Aufbau, Funktion und Energieeffizienz von Block-Heizkraftwerk-Anlagen (BHKW)


Akademische Arbeit, 2005

30 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Block-Heizkraftwerk-Anlage (BHKW)
2.1 BHKW-Arten
2.1.1 Klein-BHKW
2.1.2 Kompakt-BHKW
2.1.3 Groß-BHKW
2.2 Aufbau, Funktionsweise und technische Überlegungen zur Auswahl von BHKW
2.2.1 Brennstoffe
2.2.2 Motorische Antriebe
2.2.3 Wärmeauskopplung
2.2.4 Generator
2.2.5 Spitzenkessel
2.2.6 Pufferspeicher
2.2.7 Wärme- oder stromorientierte Auslegung
2.2.8 Laufzeit und Lebensdauer
2.2.9 Mehrmodultechnik
2.3 Energieeinsatz und Emissionen
2.3.1 Energieeinsparung, Brennstoffwahl und Schadstoffemissionen
2.3.2 Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) und TA Luft
2.3.3 Lärmemissionen
2.3.4 TA Lärm
2.4 Weitere Kraft-Wärme-Kopplungs-Technologien
2.4.1 Dampfturbinen-Heizkraftwerk (DT)
2.4.2 Gasturbinen-Heizkraftwerk (GT)
2.4.3 Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk (GuD)
2.4.4 Brennstoffzelle
2.4.5 Stirlingmotor

3 Schlusswort

4 Verzeichnisse
4.1 Abbildungsverzeichnis
4.2 Tabellenverzeichnis
4.3 Abkürzungen
4.4 Formelzeichen
4.5 Einheiten

5 Literatur- und Internetquellen

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der technischen Auslegung und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von Block-Heizkraftwerk-Anlagen (BHKW).

In der Bundesrepublik Deutschland stehen ungefähr 2.200 Krankenhäuser mit ca. 547.000 Betten zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung zur Verfügung. Die Gesamtkosten für diese Kliniken betrugen im Jahr 2002 rund 60 Mrd.€. Es fallen insgesamt im Krankenhausbereich jährlich rund 1,3 Mrd.€ Wasser-, Strom- und Brennstoffkosten an, die in den Gesamtkosten enthalten sind. Das bedeutet, die Wasser- und Energiekosten liegen pro Jahr durchschnittlich bei rund 0,6 Mio.€ je Krankenhaus1. Aufgrund von Sparmaßnahmen der Krankenkassen und durch die Gesundheitsreform wurden in deutschen Krankenhäusern von 1991 bis 52003 mehr als 123.000 Betten von ursprünglich 665.565 Betten gestrichen (Abbildung 1)2, was die Pro‑Bett-Kosten immer weiter ansteigen lässt.

Abbildung 1: Bettenanzahl aller deutscher Krankenhäuser

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die steigenden Pro-Bett-Kosten, der Anstieg der allgemeinen Betriebskosten im medizinischen Bereich und der wachsende Kostendruck im Gesundheitswesen zwingen Krankenhausverwaltungen heute und in Zukunft zur Ausnutzung aller Möglichkeiten der Kostensenkung, auch im Bereich der Energieversorgung. Dabei existieren in vielen Krankenhäusern noch veraltete und sanierungsbedürftige Kesselanlagen, die durch wirtschaftliche und energieoptimierte Aggregate substituiert werden könnten. In diesem Zusammenhang stellt die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ein wirkungsvolles Element der energetischen Optimierung dar. Kraft-Wärme-Kopplung bedeutet die gleichzeitige Umwandlung von eingesetzter Energie in mechanische oder elektrische Energie und Nutzwärme in einem gekoppelten Prozess. Insbesondere Block-Heizkraftwerk-Anlagen (BHKW) gelten dabei als eine höchst effiziente und ausgereifte KWK-Technik. Krankenhäuser sind Energieganzjahresverbraucher und bieten sich aufgrund ihres relativ hohen und konstanten Wärme- und Strombedarfs für den Einsatz eines BHKW sehr an.

