Talleyrand auf dem Wiener Kongress


Hausarbeit, 2012

16 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Untersuchung
2.1 Talleyrands Prinzipien
2.2 Talleyrands Verbindungen zu Schlüsselfiguren
2.2.1 Frankreich
2.2.2 Europa
2.3 Talleyrands Wirkung auf die Gesellschaft
2.4 Der Wiener Kongress

3 Zusammenfassung

4 Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1 Gedruckte Quellen
4.2 Literatur

1 Einleitung

Nach den Befreiungskriegen 1813-1814 war Napoleon nach jahrelanger Eroberung Europas endgültig geschlagen. Als die Siegermächte am 30. Mai 1814 mit Frankreich in Paris einen milden Frieden geschlossen haben, kamen die Beteiligten überein, dass die Aufteilung der abgetretenen Territorien Frankreichs in einem getrennten Kongress in Wien ausführlich besprochen werden sollte. Immerhin standen auch viele eroberte Gebiete rechtmäßig Frankreich zu, das eben auf seinen Anspruch verzichtete.[1] Frankreich wurden die Grenzen von 1792 zugesprochen, so dass es im Gegensatz zu den anderen Großmächten außer England keine territorialen Ansprüche mehr in Wien hatte. Im Lauf des Kongresses konnte Frankreich wieder in das Konzert der Mächte zurückkehren und seine gesetzten Ziele erreichen. Charles-Maurice de Talleyrand-Périgot war in Paris und in Wien jeweils federführend und verantwortlich für Frankreichs Diplomatie zu dieser Zeit. Diesem Mann vor allem ist der Erfolg Frankreichs nach der Absetzung Napoleons, die Talleyrand im Übrigen auch inszeniert hat, zu verdanken. Welche Rolle spielte Talleyrand in den Verhandlungen von Wien und warum war er so erfolgreich in der Erreichung seiner Ziele? Talleyrand, der schon von seinen Zeitgenossen unterschiedlich und kontrovers aufgenommen wurde, ist auch der Nachwelt ein Mysterium. Seine spät posthum veröffentlichen Memoiren lüften seine Legende nur bedingt, weil sie offensichtlich selbstverherrlichend geschrieben sind. Es lohnt sich also zuerst einen genaueren Blick auf die Person Talleyrand zu werfen und seine Prinzipien, Ansichten und Verbindungen zu Zeitgenossen zu untersuchen. Im letzten Teil wird dann die Rolle Talleyrands auf dem Wiener Kongress Ziel der Untersuchung sein.

2 Untersuchung

Frankreichs Schlüsselfigur in den Wirren nach Napoleons erstem Abgang war Charles-Maurice de Talleyrand-Périgot. Dieser hat nicht nur maßgeblich die Restauration der Bourbonen in Frankreich ermöglicht, sondern auch den ersten Frieden von Paris verfasst und war als Vertreter Frankreichs mit allen Befugnissen bei den Verhandlungen des Wiener Kongresses beteiligt. Vor allem beim Wiener Kongress sind ihm einige diplomatische Erfolge zuzuschreiben, die Frankreich, das sich nur Monate zuvor ganz Europa als Gegner wusste, wieder in das Konzert der europäischen Großmächte brachten. Diese kontroverse Person gilt es, genauer zu untersuchen. Dabei widmen wir uns im Folgenden einführend ganz dem Charakter Talleyrand mit seinen Ansichten und Prinzipien, Verbindungen zu Europas Mächtigen und seinen persönlichen Eigenheiten.

2.1 Talleyrands Prinzipien

Talleyrand hat es geschafft seit der Französischen Revolution bis weit nach Napoleons Sturz Schlüsselpositionen in jedem Regime einzunehmen. Er hat lange die Idee verfolgt, der einflussreiche Minister zu sein, der Kardinal Richelieu unter Ludwig XIV war.[2] Allerdings spielte er in den meisten Fällen nur die „zweite Geige“ hinter einer dominanten, bestimmenden Persönlichkeit, die es verstand Talleyrands Einfluss nicht allzu groß werden zu lassen. Sowohl unter dem machtlechzenden Egomanen Napoleon als auch unter dem prätentiösen König Ludwig XVIII wurde seine Gestaltungsmöglichkeit trotz Ministeramt zurückgehalten. In diesen beiden Fällen kamen persönliche Kränkungen hinzu, die wohl auch ein Grund dafür waren, dass Talleyrand problemlos gegen die eigenen Herrscher intrigierte. Dieser Wechsel der Loyalität hat dazu geführt, dass Talleyrand unter Zeitgenossen und auch in der Forschung als eiskalter Opportunist gesehen wird, der seine politischen Ziele bei Bedarf anpasst. Es lassen sich jedoch gewisse Prinzipien aus den entscheidenden Lebenssituationen Talleyrands erkennen, die ihn sein ganzes politisches Leben begleiten.

