Seit der Industrialisierung in der Bundesrepublik Deutschland gibt es den Dualismus der Statusgruppen Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst. Oftmals sind strikte Trennungen der beiden Statusgruppen nicht möglich, denn viele Tätigkeiten sind bei Beamten und Angestellten fast immer identisch. Das beste Beispiel hierfür ist die Berufsgruppe der Lehrer in Deutschland, weshalb diese Arbeit den Schwerpunkt auf das Amt der Lehrerschaft legt. Es gibt verbeamtete und angestellte Lehrer, doch viele angestellte Lehrer klagen über die herrschende Ungerechtigkeit, weil verbeamtete Kollegen viele „Sonderrechte“ genießen, die die angestellten nicht haben. Dies gilt als ein wesentliches Problem, welches zur sogenannten Statusgruppenproblematik zählt. Die entscheidende Frage also, mit der sich diese Arbeit beschäftigen wird, ist die Statusgruppenproblematik. Hierbei soll die Statusgruppenproblematik am Beispiel der Berufsgruppe der Lehrer analysiert und begründet werden. Die zentralen Fragen, die mit der Statusgruppenproblematik in Verbindung stehen, wie wodurch entsteht die Problematik oder welche konkreten Ungerechtigkeiten gibt es, insbesondere bei den Lehrern, sollen daher ebenfalls mitberücksichtigt und abgehandelt werden.
Zunächst soll genau geklärt werden, was mit Statusgruppenproblematik gemeint ist und welche Probleme es im Allgemeinen zwischen Beamten und Angestellten gibt. Als Ausgangssituation für die Erklärung der Statusgruppenproblematik in der BRD sollen hierbei der Artikel 33 des Grundgesetzes und die hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums dienen, die im Einzelnen erklärt werden sollen. Auch die Problematik der hergebrachten Grundsätze, soll im ersten Kapitel kurz dargestellt werden und wie diese mit der Statusgruppenproblematik zusammenhängen. Im darauffolgenden Kapitel soll die Statusgruppenproblematik am Beispiel der Lehrer anhand verschiedener Vergleiche verdeutlicht werden. Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt es zwischen verbeamteten und angestellten Lehrern, wie sieht die Verbeamtungspraxis in Deutschland aus und warum werden Lehrer überhaupt verbeamtet? Zudem soll die Kostenfrage für die Einstellung der beiden Statusgruppen zur Unterstreichung der Ungerechtigkeit, die mit der Statusgruppenproblematik zusammenhängt, dienen. Zum Schluss noch ein kurzes Fazit und die Darstellung von Limitationen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Die Statusgruppenproblematik im öffentlichen Dienst der BRD
3 Vergleiche der beiden Statusgruppen am Beispiel der Lehrer
4 Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Statusgruppenproblematik im öffentlichen Dienst der Bundesrepublik Deutschland, wobei der Fokus insbesondere auf der Berufsgruppe der Lehrer liegt. Ziel ist es, die strukturellen Ungerechtigkeiten zwischen verbeamteten und angestellten Lehrkräften bei faktisch identischer Tätigkeit zu analysieren und die Hintergründe der bestehenden Rechtsunterschiede sowie der Kostenstrukturen für den Staat kritisch zu beleuchten.
- Analyse des Statusgruppen-Dualismus zwischen Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst.
- Untersuchung der hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums und deren Einfluss auf die Statusgruppenproblematik.
- Vergleich der Arbeitsbedingungen, Besoldung und sozialen Absicherung (Versorgung/Versicherung) von Lehrern.
- Diskussion des Kostenfaktors für den Staat (Kapitalwertmethode) als Argumentationsgrundlage für die Statuswahl.
- Betrachtung aktueller Entwicklungen, wie beispielsweise das Streikrecht für verbeamtete Lehrer.