Extreme Wetterphänomene sorgen seit einigen Jahren in immer kürzeren Abständen für Schlagzeilen und lassen die Themen Klimaschutz und Ressourcenschonung stärker in den Mittelpunkt der allgemeinen und energiepolitischen Diskussion rücken. Waren es 1998 katastrophale Überschwemmungen in China und verheerende Wirbelstürme in Mittelamerika, so ist seit dem Ende des vergangenen Jahres das Phänomen der Tsunami nahezu jedem ein Begriff und gerade während der Fertigstellung der vorliegenden Arbeit verwüsteten zwei Hurricanes in bisher nicht erfahrenem Ausmaß Teile der Südstaaten der USA. Längst stellt sich unter seriösen Wissenschaftlern nicht mehr die Frage, ob sich das Klima durch den Menschen verändert, sondern sie diskutieren nur noch über Geschwindigkeit und Ausmaß der antrophogenen Einwirkungen. Fakt ist, dass sich in den letzten 100 Jahren im Zuge der industriellen Revolution, der Ausstoß an Treibhausgasen durch die Verbrennung fossiler Energieträger verzwanzigfacht hat. Die weltweiten CO2‑Emissionen haben 2004 einen neuen Rekordwert von 27,5 Mrd. Tonnen3 erreicht und sind seit Beginn der Industrialisierung um rund 30% gestiegen4.

Auch aufgrund dieser klimatechnischen Probleme gewinnen innovative und effiziente Energieumwandlungstechniken für die Energiewirtschaft ständig an Bedeutung. Durch den Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen wird der Schadstoffausstoß gegenüber der getrennten Erzeugung von Strom und Wärme erheblich reduziert. Dies gilt um so mehr, wenn emissionsarme Energieträger, wie Erdgas, verwendet werden. Mit Blick auf die latenten Klimaveränderungen durch das Treibhausgas CO2 ist ein weiteres Ziel dieser Diplomarbeit, die mögliche Reduzierung der CO2-Emissionen durch den Einsatz des ausgelegten BHKW zu ermitteln.

2 Block-Heizkraftwerk-Anlage (BHKW)

Üblicherweise wird Energie zentral durch Großkraftwerke in Strom umgewandelt und die Abnehmer werden über Hochspannungsleitungen versorgt. Der Verbraucher erzeugt vor Ort selbst Wärme z.B. durch erdgas- oder heizölbetriebene Kessel. Statt dieser nichtgekoppelten Strom- und Wärmeerzeugung ist es doch naheliegender kleinere KWK-Anlagen dezentral zu bauen, also in der Nähe der Verbraucher. Gleichzeitig kann ihre Größe an die Abnahmekapazität der Wärme- bzw. Stromverbraucher angepasst werden. Hier kommen die sog. Block-Heizkraftwerk-Anlagen, abgekürzt und im Weiteren BHKW genannt, zum Zuge. Sie spielen in der KWK-Technik die heute wohl wichtigste Rolle. BHKW sind kompakte, anschlussfertige Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. Merkmale der BHKW sind zusammenfassend,

- dass sie Strom produzieren, welcher den Strom aus Kraftwerken vollwertig ersetzen kann,
- dass sie gleichzeitig Wärme liefern, die sonst von Heizungsanlagen bereitgestellt werden müsste und
- dass sie dezentral, also unmittelbar bei den Verbrauchern eingesetzt werden können.

Ursprünglicher Zweck dieser dezentralen HKW war die Versorgung eines Wohnblocks oder eines Fabrikblocks mit Energie. Diese Verwendung war namensgebend und umschreibt auch heute noch den typischen Anwendungsbereich der BHKW5. Die Energieverluste lassen sich mit dieser KWK-Variante auf ein sehr effizientes Maß von ca. 10% verringern, entsprechend einem Nutzungsgrad von ca. 90%.

