Die Bedeutung Horst Herolds für die Bekämpfung der RAF


Hausarbeit, 2012

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vita von Horst Herold

3. Literatur- und Quellenwahl

4. Bekämpfung der RAF
4.1. Die ,Bedarfsspirale‘
4.2. Rasterfahndung
4.3. Aktion „Wasserschlag“

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit versucht eine Antwort auf die Frage zu finden, welche Rolle Horst Herold bei der Bekämpfung der RAF gespielt hat. Der zu betrachtende Zeitraum begrenzt sich hierbei auf den Zeitraum zwischen der Amtsübernahme Horst Heroldsals Chef des Bundekriminalamtes am 1. September 1971 und seinem vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand am 31. März 1981.[1] Unter Bekämpfung werden hier die Mittel der inneren Sicherheit, die der Länderpolizei, Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz verstanden.

Nach einem biographischen Abriss Horst Herolds folgt eine Erläuterung zur Quellen- und Literaturwahl. Dabei werden auch kurz die hervortretenden Probleme erläutert, auf die man unweigerlich stößt, wenn man sich an die Thematik RAF und staatlicher Reaktion historisch annähern will. Im Hauptteil werden ausgewählte Quellen nach verschiedenen Gesichtspunkten analysiert und anschließend versucht, einen Zusammenhang zwischen Horst Herold als Amtschef des BKA und der Bekämpfung der RAF herzustellen. Zum Schluss wird ein Fazit gezogen, in dem dargelegt wird, inwieweit die Ausgangsfrage beantwortet werden konnte.

2. Vita von Horst Herold

Herold wurde am 21. Oktober 1923 in Sonneberg in Thüringen geboren.[2] [3] Nach seinem Schulabschluss im August 1941 wurde er zum Wehrdienst einberufen und geriet 1944 in russische Kriegsgefangenschaft aus der er aber fliehen konnte.[4] Im Wintersemester 1945/46 nahm der das Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Erlangen auf und promovierte dort 1951. Anschließend war er in verschieden Bereichen der Justiz tätig (zuletzt Landgerichtsrat des Landgerichts Nürnberg) bis er im Mai 1964 zunächst zum ständigen Vertreter des Polizeipräsidenten in Nürnberg und im Februar 1967 selbst zum Präsidenten ernannt wurde. 1971 schließlich wurde er zum Präsidenten des BKA berufen, nachdem er bereits seit 1969 Mitarbeiter der Kommission zur Reform des BKA gewesen war. Für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Verbrechensbekämpfung und -Verhütung ehrte ihn die Deutsche Kriminologische Gesellschaft 1976 mit der Baccaria-Medaille in Gold.[5] Seit 1981 befindet sich Herold im vorzeitigen Ruhestand.

3. Literatur- und Quellenwahl

Die Historikerin Sylvia Schraut erläutert in Ihrem Artikel Terrorismus und Geschichtswissenschaft grundlegende Probleme, die auftreten, wenn versucht wird, sich historisch an den Themenkomplex Terrorismus im allgemeinen und die RAF im speziellen anzunähern.[6] Im Fazit werden drei grundlegende Schwierigkeiten angeführt: Terroristische Vereinigungen verfügen als Untergrundorganisationen in der Regel über kein Archiv, in dem Dokumente lagern, welche sich als Quellen eignen würden.[7] Zwei weitere Schwierigkeiten ergeben sich durch die staatlichen Behörden, da zum einen immer noch Sperrfristen für Verhörprotokolle, Fahndungsergebnisse, Sondervorschriften etc. bestehen und es zum anderen davon auszugehen ist, dass Schriftgut, welches das dokumentiert, seinen Weg in die staatlichen Archive nicht ungefiltert und unbearbeitet gefunden hat. Bei der Wahl der Quellen ist man daher eingeschränkt.

