Das Männerbild in Thomas Glavinics Roman "Das bin doch Ich“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

34 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Männlichkeitskonzepte
2.1 „Die hegemoniale Männlichkeit“
2.2 Männlichkeit in der Krise?

3. „Das bin doch Ich“ - ein Roman über Männlichkeit, Identität und die „Abgründe der Alltagswelt“
3.1 Inhalt und Themen des Romans
3.2 Die Konstitution der Männlichkeit
3.3 Frauenbilder

4. Untersuchung der Männlichkeit in Daniel Kehlmanns Roman „Ruhm“
4.1 Darstellung und Analyse der Männerfiguren im Kapitel „Stimmen“

5. Parallelen und Unterschiede der analysierten Männlichkeitskonzepte

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Soziologe und Männerforscher Walter Hollstein hat festgestellt, dass sich seit den 90er Jahren zum ersten Mal eine Männerliteratur entwickelt hat, in der Männer ihre Männlichkeit reflektieren und sich Gedanken über ihre eigene Rolle machen (vgl. Hollstein, Keil, Kaiser, Fraas, Lenz, Schäfer, Stooß, Wittschier 1993, S. 9). Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich bezüglich dessen mit der Frage, inwieweit in der neuen deutschen Gegenwartsliteratur stereotype Männlichkeitsbilder aufgegriffen werden und wie die Männlichkeit in der Literatur verarbeitet und dargestellt wird.

Im ersten Teil der Arbeit wird zunächst auf aktuelle Männlichkeitskonzepte eingegangen. Dabei werden verschiedene Sichtweisen auf die Konstruktion von Geschlechterrollen betrachtet. „Wo Männer sind, sind auch Vorstellungen von Männlichkeit präsent“ (Steffen 2002, S. VII). Diese Vorstellungen, die lange Zeit durch die Konzentration auf die Rechte und Probleme von Frauen in der Gesellschaft in den Hintergrund geraten sind und nun immer stärker in das Blickfeld der Literatur geraten, waren ein wichtiger Impuls für den Aufbau der wissenschaftlich orientierten Kapitel. Im Weiteren liegt ein besonderer Fokus auf dem Konzept der „hegemonialen Männlichkeit“, welches Ende des 20. Jahrhunderts maßgeblich durch die australische Soziologin Raewyn Connell geprägt worden ist (vgl. Connell 1999) und ein paar Jahre später in der Auseinandersetzung mit moderner Literatur auch von anderen Wissenschaftlern wieder aufgegriffen wurde. Dieses Konzept macht die Diversität von Männlichkeiten verständlich und wird in Punkt 2.1 vorgestellt und elaboriert.

Darüber hinaus soll festgestellt werden, ob heutige „Probleme“, die die Rolle des Mannes mit sich bringt, auch in der vorliegenden Literatur verarbeitet worden sind. Auch diese thematisiert Hollstein in einem Zeitungsartikel (vgl. Hollstein 2010): Männer wissen nicht mehr wer sie sind und können sich seit der immer größer werdenden Berufstätigkeit der Frau nicht mehr über ihre Rolle als Ernährer der Familie definieren.

Die Problematik soll im nächsten Kapitel der Arbeit aufgegriffen und im weiteren Verlauf im Hinblick auf die ausgewählte Gegenwartsliteratur genau analysiert werden.

Eine weitere These, die diese Arbeit evaluieren soll, besteht in der Annahme, dass Konzeptionen von männlicher Identität in Werken einer identischen Literaturepoche weitestgehend übereinstimmen bzw. sich in vielen Aspekten überschneiden. Daher wird im Anschluss an die Analyse des Romans von Glavinic ein direkter Vergleich mit dem Kapitel „Stimmen“ aus dem Roman „Ruhm“ (2010) vom aus derselben Epoche stammenden Autor Daniel Kehlmann gezogen. Im weiteren Verlauf werden Parallelen und Kontraste der männlichen Protagonisten beider Werke herausgearbeitet. Im Fazit werden die Ergebnisse bezüglich der literarischen Konstruktion von Männlichkeit und dem Zusammenhang mit der Realität zusammengefasst. Abschließend wird auf mögliche Anknüpfungspunkte und weiterführende Themenbereiche zum Gegenstand der Hausarbeit verwiesen.