Abbildung 9: Dezentrale Strom- und Wärmeerzeugung mit BHKW 6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kritiker könnten behaupten Wirkungsgrade von 90% und mehr erreiche man heute mit modernen Heizkesseln ebenfalls, in der Variante als Brennwertkessel* erreiche man sogar über 100%. Wozu dann ein BHKW?

Diese Argumentation berücksichtigt allerdings nicht, dass der in Heizkesseln verfeuerte Brennstoff für die Stromerzeugung endgültig verloren ist. Das ist bei einem BHKW nicht der Fall. Thermodynamisch ausgedrückt heißt das, dass die Wiedergewinnung des Anfangzustandes über die gleiche Zustandslinie wie die der Expansion erfolgt. Das Potential des Brennstoffes mechanische Arbeit zu verrichten, wird somit ohne Nutzen vernichtet. Die Nutzarbeit ist somit gleich null7. Abbildung 10 zeigt diesen Zusammenhang anhand des pV-Diagramms.

Abbildung 10: Kreisprozess ohne Nutzarbeit 8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1 BHKW-Arten

BHKW werden bezogen auf ihre Größe und Leistungsbereiche in Klein-, Kompakt- und Groß-BHKW kategorisiert. Nachfolgend werden diese Kategorien näher erläutert.

2.1.1 Klein-BHKW

Klein-BHKW, auch als Mini-BHKW bezeichnet, liegen im elektrischen Leistungsbereich von ca. 5 bis 30kW. Die Baugröße reicht von der einer größeren Waschmaschine bis hin zu der eines 500kW‑Heizkessels. Klein-BHKW eignen sich für kleine Mehrfamilienhäuser ab 8 bis 10 Wohneinheiten, kleine Krankenhäuser mit ca. 25 bis 30 Betten oder vergleichbare Nutzungen9. Solche Klein-BHKW können in der Regel einfach als Ergänzung eines Heizkessels im gleichen Heizraum aufgestellt und angeschlossen werden. Das Abgas kann im separaten Abgasrohr, aber auch zusammen mit dem Rauchgas vom Heizkessel abgeführt werden. Die Ausrüstung der Klein-BHKW wird meistens schon komplett angeboten und umfasst auch die erforderliche Regel- und Steuertechnik für die Verbindung zur Heizungsanlage.

2.1.2 Kompakt-BHKW

Die Kompakt-BHKW liegen im elektrischen Leistungsbereich von 30 bis ca. 400kW. Der Name bezieht sich auf die meistens vollständige Ausstattung der Module in kompakter Bauform, einschließlich Schalldämmhaube und Steuerung. Kompakt-BHKW sind meistens einbaufertig konfektioniert und erlauben eine schnelle Montage vor Ort. Die Baugrößen sind so gewählt, dass sie in der Regel noch in die Heizzentralen der Liegenschaften passen, die von Seiten des Energiebedarfs für solche Maschinen in Frage kommen. Diese Leistungsklasse ist geeignet für eine große Zahl wohnungsähnlicher Liegenschaften wie Altenheime oder Kliniken, aber auch für größere Objekte wie Schwimmbäder oder größere Bürogebäude10.

2.1.3 Groß-BHKW

Als Groß-BHKW gelten Anlagen mit einer elektrischen Modul-Leistung von ca. 400 bis zu 20MW und mehr. Oft werden diese Anlagen aus Schiffsmotoren entwickelt und gelten daher als besonders zuverlässig und langlebig . Hieraus lässt sich auch die Größe der Module und der entsprechende Platzbedarf ableiten. In Entwicklungsländern bilden sie oft wichtige Teile der öffentlichen Stromversorgung. In der Regel kommen sie hier zu Lande für größere Heizzentralen und bei Sonderanlagen mit speziellen Anforderungen in Frage. Bei Bedarf kann ein Teil der auszukoppelnden Wärme zur Dampferzeugung genutzt werden. Vielfach sind für solche Anlagen eigene Aufstellungsräume und Abgasanlagen zu schaffen. Groß-BHKW konkurrieren im Leistungsbereich ab ca. 1MW mit Gasturbinen.11.

