Afrika - der ärmste Kontinent der Erde, der doch so reichhaltig an natürlichen Rohstoffen ist - findet nur schwerlich Anschluss an den Rest der Welt. Genau dieser Rohstoffreichtum kann aber mit dafür verantwortlich sein, denn der vermeintliche Ressourcensegen entpuppte sich oftmals als Fluch. In der folgenden Arbeit soll ein Überblick darüber gegeben werden, wieso sich ressourcenreiche Staaten oft langsamer entwickeln, als Länder denen weniger natürliche Rohstoffe zur Verfügung stehen. Werden die zum Teil gigantischen Einnahmen nicht planvoll und vor allem zukunftsträchtig investiert, so werden die Antriebskräfte einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung gehemmt. Korruption und mangelnde Staatsführung resultieren oft aus dem plötzlichen, scheinbaren Wohlstand, in deren Mittelpunkt ein Verteilungskonflikt bezüglich der Erlöse steht.
Auf eine der möglichen Ursachen der langsameren Entwicklung wird in dieser Arbeit konkreter eingegangen. Hierbei handelt es sich um das Problem, dass rohstoffreiche Länder häufig über ihre Verhältnisse leben und nach dem Ressourcenboom, wenn die Rohstoffvorkommen erschöpft sind, zu ihrem langfristigen Gleichgewicht von oben konvergieren. Um diese Entwicklung wachstumstheoretisch nachvollziehen zu können, wird zunächst das Ausgangsmodell (Ramsey- Modell) erläutert. Eine Erweiterung dieses Standard- Wachstumsmodells wurde von RODRÍGUEZ und SACHS in dem Paper „Why do resource- abundant economies grow more slowly?“ implementiert, auf welches in der Arbeit konkret eingegangen wird.
Weiterhin wird der sehr unterschiedliche Umgang mit Ressourcen anhand zweier Länderbeispiele verdeutlicht. Ein Paradebeispiel für den wirtschaftlichen Misserfolg, den ein Land durch einen großen Rohstoffreichtum erleiden kann, ist das ölreichste Land Afrikas: Nigeria. Trotz der gigantischen Einnahmen des Ölgeschäfts müssen mittlerweile 70% der Bevölkerung mit weniger als 1 US $ am Tag leben. Gewaltsame Auseinandersetzungen im Niger- Delta (dem Hauptabbaugebiet) und Korruption sind keine Seltenheit. Andererseits gibt es auch Staaten die von dem Ressourcenreichtum profitieren konnten. Botswana konnte durch seine reichhaltigen Diamantenvorkommen die düsteren Zukunftsaussichten zur Zeit seiner Unabhängigkeit 1966, in eine Volkswirtschaft mit rasantem Wirtschaftswachstum verwandeln. Vor allem die angelsächsisch so genannte „good governance“ des Landes, die durch die Kolonialzeiten demokratisch vorgeprägt wurde, lieferte eine wichtige Voraussetzung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Empirie
3 Gründe für den „Ressourcenfluch“
3.1 „Holländische Krankheit“
3.2 Rent-Seeking
3.3 Falscher Einsatz der Ressourcenerlöse
3.4 Exzessive Ausgaben
4 Ramsey- Modell
4.1 Haushaltssektor
4.2 Unternehmenssektor
4.3 Gleichgewicht
4.4 Steady State
4.5 Phasendiagramm
4.6 Verhalten der Sparquote
5 Modell von RODRÍGUEZ und SACHS
5.1 Modell
5.2 Steady State
5.3 Konvergenz zum Steady State
6 Afrika: Wirtschaftliche Verwendung der Rohstoffe am Länderbeispiel
6.1 Afrikas Rohstoffvorkommen
6.2 Nigeria
6.3 Botswana
7 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das ökonomische Paradoxon, warum rohstoffreiche Staaten häufig ein langsameres Wirtschaftswachstum aufweisen als ressourcenarme Länder, und analysiert mittels wachstumstheoretischer Modelle die Ursachen für dieses Phänomen.
- Empirische Evidenz des Ressourcenfluchs in verschiedenen Ökonomien.
- Analyse theoretischer Erklärungsansätze wie die „Holländische Krankheit“ und Rent-Seeking.
- Mathematische Herleitung und Anwendung des Ramsey-Modells sowie der Erweiterung durch Rodríguez und Sachs.
- Kontrastive Fallstudien zur Rohstoffnutzung am Beispiel von Nigeria und Botswana.