2. Männlichkeitskonzepte

Für ein grundlegendes Verständnis der Konstitution von Männlichkeit in dem in dieser Arbeit betrachteten Gegenwartsroman „Das bin doch ich“ und den Vergleich mit dem Auszug aus Kehlmanns Roman „Ruhm“, d.h. für ein Verständnis der Analyse des Männerbildes in einer inszenierten Wirklichkeit, muss der Blick zunächst darauf gerichtet werden, wie eine Definition des Begriffes „Männlichkeit“ in der heutigen Zeit aussieht.

„Rollen, und somit auch Geschlechterrollen, werden allgemein als Bündel von größtenteils normativen Erwartungen, die an die Rollenträger gestellt werden, definiert“ (Gern 1992, S. 13). Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Verhalten der jeweiligen Rollenträger, also auf dem „Rollenhandeln“.

In einer Gesellschaft bestehen immer Erwartungen an Frauen und Männer bezüglich ihrer Charaktereigenschaften, Interessen, Neigungen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen im alltäglichen Leben. Diese können je nach Kultur und Generation mehr oder weniger variieren. Die Eigenschaftsbündel, die den Personen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit zugeschrieben werden, können als Stereotypen bezeichnet werden (vgl. Gern 1992, S. 14. Zit. nach: Pross 1984). Dabei gibt es zwei Dimensionen, auf die sich die Erwartungen beziehen: Einerseits handelt es sich um die Zuschreibung bestimmter Positionen und Rollen im beruflichen Umfeld. Andererseits gehören zu den geschlechtsspezifischen Erwartungen auch positionsunabhängige Zuschreibungen von persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten (vgl. Gern 1992, S.15). Männer und Frauen verhalten sich demnach immer so, wie die allgemein gültigen Denkweisen einer bestimmten - also ihrer - Gesellschaft es verlangen.

Männlichkeit kann erst in Relation zu dem als weiblich bezeichneten Rollenverhalten des anderen biologischen Geschlechtes erläutert werden. Beide Konzepte gewinnen also erst im Verhältnis zueinander an Bedeutung. Die Erwartungen, die eine Gesellschaft an das jeweilige Geschlecht stellt, hängen immer von den sozio - kulturellen Umständen ab und können sich im Laufe der Zeit verändern (vgl. Connell 2006, S. 89). Folglich lassen sich Männlichkeit und Weiblichkeit als komplexe Konstrukte der gegebenen Gesellschaft definieren (vgl. Steffen 2002, S. VIII).

Empirische Untersuchungen belegen, dass feststellbare Unterschiede im Denken, Fühlen und Verhalten der Geschlechter, Ergebnisse dieses gesellschaftsspezifischen Sozialisationsprozesses sind (vgl. Schaufler 2002, S. 80). In der Interaktion arrangieren sich Frauen und Männer so, dass die ihnen je zugeschriebenen Eigenheiten zum Ausdruck kommen können. Dabei wird der Unterschied der Geschlechter in Interaktionen erzeugt und und von Institutionen wie der Familie, der Beziehung und dem Arbeitsplatz geregelt (vgl. Goffmann 1994, S. 40f.).

„Indem Individuen in gesellschaftliche Sondierungsprozesse einbezogen werden und vor allen Dingen die Glaubensvorstellungen davon übernehmen, was einen Mann oder eine Frau ausmacht, entwickeln sie eine Geschlechtsidentität“ (Goffmann 1994, S. 42), die in differenzierbaren Vorstellungen und Verhaltensmustern zum Ausdruck kommt. Das individuelle Handeln in den gesellschaftlichen Strukturen geschieht allerdings meistens unbewusst (vgl. Connell 2000, S. ?).

Vergeschlechtlichungsprozesse und die Entstehung kollektiver Praxisformen vollziehen sich zusammengefasst also auf individueller und auf kultureller Ebene (vgl. Schaufler 2002, S. 193).

„In allen Kulturen der Welt gibt es eine Vorstellung davon, wie ein wahrer oder echter Mann zu sein hat“ (Gilmore 1991, S. X). Männlichkeit kann jedoch nicht als ein biologisches Faktum oder als ein individueller Zustand verstanden werden. Wie im vorherigen Abschnitt schon erläutert wurde, handelt es sich um ein kulturelles Produkt und eine „soziale Tatsache“. Männlichkeitsideale stellen einen unverzichtbaren Beitrag sowohl zu der Kontinuität sozialer Systeme wie zur psychologischen Integration der Männer in ihre Gemeinschaft dar (Gilmore 1994. S. 3).

