Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Frage, inwieweit George H. W. Bushs Konzept der new world order und dessen Umsetzung im Kontext der Golfkrise und des Zweiten Golfkrieges tatsächlich die Begründung einer neuen Weltordnung darstellt. Bushs Vision stellt sich als einzigartige Konzeption dar, die den Beginn einer neuen Ära des Friedens, der Gerechtigkeit und der internationalen Zusammenarbeit nach Ende des Kalten Krieges skizzierte und den rhetorischen Kurs des Präsidenten zwischen Spätsommer 1990 und Mitte 1991 dominierte. Im Kern der Arbeit stehen daher drei Fragen: Wie und in welchem historischen Kontext vollzieht sich die rhetorische Konstruktion der new world order und worin bestehen ihre Kernelemente, Prinzipien und Motive? Wie wird die rhetorische Vision politisch umgesetzt? Begründet diese Umsetzung eine new world order und etabliert somit ein Modell zur Handhabung zukünftiger globaler Krisen?
Der erste Teil der Arbeit hebt die politische Aufbruchsstimmung nach Ende des Kalten Krieges als Voraussetzung für die Entstehung der new world order hervor und verweist auf die historische Bedeutung der Golfkrise. Im zweiten Teil der Arbeit wird die Entstehung des Konzepts anhand des rhetorischen Diskurses Bushs nachvollzogen sowie Leitmotive und Prinzipien der new world order identifiziert und analysiert. Anschließend stellen Teil drei und vier den Aufbau und Zusammenhalt der multinationalen Koalition, die Verhängung eines Embargos und wirtschaftlicher Sanktionen sowie die Hervorhebung und Involvierung der Vereinten Nationen als konkrete Umsetzungen der rhetorischen Zielsetzungen der new world order in den Mittelpunkt der Betrachtung. Schließlich werden im fünften Teil Tendenzen der Forschungsdebatte zu Bushs Konzept kritisch diskutiert und die Argumentationslinien zu einer Abschlussbewertung zusammengeführt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. George H. W. Bushs Konzept der new world order
2.1 Historischer Entstehungskontext, Aufbruchsstimmung und Golfkrise
2.2 Die Konzeption der new world order – Kernprinzipien, Motive und historische Verortung
2.3 Bildung und Aufrechterhaltung der Koalition, internationale Zusammenarbeit und Embargo
2.4 Die Hervorhebung der Rolle der Vereinten Nationen und die UN Resolutionen
2.5 Forschungstendenzen zur new world order und Schlussfolgerungen
3. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht, inwieweit George H. W. Bushs Konzept der "new world order" im Kontext der Golfkrise und des Zweiten Golfkrieges tatsächlich die Begründung einer neuen Weltordnung darstellt. Dabei steht die Analyse der rhetorischen Konstruktion des Konzepts, seiner politischen Umsetzung sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Vereinten Nationen im Fokus.
- Rhetorische Konstruktion und Leitmotive der "new world order"
- Die historische Rolle der Golfkrise als Katalysator der Weltordnungsvision
- Aufbau und Aufrechterhaltung der multinationalen Koalition
- Die Rolle der UN und ihre Bedeutung als multilaterales Instrument
- Kritische Diskussion der Forschungstendenzen zum Konzept Bushs
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Konzeption der new world order – Kernprinzipien, Motive und historische Verortung
George Bushs Konzept der new world order ist eine rhetorische und politische Antwort auf die Zäsur der Golfkrise und deren Auswirkungen auf das System der internationalen Beziehungen nach Ende des Kalten Krieges. Sechs Tage nach der Invasion Kuwaits durch den Irak unterstrich Bush in einer Address to the Nation-Rede, dass die Standhaftigkeit der Weltgemeinschaft gegenüber der Aggression Iraks sinnbildlich für den Beginn eines neuen Zeitalters stehe und deutete erneut die Verheißungen der neuen Zeit an: „This new era can be full of promise, an age of freedom, a time of peace for all peoples“25. Die Rede vom 08. August 1990 stellt die rhetorische Geburtsstunde für Bushs Konzept der new world order dar, auch wenn die Vision zu diesem Zeitpunkt noch ohne konkretes sprachliches Schlagwort auskommt. Brent Scowcroft, enger Freund Bushs und Nationaler Sicherheitsberater in seinem Kabinett, schildert in den gemeinsam mit Bush veröffentlichten Memoiren A World Transformed, dass das Konzept Ende August 1990 Form angenommen habe und die zukünftige Weltordnung als grundsätzlich neu und andersartig zu der des Kalten Krieges verstand26. Diese Konzeption erhielt in Bushs Rede vor dem Kongress am 11. September 1990 eine konkretere Gestalt – Bush verwies darauf, dass die USA in der Golfkrise vier Ziele27 verfolgen und sich in und nach dieser Krise ein fünftes Ziel verwirklichen lassen könne: „a new world order – […] a new era – freer from the threat of terror, stronger in the pursuit of justice, and more secure in the quest for peace. An era in which the nations of the world, […] can prosper and live in harmony.”28
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der Forschungsfrage, des methodischen Vorgehens und der quellenkritischen Einordnung des "new world order"-Konzepts im Kontext der Golfkrise.
