Das Philosophieren ist so alt wie die Menschheit selbst. Die eigene Lebenswelt mit ihren Erscheinungen zu hinterfragen, ist Teil der ureigenen Neugier des menschlichen Individuums. Besonders die griechische Antike brachte eine Vielzahl berühmter Philosophen hervor, die bereits ihre „Liebe zur Weisheit“
entdeckten. Heutzutage wird insbesondere ein Augenmerk auf
kinderphilosophische Prozesse gerichtet und es wird auch in Deutschland bewusst daran gearbeitet, das Philosophieren an Schulen und in Kindergärten verstärkt zu betreiben.
Im Folgenden soll nun dieser Prozess des Philosophierens untersucht werden,insbesondere hinsichtlich seiner Merkmale. Fragen wie: Was kann das Philosophieren und woher kommt die Lust daran, wird auf den Grund gegangen werden. Ferner werden die Chancen und Möglichkeiten des Philosophierens in den Blick genommen und es wird die Methodik der Philosophie in der Schule
erläutert. Diesbezüglichen werden Ideen für die Umsetzung verschiedener Methoden im Unterricht gegeben und es wird auf den Begriff des „ganzheitlichen Philosophierens“ eingegangen. Letztendlich soll verdeutlicht werden, dass der philosophische Prozess bei Kindern zugleich ein Bildungsprozess ist, da er eine kritische und selbstreflektierende Auseinandersetzung mit der eigenen Umwelt, den Mitmenschen und dem eigenen Selbst anstößt und somit Entwicklungspotenzial bietet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Merkmale des kinderphilosophischen Prozesses
3. Chancen und Möglichkeiten des Philosophierens
3. 1 Philosophieren in der Schule
3. 2 Methodik des Philosophierens und konkrete Ideen für den Unterricht
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von kinderphilosophischen Prozessen als Beitrag zu Bildungsprozessen. Dabei wird analysiert, inwiefern das Philosophieren mit Kindern deren kritische Reflexionsfähigkeit, Persönlichkeitsentwicklung und soziale Kompetenzen fördert und welche methodischen Ansätze sich für die praktische Umsetzung im Unterricht eignen.
- Merkmale und Besonderheiten des kindlichen Philosophierens
- Die Bedeutung von Perspektivenwechseln für die Identitätsbildung
- Förderung von Toleranz und Gewaltprävention durch philosophische Dialoge
- Methodische Vielfalt und Arbeitstechniken in der philosophischen Bildung
- Verbindung von philosophischen Prozessen mit schulischen Lernzielen
Auszug aus dem Buch
2. Merkmale des kinderphilosophischen Prozesses
Beschäftigt man sich mit den Merkmalen und den Besonderheiten von kinderphilosophischen Prozessen, so stellt sich zunächst die Frage, ob Kinder überhaupt in der Lage sind zu philosophieren und dies überhaupt wollen. Sind die Kinder unserer heutigen Gesellschaft, die sich hauptsächlich durch ihre Schnelllebigkeit auszeichnet und in der selbst die Jüngsten schon im Internet surfen und das Fernsehprogramm auswendig können, überhaupt für eine Tätigkeit, die nicht von direktem Nutzen ist und oft nicht einmal ein Ergebnis hat, zu begeistern?
Antwort auf diese Frage konnte Martens mit einem einfachen „Experiment“ finden. Er stellte einer Gruppe von Kindern und Erwachsenen die Frage, ob Blumen glücklich seinen können und beobachtete Erstaunliches. So waren es am Ende die Kinder, die die Erwachsenen vorführten und Lust und Freude am philosophieren zeigten (vgl. Martens 2007, S. 101 ff.). Sie taten dies nicht aus Schadenfreude oder sportlichem Ehrgeiz, berichtet Martens, sondern einzig aufgrund der kindlichen „Freude an der freien Bewegung des Geistes“ (Martens 2007, S.103).
