Die missionarischen Kirchen in Lateinamerika, Afrika und Asien


Essay, 2011

13 Seiten, Note: Gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Den Begriff „Mission“ in seiner Widersprüchlichkeit und Originalität verstehen lernen

Hoffnungsvolle Signale kommen aus Afrika und führen uns zurück zu den Wurzeln unseres Glaubens

Kommt die Weisheit aus dem Osten?

Was für eine Botschaft hat die Weltkirche für uns/mich?

Einleitung

Im folgenden Beitrag geht es um einen Ausblick, der uns die Situation der Weltkirche besser erläutern soll. Die Einblicke, die wir gewinnen, zeigen uns, dass die Kirche in den letzten Jahrzehnten in Lateinamerika, Afrika und Asien in vielerlei Hinsicht bedeutende Veränderungen durchlebt hat, daran gewachsen ist und eine völlig neue Gestalt angenommen hat. Es geht in diesem Beitrag aber auch um ein besseres und tieferes Verständnis des Begriffes „Mission“. Der Autor reflektiert in diesem Beitrag sehr anschaulich über dieses Grundwort kirchlichen Lebens. Die verschiedenen Gesichter gelebter missionarischer Kirche werden deutlich hervorgehoben, zugleich kommt aber auch der Hinweis für uns, im Versuch der Nachahmung die Erfahrungen die diese Gemeinden gemacht haben, nicht zu überhöhen. Das geschilderte soll uns zu einer realistischen Einschätzung der Gemeindewirklichkeit der Kirchen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens verhelfen und uns dazu befähigen, möglichst viel daraus zu lernen. Die angeführten Beispiele geben ein hoffnungsvolles Zeichen für alle Christen und sie zeigen uns wie und wo die missionarische Sendung der Kirche lebt und an welchen Früchten wir sie erkennen können.

Den Begriff „Mission“ in seiner Widersprüchlichkeit und Originalität verstehen lernen

Wir beobachten, dass ein Grundwort kirchlichen Lebens, nämlich die „Mission“, eine Renaissance erlebt und neu an Bedeutung gewinnt. Mission war in den letzten Jahrzehnten bestenfalls ein Randthema theologischer Reflexion und kirchlicher Praxis.[1] Grundsätzlich ist die pilgernde Kirche ihrem Wesen nach missionarisch und ist als Gesandte zu verstehen. Der Auftrag, den der auferstandene Herr seinen Jüngern gibt (Mt28,18ff), bedeutet die universale Ingeltungsetzung seines Heilswerkes.[2] Es ist also unumgänglich auf die Mission zu verzichten. Am klarsten finden wir die Kirche in ihrem ursprünglichsten Sinn und Wesen, im missionarischen Geist der Urkirche. Mit großer Wahrscheinlichkeit war dies in den ersten 50 Jahren nach Christus am stärksten ausgeprägt und von diesem Geist lebt die Kirche noch Heute. Die Geschichte und die Theologie des Urchristentums kann man in diesem Fall gleichsetzen mit „Missionsgeschichte und Missionstheologie.[3]

Der missionarische Geist der frühen Kirche war so stark, dass sich die Lehre sprichwörtlich bis an die Enden der Erde ausbreiten konnte. Hier finden wir also die Arbeiter die den Weizen ausbringen, der dann reiche Frucht bringt und wenn wir Heute diesen missionarischen Auftrag nicht mehr wahrnehmen wollen oder gar leugnen, so gleicht das einer völligen Resignation und es würde dazu führen, dass wir uns als Christen aufgeben.