Auszug aus dem Buch
3 Vergleiche der beiden Statusgruppen am Beispiel der Lehrer
Weil Beamte Vorrechte beziehungsweise Sonderrechte aufgrund der bereits erläuterten hergebrachten Grundsätze besitzen, verdienen Beamte grundsätzlich mehr als Angestellte. Daher verdienen verbeamtete Lehrer ungefähr 500 Euro netto mehr als ihre Kollegen, die lediglich angestellt sind, obwohl beide die gleiche Arbeit verrichten (vgl. Gentner 2012: o.S.). Dies macht die Ungerechtigkeit zwischen beiden Statusgruppen sehr deutlich, was als Hauptstatusgruppenproblem bei Lehrern zu verstehen ist. Die Verbeamtungspraxis in Deutschland in den einzelnen Bundesländern wird unterschiedlich gehandhabt (vgl. Derlien/Böhme/Heindl 2011: 75). In Bayern zum Beispiel gibt es zirka 100.000 Lehrer und der Proporz liegt bei 90 Prozent verbeamtete und 10 Prozent angestellte Lehrer, somit besteht der größte Teil der Lehrer aus Beamten (vgl. Gentner 2012: o.S). Baden-Württemberg zieht eine Verbeamtung der Lehrer bis zum 45. Lebensjahr ebenfalls vor (vgl. Klesmann 2012: o.S.). In Berlin wurde seit 2003 beschlossen, die Lehrer nicht mehr zu verbeamten (vgl. www.news4teachers.de). Einige Bundesländer wie Sachsen, Mecklenburg Vorpommern und Thüringen sind dazu übergegangen die Lehrer nur noch als Angestellte zu beschäftigen, was dazu führt, dass eben in diesen Bundesländern nun beide Statusgruppen verbeamtete und angestellte Lehrer) zu finden sind (vgl. Botica 2009:o.S). Das dadurch entstehende Problem ist eine hohe Fluktuationsrate vor allem in Berlins Schulen, denn viele Junglehrer klagen bereits über die herrschende Ungerechtigkeit durch die geringere Bezahlung als angestellter Lehrer und gehen deshalb in andere Bundesländer wo die Chancen höher sind verbeamtet zu werden (wie etwa nach Bayern), um dann dementsprechend einen besseren Verdienst zu erhalten (vgl. Vieth-Entus 2011: o.S.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung führt in den Dualismus zwischen Beamten und Angestellten ein und definiert die Statusgruppenproblematik am Beispiel der Lehrerschaft als zentralen Untersuchungsgegenstand.
2 Die Statusgruppenproblematik im öffentlichen Dienst der BRD: Dieses Kapitel erläutert die historischen Hintergründe und die rechtlichen Rahmenbedingungen der Statusgruppen, insbesondere die Bedeutung der hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums.
3 Vergleiche der beiden Statusgruppen am Beispiel der Lehrer: Der Hauptteil analysiert die faktischen Unterschiede in Besoldung, Absicherung und Einstellungspraxis zwischen verbeamteten und angestellten Lehrern sowie die ökonomische Perspektive der Kapitalwertmethode.
4 Schluss: Das Fazit fasst die festgestellten Ungerechtigkeiten zusammen und stellt fest, dass eine kurzfristige Gleichstellung aufgrund der institutionellen Garantie des Berufsbeamtentums schwierig bleibt.
Schlüsselwörter
Statusgruppenproblematik, öffentlicher Dienst, Berufsbeamtentum, verbeamtete Lehrer, angestellte Lehrer, hergebrachte Grundsätze, Besoldung, Kapitalwertmethode, soziale Absicherung, Artikel 33 GG, Streikrecht, Ungerechtigkeit, Dienstverhältnis, Beamtenstatus, Arbeitsbedingungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem dualen System von Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst der BRD und den damit einhergehenden Diskrepanzen bei gleicher beruflicher Tätigkeit.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Themen gehören das Berufsbeamtentum, die rechtliche Unterscheidung beider Statusgruppen, die Kostenstruktur für den öffentlichen Arbeitgeber sowie die spezifische Situation der Lehrerschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Statusgruppenproblematik anhand der Lehrergruppe zu analysieren, die Ursachen für die empfundene Ungerechtigkeit zu ergründen und die Notwendigkeit sowie Folgen der unterschiedlichen Behandlung zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Analyse der rechtlichen Grundlagen (Grundgesetz, hergebrachte Grundsätze) sowie einen Vergleich der ökonomischen Faktoren (Kapitalwertmethode) und Arbeitsbedingungen anhand von Literatur und aktuellen Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil vertieft die Differenzen bei der Entlohnung, der Altersvorsorge, den Versicherungsleistungen und den Einstellungskriterien sowie die Diskussion über die hoheitliche Funktion von Lehrern.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Statusgruppenproblematik, verbeamtete versus angestellte Lehrer, hergebrachte Grundsätze und die Frage der ökonomischen sowie rechtlichen Gleichbehandlung.
Warum wird im Kontext der Lehrer speziell von „Sonderrechten“ gesprochen?
Beamte genießen durch den Beamtenstatus Privilegien bei der Besoldung, Altersversorgung und dem Kündigungsschutz, die auf den historisch gewachsenen Grundsätzen basieren, während angestellte Lehrer trotz gleicher Arbeit schlechter gestellt sind.
Welche Rolle spielt die Kapitalwertmethode in diesem Dokument?
Sie dient als ökonomisches Analyseinstrument, um festzustellen, ob die Beschäftigung von Beamten oder Angestellten für den Staat langfristig kostengünstiger ist, wobei die Ergebnisse je nach berücksichtigten Faktoren variieren.
Wie bewertet die Arbeit das Streikverbot für verbeamtete Lehrer?
Die Arbeit thematisiert, dass sich durch aktuelle Rechtsprechungen die Auffassung wandelt und das bisherige absolute Streikverbot für bestimmte Gruppen im öffentlichen Dienst zunehmend in Frage gestellt wird.
- Quote paper
- Christian Graf (Author), 2013, Statusgruppenproblematik im öffentlichen Dienst. Die Berufsgruppe Lehrer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278816