Befasst man sich jedoch mit Horst Herold, ergibt sich der, in diesem Fall glückliche Umstand, dass Herold zum einen während und nach seiner Amtszeit eine vielgefragte Person für Interviews und Diskussionsrunden zu den Themen (deutscher) Terrorismus, RAF, Datenschutz und innere Sicherheit war und er in diesen Interviews und Gesprächen gerne und gründlich seine Ansichten zu Terrorismus und Methoden zu Verbrechensbekämpfung ausbreitete, zum anderen selbst eine Vielzahl von Schriften zu den genannten Themen verfasst hat. Auch hier muss wieder sensibel mit den Eigenheiten von Egodokumenten umgegangen werden.

Ein weiteres Problemfeld stellt die Fach- und Forschungsliteratur dar. Wie von Schraut an Beispielen dargestellt sind es nicht die Historiker, die die Deutungshoheit des Phänomens Terrorismus besitzen.[8] Sie liegt vielmehr seid 1970 bei den Politik- und Sozialwissenschaftlern, häufig auch bei Kriminologen und Journalisten. Als gewissermaßen exemplarisch kann das Werk Der Baader-Meinhof-Komplex[9] von Stefan Aust gelten. Auch wenn der Autor in Vorwort versichert, dass alles niedergeschriebene belegbar ist,[10] so kommt das Werk ohne jeden Quellenbeleg aus, womit es bei kritischer Benutzung zwar durchaus als eine Einführung in das Thema RAF eignet, es aber als Grundlage für wissenschaftlich-historisches Arbeiten ungeeignet macht. Diesem Problem begegnet man unweigerlich, ist man auf der Suche nach Literatur über die RAF und dem Themenkomplex Terrorismus. Der Grund dafür liegt nicht in der Inkompetenz der Autoren dieser Werke, es liegt einfach an der fachgebundenen Sichtweise und Arbeitsweise der Autoren, die nicht den Standards der historischen Arbeitsweise entsprechen.

Dennoch ist man gezwungen bei der Wahl der Literatur unter Umständen Abstriche in Form und Arbeitsweise der Autoren in Kauf zu nehmen um ein gewisses Ausmaß an Grundlagenliteratur zur Hand zu haben. Dennoch muss jede Publikation trotzdem nach wie vor kritisch geprüft werden.

Die Literaturwahl fällt in diesem Fall auf Der Chef. Horst Herold und das BKA von Dieter Schenk. Zwar ist Schenk kein Historiker und das Werk verwendet auch keinen so präzisen Fußnoten-Apparat, dass er den Ansprüchen historischer Arbeitsweise entspricht, jedoch ist es in Quellen- und Literaturangaben präziser als andere Werke, die sich mit der Thematik beschäftigen (z.B . Baader und Herold. Beschreibung eines Kampfes von Dorothea Hauser[11] oder Die BKA Story von WilhelmDietl[12] ). Er verwendet nicht nur von Herold angefertigte Schaubilder zur Verbrechensbekämpfung mit den Mitteln der EDV, sondern auch Schriftstücke und Skizzen der RAF und bewertet sie kritisch. Zu beachten bleibt jedoch weiterhin, dass Schenk langjähriger Mitarbeiter des BKA war, unter anderem während Herolds Amtszeit.[13] Die Frage der Befangenheit, wenn er von seinen ehemaligen Vorgesetzten schreibt, bleibt deswegen bestehen. Daher wird nur auf Schenks Erläuterung zu Fahndungsmethoden zurückgegriffen, welche im zu betrachtenden Zeitraum entstanden sind, da diese von ihm als Interner des BKA, Zeitzeuge und Kriminologie verständlich und fachmännisch erläutert werden.

4. Bekämpfung der RAF

Um einen Zusammenhang zwischen Horst Herold als Präsident des BKA und der Bekämpfung des deutschen Terrorismus in den frühes 70ern herzustellen, muss zunächst erläutert werden, wie Herold die RAF als kriminelle oder paramilitärische Gruppierung versteht und inwieweit er sie durchschaut. Denn ohne ein Verständnis der grundsätzlichen Arbeitsweise und Strategie der RAF lassen sich auch keine Gegenmaßnahmen formieren. Als zentrale Quelle gibt hier ein abgedruckter Rundfunkvortrag Herolds vom 9. Juni 1976 seine Sicht und Verständnis der Logistik der RAF wieder. Anschließend muss versucht werden, die Frage zu beantworten, wie diese Erkenntnisse in polizeiliche Praxis umgesetzt wurden und welchen Einfluss Herold bei eben diesen Umsetzungen hatte.Bei der Erläuterung zu Aktion „Wasserschlag“ wird auf ein 2005 geführtes Interview zwischen Herold und Wolfgang Kraushaar und Jan Philipp Reemtsma zurückgegriffen.[14] Dieter Schenk wird mit seinem Werk Der Chef bei den beiden genannten Themen erläuternd und bei der Rasterfahndung ausführlich herangezogen.

