Glaube und Konfession im Klassenzimmer. Religionssoziologische Betrachtungen.


Zusammenfassung, 2006

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

* 1 Grundbegriffe

* 2 Theoriegeschichte

* 3 Empirische Religionssoziologie

REFERAT: RELIGIONSSOZIOLOGIE

Die Religionssoziologie ist ein Spezialgebiet der Soziologie. Sie befasst sich mit den sozialen Voraussetzungen von Religion, mit den sozialen Formen, die Religion annimmt, und dem Einfluss von Religion auf Gesellschaften. Die Religionssoziologie deckt hierbei ein weites Feld ab und reicht von Beiträgen zur Gesellschaftstheorie (die z. B. die Funktion von Religion für die Gesamtgesellschaft beschreiben) bis zu mikrosoziologischen Untersuchung einzelner religiöser Gruppen und religiöser Praktiken.

1.)Grundbegriffe

Religion

Die Soziologie hat keinen einheitlichen Begriff der Religion ausgebildet, vielmehr gehen die Autoren von unterschiedlichen Religionsbegriffen aus. Unterschieden werden substantiale und funktionale Definitionen der Religion:

1. Substantiale Definitionen versuchen, charakteristische Wesensmerkmale der Religion zu bestimmen, die diese substantial (wesensmäßig, inhaltlich) von anderen sozialen Phänomenen unterscheidet, beispielsweise die Erfahrung von Gott oder dem Heiligen.
2. Funktionale Definitionen hingegen versuchen Religion über ihre Funktion für einzelne Gesellschaftsmitglieder bzw. die Gesamtgesellschaft zu bestimmen. Funktionen der Religion sind zum Beispiel die Erklärung unerklärlicher Phänomene oder die Legitimation von Herrschaft.

Darüber hinaus gibt es Mischdefinitionen, die sowohl substantiale als auch funktionale Elemente einbeziehen. Da funktionalistische Theorien in der internationalen Soziologie lange Zeit eine vorrangige Stellung hatten, sind überwiegend funktionale soziologische Definitionen der Religion verbreitet. Für eine funktionale Bestimmung von Religion spricht auch die Begriffsgeschichte: Der Begriff der Religion stammt aus der christlich-abendländischen Tradition und ist daher nicht ohne weiteres auf Gesellschaften außerhalb dieses Kulturkreises anwendbar (Hierzu ausführlicher: Siehe Religion).

Säkularisierung

- Trennung von Religion und gesellschaftlichen Prozessen und Einrichtungen, die früher religiös geprägt waren. Säkularisierung geht damit weiter als die bloße Aufhebung geistlicher Herrschaften im Rahmen der Säkularisation. War das Mittelalter noch von einem tiefgreifenden religiösen Einfluss auf alle Bereiche menschlichen Lebens gekennzeichnet, so wird Religion im Säkularisierungsprozess zu einem System neben anderen. So werden zum Beispiel heutzutage Krankenhäuser nicht mehr allein unter dem Gedanken christlicher Barmherzigkeit organisiert, sondern gelten als säkulare (weltliche) Anstalten zum Wohle der Allgemeinheit und werden dementsprechend staatlich finanziert und professionell betrieben. Ebenso wurde die Rolle des Klerus in der Gesellschaft im Laufe der europäischen Geschichte einem sozialen Wandel unterworfen. Wenngleich mit dem Säkularisierungsprozess zweifellos ein Verlust des Einflusses institutionalisierter Religiosität (insbesondere kirchlich institutionalisierter Religiosität) in vielen Lebensbereichen verbunden ist, ist es doch strittig, ob die Säkularisierung einen Bedeutungsverlust von Religion bzw. Religiosität als solcher beinhaltet oder ob sie nicht vielmehr einen Strukturwandel der Religion darstellt, sich also die Religiosität der Menschen nur in ihrer Form und in der Art und Weise ihrer Ausübung ändert. Thomas Luckmann spricht in diesem Zusammenhang von Säkularisierung als einer „Entkirchlichung“ bzw. „Privatisierung“ von Religiosität. Demgegenüber versuchten Detlef Pollack, Steve Bruce und andere mittels empirischer Studien nachzuweisen, dass mit dem Rückgang institutionalisierter Religiosität auch ein Rückgang individueller Religiosität einhergegangen ist.

