Die späte Stoa und Epiktet. Handbüchlein der Moral


Ausarbeitung, 2012

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Späte Stoa
2.1 Wichtige Änderungen von der alten zur späten Stoa
2.2 Verschärfung des Individualismus

3. Epiktet: zur Person
3.1 Lehre
3.2 Handbüchlein der Moral

4. Bibliographie

1.Einleitung

In der hellenistischen Philosophie zählen Freiheit, Unabhängigkeit und das richtige Verhältnis zu sich selbst zu den obersten Werten. Ähnlich verhält es sich mit der stoischen Philosophie: die Weltanschauung beruht auf Ganzheitlichkeit, aus der sich ein universelles Prinzip ergibt, das sich in allen Naturerscheinungen und natürlichen Zusammenhängen zeigt. Das Individuum muss seinen Platz in dieser Ordnung erkennen und ausfüllen, indem es emotionale Selbstbeherrschung erlernt, sein Schicksal akzeptiert und mithilfe von Besonnenheit zur Weisheit strebt. In der späten Stoa wird der Individualismus stark gefördert und der Schwerpunkt wird auf die praktische Lebensweisheit gelegt. Mit der Erscheinung des Handbüchleins der Moral wurde der Meilenstein für die Sittenlehre gelegt: Epiktet stellt in kurzen Vorträgen und lebendiger, volkstümlicher Sprache praktische Lebensweisheiten vor, denen man nach bestimmten Anstandsregeln folgen sollte.

2. Späte Stoa

Einer der wichtigen Aspekte der späten Stoa ist, dass es erst zu diesem Zeitpunkt vollständige Werke von Stoikern gab. Zu den wichtigsten Vertretern gehörten zweifellos Seneca, Epiktet, auf dessen Werk diese Ausarbeitung basiert, und Aurel. Diese führten eine Schule zu ihrem Abschluss, die jahrhundertelang die bestimmende Kraft des Abendlandes war. Nachdem die Autonomie, als Einheit von Wissen, Freiheit und Sittlichkeit den griechischen Stadtstaaten beraubt worden waren, fand eine grundlegende Änderung des Selbstverständnisses und der Geisteshandlung der Menschen statt. Selbsterziehung wurde zur eigentlichen philosophischen Aufgabe: das Individuum wurde auf sich selbst gestellt und der Freiheitsbegriff des ganzen Volkes hatte sich in das Glück der Einzelnen und den Frieden des inneren Menschen gewandelt. Diese Werte stehen im Zentrum des Denkens bei den Stoikern. Das Denken wird nun als Mittel und Wegweiser zum richtigen glücklichen Leben genutzt anstatt für den Selbstzweck.

Im Gegensatz zur alten Stoa, fiel die Konzentration hier vielmehr auf konkrete ethische Probleme. Dabei konnte man sich bereits auf das von der mittleren Stoa entwickelte Naturrechtsfundament und Humanitätsideal stützen. Dem Naturrecht liegt zugrunde, dass jeder Mensch von Natur aus mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet ist – man könnte sie als Vorreiter der Menschenrechte betrachten. Das Humanitätsideal orientiert sich an den Interessen, Werten und der Würde des einzelnen Menschen. Die Verschärfung des Individualismus wird bereits hier deutlich. Das Ansehen und der Einfluss der stoischen Lehre hing allerdings von dem jeweiligen Herrschern ab: Augustus stand voll und ganz hinter den Philosophen, wohingegen Nero Seneca zum Selbstmord zwang, als dieser eine gegen ihn gerichtete Verschwörung aufdeckte. Die wohl größte Veränderung in der späten Stoa war der Versuch, „den Rigorismus in der Vergleichgültigung von Lust und Schmerz abzumildern“ (Vgl. Hossenfelder 1997: 94). Äußerste Bedürfnislosigkeit und Verachtung der Lust wurden als Schwäche des Systems empfunden, die Abhilfe erforderte.

(Vgl. Hossenfelder 1997: 94f; Ricken 1988:160)

2.1 Wichtige Änderungen von der alten zur späten Stoa

Nach Panaetius, der den Übergang von der mittleren zur späten Stoa markiert, wurde Tugend als Katalog moralischer Eigenschaften nicht mehr als ausreichend für ein glückliches Leben angesehen. In seinen Augen waren Gesundheit, Geld und Macht genauso notwendig. Darüber hinaus wurden Schmerzfreiheit und Affektlosigkeit verworfen und es folgte die Einteilung der Lust in naturgemäß und widernatürlich. Er verwarf demnach die widernatürliche Lust, die kein positives Gefühl vermittelte – naturgemäße Lust hingegen wurde als Wert anerkannt und wurde zu wirklichen, glückskonstruierten Gütern. Die Tugend war also nicht mehr autark, sondern benötigte äußere Güter um Glückseligkeit zu erlangen; dennoch behält die Tugend ihren Wert als oberstes Gut, denn es hängt von ihr ab, welche Güter wir erstreben. Ein weiterer Aspekt war, dass die vollkommene Schmerzfreiheit und Affektlosigkeit keine sinnvollen Ziele mehr darstellten. Denn beide sollten durch „Vergleichsgültigung des Unverfügbaren“ (Vgl. Hossenfelder 1997: 94) gesichert werden. So sollte bspw. der Schmerz nicht als Übel empfunden werden. Dies war in Augen des Panaetius nicht erreichbar, ebenso wenig wie die Entwertung der Lust. Somit war das Ideal der stoischen Weisen aufgegeben und Panaetius passte die Normen den Möglichkeiten eines Durchschnittsmenschen an. Apathie wurde scheinbar durch Euthymie ersetzt, was für nichts anderes steht als für Wohlgemutheit, die die völlige Wunschlosigkeit darstellt. Die gesamthellenistische Auffassung, dass das Glück darin besteht, selbstgesetzte Ziele zu erreichen, ist somit nach Panaetius zur Beschreibung des Glückszustandes umgesetzt worden.

Panaetius ging noch weiter und betrachtete sogar die Wertungen der Vernunft nicht als frei. Seiner Meinung nach soll man den natürlichen Trieben folgen, die einem von der Natur gegeben sind – darunter fällt auch sittliches Denken. Daraus resultiert, dass alle Wertungen uns gegeben sind, so dass man nicht mehr zwischen sinnlichem Gefühl und Vernunft unterscheiden kann, denn Verstand und sittliche Haltungen wirken harmonisch zusammen. Bei einer Handlung ist es dementsprechend wichtig nicht nur zu beurteilen, ob sie sittlich oder unsittlich ist, sondern auch, ob sie der Sicherung der glücksrelevanten äußeren Güter nutzen oder schaden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die späte Stoa und Epiktet. Handbüchlein der Moral
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Veranstaltung
EPG 1: Antike Lebenskunst – Moral und Glück im Hellenismus
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
10
Katalognummer
V278637
ISBN (eBook)
9783656718994
ISBN (Buch)
9783656718987
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stoa, epiktet, handbüchlein, moral
Arbeit zitieren
Daria Götte (Autor), 2012, Die späte Stoa und Epiktet. Handbüchlein der Moral, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278637

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