Betrachtet man Philosophieren somit „einfach“ als Weiterdenken (vgl. Martens 2007, S. 99) und rückt ab von den großen Philosophen und den theoretischen Grundsätzen, so sind Kinder sehr wohl im Stande weiterzudenken. Oftmals sind sie gerade aufgrund ihrer kindlichen Naivität und Ungezwungenheit noch eher, als Erwachsene fähig ihre Gedanken zu äußern und mit ihrer Phantasie zu spielen. Sie haben noch nicht jene gesellschaftliche Angepasstheit zu eigen, die es manch Einem später schwer macht seine Meinung zu sagen und sich über alltägliche Grenzen in einem philosophischen Gespräch hinweg zu setzen. Warum viele Erwachsene ihre Phantasie verlieren, sich ihren kindlichen Eigensinn und ihre Individualität nicht bewahren können ist eine andere Frage, die sicherlich mit bestimmten gesellschaftlichen Problematiken zusammenhängt. Vielleicht ist es auch die sich ständig wandelnde Welt in der wir leben mit ihren technologischen Raffinessen, die uns das Staunen und die Neugier abgewöhnt hat. Letztendlich jedoch sind augenscheinlich auch die Kinder der heutigen Zeit in der Lage zu philosophieren und sollten dies auch tun, da bereits bei der Untersuchung der Merkmale von philosophischen Prozessen deutlich wird, dass Philosophieren gerade den Jüngsten eine Entwicklungsmöglichkeit in vielfältiger Hinsicht bietet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Bedeutung des Philosophierens und führt in die Fragestellung ein, wie kinderphilosophische Prozesse als bildungsrelevante Entwicklungsmöglichkeiten verstanden werden können.
2. Merkmale des kinderphilosophischen Prozesses: Dieses Kapitel erörtert die Fähigkeit und Motivation von Kindern zum Philosophieren und identifiziert zentrale Merkmale wie den Perspektivenwechsel und das analytische Denken.
3. Chancen und Möglichkeiten des Philosophierens: Das Kapitel analysiert das Potenzial des Philosophierens für die Identitätsbildung, die soziale Kompetenzentwicklung und die Förderung von Toleranz im schulischen Kontext.
3. 1 Philosophieren in der Schule: Hier wird die Rolle der Philosophie als fachübergreifende Disziplin dargestellt, die in allen Schulfächern zur Erkenntnisgewinnung und kritischen Auseinandersetzung beitragen kann.
3. 2 Methodik des Philosophierens und konkrete Ideen für den Unterricht: Es werden verschiedene Medien und Arbeitstechniken wie Textlektüre, Diskussionen und das Verfassen eigener Texte als Methoden-Mix für den Unterricht präsentiert.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass das Philosophieren einen wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsentfaltung und sozialen Bildung leistet und daher fest in Bildungsprozessen verankert sein sollte.
Schlüsselwörter
Kinderphilosophie, Bildungsprozess, Philosophieren mit Kindern, Perspektivenwechsel, Identitätsbildung, Hermeneutik, Didaktik, Argumentationskompetenz, Gedankenexperiment, Sozialkompetenz, Werteerziehung, Persönlichkeitsentwicklung, ganzheitliches Lernen, kritische Reflexion, Ethikunterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von philosophischen Prozessen bei Kindern und wie diese gezielt als Bildungsprozesse zur Förderung von Reflexion und Persönlichkeitsentwicklung genutzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Merkmalen des kindlichen Denkens, der praktischen Methodik im Unterricht und den sozialen bzw. ethischen Potenzialen, die durch das Philosophieren erschlossen werden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Philosophieren bei Kindern weit mehr als ein Zeitvertreib ist, sondern eine fundierte Möglichkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit der Welt darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse philosophiedidaktischer Literatur und Ansätze (unter anderem von Martens, Osthoff-Münnix und Rohbeck), um diese auf ihre Relevanz für den schulischen und frühkindlichen Bildungskontext zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Merkmale des kindlichen Philosophierens analysiert, gefolgt von einer Darstellung der Chancen für die kindliche Entwicklung und konkreten methodischen Hinweisen für die Gestaltung des Unterrichts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Kinderphilosophie", "Perspektivenwechsel", "Bildungsprozess" und "Methoden-Mix" geprägt.
Warum spielt der Perspektivenwechsel eine so zentrale Rolle?
Der Perspektivenwechsel ermöglicht es Kindern, die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, was die Identitätsbildung stärkt und die Grundlage für ein tolerantes Miteinander schafft.
Was versteht die Autorin unter einem "Methoden-Mix" im Philosophieunterricht?
Es wird empfohlen, sich nicht auf eine einzige Methode zu versteifen, sondern das Gespräch mit der Lektüre klassischer Texte, dem Schreiben eigener Texte und dem Einsatz von Medien wie Bildern oder Filmen zu kombinieren.
- Arbeit zitieren
- Martin Richtlinger (Autor:in), 2014, Kinderphilosophische Prozesse als Bildungsprozesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278859