Ritual

Die Religionsausübung ist in der Regel mit der Praxis von Ritualen und Zeremonien verbunden, mit denen die Anhänger einer Religion ihre religiöse Lebensführung gestalten, ihre Weltanschauung zum Ausdruck bringen oder die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft demonstrieren und zelebrieren. Im Rahmen von Kult und Gottesdienst dienen solche Rituale sehr oft der Erfahrung von Transzendenz, der symbolisch oder zeichenhaft vermittelten (jedoch unter Umständen durchaus als „real“ empfundenen oder interpretierten) Verbindung mit dem (wie auch immer verstandenen) Göttlichen oder Absoluten, der Herstellung und dem Erlebnis von Gemeinschaft oder einer als sinnstiftend empfundenen Deutung und Überhöhung des lebensweltlichen Alltags durch religiöse Symbole und rituelle Vollzüge.

Religiöse Organisationen

Religion äußert sich nicht nur in der religiösen Praxis von Ritualen, sondern auch in religiösen Organisationen, die sich in Aufbau, Hierarchie und Mitgliedschaftsvoraussetzungen unterscheiden. Schon Max Weber traf eine Unterscheidung zwischen Sekten einerseits und Kirchen andererseits. Der Begriff der Sekte ist im außerwissenschaftlichen Kontext in der Regel eindeutig negativ belegt. Neben der kategorialen Unterscheidung bestimmter Organisationsformen wie Kirche und Sekte richtet die Religionssoziologie ihr Interesse auch auf die Entstehung solcher Organisationsformen und den Übergang von einer Organisationsform in andere.

Religiöse Rollen

Mit der Ausbildung organisierter Religiosität in Ritualen und Organisationen geht die Entstehung bestimmter sozialer Rollen einher, etwa der des Priesters und des Propheten. Religiöse Führer oder Gruppen religiöser Funktionsträger (z. B. der Klerus) können in einer religiös geprägten Gesellschaft eine bedeutende soziale Position einnehmen, mit der gesellschaftlicher Einfluss und Privilegien bis hin zur tatsächlichen oder beanspruchten politischen Herrschaft verbunden sein können (Klerikalismus).

Religionssoziologische (bisweilen auch von der Pastoraltheologie herangezogene) Forschungen befassen sich auch mit der praktischen Rolle von Seelsorgerinnen und Seelsorgern im modernen, durch Differenzierung und Konkurrenz der Systeme und Weltanschaungen gekennzeichneten gesellschaftlichen Kontext. Diese lässt sich soziologisch etwa (in Anlehnung an Anthony Giddens[1]) als die Rolle von Repräsentanten einer Religion als „Expertensystem“ beschreiben, das an die Stelle des hergebrachten allumfassenden und allgemeingültigen „Symbolsystems“ getreten ist.

2. Theoriegeschichte

Als bedeutender Vorläufer der Religionssoziologie ist der von Charles de Montesquieu mit seinem L'esprit du lois (1749) beeinflusste Orientalist Johann David Michaelis mit seinem Werk Mosaisches Recht von 1793 anzusehen. Hier wurde erstmals die soziale 'Vernünftigkeit' der mosaischen Gesetze in der Bibel dargetan, und zur Prüfung seiner Hypothesen arbeitete Michaelis auch einen empirischen Fragebogen aus, den er Carsten Niebuhr und Pehr Forsskål auf ihre berühmte arabische Expedition mitgab.

Grundlegend für die Entwicklung der Religionssoziologie selbst sind vor allem die Schriften von Max Weber („Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus“, „Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen“) und Émile Durkheim („Die elementaren Formen des religiösen Lebens“).