Die Geschichte lehrt uns, dass die Art und Weise wie der Mensch mit dem Missionsauftrag umgegangen ist, sehr oft in Gewalt und Unterdrückung mündete. Aus diesem Grund finden wir uns immer wieder in der Lage der Defensive gegenüber einer aufgeklärten Welt, die um die Gräuel der Missionsgeschichte weiß und begründet jeglicher Missionstätigkeit mit Vorbehalten begegnet. Diese Situation erfordert Umsicht und Klugheit im Umgang mit den Mitmenschen und ein vorsichtiges und differenziertes sprechen und handeln, in Bezug auf den Grundauftrag der Kirche, nämlich ihrem missionarischen Wesen zu entsprechen. Es bleibt zu hoffen, dass jeder mündige Christ die missionsgeschichtlichen Fakten in seinem Denken und Handeln berücksichtigt und somit der Kirche keinen weiteren Schaden zufügt. Es ist aber nicht nur die Missionsgeschichte allein, die den Begriff der „Mission“ belastet, denn zugleich hat das Wort „Mission“ auch im profanen Gebrauch Bedeutungsinhalte angenommen, die mit dem theologischen Sinn dieses Begriffes nichts mehr gemein haben. In den Nachrichten hören wir von militärischen und politischen Missionen und so wird der Begriff „Mission“ immer mehr instrumentalisiert.

Am Urverständnis der Mission in den Köpfen und Herzen der Menschen, wird also an mehreren Fronten gerüttelt. Es wird gewiss noch viel Zeit vergehen bis das Bild der missionierenden Kirche der Kolonialzeit aus den Köpfen verschwindet, trotz sehr großer Bemühungen und Entwicklungen eines erneuerten Missionsverständnisses seitens der Kirche.

Wie aber konkret diese Bemühungen und Entwicklungen aussehen, davon können nur einige wenige von uns berichten und erzählen. Das Gros der Menschheit weiß davon so gut wie gar nichts und nur wirklich interessierte kommen zu diesem Wissen, es sei denn sie sind Theologen die beruflich damit konfrontiert werden oder Missionare im tatsächlichen Einsatz. Wir tun also gut daran, wenn wir darüber reden, schreiben, Berichte erstellen und Radio und Fernsehsendungen darüber machen, wie Mission in der Welt von Heute gelebt wird!

Die folgenden Ausblicke die uns der Autor in diese Welt gibt, sind wirklich hoffnungsvolle Zeichen eines Neuaufbruchs und stehen exemplarisch dafür, wie christlich gelebte Solidarität aussieht und was sie bewirkt. Wir sehen anhand der Small Christian Communities aber auch sehr konkret das Bild der Gemeinschaft bzw. deren Struktur und Aufbau. Bei allem positiven aber was es zu berichten gibt, ist es trotzdem ratsam vor einer Idealisierung zu warnen, weil sich schlicht und ergreifend Missionserfahrungen nicht eins zu eins in unsere mitteleuropäische Kirchenwirklichkeit übertragen lassen.[4] Es soll hier aber auch nicht das Bild entstehen, dass es nur noch diese Entwicklungen gibt, denn wir erleben auch, dass die Kirchen des Südens mancherorts auf den alten Pfaden geblieben sind und so den missionarisch wirkenden Pfingstkirchen nicht mehr viel entgegenhalten können.

Jetzt aber wieder zurück zum missionarischen Geist der Kirche und damit zu den Wurzeln des Christentums. Eine dieser neuen Ausprägungen eines neuen Missionsverständnisses kommt aus Lateinamerika und spricht eine sehr deutliche Sprache.

Sie drückt sich aus im Einsatz für die Armen, in der „Option für die Armen“.