Auszug aus dem Buch
3.1 „Holländische Krankheit“
Ressourcenreiche Länder tendieren zur Überbewertung ihrer Währung:
Erlebt eine Volkswirtschaft einen Ressourcenboom, so ist damit ein Anstieg ihrer Ressourcenexporte verbunden, was wiederum eine Erhöhung des realen Wechselkurs (oder der realen Löhne) zur Folge hat. Der Export von anderen Gütern wird dadurch erschwert. Die Überbewertung der Wechselkurse ist eines der Symptome der sogenannten „Holländischen Krankheit“. Der Name stammt aus den späten 1950ern und frühen 1960er Jahren, als Holland große Gasvorkommen entdeckte und im Anschluss dessen, zumindest kurzzeitig, einen Rückgang der Exporte von Industrie- und Dienstleistungsgütern zu verzeichnen hatte.
Der Reichtum an natürlichen Ressourcen bringt oft Konjunkturschwankungen mit sich, denn der Preis und das Angebot für Rohstoffe schwanken häufig am Weltmarkt. Die unbeständigen Exporterlöse lösen Wechselkursschwankungen aus, welche sich ebenfalls negativ auf die Exportgüter und andere Handelsgeschäfte, wie z.B. ausländische Investitionen, auswirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Stellt die Problematik des Ressourcenfluchs in Afrika vor und skizziert die methodische Vorgehensweise anhand von Wachstumsmodellen.
2 Empirie: Belegt durch Regressionen von Sachs und Warner die negative Korrelation zwischen Rohstoffreichtum und Wirtschaftswachstum.
3 Gründe für den „Ressourcenfluch“: Erläutert theoretische Mechanismen wie die Überbewertung der Währung, Korruption und ineffiziente Ausgabenpolitik.
4 Ramsey- Modell: Herleitung der neoklassischen Wohlfahrtsmaximierung als theoretisches Fundament der Arbeit.
5 Modell von RODRÍGUEZ und SACHS: Erweiterung des Standardmodells um die Variable Ressourcenvorkommen zur Erklärung des Überschießens des Steady States.
6 Afrika: Wirtschaftliche Verwendung der Rohstoffe am Länderbeispiel: Vergleicht die wirtschaftliche Entwicklung Nigerias und Botswanas unter Einbeziehung ihrer jeweiligen Rohstoffpolitik.
7 Schlussbemerkung: Resümiert, dass vor allem die Qualität der Institutionen über den Erfolg bei der Nutzung natürlicher Ressourcen entscheidet.
Schlüsselwörter
Ressourcenfluch, Holländische Krankheit, Wirtschaftswachstum, Ramsey-Modell, Rohstoffe, Nigeria, Botswana, Rent-Seeking, Kapitalakkumulation, Steady State, Diversifikation, Good Governance, Institutionen, BIP, Investitionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, warum rohstoffreiche Länder in Afrika oft eine schlechtere wirtschaftliche Entwicklung aufweisen als ressourcenarme Länder, obwohl der Rohstoffreichtum theoretisch Wohlstand fördern sollte.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Sie behandelt empirische Wachstumsstudien, theoretische Erklärungsmodelle für den sogenannten „Ressourcenfluch“ und vergleicht spezifisch die unterschiedlichen Pfade der wirtschaftlichen Entwicklung in Nigeria und Botswana.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, wachstumstheoretisch zu erklären, wieso ressourcenreiche Staaten langsamer wachsen, und aufzuzeigen, wie politisches Handeln den Ausgang dieses Prozesses beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine empirische Analyse bestehender Studien mit einer wachstumstheoretischen Herleitung, insbesondere durch die Anwendung und Erweiterung des Ramsey-Modells sowie durch eine vergleichende Länderanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch das Ramsey-Modell, die Erweiterung durch Rodríguez und Sachs sowie eine detaillierte Fallstudie zu den gegensätzlichen wirtschaftlichen Entwicklungen in Nigeria und Botswana.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Ressourcenfluch, Wachstumsmodelle, Institutionelle Qualität, Diversifikation und Wirtschaftsvergleich sind prägende Begriffe dieser Arbeit.
Warum wird das Ramsey-Modell als Grundlage gewählt?
Das Ramsey-Modell dient als Standardmodell zur Wohlfahrtsmaximierung, auf dem die komplexere Modellierung der Ressourcenerschöpfung durch Rodríguez und Sachs aufbaut.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin für Nigeria und Botswana?
Während Nigeria durch Korruption und mangelnde Diversifikation als Beispiel für den Ressourcenfluch dient, wird Botswana aufgrund seiner verantwortungsvollen Investitionspolitik und stabilen Institutionen als positives Beispiel für erfolgreiches Ressourcenmanagement hervorgehoben.
- Arbeit zitieren
- Helen Bolender (Autor:in), 2010, Afrika. Ressourcensegen oder -fluch?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278922