Menschen wohnen selten ein Leben lang an dem Ort, an dem sie geboren wurden. Häufig findet die Wanderung innerhalb eines Landes statt, aber auch die Zahl internationaler Migranten ist mit weltweit 231,5 Millionen Menschen im Jahr 2013 beträchtlich und so hoch wie nie zuvor. Im Zeitalter der Globalisierung, in der Länder vernetzt sind, nimmt die internationale Wanderung eine neue Bedeutung ein. Entfernungen sind relativ geworden: Eine Zugfahrt von Würzburg nach Berlin dauert in etwa so lange wie ein Flug von Frankfurt nach Hongkong. Weltweit operierende Konzerne und ein damit ver-bundener globaler Arbeitsmarkt sind die Rahmenbedingungen der zunehmenden Wanderungsbewegung. Migration ist dabei nicht immer wirtschaftlich motiviert, denn es gibt viele Wanderungsgründe. Flucht vor Krieg, Unterdrückung und Verfolgung sind dabei besonders belastende Motive. Ebenfalls trägt die wachsende Kluft zwischen armen und reichen Ländern zur Wanderungsbewegung bei.
Wie Länder auf Migration politisch und gesellschaftlich reagieren, ist weltweit sehr unterschiedlich und häufig historisch begründet. Einige Länder haben nur geringe Einwanderungsbestimmungen, während andere harte Auswahlrichtlinien für Immigranten verfolgen. Die „Abschottung Europas“ ist hierzu ein aktuell kontrovers diskutiertes Thema, welches durch im Mittelmeer stattfindende Flüchtlingsdramen emotional angeheizt wird. Wer darf einreisen, wer nicht? Diese Entscheidung ist keine leichte! Sie verweist auf Fragen nach Gerechtigkeitsvorstellungen, der Rolle und Legitimität staatlicher Autorität und nationalem Eigentum. Bedenkt man, dass es Zufall ist, in welchem Land wir geboren werden, so ist es eine grundlegende Überlegung, ob das Privileg in einem reichen Land leben zu dürfen, tatsächlich anderen verwehrt werden sollte. Die „Abschottung Europas“ ist weltweit betrachtet kein Einzelfall einer restriktiven Migrationspolitik.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Migration: Definition und Umfang
2.1 Definition von Migration
2.2 Zahlen und Fakten
3 Auswirkungen der Immigration auf das Wachstum
3.1 Theoretische Betrachtung
3.1.1 BRAUN Modell
3.1.2 Endogenes Wachstumsmodell
3.2 Empirische Betrachtung
3.3 Zwischenfazit
4 Auswirkungen der Immigration auf den Arbeitsmarkt
4.1 Theoretische Betrachtung
4.1.1 Arbeitsmarktmodell mit geschlossener Volkswirtschaft
4.1.2 Arbeitsmarktmodell mit offener Volkswirtschaft
4.2 Empirische Betrachtung
4.2.1 Area Approach
4.2.2 Skill Group Approach
4.2.3 Factor Proportions Approach
4.2.4 Production Theory Approach
4.2.5 Natürliche Experimente
4.2.6 Außenhandelsmodelle
5 Fazit
6 Anhang
A. Tabellen und Abbildungen
B. Ergänzungen zum BRAUN Modell
C. Ergänzungen zum endogenen Modell
7 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterthesis analysiert die ökonomischen Auswirkungen der internationalen Migration auf das Zielland, wobei der Fokus primär auf den beiden zentralen Aspekten Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt liegt. Ziel ist es, durch die kritische Auseinandersetzung mit theoretischen Modellen und empirischen Studien einen strukturierten Überblick über den Forschungsstand zu geben und politische Handlungsempfehlungen für eine rationale Migrationspolitik abzuleiten.
- Quantitative und qualitative Charakteristika internationaler Migrationsbewegungen.
- Theoretische neoklassische und endogene Wachstumsmodelle im Kontext der Immigration.
- Empirische Analyse der Auswirkungen von Zuwanderung auf Löhne und Beschäftigung.
- Kritische Diskussion methodischer Ansätze zur Messung von Migrationsfolgen.