Laut Pierre Bourdieu (1997a, S.203) wird der männliche Habitus „nur in Verbindung mit dem den Männern vorbehaltenen Raum, in dem sich die ernsten Spiele des Wettbewerbs abspielen,... konstituiert und vollendet.“ Das bedeutet, dass die Definition von Männlichkeit in einer Gesellschaft immer von den allgemeinen Erwartungen an das Rollenverhalten der Mitglieder dieses Geschlechts abhängt.

Bei den Handlungsfeldern, in denen Männlichkeit sozial konstruiert wird, handelt es sich hauptsächlich um die Felder Ökonomie, Politik, Wissenschaft oder religiöse Institutionen (vgl. Meuser 2001, S. 5). Besonders auffällig ist, dass in allen Kulturen im Bezug auf Männlichkeit immer wieder die Begriffe „Arbeit“ und „erfolgreiches Unternehmertum“ auftauchen (vgl. Gilmore, 1991, S. 122). Dieses Phänomen zeigt sich vor allem auch in Problemen, die mit den stereotypen Erwartungen zusammenhängen.Darauf soll im Verlaufe dieser Arbeit später genauer eingegangen werden. Männlichkeit entwickelt sich nicht von selbst, sondern muss aktiv bewiesen, erkämpft, gerechtfertigt und verteidigt werden (vgl. Läubli / Sahli 2011, S. 8 und S. 33).

Männerwelten, die auch als kompetitiv strukturierte soziale Orte (vgl. Meuser 2001, S. 21) bezeichnet werden können, zeichnen sich in den meisten Fällen durch den heute nicht mehr überall vorliegenden Ausschluss von Frauen und durch hergestellte Hierarchien aus, auf die im nächsten Abschnitt Bezug genommen werden soll.

2.1 „Die hegemoniale Männlichkeit“

In der modernen Forschung wird von Männlichkeit nur noch im Plural gesprochen (vgl. Steffen 2002, S. VIII). Nicht alle Männer haben gleichsam Teil an der „zu beweisenden Männlichkeit“ (vgl. Meuser 2001, S. 6), sondern sie sind in unterschiedlichem Maße in „Herrschaftsverhältnisse“ eingebunden (Connell 2006, S. 97). Nach Connell gibt es vier unterschiedliche Männlichkeitsmuster, die sich aus der Differenzierung und Konkurrenz unter Männern ergeben. Männer, die der obersten Stufe, der „hegemonialen1 “ Männlichkeit angehören, haben einen privilegierten Zugang zur Macht und zeigen keinerlei abweichende Strukturmerkmale von der durch die Gesellschaft definierten „optimalen männlichen Rolle“. Hegemoniale Männlichkeit lässt sich als die „bestimmende Position“ bezeichnen. Diese Position kann jedoch jederzeit in Frage gestellt werden. Wenn bspw. in einer Firma ein Mann in leitender Position nicht fähig genug ist oder seinen Platz freiwillig verlässt, rückt ein anderer nach.

Diese Ebene differenziert sich in Relation zu nicht - hegemonialen Männlichkeiten, die 1 Der Begriff „Hegemonie“, der auf den marxistischen Theoretiker Antonio Gramsci zurückzuführen ist, wird in diesem Kontext als Herrschaftsverhältnis verstanden, das durch die Gegensätze zwischen den Klassen (hier: „Männlichkeitstypen“) entsteht und von den Beherrschten akzeptiert wird (vgl. Neubert 2001, S. ?). Allerdings gibt es die Möglichkeit zwischen den existierenden Mustern zu „wechseln“, d.h. durch Veränderungen des eigenen Lebensstils / der Persönlichkeit kann die sogenannte „hegemoniale Männlichkeit“ auch von den untergeordneten Stufen erreicht werden(vgl. ???). in die „komplizenhafte“ (Profitieren von der Macht des Patriarchats), die „marginalisierte“ (gesellschaftliche Benachteiligung) und die „untergeordnete“ (Unterdrückung) Männlichkeit untergliedert werden können.

Die Mehrheit der Männer gehört der Stufe der „komplizenhaften“ Männlichkeit an. Sie stützen die hegemoniale Männlichkeit, ohne diese selbst zu erreichen und profitieren bspw. von der Unterdrückung anderer Geschlechtsgenossen und von Frauen im beruflichen Umfeld.

Mit dem Begriff „marginalisierte Männlichkeit“ werden Kategorien sozialer Ungleichheit bezeichnet. Dabei wird deutlich, dass das „Geschlecht“ mit anderen Strukturmerkmalen wie Klasse oder Nationalität verschränkt ist.

