"Der Sturm auf dem See". Exegetische Arbeit zu Mt 8,8-27


Bachelorarbeit, 2011
22 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Vorwort

II. liederung uText – Mt 8, 18-27
a. Abgrenzung
b. Übersetzung
c. Gnd Strukturanalyse

III. Analyse und Auslegung des Textes

IV. Hauptergebnisse

V. Wirkungsgeschichte

VI. Literaturverzeichnis

I. Vorwort

Diese Bachelorarbeit verfasse ich im Rahmen des exegetischen NT-Seminares „Wundererzählungen“, welches von Prof. Dr. Martin Hasitschka und Frau Dr. Mira Stare angeleitet und durchgeführt wurde.

Das Titelbild welches ich für die Arbeit gewählt habe, stammt von dem niederländischen Maler Rembrandt und trägt den Titel (Christus im Sturm auf dem See Genezareth).

Das Bild entstand 1633 und wurde von Rembrandt in Öl auf Leinwand angefertigt.

Es zählt zu einem der eindruckvollsten Gemälde der Kunstgeschichte und hat mich sofort angesprochen. Der Künstler bringt in diesem Gemälde die Dramatik des Geschehens meisterhaft und sehr authentisch zum Ausdruck.

Die Arbeit beginnt mit der Vorstellung der Perikope Mt 8,18-27, die Erzählung des Seesturmes. Im zweiten Kapitel wird die Abgrenzung des Textes vom Kontext erläutert, worauf die Gegenüberstellung von zwei Übersetzungen (Elberfelder/Luther) folgt. Der Text wird dann auf seine Gliederung und Struktur hin analysiert. Den Hauptteil der verfassten Arbeit bildet die Analyse und Auslegung des Textes. Es folgen Hauptergebnisse und ein Blick in die Wirkungsgeschichte der Perikope.

Für diese Arbeit habe ich als Basisliteratur vorwiegend die Kommentare von Joachim Gnilka, Ulrich Lutz sowie Massimo Grilli und Cordula Langner verwendet.

II. Text – Mt 8,18-27

a. Abgrenzung und Kontext

Zur Frage der Abgrenzung, nimmt Joachim Gnilka im 1. Teil seiner theologischen Kommentare zum Matthäusevangelium folgenden Standpunkt ein:

„Die Seesturm-Geschichte schließt bei Mt an zwei Nachfolgeszenen an. Wenn gleich im ersten Satz von Nachfolge seiner Jünger die Rede ist (V. 23), ist eine Tendenz angezeigt, auf die zu achten sein wird. Formal haben wir es mit einer Wundergeschichte zu tun, einem Rettungswunder, für die es in den Evangelien nicht viele Beispiele gibt. Sie ist bestimmt vom Gegensatz großes Beben (24) – große Stille (26). Im Mittelpunkt steht das ‚Gespräch’ zwischen den Jüngern und Jesus, dem gegenüber die Schilderungen des Wunders, fast in den Hintergrund treten. Die schon von Mk begonnene Umprägung der Perikope von einer Wunder zu einer Jüngererzählung wird hier von Mt konsequent fortgesetzt.“[1]

Die Geschichte der Sturmstillung steht unmissverständlich in einer Einheit mit der vorhergehenden Erzählung durch die Stichworte „weggehen“ (V. 18f.21), nachfolgen (V. 19.22f) und Jünger (V. 21.23) und es kann deshalb nicht von einer klaren Abgrenzung von VV. 23-27 gesprochen werden, obwohl Jesus seine Lehrtätigkeit unterbricht um in das Boot zu steigen.[2]

Aus dieser Sicht ergibt sich ein Bogen von (Mt 8,18-9,1) und der Text wird durch eine geographische Klammer zusammengehalten. Jesus geht aus der Stadt Kafarnaum weg um an das andere Ufer des Sees zu gelangen. Er besteigt dafür das Boot um in Mt 9,1 wieder zurückzukehren.[3]