2.2 Aufbau, Funktionsweise und technische Überlegungen zur Auswahl von BHKW

Grundsätzlich funktioniert ein BHKW wie folgt: Ein Verbrennungsmotor treibt einen Generator an und stellt dem Verbraucher dadurch elektrischen Strom zur Verfügung oder der elektrischer Strom wird in ein Stromnetz eingespeist. Gegebenfalls kann der Motor auch direkt eine Maschine oder einen Verdichter (z. B. bei der Drucklufterzeugung) antreiben. Die Abwärme, welche im Motorblock anfällt (Kühlwasser, Öl), wird über einen Wärmetauscher zur Heizwassererwärmung verwendet. Die im Abgas enthaltene Wärmeenergie wird gegebenenfalls zur Dampferzeugung (Prozesswärme) und/oder mittels Wärmetauscher zur Brauchwassererwärmung ausgenutzt. Der Aufbau eines BHKW ist in Abbildung 11 schematisch dargestellt.

Abbildung 11: Schema eines BHKW (2-Modul-Ausführung) 12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein BHKW besteht im Kern aus einer oder mehreren Motor-Generator-Modulen, von denen Wärme und Strom immer gleichzeitig produziert werden. Hinzu kommt in der Regel eine Spitzenlast-Kesselanlage, die Anbindung an ein Stromnetz und gegebenenfalls die Einrichtung eines Pufferspeichers. Dieser dient als Wärmepuffer zwischen dem Zeitpunkt der Erzeugung und der Nutzung der Wärme. Verschiedene Wärmetauscher koppeln die Nutzwärme aus dem System aus. Weiterhin gehören zur Infrastruktur eines BHKW diverse elektrische Schalt- und Steuereinrichtungen zur Stromverteilung bzw. zum Kraftmaschinenmanagement sowie hydraulische Einrichtungen zur Wärmeverteilung, wie Pumpen, Ventile etc.13.

Nachfolgend werden einige wichtige technische Details beim Aufbau erörtert, sowie auf technische Überlegungen, die bei der Auswahl eines BHKW entscheidend sind, näher eingegangen.

2.2.1 Brennstoffe

In BHKW werden überwiegend gasförmige Brennstoffe, in erster Linie Erdgas, eingesetzt. Eine weitaus geringere Anzahl wird mit flüssigen Kraftstoffen betrieben. Aufgrund von Vorteilen, wie den geringen Verbrennungsemissionen und dem gut ausgebauten Verteilungsnetz, ist Erdgas der am häufigsten verwendete Brennstoff. Die Abgase sind heute nahezu schwefel-, ruß- und geruchsfrei. Des Weiteren sind die Lärmemissionen bei erdgasbetriebenen Motoren nur halb so groß wie die eines vergleichbaren Dieselmotors. Ist kein Erdgasanschluss vorhanden, kann je nach Motortyp auch auf Diesel bzw. leichtes Heizöl oder Flüssiggase wie Propan oder Butan zurückgegriffen werden. Es müssen dann allerdings Maßnahmen für die Brennstofflagerung und weiterer Platzbedarf eingerechnet werden, was sich nachteilig auf die Wirtschaftlichkeit der Anlage auswirkt. Als Brenngase werden auch Deponie-, Bio-, Klär- und andere Schwachgase verwendet. Diese spielen allerdings in der BHKW-Technik eine untergeordnete Rolle, da sie nur bei bestimmten Prozessen anfallen und für gewöhnlich nur unmittelbar am Entstehungsort nutzbar sind14.