4.1. Die ,Bedarfsspirale‘

Ein Rundfunkvortrag Herolds mit dem Titel Taktische Wandlungen des deutschen Terrorismus [15] dient als Grundlage für das Nachvollziehen von Herolds Verständnis der Logistik und Strategie der RAF. Ausführlich rollt Herold die Entwicklung der RAF beginnend mit der Befreiung Baaders im April 1971 bis zum Tod Ulrike Meinhofs im Mai 1976 auf.

[...]


[1] Ermisch, Günter/ u.a.: Personalbibliographie Dr. Horst Herold. Wiesbaden 1981 (BKA-Bibliographienreihe, Bd.3), S. XIX.

[2] Ebd.

[3] BKA (Hrsg.): Festschrift für Horst Herold zum 75. Geburtstag. Das Bundeskriminalamt am Ausgang des 20. Jahrhunderts. Wiesbaden 1998, S.15.

[4] Schenk, Dieter: Der Chef. Horst Herold und das BKA. München 2000, S.24.

[5] Kriminologische Gesellschaft. URL: http://www.krimg.de/drupal/node/5 (Aufruf am 05.03.2012).

[6] Schraut, Sylvia: Terrorismus und Geschichtswissenschaft. In: Spencer, Alexander/ u.a.: Terrorismusforschung in Deutschland. Wiesbaden 2011.

[7] Schraut: Terrorismus, S. 117

[8] Schraut: Terrorismus, S. 101 - 103

[9] Aust, Stefan: Der Baader-Meinhof-Komplex. München 92008.

[10] Ebd., S.5-7.

[11] Hauser, Dorothea: Baader und Herold. Beschreibung eines Kampfes. Berlin 1997.

[12] Dietl, Wilhelm: Die BKA Story. München 2004.

[13] Schenk: Der Chef, S.2

[14] Kraushaar, Wolfgang/ Reemtsma, Jan Philipp: „Die entscheidende Triebkraft besteht in einem unbändigen, alles ausfüllenden Hass“. Interview mit dem ehemaligen Präsidenten des Bundeskriminalsamtes Dr. Horst Herold. In: Kraushaar, Wolfgang (Hrsg.): Die RAF und der linke Terrorismus. Hamburg 2006, S. 1370-1391.

[15] Abgedruckt in: Die Polizei 67 (1976), S.401-405 mit demselben Titel.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung Horst Herolds für die Bekämpfung der RAF
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Seminar: "Und natürlich darf geschossen werden." Zur Geschichte des RAF-Terrorismus in der Bundesrepublik Deutschland
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V278860
ISBN (eBook)
9783656715993
ISBN (Buch)
9783656716129
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten. Sprache: 3/3 Punkten Äußere Form: 3/3 Punkten Aufbau: 2/3 Punkten. Literaturbesprechung müsste in die Einleitung. Wissenschaftliche Erschließung: 2/3 Punkten. Fragestellung hätte etwas engagierter ausfallen können. Eigenständigkeit: 2/3 Punkten. Sehr eigenständige Themenwahl, die im Rahmen der Hausarbeit umgesetzt wurde. Stil-, Ausdruck und Orthographieanmerkungen des Dozenten umgesetzt.
Schlagworte
RAF, BRD, Deutschland, Horst Herold, Herold, BKA, Baader, Meinhof, Terrorismus, Rote Armee Fraktion, Bedeutung, Bekämpfung
Arbeit zitieren
Nicolai Zimmermann (Autor), 2012, Die Bedeutung Horst Herolds für die Bekämpfung der RAF, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278860

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