Historia Apollonii

Die Fassungen RA und RB im Vergleich


Seminararbeit, 2014

12 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Sprachliche Unterschiede

3. Inhaltliche Unterschiede
3.1 Abschwächungen der RA
3.2 Sinnvolle Ergänzungen
3.3 Eliminierung christtlicher Elemente
3.4 Sinnvolle Straffungen der RA
3.5 Signifikante Veränderung im Kapitel 32
3.6 Unterschiedliche Enden

4. Textstelle und Übersetzung

5. Textkritik

6. Fazit

7. Bibliographie

1. Einleitung

Da es mehrere Versionen der Historia Apollonii gibt, ist es sinnvoll, der Frage nachzu- gehen, inwiefern sich diese voneinander unterscheiden. Leider basiert die Lektüre auf einem verlorenen griechischen oder lateinischen Original, so dass lediglich einige sprachliche Feinheiten darauf hinweisen könnten, woher der Verfasser stammt - be- legt wurde es leider nie. Es gibt eine ganze Reihe sprachlicher und inhaltlicher Un- terschiede zwischen der RA und RB. Die RB tendiert vor allem dazu, sprachliche Un- stimmigkeiten und inhaltliche Abweichungen zu verbessern. So wird die RA nach Riese (1893) als ‚genuina libelli forma‘ (V) bezeichnet, während die RB als ‚prima variandi forma‘ (VIII) fungiert. Die sprachlich-stilistischen Unstimmigkeiten können zum Teil auf die inhaltliche Ebene übertragen werden. Im Folgenden werden knapp die sprachlichen Auffälligkeiten erwähnt, die sich in den kontextuellen Unterschieden zum Teil widerspiegeln. Die inhaltlichen Abweichungen werden vor allem auf Motivation untersucht - dabei lässt sich nicht immer leicht bewerten, welche der beiden Versionen die bessere ist. Es geht vielmehr um eine objektive Betrachtung beider Lektüren im Vergleich.

2. Sprachliche Unterschiede

Auf der sprachlichen Ebene gibt es einige bedeutende Unterschiede, die sich im Ver- lauf auch auf der inhaltlichen Ebene widerspiegeln. Zum einen verfolgt die RB einen klassischeren Stil und versucht die vulgärlateinischen Ausdrücke zu eliminieren: so heißt es in der RA (34, 18) dedit at te während die RB die grammatikalisch richtige Form verwendet: tibi dedit (34, 20). Man kann in der RA allerdings auch eine Unre- gelmäßigkeit erkennen: schon im nächsten Satz wird plötzlich die korrekte Form verwendet: mihi…dedit (RA 34, 19). Dies könnte darauf hinweisen, dass beide Formen zuvor existiert haben - durch die Eliminierung der nichtklassischen Grammatik ver- wendet die RB nur noch die korrekte Form. Zum anderen versucht die RB die Lektü- re zu vereinfachen - dies lässt sich an den Verben festmachen: die Komposita wer- den durch schlichtere, einfache Verben ersetzt. So wird bspw. in der RA respiciens intuetur (RA 14, 16,17) und suffere non potest (RA 25, 20) verwendet, in der RB hinge- gen heißt es considerat (RB 14, 14) und non feret (25, 22). Beim ersten Beispiel handelt es sich um eine Beschönigung von Umschreibungen mit Partizipien, beim letzteren kommt es zum Einsatz von einem prägnanteren Verb. Ein Grund dafür ist, dass bis auf wenige Ausnahmen der Inhalt treffender und exakter dargestellt wird - dies spiegelt sich in der Wortwahl wider (cf. Janka 1997: 170f).

3. Inhaltliche Unterschiede

Inhaltlich unterscheiden sich die beiden Versionen vor allem in ausgeprägten Kürzungen der RA - ähnlich wie auf der sprachlichen Ebene. So werden Rückgriffe auf das bereits Gesagte oft in der RB gestrichen. Im Folgenden werden die einschneidenden Abwandlungen darlegt.

3.1 Abschwächungen der RA

Bereits ganz am Anfang zeigt sich eine abmildernde Tendenz der RB, die den Inzest deutlich abgeschwächter darstellt. So ist in der RA die Rede von fluentem sanguinem (RA 1, 16) und guttae sanguinis (RA 1, 17) - die RB streicht diese grausamen Bilder, obgleich die Syntax darunter leidet, und mildert die Erzählung somit deutlich. Aller- dings ist bereits im übernächsten Satz in beiden Versionen die Rede von Blut: pavimento sanguine (RA 2, 2) und sanguine pavimento (RB 2, 2). Dies könnte einerseits auf die Inkonsequenzen der Korrektur des Verfassers der RB hinweisen; andererseits ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass eine einmalige Andeutung auf das Detail seine Wirkung erfüllt, wohingegen die andauernde Wiederholung in der RA anstößig wirkt (cf. Janka 1997: 173f).

