Verdacht des Hochverrats. Amyntas Verteidigungsrede


Seminararbeit, 2012

13 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Anklage Alexanders

3. Verteidigungsrede
3.1 Refutatio – Kern der Verteidigungsrede

4. Die PolemonSzene : Analyse des Sentimentalen bei Curtius

5. Urteil
6. 1. Hinrichtung des Parmenion

6. Fazit

7. Bilbliographie

1. Einleitung

Im Nachfolgenden wird ein für Alexanders‘ Leben nicht unwichtiger Gerichtsprozess analysiert. Der Schwerpunkt liegt darauf, Alexanders charakterliche Inkonsistenz aufzuzeigen: im Amyntas-Prozess zeigt er sich ungewohnt milde gestimmt. Der Prozess hat eine hohe emotionale Note, was zum größten Teil an der rhetorischen Begabung des Curtius liegt: in der Verteidigungsrede legt er die perfekte Rede dar, baut die Aspekte gut auf und argumentiert mit viel Überzeugungskraft und Pathos, das für die sentimentale Komponente zuständig ist. Um die Inhalte des Prozesses nachvollziehen zu können, müssen einige historische Fakten erwähnt werden. Nach Dareios‘ Tod und Bessos‘ Hinrichtung verschärften sich die Konflikte zwischen Alexander und den Offizieren: viele Soldaten waren enttäuscht darüber, dass weder das Kriegsziel noch das Kriegsende abzusehen waren. Während das Heer in Drangiana im Lager stand, wäre Alexander fast Opfer einer Verschwörung geworden, die jedoch kurz vor Ausbruch verraten worden war.

Zur Einordnung in den Gesamtkontext muss die Philotasaffäre erwähnt werden, die Alexanders‘ Charakter und seine jungen makedonischen Generäle in ein ungünstiges Licht stellte.[1] Dimnus, der beim König nur mäßig angesehen und beliebt war, plante einen Anschlag auf das Leben des Königs und weihte seinen Liebhaber Nikomachos in den Plan ein. Dessen Bruder Kebalinos meldete dies allerdings dem Feldherrn Philotas und forderte ihn auf, dies sofort dem König zu melden. Nachdem dieser untätig geblieben war, verschaffte sich Kebalinos mit Hilfe einer Aufsicht Zugang zum König, dem er Meldung erstattete und die Namen der Verschwörer nannte, die umgehend hingerichtet wurden. Weil Philotas es unterlassen hatte, dem König davon zu melden, wurde er der Teilnahme an der Verschwörung beschuldigt, obwohl sein Name nicht von Kebalinos genannt wurde. Daraufhin wurde Philotas verurteilt und hingerichtet.[2] Da Polemon, ein Freund Philotas, unmittelbar nach dessen Folterung geflohen ist, wurden er und seine Brüder des Hochverrats verdächtigt.[3]

Nach der Hinrichtung Philotas‘, die die Soldaten im Übrigen für richtig hielten, wurde der Lynkeste Alexander vorgeführt, der sich mit Pausanias zum Mord Philipps verschworen hatte, und nach einer lauen Verteidigung ebenfalls hingerichtet.[4]

2. Anklage Alexanders

Curtius gibt die Anklagerede Alexanders nur indirekt wieder, während bei der Verteidigung Amyntas‘ die direkte Rede angewandt wird. Es handelt sich dabei um eine bewusste Entscheidung des Schriftstellers, da die Verteidigungsrede rhetorisch wirkungsvoller erscheint und ein stärkeres Pathos benötigt.[5] Da Polemon, der jüngste der Brüder, nach der Folterung Philotas‘ geflohen ist, wurden Amyntas und Simmias nun vorgeführt. Schließlich waren sie seine besten Freunde gewesen und konnten durch dessen Empfehlungen zu ehrenvollen Ämtern gelangen. Dies wird im folgenden Satz deutlich: „Ab illo traditi ad hunc gradum amicitiae tuae ascendimus“ (VII 1, 28). Durch Olympias‘ Brief, in dem sie ihn vor den Brüdern wegen der Freundschaft zu Philotas warnt, schöpft Alexander Verdacht. Schließlich sind sie am Tag bevor das Verbrechen ans Licht gekommen ist, heimlich mit Philotas zusammen gewesen. Die Flucht des Polemon offenbart den Grund – „Fratrem vero, qui profugerit, cum de Philota quaereretur, aperuisse fugae causam“ (VII 1, 13). Alexander wird hier in ein schlechtes Licht gerückt, da seine Feindlichkeit zum Durchbruch kommt: er versucht Amyntas‘ Mitwisserschaft wahrscheinlicher aussehen zu lassen, indem er die ungezügelten Reden gegen ihn selbst hervorbringt. Diesen Trick wandte er auch bei Philotas an.[6]

