Unterrichtsstörung. Stören Lehrer ihren eigenen Unterricht?


Hausarbeit, 2013
14 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unterrichtsstörung
2.1. Definition
2.2. Klassifikation

3. Sequenzanalytisches Verfahren

4. Analyse

5. Auswertung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

„Störungsfreier Unterricht ist eine didaktische Fiktion.“[1]

Dieser Satz ist die erste von vielen Thesen, die Gert Lohmann in seinem Werk „Mit Schülern klarkommen. Professioneller Umgang mit Unterrichtsstörungen und Disziplinarkonflikten“ zum Thema Unterrichtsstörung nennt. Dieses Zitat ist bezeichnend für die Allgegenwärtigkeit von Störungen und Konflikten in der Klasse und im Unterricht. Die totale Abwesenheit von Störungen ist zwar ein wünschenswerter, aber utopischer Zustand. Da es keinen störungsfreien Unterricht gibt, es aber immer unterrichtet wird, ist das Thema Unterrichtsstörung also immer aktuell und einer näheren Betrachtung wert.

Der vorliegende Text ist wie folgt gegliedert: Zunächst wird der Begriff Unterrichtsstörung definiert und klassifiziert. Im Anschluss wird ein ausgewähltes Unterrichtstranskript (im Anhang komplett einzusehen) mit den Methoden der Objektiven Hermeneutik analysiert. Dabei werden möglichst präzise die Momente oder Handlungen herausgefiltert, bei denen eine Unterrichtsstörung vorliegt oder die zu einer Störung führen. Als theoretische Grundlage dient die Klassifikation nach Seitz von 1991, wird aber zweckmäßig erweitert. Ziel ist es, den kombinierten vorgestellten theoretischen Ansatz von Unterrichtstörungen am Fallbeispiel zu überprüfen. Der letzte Teil widmet sich der Prävention und Vermeidung von Unterrichtsstörungen und nimmt direkten Bezug auf die im Transskript aufgefundenen und analysierten Störungen. Praktische Vermeidungsstrategien für jede Art und Klasse von Unterrichtsstörungen aufzulisten und zu erläutern würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

2. Unterrichtsstörung

Um mit dem Begriff der Unterrichtsstörung umgehen zu können ist zunächst eine Definition notwendig, aus der ersichtlich wird, wann eine Unterrichtsstörung vorliegt bzw. wann der Unterricht gestört ist. Außerdem ist es notwendig, dass Unterrichtsstörungen klassifiziert werden, denn, wie weiter unten geschildert wird, können Ursachen, Absichten und Akteure einer Störung unterschiedlich aufgestellt sein.

2.1. Definition

Erstmals zur Diskussion gebracht, klar definiert und theoretisch unterfüttert wurde der Begriff der Unterrichtsstörung 1976 neben anderen von Rainer Winkel.[2] Treffend definierte er Unterrichtsstörungen nicht bloß als eine Situation, in der der Unterricht gestört ist, sondern „wenn das Lehren und Lernen stockt, aufhört, pervertiert, unerträglich oder inhuman wird“[3]. Dabei hat er sich nicht darauf festgelegt, ob die Störung von den Schülern[4] ausgeht und lässt somit eine Störung durch den Lehrer selbst oder von außen (außerhalb des Unterrichtsgeschehens und außerhalb der Institution Schule) prinzipiell zu.

Nach Winkel sind Störungen als Mitteilungen von Schülern zu verstehen um:

- Aufmerksamkeit zu erregen,
- Mängel zu vertuschen,
- Überlegenheit zu gewinnen, („Machtspiele“ zwischen Schüler und Lehrer)
- Vergeltung oder Rache zu üben,
- Zuneigung und Liebe zu erhalten.[5]

Allerdings wird nach diesem Ansatz weder die Lehrperson als Ursache für eine Störung in Betracht gezogen, noch die Schule als Institution oder außerschulisches Geschehen. Oskar Seitz setzt mit einem eigenen, medizinisch bzw. naturwissenschaftlich geprägtem Model grundlegender an.[6] Orientiert an dem kausalen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung betrachtet er eine Störung als Wirkung auf inner- oder außerunterrichtliche Ursache. Dabei bezieht er auch die Lehrperson, das soziale Umfeld der Schüler und die Unterrichtsbedingungen mit ein.

Seitz unterscheidet fünf Ursachenbereiche für Unterrichtsstörungen:

- Der Schüler/ die Schülergruppe:

Persönlichkeitsmerkmale, physiologische Merkmale, kognitive Faktoren, Klassennormen etc.

- Die Lehrperson

Persönlichkeitsmerkmale, Erziehungsstile (pädagogische Kompetenz), kommunikative und didaktisches Vermögen etc.