Inmitten von Militärdiktaturen und mühevollen Demokratisierungsprozessen ist es der Kirche in Lateinamerika gelungen „Ihre Mission“ als Kirche der Armen und Unterdrückten“ in diesen konfliktreichen Raum zu inkulturieren. Richtungweisend dafür waren aber auch die Signale die von außen kamen, wie z.B die Vision von einer „Kirche der Armen“ von Papst Johannes XXIII., der Enzyklika „Populorum progressio“ von Paul VI und natürlich die Errungenschaften des II.Vat. mit Blick auf die Pastoralkonstitution. Wenn wir auf die Kirche Lateinamerikas blicken so erfüllt sich hier der Auftrag der Kirche „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art“[5] zu teilen. Durch die Einheit der Bischöfe Lateinamerikas gelang es 1986 auf der Bischofsversammlung von Medellin den Beschluss herbeizuführen, die Kirche Lateinamerikas zur Anwältin der Armen zu machen und damit dem II. Vatikanum in ganzer Entschlossenheit genüge zu leisten. Die Bischöfe leiteten damit nicht nur eine völlig neue Ära für die Kirche Lateinamerikas ein, sondern sie antworteten damit in erster Linie auf den Schrei von Millionen von Menschen die um Hilfe baten. Worin die Bischöfe von Lateinamerika aber am meisten beeindrucken, ist ihre Bereitschaft der Armut ihrer Geschwister entgegenzugehen indem sie selbst ein bescheidenes Leben suchen und sich so der Anklage des Kirchenvolkes stellen, selbst im Reichtum zu schwelgen und mit den Reichen verbündet zu sein. Beeindruckend ist auch in welcher Vehemenz die Kirche Lateinamerikas Anklage erhebt gegenüber allen Menschen, welche dazu beitragen dass die Armut unter den Menschen sich ausbreitet und welch klare Worte sie dafür finden. Mit dieser Haltung machten sich die Bischöfe, aber auch das Kirchenvolk, welches diesen Kurs unterstütze, mächtige Feinde und ernteten bittersten Widerstand, sowohl in der Bevölkerung, als auch in innerkirchlichen Kreisen! Viele Menschen aus dem Kirchenvolk, aber auch Priester mussten dafür schwere Misshandlungen erleiden und manche unter ihnen starben als Märtyrer. Man kann diese Tatsache nicht genug hervorheben und wohl auch nur sehr schwer in Worte fassen, was diese Menschen auf sich genommen haben, um im Namen Jesu Christi für die Gerechtigkeit einzustehen und einzufordern was den Menschen zusteht. Diese Haltung hat die Kirche Lateinamerikas bis zum heutigen Tag durchgetragen und sie hört nicht auf die ungerechte Verteilung und den daraus resultierenden Mangel an den Gütern dieser Welt anzuprangern. Exemplarisch hat die Kirchenführung gemeinsam mit dem Kirchenvolk den eingeschlagenen Kurs, der in Medellin 1986 beschlossen wurde, in Puebla 1979 fortgesetzt. Das lateinamerikanische Episkopat übernimmt auch 1992 bei der Bischofsversammlung von Santo Domingo erneut diese pastorale Grundsatzeinstellung. Die Kirche Lateinamerikas schenkt uns so ein Lernbeispiel das schon 1987 von Papst Johannes Paul II. in „Sollicitudo rei socialis“ gewürdigt wurde und so für die Weltkirche verbindlichen Charakter erhalten hat. Die klaren Worte die sowohl Johannes Paul II. als auch Benedikt XVI. für die Anliegen der lateinamerikanischen Kirche finden, lassen keinen Zweifel mehr daran, dass jeder Christ in dieser Hinsicht aufgefordert ist, sich für die Anliegen der Armen einzusetzen, um so den sozialen und wirtschaftlichen immer größer werdenden Gräben zwischen den Menschen entgegenzuwirken. Die Kirche nimmt somit als Weltkirche den Auftrag an, sich selbst zur Anwältin der Armen und Entrechteten zu bekennen. Die konkreten Taten der vielen Christen Lateinamerikas werfen ein schönes und helles Licht auf die Kirche Christi und es liegt an uns Allen, diese Option auch in unseren Pfarren zu verwirklichen.

[...]


[1] Vgl. dazu die Beiträge von Hadwig Müller und Arnd Bünker im Buch „Missionarisch Kirche sein“

[2] „In dieser Sendung setzt die Kirche die Sendung Christi selbst fort, der den Armen frohe Botschaft zu bringen gesandt war, und entfaltet sie die Geschichte hindurch“ (Ad gentes = AG 6)

[3] Vgl. S. 100, Missionarisch Kirche sein v. Walter Krieger/Balthasar Sieberer

[4] Vgl. S. 102 „Mission in neuer Gestalt“

[5] 2. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution, n.1.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die missionarischen Kirchen in Lateinamerika, Afrika und Asien
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Praktische Theologie)
Note
Gut
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V278921
ISBN (eBook)
9783656726722
ISBN (Buch)
9783656726647
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kirchen, lateinamerika, afrika, asien
Arbeit zitieren
Karl Pfeifer (Autor), 2011, Die missionarischen Kirchen in Lateinamerika, Afrika und Asien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278921

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