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Erziehung und Bildung zum "Übermenschen"

Title: Erziehung und Bildung zum "Übermenschen"

Thesis (M.A.) , 2011 , 98 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Nathan Rosental (Author)

Pedagogy - General
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Summary Excerpt Details

Ziel dieser Arbeit ist die Entdeckung der Nietzsche-Pädagogik. Der Weg zum „Übermenschen“ wird nachempfunden und in einen pädagogischen Kontext gebracht. Dabei wird explizit das pädagogische Potenzial aufgezeigt.. Nietzsches Spätwerk „Also sprach Zarathustra“ steht im Zentrum der Auseinandersetzung. Im ersten Kapitel wird ein inhaltlicher Überblick über das Werk gegeben, der den Einstieg erleichtern und die Basis für die weitere Arbeit bilden soll. Anhand des (gerade in der Pädagogik) durchgängigen Widerspruchs von „Du-sollst“ und „ich will“, Fremdbestimmung und Selbstbestimmung, werden Probleme und Bedingungen der Mündig-Werdung herausgearbeitet.
Das zweite Kapitel betrachtet dazu das grundsätzliche „Du-sollst“ von Familie und Gesellschaft, dem Kind und Heranwachsender von Beginn an ausgesetzt sind. Die Rolle von Familie und Gesellschaft wird ebenso mit betrachtet, wie die von Erziehung und Bildung. Im dritten Kapitel wird die Angst des „ich will“ in den Blick genommen, die Kind oder Heranwachsenden in die Bindung an ein „Du-sollst“ treiben kann. Dem werden Bedingungen einer möglichen Wende der Angst und einer Befreiung zum eigenen Willen gegenübergestellt. Das vierte Kapitel konzentriert sich auf das „Du-sollst“ von Erziehung und Bildung, das den Heranwachsenden zur Mündigkeit unterstützt. Hier wird aufgezeigt, welche Bedingungen sie zur Förderung und Hilfe erfüllen müssen.
Um die zur Befreiung führende Erkenntnis und Selbsterkenntnis, die Selbstbildung des Heranwachsenden, dreht es sich im fünften Kapitel. Die angesprochenen Notwendigkeiten, Bedingungen und Verhältnisse laufen im abschließenden sechsten Kapitel zusammen. Es befasst sich mit dem Lösungsansatz, der sich bei Nietzsche versteckt. In einem Freiraum zwischen „Du-sollst“ und „ich will“ können beide vermittelt bestehen. Mehr noch: hier ist der eigentliche Lebens-, weil Schaffens-Ort des Individuums. Anhand der Auseinandersetzung mit Nietzsches Philosophie werden Erziehungs- und Bildungsbegriffe inhaltlich neu herausgearbeitet.