Zuerst ist Talleyrand ein verantwortungsbewusster Mensch. Das ist so gemeint, dass er durch sein Handeln und durch seine Forderungen der ihm aktuell übertragenen Verantwortung gerecht wurde. Das ist schon in der frühen Karriere zu merken, beispielsweise als Generalbevollmächtiger des französischen Klerus oder als Präsident der Nationalversammlung. Als Vertreter der französischen Kirche trat er vorausschauend rechtzeitig vor der Revolution für den Verkauf von Kirchengut ein, um einen Raub dieser zu vermeiden.[3] Solche Vorschläge wurden kontrovers und teilweise sogar als Verrat aufgenommen. Talleyrand scheute sich nie, unkonventionelle Vorschläge zu machen, obwohl er sehr ehrgeizig und bedacht auf seine Karriere war.

Nach turbulenten Revolutionsjahren musste Talleyrand während der Herrschaft der Jakobiner ins Exil nach England und in die USA. In diesen Jahren wuchs in ihm der Drang nach einem stabilen und friedlichen Frankreich. Dies sah er im Übrigen nur in einem ausgeglichenen europäischen Staatensystem garantiert. Zudem verabscheute er Eroberung und Unterwerfung, wie er schon 1792 schrieb; „Wir haben jetzt gelernt […], daß die einzig wahre, nutzbringende und vernünftige Überlegenheit freier und aufgeklärter Menschen ist, daß man Herr seines eigenen Staates ist und nie den lächerlichen Anspruch erhebt, Herr anderer Völker zu sein.“[4] Diese Idee, die vor allem während des Wiener Kongresses stark an Bedeutung gewinnt, war auch ausschlaggebend für die spätere Unterstützung Napoleons. In ihm sah Talleyrand den Vollstrecker seiner Vorstellungen einer europäischen Ordnung. Dass er diese Idee nie verlor, zeigt sich nach Napoleons erstem Sturz, als Talleyrand im Mai 1814 den ersten Frieden von Paris schloss und dabei den Hegemonialanspruch Frankreichs von sich aus ablehnte. Auch ist damit zu erklären, dass sich Talleyrand nach dem Herrschertreffen in Erfurt 1808 von Napoleon abwandte. Spätestens nach der Schlacht von Friedland am 14. Juni 1807 sah Talleyrand schon längst die Ziele Frankreichs und seine eigenen erreicht, musste sich aber dann einem Kaiser entgegenstellen, der weiter von Schlacht zu Schlacht, von Krieg zu Krieg eilte, um Europa zu erobern und unter seinen Verwandten aufzuteilen.[5] Talleyrand, der die Umsetzung zu Recht für utopisch und nicht durchführbar hielt und auch die Kontinentalsperre gegen England stark verurteilte, konnte diese Politik nicht weiter unterstützen und begann gegen Napoleon zu intrigieren, beispielsweise mit der Förderung eines österreichisch-russischen Bündnisses gegen Frankreich. In den Jahren nach 1808 begann er, seine Fäden zu den europäischen Höfen zu spinnen. Den Erfolg seiner Anstrengungen erfuhr Talleyrand dann durch den Wiener Kongress, bei dem Europa nach der Idee eines Gleichgewichts gestaltet wurde.

[...]


[1] J. F. Bernard: Talleyrand, 1989, S. 340.

[2] J. Willms: Talleyrand, 2. Auflage 2011, S. 216.

[3] J. Willms: Talleyrand, 2. Auflage 2011, S. 33.

[4] J. F. Bernard: Talleyrand, 1989, S. 215.

[5] J. Willms: Talleyrand, 2. Auflage 2011, S. 160 f.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Talleyrand auf dem Wiener Kongress
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Basiskurs: Der Wiener Kongress
Note
1,2
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V278514
ISBN (eBook)
9783656708872
ISBN (Buch)
9783656708988
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
talleyrand, wiener, kongress
Arbeit zitieren
Justus Lindl (Autor), 2012, Talleyrand auf dem Wiener Kongress, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278514

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