3. Verteidigungsrede

Zuallererst ist Amyntas‘ Verhalten zu Beginn seiner Verteidigung zu erwähnen: er bittet den König, ihm die Fesseln abzunehmen, und zwar „sine praeiudicio“ (VII 1, 20).[7] Er sagt, dass die Verurteilung des Philotas auf die Entscheidung ihres Prozesses keinen Einfluss haben darf, denn Philotas war „cum praeiudicio“ behandelt worden. Man führte ihn bereits als einen Verurteilten in Fesseln. Dieser Unterschied könnte bereits die Entscheidung des Prozesses prophezeien. Amyntas leitet seine Rede geschickt mir einer sogenannten „captatio benevolentiae“ (Vgl. Helmreich 1927: 168) ein, einer gebräuchlichen rhetorischen Figur, die dem König schmeicheln soll. „Qualiscumque exitus non manet, rex, confitemur prosperum tibi debituros, tristiorem fortunae imputaturos.“ (VII, 1, 19). Übersetzt würde diese Antithese heißen: „Welches Ende uns auch immer erwartet, König, wir bekennen, dass wir dir ein glückliches verdanken, ein unglückliches nur dem Schicksal anlasten werden.“ Der Redner beweist hier nun seine advokatische Geschicklichkeit, indem er die Deutung der Tatsachen bestreitet. Auffällig und relevant ist die Tatsache, dass Amyntas den König darum bittet, sich gegen die Vorwürfe zu wehren – somit tritt er seinem König mit Respekt und Achtung gegenüber. Allein diese Tatsache widerspricht schon dem Vorwurf des respektlosen und frechen Verhaltens dem König gegenüber.[8]

3.1 Refutatio – Kern der Verteidigungsrede

Da Amyntas die Beschuldigungen nicht einfach leugnen kann, muss er die beleidigenden Äußerungen abmildern. Mit dem Irrealis „etiamsi“ und dem Indikativ in „merueramus fortibus factis, ut malles ea tempori nostro imputare quam animo“ (VII 1, 22) wird ausgedrückt, dass das vorhergehende nicht nur bloße sumptio ficti ist, sondern, dass Amyntas wohl tatsächlich ungünstig über den König geurteilt haben soll.[9] Das löst er in dem Fall mit seiner rhetorischen Begabung, indem er den Beleidigungen keine besondere Beachtung schenkt und sie auf die die besonderen Umstände des Gefahren und Krankheiten bezieht. Auffällig ist die Anhäufung verwandter Begriffe, wodurch er sich zu entschuldigen versucht: „in agmine deficientis et fatigati vel in acie periclitantis vel in tabernaculo aegri et vulnera curantis (…)“. Man könnte denken, Amyntas handelt frei nach dem alten Grundsatz „Angriff ist die beste Verteidigung“ (Vgl. Helmreich 1927: 171), als er den König darum bittet, aufgrund seiner früheren Heldentaten mit ihm nachsichtig zu sein. Die rhetorische Wirkung wird mit dem Ausruf „utinam Philotas quoque intra verba peccasset!“ (VII, 1, 25). Dieser Ausruf hat eine große Bedeutung, denn er stellt eine praesumptio dar, dass Philotas sich wohl nicht nur mit Worten vergangen habe.[10]

[...]


[1] Vgl. Heckel 1977:9.

[2] Vgl. Badian 2000: 67.

[3] Vgl. Barceló 2007: 174f

[4] Vgl. Demandt 2009: 475.

[5] Vgl. Helmreich 1927: 165.

[6] Vgl. Helmreich 1927: 167

[7] Vgl. Mützell 1841: 604.

[8] Vgl. Helmreich 1927: 169.

[9] Vgl. Vogel 1903: 52.

[10] Vgl. Helmreich 1927: 172.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Verdacht des Hochverrats. Amyntas Verteidigungsrede
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Veranstaltung
PS Curtius Rufus
Note
3,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V278639
ISBN (eBook)
9783656719090
ISBN (Buch)
9783656719083
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verdacht, hochverrats, amyntas, verteidigungsrede
Arbeit zitieren
Daria Götte (Autor), 2012, Verdacht des Hochverrats. Amyntas Verteidigungsrede, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278639

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