Der etwas weitere Blick über Mt 8,23-27 hinaus, umfasst zwei völlig unterschiedliche Perikopen, nämlich die zwei Nachfolgegeschichten Mt 8,18-22, als auch die erste von zwei Wundergeschichten (Mt 8,28-9,1) auf die wiederum eine Nachfolgegeschichte folgt (Mt 9,9-13). Eine deutliche Überlagerung von Wunder- und Nachfolgegeschichten wird innerhalb dieser geographischen Klammer für den Leser sichtbar,[4] bedenkt man, dass zwei weitere Heilungswunder der Sturmstillung vorausgehen (Mt 8,5-17), nämlich die Heilung des Knechtes eines römischen Hauptmannes und die Heilung der Schwiegermutter des Petrus.

b. Übersetzung/Revidierte ELB 1993 Übersetzung/Martin Luther Bibel 1545

18 Als aber Jesus eine Volksmenge um sich sah, befahl er, an das jenseitige Ufer wegzufahren.

19 Und ein Schriftgelehrter kam heran und sprach zu ihm: Lehrer, ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst. 20 Und Jesus spricht zu ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er das Haupt hinlege.

21 Ein anderer aber von seinen Jüngern sprach zu ihm: Herr, erlaube mir, vorher hinzugehen und meinen Vater zu begraben. 22 Jesus aber spricht zu ihm: Folge mir nach, und laß die Toten ihre Toten begraben!

23 Und als er in das Boot gestiegen war, folgten ihm seine Jünger.

24 Und siehe, es erhob sich ein heftiger Sturm auf dem See, so daß das Boot von den Wellen bedeckt wurde; er aber schlief. 25 Und sie traten hinzu, weckten ihn auf und sprachen: Herr, rette uns, wir kommen um!

26 Und er spricht zu ihnen: Was seid ihr furchtsam, Kleingläubige ? Dann stand er auf und bedrohte die Winde und den See; und es entstand eine große Stille.

27 Die Menschen aber wunderten sich und sagten: Was für einer ist dieser, daß auch die Winde und der See ihm gehorchen ?[5]

18 Und da Jesus viel Volks um sich sah, hieß er hinüber jenseit des Meeres fahren.

19 Und es trat zu ihm ein Schriftgelehrter, der sprach zu ihm: Meister, ich will dir folgen, wo du hingehest. 20 Jesus sagte zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege.

21 Und ein anderer unter seinen Jüngern sprach zu ihm: Herr, erlaube mir, daß ich hingehe und zuvor meinen Vater begrabe. 22 Aber Jesus sprach zu ihm: Folge du mir und laß die Toten ihre Toten begraben!

23 Und er trat in das Schiff, und seine Jünger folgeten ihm.

24 Und siehe, da erhub sich ein groß Ungestüm im Meer, also daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. 25 Und die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben!

26 Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stund auf und bedräuete den Wind und das Meer; da ward es ganz stille.

27 Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist?[6]

Die oben angeführten Texte beziehen sich auf exakt die gleiche Perikope aus Mt 8,18-27, jedoch wird bei genauer Hinsicht dem Leser klar, dass sich die Übersetzungen nicht gleichen. Die Übersetzung nach der Elberfelder Bibel klingt für den Leser von heute sperrig, dies jedoch nur aus dem Grund des Bemühens der Autoren heraus, dem Urtext möglichst treu zu bleiben. Betrachtet man die Übersetzung Luthers, erscheinen manche Wörter befremdend aufgrund der alten Sprache. Letztendlich ging es den Übersetzern im Grunde darum, die Essenz des Urtextes möglichst nicht zu verfälschen und so ergeben sich feine Nuancierungen, welche das Ringen und Bemühen um eine authentische Wiedergabe der Urtexte spiegeln.

Unterscheidungsmerkmale der beiden Texte:

Gleich zu Beginn in V. 19 verwendet die Elberfelder Übersetzung die Anrede „Lehrer“, die Lutherübersetzung hingegen die Anrede „Meister“, bezüglich der Anrede des Schriftgelehrten gegenüber Jesus . Sowohl die Anrede „Lehrer“ als auch die Verwendung des Wortes „Meister“ vereinen in sich den Ausdruck einer gewissen Distanz des Schriftgelehrten zu Jesus. Es kommt also zu keiner großen Unterscheidung in der Verwendung dieser zwar verschiedenen Wörter, die im Kontext im Grunde das gleiche aussagen. Hätte man dort in einer der Übersetzungen das Wort „Herr“ verwendet, wäre nahe liegend gewesen, dass der Schriftgelehrte bereits zu den näheren Vertrauten Jesu gehörte.

