsepisode und ihrer spezifischen stilistischen Ausprägung zuzuwenden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Realismus
2.1 Zeithistorischer Hintergrund
2.2 Einflüsse, Träger und Ästhetik des Realismus
3. Gustav Flaubert
3.1 Kurzbiographie
3.2 Zum Werk Flauberts – Zwischen Mystizismus und Realismus
4. « L´Éducation sentimentale. Histoire d´un jeune homme »
4.1 Inhaltsangabe
4.2 Zur werkimmanenten Landschaftsbeschreibung – Die Episode im Wald von Fontainebleau
4.2.1 La description du paysage par l´auteur
4.2.2 Le paysage par l´optique de Frédéric
4.2.3 Le paysage par l´optique de Rosanette
4.2.4 Zur Stilistik
4.3 Zur Funktion und Bedeutung der Landschaft
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Landschaftsbeschreibung in Gustav Flauberts Roman „L´Éducation sentimentale“, mit besonderem Fokus auf die Episode im Wald von Fontainebleau. Dabei wird analysiert, wie Flaubert durch eine realistische, distanzierte Erzählweise die romantischen Ideale seiner Protagonisten dekonstruiert und die Landschaft als Projektionsfläche für bürgerliche „idées reçues“ entlarvt.
- Die Entwicklung und Ästhetik des literarischen Realismus im 19. Jahrhundert.
- Flauberts schriftstellerische Technik der „impersonnalité“ und des „style indirect libre“.
- Die psychologische Bedeutung der Landschaftswahrnehmung für die Protagonisten Frédéric und Rosanette.
- Die Diskrepanz zwischen romantischer Naturerfahrung und gesellschaftlicher Realität.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 La description du paysage par l´auteur
L´auteur nous représente la forêt dans le contexte d´un voyage des amants, qui est exemplaire pour la culture bourgeoise à l´époque. Pour la bourgeoisie, favorisée par une prospérité croissante et propulsée par une idéologie bien romantique, une excursion dans la nature, constitue une partie intégrante de leur vie d´été et s´établit comme signe de statut social. La nature des provinces est appréciée par son authenticité prétendue intouchée par l´homme, par son état sauvage qui résiste, selon l´idéal bourgeois, aux bouleversements et modernisations violentes par lesquels sont prises les villes à l´époque. La tranquillité putative du contre-monde se présente donc comme refuge dans la verdure, où la bourgeoisie aspire à trouver sa « catharsis » et son paradis perdu. C´est donc dans l´objectif d´évoluer et représenter ces notions bourgeoises, que Flaubert invente la fuite du protagoniste, qui vient de s´ancrer dans le monde bourgeois, de la capitale et la réalité historique. Flaubert intègre alors une description de ce contre-monde prétendu, qui profite de sa perception subtile.
La description de la forêt de Fontainebleau est très détaillée. Elle se base sur plusieurs carnets de notes que Flaubert a rédigées pendant ses nombreux parcours préparatoires de la forêt. Il a répertorié chaque arbre, chaque rocher, chaque route forestière. Tel un « scientifique » il a analysé chaque détail qui parsème cette forêt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsabsicht, Flauberts Werk im Kontext des Realismus zu betrachten.
2. Zum Realismus: Theoretische Herleitung des Realismusbegriffs, seiner zeithistorischen Einbettung und der Entwicklung von der Romantik hin zur objektivierenden Darstellung.
3. Gustav Flaubert: Darstellung der Lebensgeschichte Flauberts und der künstlerischen Entwicklung seines Stils, der zwischen romantischem Erbe und realistischer Forderung oszilliert.
4. « L´Éducation sentimentale. Histoire d´un jeune homme »: Analyse des Romans, seiner Inhaltsstruktur sowie vertiefende Untersuchung der Landschaftsepisode in Fontainebleau unter verschiedenen Perspektiven und stilistischen Gesichtspunkten.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, die Flauberts Erzählweise als Instrument zur Entlarvung bürgerlicher Illusionen hervorhebt.
Schlüsselwörter
Gustav Flaubert, L´Éducation sentimentale, Realismus, Landschaftsbeschreibung, Fontainebleau, Romantik, Desillusionierung, Stilistik, bürgerliche Gesellschaft, Literatur des 19. Jahrhunderts, Naturwahrnehmung, Erzähltechnik, Bourgeoisie, Idylle, Ästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Darstellung und Funktion von Landschaftsbeschreibungen in Flauberts Roman „L´Éducation sentimentale“ als Mittel der realistischen Erzählkunst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Entwicklung des Realismus im 19. Jahrhundert, Flauberts spezifische Ästhetik sowie das Spannungsfeld zwischen romantischer Naturprojektion und bürgerlicher Realität.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Flaubert durch die präzise, fast wissenschaftliche Schilderung der Natur die romantisch-sentimentalen Illusionen seiner Protagonisten dekonstruiert und als bürgerliche Klischees entlarvt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt eine werkimmanente Analyse unter Einbeziehung geistesgeschichtlicher Kontexte und untersucht dabei insbesondere die Perspektivierung durch die Figuren und den Erzähler.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Episode im Wald von Fontainebleau, wobei die Sichtweisen der Protagonisten Frédéric und Rosanette sowie die stilistischen Mittel des Autors (wie der Gebrauch des Imparfait) analysiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Realismus, Desillusionierung, Landschaftswahrnehmung, „idées reçues“ und der „style indirect libre“.
Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung der Natur zwischen Frédéric und Rosanette?
Während Frédéric die Natur stärker poetisiert und als Projektionsfläche für seine Sehnsüchte nutzt, zeigt Rosanette ein eher touristisches, konsumorientiertes Verhalten, das im Grotesken endet.
Warum spielt der „style indirect libre“ eine so wichtige Rolle für die Analyse?
Dieser Stil ermöglicht es Flaubert, die Wahrnehmung der Figuren direkt abzubilden, ohne eine wertende Erzählerinstanz einzubinden, was zur notwendigen Objektivierung des realistischen Zeitzeugnisses beiträgt.
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- Eliza Grabarek (Author), 2009, Realistische Landschaften. Zur Landschaftsbeschreibung in Gustav Flauberts „L' Éducation sentimentale", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278418