2.2.2 Motorische Antriebe

BHKW-Antriebsmotoren sind umgebaute oder für den Dauerbetrieb modifizierte Serienbauarten aus der PKW-, LWK- oder Schiffsmotorenproduktion. Es sind üblicherweise Langsamläufer mit Drehzahlen von 1.500U/min. Groß-BHKW über 3MW haben oft weit geringere Drehzahlen. Bei den Hubkolbenverbrennungsmotoren unterscheidet man

- Gasottomotoren (auch Gasmotoren genannt)
- Dieselmotoren und
- Dieselgasmotoren (auch Zündstrahlaggregate genannt)

Da Erdgas der häufigste BHKW-Brennstoff ist, sind Gasmotoren überwiegend verbreitet. Das Gasotto- und Dieselmotor-Prinzip soll folgend kurz erläutert werden. Gasottomotoren saugen das Gas‑/Luftgemisch an und verdichten es. Die Zündung des Gasgemisches erfolgt durch Funkenbildung durch Zündkerzen. Beim Dieselmotor wird der Brennstoff direkt in die vom Kolben komprimierte Luft des Brennraums eingespritzt. Aufgrund der hohen Temperaturen der Glühkerzen entzündet sich der Brennstoff15. Durch die anschließende Expansion im Brennraum erfolgt die Hubbewegung der Kolben. Beim Betrieb unter Nennlast haben Dieselmotoren im Durchschnitt heute etwas höhere mechanische und damit auch höhere elektrische Wirkungsgrade als Gasottomotoren. In der ASUE (Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e.V.)-Veröffentlichung „BHKW-Kennzahlen 1997“ , fiel die elektrische Wirkungsgraddifferenz noch größer zum Vorteil der Dieselmotoren aus. Da in der Vergangenheit die Hersteller die Effektivität von Gasmotoren immer weiter verbesserten, können diese mittlerweile mit den Wirkungsgraden von Dieselmotoren ohne Weiteres konkurrieren. Tabelle 1 zeigt eine Gegenüberstellung der Wirkungsgrade von Gasotto- und Dieselmotoren auf Grundlage der aktuellen ASUE-Veröffentlichung „BHKW-Kennzahlen 2005“.

Tabelle 1: Gegenüberstellung der Wirkungsgrade von Gasotto- bzw. Dieselmotoren 16

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Leistung von Gasmotoren kann immerhin bis etwa 60% der Nennlast ohne nennenswerte Wirkungsgradeinbuße abgesenkt werden. Unter 50% Teillast fallen die Wirkungsgrade aber ab. Deshalb wird der Teillastbetrieb häufig nach unten begrenzt und im allgemeinen erst bei größeren BHKW (etwa ab 100kWel) angewandt.

Der Dieselgasmotor kann ähnlich hohe elektrische Wirkungsgrade erreichen wie der Dieselmotor. Er benötigt aber für den Betrieb ständig zwei Kraftstoffe, nämlich Gas als Wärmeträger und eine kleine Menge Zündöl (Diesel bzw. Heizöl), das in das hoch verdichtete Gas-Luftgemisch eingespritzt wird und dieses zündet. Der Zündölanteil beträgt 5 bis 10% der bei Nennleistung benötigten Brennstoffmenge und kann wahlweise ohne Unterbrechung stufenlos bis auf 100% Dieselanteil umgeschaltet werden. Diese Motoren eignen sich für spezielle Anwendungen ( u.a. Biogasanlagen), spielen aber bei den häufigsten BHKW-Anwendungen eine untergeordnete Rolle17.