- Evaluation der Rolle von Migrationspolitik als Selektionsmechanismus.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 BRAUN Modell
In diesem neoklassischen Wachstumsmodell wird Migration nicht durch eine schlichte Wanderungsfunktion dargestellt, sondern sie kommt durch die optimale Entscheidung der Haushalte zustande. Diese beruht allein auf den unterschiedlichen Lohnsätzen der Länder, die sich wiederum durch verschiedene Niveaus des technischen Stands ergeben. Damit nicht nur die Volkswirtschaften mit dem höchsten technischen Fortschritt bevölkert und damit langfristig überbevölkert werden, führt BRAUN eine natürliche, knappe Ressource wie etwa Boden ein. Es handelt sich dabei um ein öffentliches Gut, welches nur begrenzt zur Verfügung steht und somit bei einer Überbevölkerung übernutzt werden würde. Dadurch wird langfristig eine gleichmäßige weltweite Verteilung der Bevölkerung bewirkt und kein Land wird entvölkert. Zur Vereinfachung geht BRAUN von einer vollkommenen Mobilität des physischen Kapitals aus und betrachtet im folgenden Modell eine kleine offene Volkswirtschaft, die den Weltmarktzins nicht beeinflussen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der internationalen Migration ein, beleuchtet ihre zunehmende globale Bedeutung und definiert die ökonomische Fragestellung der Arbeit hinsichtlich Wachstum und Arbeitsmarkt.
2 Migration: Definition und Umfang: Dieses Kapitel liefert eine Begriffsbestimmung, analysiert den Umfang der weltweiten Migrationsbewegungen anhand von Statistiken und diskutiert grundlegende Wanderungsgründe sowie die Einwanderungspolitik.
3 Auswirkungen der Immigration auf das Wachstum: Hier wird der Einfluss von Zuwanderung auf das Wirtschaftswachstum sowohl theoretisch anhand neoklassischer und endogener Modelle als auch empirisch untersucht.
4 Auswirkungen der Immigration auf den Arbeitsmarkt: Dieses Kapitel behandelt die theoretischen und empirischen Auswirkungen von Immigration auf Löhne und Beschäftigung im Zielland mittels verschiedener methodischer Ansätze.
5 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet die ökonomischen Folgen der Migration sowie die Notwendigkeit für eine fundierte, rationale Migrationspolitik.
6 Anhang: Der Anhang enthält ergänzende Tabellen, Abbildungen sowie detaillierte mathematische Ergänzungen zu den verwendeten Modellen.
7 Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet sämtliche in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Studien auf.
Schlüsselwörter
Internationale Migration, Wirtschaftswachstum, Arbeitsmarkt, Humankapital, Neoklassisches Wachstumsmodell, Endogenes Wachstumsmodell, Lohnsätze, Beschäftigung, Migrationspolitik, Selektionsmechanismus, Faktorpreise, Konvergenz, Brain Drain, Area Approach, Skill Group Approach.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ökonomischen Untersuchung der Auswirkungen internationaler Migration auf Zielländer, insbesondere im Hinblick auf deren Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarktsituation.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Modellierung von Migration (neoklassisch/endogen), die empirische Analyse von Lohn- und Beschäftigungseffekten sowie die Evaluation von Migrationspolitiken.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, einen strukturierten Überblick über den komplexen Forschungsstand zu geben, theoretische Erkenntnisse mit empirischen Ergebnissen zu vergleichen und ein Fazit für eine rationale, politisch begründete Migrationssteuerung zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt ein interdisziplinärer Ansatz, der theoretische ökonomische Modelle (z.B. von BRAUN und WALZ) mit der Analyse empirischer ökonometrischer Studien verknüpft, um kausale Zusammenhänge zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Blöcke: Die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum (Kapitel 3) und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt (Kapitel 4), jeweils unterteilt in theoretische Analysen und empirische Betrachtungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind internationale Migration, Wirtschaftswachstum, Arbeitsmarkt, Humankapital, Konvergenz sowie methodische Ansätze wie der Area Approach und Skill Group Approach.
Inwiefern beeinflusst das Humankapital der Migranten das Wachstum?
Das endogene Modell zeigt, dass Wachstum generiert wird, wenn Immigranten eine höhere Humankapitalausstattung oder Lernfähigkeit als die Einheimischen aufweisen, da dies Wissensakkumulation und Produktivität fördert.
Warum ist der "Area Approach" in der empirischen Forschung umstritten?
Der Ansatz wird kritisiert, da er endogene Prozesse (wie die Standortwahl von Migranten) oft nicht adäquat berücksichtigt, was zu Verzerrungen der Ergebnisse führen kann, weshalb komplexere Methoden wie Instrumentenvariablen benötigt werden.
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- Helen Bolender (Author), 2014, Internationale Migration und ihre ökonomischen Auswirkungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278923