Excerpt


Inhaltsübersicht

Einleitendes Vorwort

1. „Also sprach Zarathustra“: Ein Überblick

1.1 Der sonnengleich verschenkende Zarathustra

1.2 „Gott ist tot“: Voraussetzung des „Übermenschen“

1.3 „Drei Verwandlungen des Geistes“

1.4 Der Mensch: Zu Überwindendes

1.5 Wegmarken zum „Übermenschen“

2. „Du-sollst“ versus „ich will“: Das Kind unter natürlichen Mächten

2.1 „Du-sollst“ der primären Bindungen

2.1.1 Abhängigkeit von den Eltern

2.1.2 Der gebende Blick

2.1.3 Verwirklichtes „Du-sollst“

2.2 „Du-sollst“ der Gesellschaft

2.2.1 Notwendige Gesellschaft

2.2.2 Notwendiges „Du-sollst“

3. Angst des „ich will“: Flucht in das „Du-sollst“

3.1 Flucht in das „Du-sollst“

3.1.1 Die Angst des „letzten verächtlichsten Menschen“

3.1.2 Primäre Beziehungen

3.1.3 Sekundäre Bindungen

3.2 Der „hässlichste Mensch“: Befreiung zum „ich will“

3.2.1 Im Angesicht der Angst

3.2.2 Notwendiges Schwergewicht des Lebens

3.2.3 Die ewige Wiederkehr des Gleichen

4. „Du-sollst“ für das „ich will“: Notwendende Erziehung und Bildung

4.1 Erzieher und Erziehung zum „ich will“

4.1.1 Erzieher als Befreier des Wesens

4.1.2 Die Berufung des Erziehers

4.2 Rationale Autorität des „Du-sollst“

4.3 „Du-sollst“ von Bildung und Erziehung

5. „Adler- und Schlangenweisheit“: Erkenntnisse des „ich will“

5.1 „Du-sollst“ gegen Erkenntnis

5.2 Erkenntnis aus der Vogelperspektive

5.3 Befreiende Erkenntnis

5.3.1 „Ekel“ der Einsicht

5.3.2 Bildung zur Einsicht

5.3.3 Brechen „alter Tafeln“

6. Zwischen „Du-sollst“ und „ich will“: Raum des „ich bin“

6.1 Notwendigkeit eines Freiraums

6.2 „Ich bin“ im „potentiellen Raum“

6.2.1 Der „potentielle Raum“

6.2.2 Spielendes Schaffen

6.2.3 Potentieller Selbst-Bildungs-Raum

Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Ziel dieser Arbeit ist die Entdeckung der Nietzsche-Pädagogik, indem der Weg zum „Übermenschen“ nachempfunden und in einen pädagogischen Zusammenhang gebracht wird, um dessen Potential für die Erziehungstheorie aufzuzeigen.

  • Die Vermittlung zwischen „Du-sollst“ (gesellschaftliche Fremdbestimmung) und „ich will“ (individuelle Selbstbestimmung).
  • Die Rolle von Erziehung und Bildung als „Befreier“ und notwendige „Du-sollst“-Instanz.
  • Die Bedeutung von Selbsterkenntnis und die Überwindung des „Ekels“ durch das Kind/den Heranwachsenden.
  • Der „potentielle Raum“ als geschützter Ort für Selbstbildung und spielendes Schaffen.
  • Die Anwendung von Kants Imperativen und Nietzsches „Ewiger Wiederkehr“ auf die pädagogische Praxis.

Auszug aus dem Buch

1.1 Der sonnengleich verschenkende Zarathustra

Nachdem er zehn Jahre lang seinen Geist und seine Einsamkeit im Gebirge „genossen“ hat, entscheidet sich der mittlerweile vierzigjährige Zarathustra zu einem Lebenswandel (vgl. KSA 4, S. 12). Ausgerechnet die Sonne inspirierte ihn dazu.

So sprach Zarathustra: „Du grosses Gestirn! Was wäre dein Glück, wenn du nicht Die hättest, welchen du leuchtest!“ (KSA 4, S. 11).

Unermüdlich geht die angesprochene Sonne jeden Tag auf, verschenkt verschwenderisch ihre Wärme und ihr Licht, bevor sie wieder untergeht. Als Teil des ewigen Kreislaufs der Welt, geht sie auf und unter (zumindest aus der Sicht des Menschen), weil ebendies die Art und Weise ihrer Existenz ausmacht. Laut Zarathustra reicht dies offenbar nicht aus. Es genügt nicht, dass die Sonne tut, was sie in ihrer Funktion oder Eigenschaft als Sonne tut. Es genügt nicht, dass sie bloß scheint. Sie benötigt darüber hinaus einen externen Zweck: Etwas, das sie bescheinen kann. Erst dieses Wozu, das von ihr Beschienene, gibt ihr die tiefere Bedeutung ihres Seins und Scheinens. Sie wärmt und beleuchtet die Erde für die auf ihr lebenden Tiere und Menschen. Diese (wir) sind auf ihr Licht und ihre Wärme angewiesen, für sie (uns) ist die Sonne Lebens-Not-wendend. So schließt sich der Kreis der Notwendigkeiten: Sonne und Lebewesen sind wechselseitig voneinander abhängig. Dadurch geben sie sich gegenseitig einen Sinn, denn was wäre ein Geschenk, ohne einen zu-Beschenkenden und dieser ohne jenes?