2.2.3 Wärmeauskopplung

Verbrennungsmotoren geben Wärme schwerpunktmäßig an drei Stellen ab: durch

- das Kühlwasser
- das umlaufende Schmieröl
- die Abgaswärme

Gegebenenfalls kann die Wärme am Ladeluft- bzw. Gemischkühler genutzt werden. Hinzu kommt noch die Wärmeabgabe über den heißen Motorblock, die Ölwanne usw. Da die Nutzung der letztgenannten schlecht umzusetzen ist, beschränkt man sich beim BHKW auf die drei oben genannten Wärmequellen und versucht die Abstrahlung durch das Gehäuse möglichst gering zu halten. Die Kühlwasser- und Schmieröltemperaturen liegen bei etwa 80 bis 90°C und die Abgastemperaturen im Bereich von 400 bis 600°C. Die Auslegung der Wärmetauscher orientiert sich an den üblichen Temperaturverhältnissen in Heizungsanlagen von 90°C im Vorlauf und 70°C im Rücklauf. Das umlaufende Wasser wird zunächst im Kühlwasserwärmetauscher auf etwa 80°C vorgewärmt und im nachgeschalteten Abgaswärmetauscher auf etwa 90°C Vorlauftemperatur angehoben. Hierdurch wird das Abgas bis auf etwa 120°C beim Gasottomotor bzw. auf etwa 180°C beim Dieselmotor abgekühlt. Das aufgeheizte Wasser durchläuft dann das Heizungssystem zur Wärmeabgabe des Versorgungsobjektes und wird gegebenenfalls für die Warmwasseraufbereitung einem zusätzlichen Wärmetauscher zugeführt. Dampf oder Heißwasser über 90°C für Prozesszwecke lassen sich mit der Abgaswärme ebenfalls erzeugen. Allerdings wird dann für das niedertemperierte Kühlwasser ein separater Kreislauf erforderlich um eine ausreichende Kühlung des Kolbenmotors sicherzustellen (Rücklauftemperatur <70°C). Bei sogenannten heißgekühlten Motoren erreicht man Kühlwassertemperaturen bis zu 130°C, die für die Dampferzeugung genutzt werden können18.

2.2.4 Generator

Am häufigsten werden BHKW niederspannungsseitig an das 400V~Netz angeschlossen. Die Stromerzeugung erfolgt je nach Größenordnung bzw. Anwendung des BHKW-Moduls durch Asynchron- und Synchrongeneratoren. In der üblichen Betriebsweise, dem Netzparallelbetrieb, laufen überwiegend Asynchrongeneratoren. Diese sind robust, preiswert und benötigen keine Regeleinrichtungen, da das Netz des Energieversorgungsunternehmens (EVU) Spannung sowie Frequenz vorgibt und den zur Erregung notwendigen Magnetisierungsstrom (Blindstrom) liefert. Werden Asynchrongeneratoren im Stillstand ans Netz geschaltet, funktionieren sie als Elektromotor und können quasi als Anlasser das BHKW starten. Diesen Startvorgang nennt man Generatorstart19.

Synchrongeneratoren werden mit einer Drehzahl- und Feldregelung sowie mit einer automatischen Synchronisierungseinrichtung gebaut. Sie können daher auch ohne Verbindung zum Netz des EVU betrieben werden (Inselbetrieb) und ermöglichen neben der üblichen Betriebsweise (parallel zum Netz) auch den Notstrombetrieb. Bedingt durch den technischen Aufbau von Synchrongeneratoren sind diese in der Lage, Blindstrom in das Netz zu liefern. Dadurch können im Gegensatz zu Asynchrongeneratoren unter Umständen Kosten für eine Blindstrom-Kompensationseinrichtung eingespart werden20. Die Generatoren werden in luft- oder wassergekühlter Ausführung eingebaut. Die häufiger anzutreffende wassergekühlte Bauart erzielt eine von ihrer Größe abhängige elektrische und thermische Mehrleistung. Dies beträgt beispielsweise bei einem 50kWel- Modul etwa 2kWel und 5kWth. Dadurch verbessert sich der BHKW-Gesamtwirkungsgrad um ein bis zwei Prozent21. Die Mehrinvestitionen für den wassergekühlten Generator amortisieren sich bereits nach wenigen Jahren. Außerdem senkt die Wasserkühlung den Kühlluftbedarf des Moduls. Die Generatoren werden wie andere elektrische Maschinen durch übliche Schalteinrichtungen gegen Überlast und Kurzschluss geschützt. Die elektrische Netzanbindung kann bis zu einer installierten BHKW-Leistung von maximal 1.000kWel direkt an das vorhandene Niederspannungsnetz erfolgen22.

[...]