2. George H. W. Bushs Konzept der new world order: Analyse der Entstehungsgeschichte, der rhetorischen Motive und der praktischen Umsetzung des Konzepts durch die Koalitionsbildung, das Embargo und die Involvierung der Vereinten Nationen.
2.1 Historischer Entstehungskontext, Aufbruchsstimmung und Golfkrise: Beschreibung der optimistischen Aufbruchsstimmung nach dem Kalten Krieg und der Zäsur durch die irakische Invasion Kuwaits.
2.2 Die Konzeption der new world order – Kernprinzipien, Motive und historische Verortung: Untersuchung der rhetorischen Genese und der Kernprinzipien wie Rechtsgrundsätze und kollektive Sicherheit.
2.3 Bildung und Aufrechterhaltung der Koalition, internationale Zusammenarbeit und Embargo: Analyse des Aufbauprozesses der multinationalen Koalition und der realpolitischen Faktoren bei der Durchsetzung wirtschaftlicher Sanktionen.
2.4 Die Hervorhebung der Rolle der Vereinten Nationen und die UN Resolutionen: Untersuchung der UN als zentrales Instrument der Weltordnungsvision und der praktischen Umsetzung durch Sicherheitsratsresolutionen.
2.5 Forschungstendenzen zur new world order und Schlussfolgerungen: Diskussion kontroverser Forschungsmeinungen zur Wirksamkeit und Aufrichtigkeit des Konzepts sowie zusammenfassende Bewertung.
3. Zusammenfassung: Synthese der Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der rhetorischen Stilisierung und der tatsächlichen Auswirkungen des "new world order"-Konzepts.
Schlüsselwörter
George H. W. Bush, new world order, Golfkrise, Zweiter Golfkrieg, Vereinte Nationen, US-Außenpolitik, Multilateralismus, Koalition, Sicherheit, Rechtsgrundsätze, Kalter Krieg, Sanktionen, internationale Beziehungen, Nahostpolitik, Diplomatie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, inwieweit das von George H. W. Bush entwickelte Konzept der "new world order" im Kontext der Golfkrise von 1990/1991 tatsächlich als Fundament einer neuen, grundlegend veränderten Weltordnung verstanden werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die rhetorische Konstruktion der Weltordnungsvision, die Bildung der internationalen Koalition gegen den Irak, die Rolle der Vereinten Nationen bei der Krisenbewältigung sowie die wissenschaftliche Bewertung dieses Konzepts in der Forschung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob Bushs Vision lediglich eine rhetorische Reaktion auf die Golfkrise darstellte oder ob sie tatsächlich ein funktionierendes Modell zur Handhabung globaler Konflikte nach dem Ende des Kalten Krieges etablierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine diskursanalytische Untersuchung, die sich primär auf die Auswertung öffentlicher Reden Bushs (Public Papers) sowie auf die Analyse von Memoiren und relevanter politikwissenschaftlicher und historischer Forschungsliteratur stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des historischen Kontexts, der Identifikation von Kernmotiven und Prinzipien der Weltordnungsvision, die Analyse der Koalitionsbildung, die Rolle der UN und UN-Resolutionen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Forschungstendenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "new world order", "Golfkrise", "Multilateralismus", "Vereinte Nationen" und "US-Außenpolitik" charakterisiert.
Inwiefern spielte der Begriff "burden-sharing" eine Rolle für die Koalition?
Das Prinzip des "burden-sharing" diente als Leitmotiv für die gemeinschaftliche finanzielle und militärische Verantwortung innerhalb der Koalition, wobei es einerseits ökonomischen Zwängen geschuldet war, aber rhetorisch als Ausdruck globaler Partnerschaft stilisiert wurde.
Wie bewertet der Autor das Scheitern des Konzepts?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die "new world order" im Zeitraum der Golfkrise zwar eine veränderte globale Zusammenarbeit begründete, faktisch jedoch keine grundlegend neue und dauerhafte Weltordnung etablierte, insbesondere da sie innerstaatliche Konflikte (wie die Aufstände der Kurden und Schiiten) weitgehend ausklammerte.
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- B.A. Thomas Schulze (Author), 2014, George H. W. Bushs Konzept der "new world order", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278520