Zu der untergeordnetenMännlichkeit, der untersten Stufe, zählt Connell bspw. die „homosexuellen Männlichkeiten“, die nicht nur unterdrückt werden, sondern auch den stärksten Gegensatz zur hegemonialen Männlichkeit bilden, sowie diese in Frage stellen (vgl. Connell 2006, S. 99).

Connells Konzept ermöglicht also die Analyse von Männlichkeiten untereinander. Für Michael Meuser (2010, S. 116 f.) bildet die hegemoniale Männlichkeit den Kern des männlichen Habitus und ist ein Erzeugerprinzip unterschiedlicher Praktiken vom „Familienernährer“ oder „Beschützer“ bis zum „Macho“ oder „Rambo“ (vgl. Lenz & Scheu 2010, S. 310).

Das heißt, dass viele Männer versuchen, das von der Gesellschaft geschaffene Idealbild des „rational denkenden, starken und erfolgreichen Mannes“ zu erreichen und aufrecht zu erhalten, indem sie selbst „geeignete Rollenmuster“ definieren und sich bemühen, diese auszufüllen.

2.2 Männlichkeit in der Krise?

„Während Weiblichkeit bereits seit Jahrhunderten in die Nähe der Verstellungskunst, der Schauspielerei und Maskerade gerückt, so 'verstellt' grade dies den Blick darauf, dass 'performance' eine besonders auch für moderne und postmoderne Männlichkeit notwendige Geschlechterpraxis bezeichnet“ - mit diesen Worten verweist Therese Steffen (2002, S. 33) auf ein offensichtlich von vielen Männern „geteiltes“ Problem in der heutigen Zeit:

Durch den immer enger werdenden Arbeitsmarkt durch die rasante technologische Entwicklung und die durch die Frauenbewegung größer werdende Konkurrenz ist die Identität der Männer nicht mehr selbstverständlich über ihre Arbeit definiert. Sie müssen andere Quellen finden, um den eigenen Selbstwert zu finden und sich selbst „als Mann zu begreifen“ (vgl. Hollstein 1992, S. 12). Jungen und Männer sind auch im Arbeitsleben Benachteiligungen ausgesetzt, wo öffentlich immer noch ihre Stärke und Dominanz vermutet werden (vgl. Hollstein 2008, S. 10).

Die traditionelle Rolle von Herrschaft, Gewalt und Gefühlslosigkeit ist nicht aufrecht zu erhalten und das klassische Bild vom Mann als Patriarch, Herrscher und Familienoberhaupt löst sich auf (vgl. Hollstein 1992, S. 13).

Da die traditionellen Rollenerwartungen aber immer noch in den Köpfen vieler Menschen verankert sind, die „ männliche Wirklichkeit“ diesem Bild jedoch nicht mehr entspricht, kann von einer „Identitätskrise“ des Mannes gesprochen werden (vgl. Hollstein 1992, S. 183).

Diese Krise betrifft natürlich nicht alle Männer und die folgenden Aussagen können nicht verallgemeinert werden. Allerdings müssen sich viele Männer mit den folgenden Ambivalenzen der heutigen Gesellschaft auseinandersetzen:

Das „männliche Leistungssyndrom“ (Hollstein 1992, S.187) gilt nach wie vor als verinnerlichte Norm beider Geschlechter. Gleichzeitig wird von den Männern aber erwartet, einfühlsam zu sein, am Familienleben teilzuhaben und - aufgrund der Öffnung der traditionellen Handlungsfelder für die Frauen (vgl. Meuser 2001, S. 17) - sich insgesamt nicht mehr nur auf den beruflichen Erfolg zu konzentrieren. Da sie selber jedoch oftmals glauben, dass Männlichkeit, Sicherheit und persönliches Glück von Arbeit, Erfolg und Leistung abhängig sind (vgl. Hollstein 1990, S. 21), kann die „Kluft zwischen Männlichkeitsideal und Wirklichkeit“ Unsicherheit und Ängste bei ihnen auslösen (vgl. Hollstein 1990, S. 186). Durch den verinnerlichten Karrierezwang verzichten viele Männer auf eigene Werte und geben Ideale und Normen auf, um einen höheren Status in der Arbeitswelt zu erreichen (vgl. Hollstein 1992, S. 191). Sie sind außerdem dem ständigen Druck ausgesetzt, ihre Emotionen zu kontrollieren und Gefühle zu unterdrücken (vgl. Hollstein 1992, S. 186).