* Brennwertkessel sind in der Lage, den Abgasen über einen zweiten Wärmetauscher einen großen Teil ihrer Wärme zu entziehen und für den Heizkreislauf nutzbar zu machen. Dabei wird auch der Wasserdampf, der als Verbrennungsprodukt in den Abgasen enthalten ist, so weit abgekühlt, dass er kondensiert und dabei zusätzliche Wärme (die sog. Kondensationwärme) freisetzt. Je niedriger die Rücklauftemperaturen der Heizung sind, desto mehr Abgaswärme wird genutzt. Deshalb erreichen Brennwertkessel ihren höchsten Wirkungsgrad mit niedrigen Vor- und Rücklauftemperaturen. Bezogen auf den Heizwert liegen ihre Wirkungsgrade zwischen 105 und 110% (bei Erdgas).

1 Fachserie 12 / Reihe 6.3 „Kostennachweis der Krankenhäuser 2002“; Statistisches Bundesamt Wiesbaden; S.13 und S.18; 11.01.2005

2 http://www.destatis.de/basis/d/gesu/gesutab29.php; Statistisches Bundesamt Wiesbaden; 21.06.2005

3 http://derstandard.at/?url=/?id=2190379; 23.08.2005

4 Die Zukunft der Wärmeversorgung; Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW); S.3; November 1999

5 Blockheizkraftwerke – Ein Leitfaden für den Anwender; Horst Meixner, Rudolf Stein; S.24-25; 2002

6 http://www.bhkw-info.de/einfuehrung/bhkw_kwk.html; 04.06.2005

7 Angewandte Naturwissenschaften, Verbundstudium FH Süd-Westfalen, Lerneinheit 7; Prof. Dr. Klaus Peter Dielmann; S.8; 1997

8 Angewandte Naturwissenschaften, Verbundstudium FH Süd-Westfalen, Lerneinheit 7; Prof. Dr. Klaus Peter Dielmann; S.9; 1997

9 BHKW-Fibel; Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg; S.21 und 31; 2004

10 Blockheizkraftwerke – Ein Leitfaden für den Anwender; Horst Meixner, Rudolf Stein; S.27; 2002

11 Blockheizkraftwerke – Ein Leitfaden für den Anwender; Horst Meixner, Rudolf Stein; S.27 und 28; 2002

12 Erdgas-Blockheizkraftwerk Loganova BHKW Modul mit 43 bis 120kWel; BBT Thermotechnik Buderus Deutschland; S.5; April 2000

13 BHKW-Handbuch; VDI-Gesellschaft Energietechnik; S. 18; 1998

14 Aufbau und Einsatz von anschlussfertigen BHKW-Kompaktmodulen bis 250kW; Harald Klausmann; S.12-17; 2000

15 BHKW-Handbuch; VDI-Gesellschaft Energietechnik; S.18; 1998

16 BHKW-Kenndaten 2005; Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e.V. (ASUE); S.32-35 und S.42; Mai 2005

17 Blockheizkraftwerke – Ein Leitfaden für den Anwender; Horst Meixner, Rudolf Stein; S.47; 2002

18 Aufbau und Einsatz von anschlussfertigen BHKW-Kompaktmodulen bis 250kW; Harald Klausmann; S.79ff; 2000

19 Blockheizkraftwerke – Ein Leitfaden für den Anwender; Horst Meixner, Rudolf Stein; S.49; 2002

20 BHKW-Grundlagen; Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e.V. (ASUE); S.12; 1999

21 Brennstoff, Wärme, Kraft (BWK); U. Böttcher, W.Möhring-Hüser; S.43; 1997

22 Blockheizkraftwerke – Ein Leitfaden für den Anwender; Horst Meixner, Rudolf Stein; S.50; 2002

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Aufbau, Funktion und Energieeffizienz von Block-Heizkraftwerk-Anlagen (BHKW)
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
30
Katalognummer
V278864
ISBN (eBook)
9783656714620
Dateigröße
819 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Block-Heizkraftwerk-Anlagen, BHKW, Aufbau, Funktion, Energieeffizienz, Einsatz, Krankenhäuser
Arbeit zitieren
Dipl.-Wirtschaftsingenieur Martin Weiss (Autor), 2005, Aufbau, Funktion und Energieeffizienz von Block-Heizkraftwerk-Anlagen (BHKW), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278864

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