Zusammenfassung der Kapitel

1. „Also sprach Zarathustra“: Ein Überblick: Einleitende Analyse von Nietzsches Werk, wobei das Sonnengleichnis und der „Übermensch“ als pädagogisches Ziel eingeführt werden.

2. „Du-sollst“ versus „ich will“: Das Kind unter natürlichen Mächten: Untersuchung der primären Bindungen und der elterlichen Macht, unter denen das Kind zunächst aufwächst.

3. Angst des „ich will“: Flucht in das „Du-sollst“: Betrachtung der Angst vor der Freiheit und wie das Individuum versucht, dieser durch Flucht in gesellschaftliche Konventionen („Man“) zu entkommen.

4. „Du-sollst“ für das „ich will“: Notwendende Erziehung und Bildung: Analyse der Rolle von Erziehern als Befreier des kindlichen Wesens und der rationalen Autorität.

5. „Adler- und Schlangenweisheit“: Erkenntnisse des „ich will“: Untersuchung der befreienden Erkenntnis und der Notwendigkeit, „alte Tafeln“ bzw. alte Werte zu zerbrechen.

6. Zwischen „Du-sollst“ und „ich will“: Raum des „ich bin“: Diskussion über den „potentiellen Raum“ und die Notwendigkeit eines Freiraums für die Selbstbildung des Individuums.

Schlüsselwörter

Nietzsche, Übermensch, Erziehung, Bildung, Mündigkeit, Du-sollst, Ich-will, Selbstbestimmung, Freiheit, Abhängigkeit, Psychologie, Pädagogik, Selbsterkenntnis, Nihilismus, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in diesem Werk primär?

Die Arbeit untersucht Nietzsches Philosophie unter pädagogischen Gesichtspunkten, insbesondere den Prozess, wie der Mensch vom fremdbestimmten Wesen zum mündigen „Übermenschen“ reift.

Welche sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Spannung zwischen Fremdbestimmung (Du-sollst) und Selbstbestimmung (Ich-will), die Rolle von Erziehung und Bildung bei der Individuation sowie die Bedeutung von Freiheit und Angst.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Wie lässt sich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ als pädagogisches Modell für die Erziehung zum mündigen, selbstbestimmten Individuum interpretieren und in ein pädagogisches Konzept überführen?

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es handelt sich um eine philosophisch-pädagogische Analyse, die Nietzsches Denken mit existentiellen und gestalttheoretischen Ansätzen (u.a. von Fromm, Heidegger, Winnicott, Sartre) in Verbindung setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert den Weg zur Mündigkeit in Stufen: von den primären Bindungen und dem gesellschaftlichen Druck bis hin zur Überwindung des Nihilismus und dem Schaffen eines „potentiellen Raums“ zur Selbstentfaltung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Übermensch, Mündigkeit, Pädagogik, Du-sollst, Ich-will, Individuation, Bildung, Selbstbestimmung.

Wie wird das „Du-sollst“ in der Arbeit definiert?

Es wird nicht rein negativ als Zwang gesehen, sondern als notwendige, wenn auch oft hemmende Struktur der Gesellschaft, der Familie und der Erziehung, die für die Integration unverzichtbar ist, aber überwunden werden muss.

Welche Rolle spielt der Begriff „Ekel“ bei Nietzsche?

Der „Ekel“ ist die notwendige, oft schmerzhafte Erkenntnis der Falschheit gesellschaftlicher Normen, die als Geburtsstunde der echten Selbstsuche und der Befreiung zum eigenen Willen dient.

Excerpt out of 98 pages  - scroll top

Details

Title
Erziehung und Bildung zum "Übermenschen"
College
Technical University of Darmstadt
Grade
1,0
Author
Nathan Rosental (Author)
Publication Year
2011
Pages
98
Catalog Number
V278767
ISBN (eBook)
9783656723776
ISBN (Book)
9783656723714
Language
German
Tags
Philosophie Pädagogik Nietzsche Übermensch Heydorn Winnicott potenzieller Raum Bindung Zarathustra
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nathan Rosental (Author), 2011, Erziehung und Bildung zum "Übermenschen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278767
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