Sie selbst sehen es bspw. als „unmännlich“ an, Schwäche und Traurigkeit zu zeigen. Andererseits wird ihr Lebenserfolg nach äußeren Errungenschaften gemessen. Sie stehen also unter einem enormen Druck, viel Leistung zu bringen und trotz auftauchender Probleme ihre innere Verfassung nicht zu offenbaren. An diesem Punkt spiegelt sich also genau das wieder, was das Zitat von Therese Steffen zu Beginn dieses Abschnittes verdeutlichen soll: Auch Männer spielen häufig eine Rolle und werden durch äußere - gesellschaftliche sowie persönliche - Erwartungen dazu gezwungen, eine „Maske aufzusetzen“. Sie versuchen, stets stark und sicher zu wirken und versuchen, ihre Verunsicherungen durch eine Anpassung an den „Geschlechterstereoptyp“ (vgl. Gilmore 1991, S. 2) zu verstecken. „Analog zur Weiblichkeit erweist sich [also] auch Männlichkeit als eine Maskerade“ (Riviere 1994 in Steffen 2002, S. 37). Schon im Kindesalter versuchen Jungen, Leinwandhelden zu kopieren und bemühen sich „ein Mann zu sein“ (vgl. Steffen 2002, S. 38).

Butler (1993 in Steffen 2002, S. VIII) fast die Umstände damit zusammen, dass er die „verunsicherte Krisenfigur Mann einem typischen Geschlechtsrollendruck“ ausgesetzt sieht und betont somit ebenfalls die schwierige Situation in der sich viele Männer derzeit befinden. Des Weiteren fehlen den Männern im Gegensatz zu den Frauen sowohl konkrete Angebote an Weiter- und Bildungsmaßnahmen und zur Identitäts- und Veränderungsarbeit als auch Möglichkeiten zu Selbstverwirklichung und Selbstentwicklung. Durch die „Modernisierung der weiblichen Rolle“ entsteht ein schon im vorherigen Abschnitt angesprochenes „cultural lag“ zwischen den Geschlechtern (vgl. Hollstein 2008, S. 25). Für Männer gibt es also wenige Hilfen für die Neuorientierung und Anpassung der männlichen Rolle.

Ein Resultat sind Forschungsergebnisse, die zeigen, dass die emotionale Kontrolle, das eingeschränkte Gefühlsleben und der immense Rollendruck zu Verärgerung, Frust und Wut führen können. James O'Neil (in Hollstein etc. 1993, S. 14 f. Zit. nach: James O'Neil 1982) spricht zusätzlich von einigen weiteren „männlichen Zwängen“, die von ihnen größtenteils unbewusst internalisiert worden sind und die dazu beitragen, dass die Männer - auch im Hinblick auf die schon aufgeführten „Ambivalenzen der Moderne“ (vgl. Meuser 2001, S. 9) - sich in einer misslichen Situation wiederfinden. O'Neil spricht unter Anderem von der Sucht nach Leistung und Erfolg, dem Erleben von Sexualität unter den Aspekten von Leistung und Dominanz und einer nachlässigen Gesundheitspflege, die durch Gedanken wie „Ein richtiger Mann braucht keinen Arzt“ entsteht. Außerdem stellt er fest, dass viele Männer, aus Angst als weiblich bzw. „schwul“ eingestuft zu werden, den engen Kontakt zu ihren Geschlechtsgenossen meiden bzw. fürchten. Dieses Verhalten wird als „Homophobie“ bezeichnet.

Die Angst vor einem Versagen ist allgegenwärtig und bewirkt, dass sich die männlichen Individuen den kulturellen Normen und gesellschaftlichen Erwartungen anpassen (vgl. Gilmore 1991, S. XIV).

Indikatoren für die negativen Auswirkungen dieser Krise sind die bei Männern höheren

[...]

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Das Männerbild in Thomas Glavinics Roman "Das bin doch Ich“
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
34
Katalognummer
V278590
ISBN (eBook)
9783656719113
ISBN (Buch)
9783656719076
Dateigröße
647 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Männerbilder, Literaturwissenschaft, Hausarbeit, Männlichkeitskonzepte, Bordieu, Connell, Daniel Kehlmann, Krise des Mannes, Identitätskonflikte
Arbeit zitieren
Marijana Becker (Autor:in), 2013, Das Männerbild in Thomas Glavinics Roman "Das bin doch Ich“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278590

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