3.2 Sinnvolle Ergänzungen

Desweiteren ergänzt der Verfasser der RB im 8. Kapitel eine Lü>Apollonius wird in der RA nur beiläufig erzählt - die RB hingegen baut einen Dialog zwischen dem Haupthelden und dem Steuermann ein. Dieses Gespräch verdeutlicht dem Leser den Entschluss, in Tarsos, von dem zu ersten Mal die Rede ist, anzulegen und dort nach einem Ausweg für den von Antiochus gejagten Apollonius zu suchen. Die RA hingegen liefert keinen motivierten Grund für diesen Ort. Demnach lässt sich sagen, dass die Landung in Tarsos deutlich besser motiviert als in der RA. Auch bie- tet diese Textstelle sprachliche Besonderheiten wie z.B. rhetorische Elemente: ego quidem de arte tua nihil queror, sed a rege illo Antiocho quaeror (RB 8, 5). Hier drückt das Wortspiel der Verben queri und quaeri die Bedrohung durch Antiochus aus, da er von dem weiteren Schritt der Proskription noch nichts weiß: quaeri ist in diesem Fall mit gesucht, verfolgt werden zu übersetzen. Außerdem finden wir sprichwörtliche Rede- weisen wie z.B. rex enim longam habet manum (RB 8, 6), die wohl dem Griechischen nachgebildet sind: μαχραί τυράννϖν χειρες. Nach Klebs (1899: 45) gibt es nur eine einzige Parallelstelle im Lateinischen. Auch finden sich weitere Gräzismen in dieser Passage wieder: medium umbilicum pelagi (RB 8, 3) und interiorem itaque partem pelagi (RB 8, 6). Die Gräzismen könnten dafür sprechen, dass der Verfasser der RB auf ein griechisches Original zurückgreift - dies bleibt allerdings nur eine Annahme (cf. ebd: 174f).

Desweiteren führt die RB neue Charaktere, wie z.B. Stranguillio in gröbsten Zügen ein: notum sibi hominem (RB 9, 1), wohingegen in der RA das Freundschaftsverhältnis lediglich durch die vertrauliche Anrede mi karissime (RA 9, 2) deutlich wird - mit anderen Worten verzichtet die RA auf diesen Erzählzusammenhang. Dies weist auf eine deutlichere Struktur der Erzählung hin und unterstützt somit die Argumentation, dass die RB eine Verbesserung der RA ist. Allgemein lässt sich bezüglich der Plausibilität und der sachlichen Angemessenheit der Darstellung sagen, dass die RB durchweg treffender erzählt wird. Die Sensibilität des Verfassers zeigt sich auch darin, dass er Wiederholungen wegstreicht. (cf. ebd: 175f).

3.3 Eliminierung christlicher Elemente

Eine bedeutende Rolle in der Unterscheidung der beiden Versionen spielen die christlichen Elemente. In der RA finden sich christliche Zusätze wie z. nihil enim in huiusmodi negotio sine deo agi potest (RA 21, 15) oder quod a deo est, sit, et (RA 22, 20) die schon zuvor als Interpolationen gekennzeichnet wurden, die in der RB keine Ent- sprechungen haben. Dementsprechend lässt sich sagen, dass der Verfasser der RB sich im Gebrauch von Topoi zur Beschwörung göttlichen Beistandes zurückhält (cf. Klebs 1899: 218f). Auch formt die RB christlich konnotierte Ausdrücke wie domine rex gegenüber Antiochus meist in neutralere Wendungen wie rex oder bone rex (RA/RB 4, 4/15) um, da sie dem Charakter der Erzählung als unangemessen erscheinen.

3.4 Sinnvolle Straffungen der RA

Im 22. Kapitel kommt es zu einer größeren Straffung der RA Version um die Struktur zu bewahren: der RA-Dialog zwischen Archistrates und Apollonius wird gestrichen. Für die Eliminierung dieser Passage gibt es gute Gründe: zum einen ist sie für den Handlungsverlauf überflüssig, da Apollonius die Wünsche der Prinzessin aus einem Brief kennt (RA 21, 14-15 und RB 21, 12-13). Zum anderen erzählt Archistrates, dass die Prinzessin sich durch den väterlichen Schwur gezwungen sieht, ihrem Lehrer zurückzugeben, was ihm iratum mare (RA 22, 15) genommen habe. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass Archistrates Unwahrheiten erzählt, da sich die Prinzessin nie dazu äußerte, weil Archistrates zuvor schon mit Apollonius in Übereinkunft über die Hochzeit gekommen ist. Hier bestätigt sich erneut die deutliche bessere Struktur der RB, die solche Verwirrungen herausnimmt und die Erzählung in sich geschlossener macht. Die abschließende Interpolation des Apollonius, dass dem Willen des Gottes und des Königs nachgekommen werden muss ({quod a deo est, sit, et} si tua est voluntas, impleatur (RA 22, 20-21)), zeigt erneut deutliche christliche Konnotationen, die in der RB wegfallen und stellt keine passende Reaktion hinsichtlich des Ehe- glücks dar (cf. ebd: 177f).

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Historia Apollonii
Untertitel
Die Fassungen RA und RB im Vergleich
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Veranstaltung
Proseminar: Historia Apollonii
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V278642
ISBN (eBook)
9783656719045
ISBN (Buch)
9783656719014
Dateigröße
879 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
historia, apollonii, fassungen, vergleich
Arbeit zitieren
Daria Götte (Autor), 2014, Historia Apollonii, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278642

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