- Milieuvariablen

Familiäre Bedingungen, Medienkonsum, Bildungsstand des sozialen Umfelds

- Institution Schule

Strukturelle Merkmale (Klassenstruktur, Aspekte der Zeit, Fachlehrer), Schulkultur, Lehrplan und Stofffülle, Stundenplan etc.

- Gesellschaftliche Entwicklung

Erziehungsnormen und –werte, Bedeutung von Leistung und Anstrengung, sozio-ökonomische Entwicklung etc.[7]

Die Ursachen treten nicht immer vereinzelt auf, so können sie auch in Kombination miteinander auftreten. Bestimmte Ursachen und Kombinationen führen notwendig zu störendem Verhalten. Wichtig bei der Aufstellung der Ursachenbereiche nach Seitz ist, dass auch der Lehrer Ursache einer Störung sein kann, genauso die außerschulische Faktoren.

2.2. Klassifikation

Die Störung selbst ist als Wirkung auf eine bestimmte Ursache zu verstehen. Seitz ordnete die häufigsten Unterrichtsstörungen, die auf der Schülerseite geäußert werden in fünf Problembereiche, die in Unterbereichen genauer definiert werden. Überblick verschafft die nachstehende Tabelle:[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ganz konkret werden bestimmte Verhaltensarten beschrieben und in Bereiche geordnet. Leider gibt sie zum einen aber keinen Aufschluss über die tatsächliche Anzahl an Störungen, sondern misst ihre Häufigkeit nur in Relation zueinander. Zum anderen wird hier nicht auf Störungen eingegangen, die von Seiten des Lehrers ausgehen oder die sich aus mangelnden Lehr- Lernbedingungen ergeben. Daher werden für die nachfolgende Analyse noch zwei Problembereiche angefügt. Diese wären:

PB 6: Lehrerzentrierte Störungen:

UB 1: Mangelnde Organisation (Zu-spät-kommen, keine/schlechte Vorbereitung)

UB 2: Mangelnde Professionalität (Verbale Entgleisung, unpädagogisches Handeln, sich in Diskussionen verwickeln lassen, auf Schülerstörungen eingehen)

UB 3: Persönliche Defizite (Merkmale, die UB 1 und UB2 verstärken, d.h. geringe Stresstoleranz, unzureichende Kommunikationsmöglichkeiten etc.)

PB 7: Außerunterrichtliche Störungen

UB 1: Unzureichende Lernsituation (mangelhafte Ausstattung der Schule, Störungen von außerhalb, auf die der Lehrer keinen Einfluss hat z.B. Baulärm)

UB 2: Störungen, die aus der Institution „Schule“ entstehen (Klassenstruktur, Lehrplan, Unterrichtszeiten etc.)

Die hinzugefügten Problembereiche mit ihren jeweiligen Unterbereichen stellen nur eine Art Provisorium dar. Für eine Analyse eines Unterrichtstranskript sind sie zunächst ausreichend, bedürfen jedoch einer präziseren Betrachtung und Ausarbeitung sowie einer empirischen Beobachtung.

[...]


[1] Gert, Lohmann: Mit Schülern klarkommen. Professioneller Umgang mit Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikten. Berlin10 2013, S. 14.

[2] Seitz, Oskar: Unterrichtsstörungen. In: Apel, Hans Jürgen/ Sacher, Werner (Hrsg.): Studienbuch Pädagogik. Bad Heilbrunn2 2005, S. 343.

[3] Winkel, Rainer: Der gestörte Unterricht. Diagnostische und therapeutische Möglichkeiten. Bochum 1983 (Kamps Pädagogische Taschenbücher, Bd.69), S.26.

[4] Aus Gründen der Lesebequemlichkeit wird nur die männliche Form verwendet, es sind aber immer ausdrücklich Schüler und Schülerinnen gemeint. Selbiges gilt für Lehrer und Lehrerinnen.

[5] Winkel, Rainer zitiert nach: Seitz: Unterrichtsstörungen. S. 343.

[6] Seitz: Unterrichtsstörungen, S. 350 f.

[7] Ebd., S.350 f.

[8] Ebd., S.345.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstörung. Stören Lehrer ihren eigenen Unterricht?
Hochschule
Johannes-Gutenberg-Gymnasium, Waldkirchen  (AG Schulpädagogik)
Veranstaltung
Unterricht beobachten, rekonstruieren, initiieren
Note
2,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V278870
ISBN (eBook)
9783656716624
ISBN (Buch)
9783656856788
Dateigröße
726 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterricht, Störung, Unterrichtsstörung, Analyse, objektive Hermeneutik, Unterrichtsbeobachtung
Arbeit zitieren
Nicolai Zimmermann (Autor), 2013, Unterrichtsstörung. Stören Lehrer ihren eigenen Unterricht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278870

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