In der Elberfelder Übersetzung (in der Folge ELB) finden wir das Wort „Boot“, das im heutigen Sprachgebrauch einem etwas kleineren Fortbewegungsmittel entspricht und uns nicht gleich an ein großes Schiff denken lässt. Die Luther Übersetzung hingegen verwendet das Wort „Schiff“. Ob Luther dies schon damals mit dem Kirchenschiff in Verbindung gebracht hat, ist rein spekulativ. Dennoch bietet doch das Schiff mehr Platz für eine größere Gemeinschaft als ein kleines Boot und vermag auch mehr Sicherheit zu geben, selbst wenn die Aussageabsicht des Textes im Grunde darin liegt, Sicherheit im Glauben an den Beistand des immer präsenten Christus zu gewinnen.

Die ELB verwendet in V. 24 das Wort „Sturm auf dem See“, die Luther Übersetzung hingegen davon, dass sich ein groß Ungestüm in den tiefen des Meeres erhebt und bringt damit zum Ausdruck, dass es sich wohl eher um ein Seebeben handelt, entsprechend des griechischen Urtextes, als um einen Sturm, welches letztendlich die Jünger in große Bedrängnis bringt. Erdbebentätigkeit als auch starke Stürme sind in dieser Gegend keine Seltenheit, da es am See Genesareth starke Fallwinde gibt, welche einen heftigen Seesturm bewirken können und die Region in einer Gegend vermehrter tektonischer Aktivität liegt.

In der Luther Version finden wir das Wort „Meer“ wobei die ELB Übersetzung das Wort „See“ verwendet. Luther bleibt in dieser Hinsicht der griechischen Übersetzung treu, vielleicht aber auch um dem Geschehen mehr Dramatik zu verleihen. Eine weitere Rolle bei dieser Wortwahl könnte auch die Rolle Jona´s spielen, der ebenfalls in einen heftigen Sturm kam und dann im Zuge der Handlung, dem Meer völlig ausgeliefert wurde, wie wir in Kapitel 1,15 feststellen. Im weiteren Verlauf des Textes ergeben sich keine nennenswerten Abweichungen die erwähnenswert sind.

a. Gliederung und Strukturanalyse

Im angeführten Schema ist beabsichtigt den Textaufbau bzw. dessen Gliederung zu veranschaulichen. Sechs mal verwendet der Autor das Wort „und“/kai. und leitet damit den jeweiligen Vers ein. In den Textpassagen von, Mt 8,18-27, dient das „und“/kai, in erster Hinsicht dazu, dem Text eine flüssigere Form zu geben. Hätte der Autor das Wort nicht verwendet, so erschienen die einzelnen Verse ohne Zusammenhang. Löst man die Passage aus ihrem Zusammenhang heraus, so entstehen sieben Teile, welche aufeinander aufbauend das Geschehen und dessen Dynamik entstehen lassen. Für den Leser entfaltet sich auf diese Weise ein dramatisches Bild der Lage, in welcher sich die Jünger befinden.

[...]


[1] Gnilka, Mt I, 316.

[2] Vgl. Luz Mt II, 21.

[3] Vgl. Luz, Mt II, 20.

[4] Vgl. Luz Mt II, 20.

[5] Übersetzung: Revidierte Elberfelder Bibel 1993

[6] Übersetzung: Martin Luther Bibel 1545

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
"Der Sturm auf dem See". Exegetische Arbeit zu Mt 8,8-27
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Bibel Historisches Institut)
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V278868
ISBN (eBook)
9783656715429
ISBN (Buch)
9783656715412
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Der Sturm auf dem See, Bachelorarbeit, Akademische Arbeit zu Mt 8
Arbeit zitieren
Karl Pfeifer (Autor), 2011, "Der Sturm auf dem See". Exegetische Arbeit zu Mt 8,8-27, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278868

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