Religionskritik

Auguste Comte verstand Soziologie als Naturwissenschaft, die sich im Folge der Aufklärung als Steuerungsinstrument einer rationalen Gesellschaft etablieren sollte, soziale Physik.

Im Vorfeld einer Soziologie der Religion steht daher das Erbe der Religionskritik, die neben philosophischen und psychologischen Argumenten immer auch mit soziologischen Argumenten betrieben wurde.

Karl Marx

Zentral für eine Religionskritik aus soziologischer Perspektive ist Karl Marx. Dieser geht in seiner Gesellschaftstheorie davon aus, dass im Zuge der Entfremdung des Arbeiters durch den Zwangsverkauf der Arbeitskraft in der kapitalistischen Gesellschaft der Religion die Funktion zufalle, diese Entfremdung durch religiösen Trost und Jenseitsorientierung zu überdecken. Daher sieht Marx die Religion als „Opium des Volkes“ und, daraus folgend, die Kritik der Religion als Anfang aller Kritik an.

Émile Durkheim

In seinem religionssoziologischen Hauptwerk „Die elementaren Formen des religiösen Lebens“ bezeichnet Émile Durkheim die Religion als Ausdruck des Sozialen. Während in der Vergangenheit Religion das Bindeglied der traditionellen Gesellschaften war, wird dies in der modernen Gesellschaft durch soziale Zusammenhänge zum großen Teil ersetzt. Er entwickelt demgemäß die grundsätzliche Unterscheidung zwischen „heilig“ und „profan“.

In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts versuchten die Soziologen und Intellektuellen des Collège de Sociologie angelehnt an Durkheim und seine Schüler (Marcel Mauss, Robert Hertz und Henri Hubert) eine soziologisch grundierte Religionstheorie und z. T. auch -praxis zu entwickeln, die dem ideologischen Einfluss des Nationalsozialismus auf den Einzelnen vorbeugen sollte.

Max Weber

Max Webers berühmtester Beitrag zur Religionssoziologie ist seine sog. Protestantismusthese, die er in seiner Schrift „Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus“ entwickelte. Weber versucht die Frage zu beantworten, weshalb sich ausgerechnet im Abendland (genauer: in den angelsächsischen Ländern) der moderne (= rationale) Kapitalismus entwickelte. Weber erklärt dies durch den Protestantismus, insbesondere die Prädestinationslehre. Dieser führte einerseits zu einer innerweltlichen Askese (und dazu zur nötigen Kapitalakkumulation), andererseits zu einer Lebenspraxis, die wirtschaftlichen Erfolg als Zeichen göttlicher Auserwähltheit als anstrebenswert erachtete. Auch wenn sich die religiöse Basis im Laufe der Zeit änderte, so blieb doch diese Lebenspraxis. Andere Religionen untersuchte Weber in der Aufsatzsammlung „Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen“. Neben der Protestantismusthese hat Weber in seinem Hauptwerk „Wirtschaft und Gesellschaft“ systematisch Grundbegriffe der Religionssoziologie wie z.B. Sekte abgehandelt. Sein vor allem in Kontext der von ihm definitierten Herrschaftstypen bekanntgewordener Begriff des Charismas wird seit den 1990ern gewinnbringend in der Religionssoziologie angewandt.

Talcott Parsons

Aus Sicht der strukturfunktionalen Systemtheorie Talcott Parsons ist die Religion ein wesentliches Element für die Begründung von Werten und Grundmustern sozialer Systeme.

Niklas Luhmann

In der Systemtheorie Luhmanns wird Religion als eigenes Subsystem der Gesellschaft funktional bestimmt. Im Zuge der funktionalen Differenzierung moderner Gesellschaften bildet sich ein eigenes Religionssystem heraus.

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Details

Titel
Glaube und Konfession im Klassenzimmer. Religionssoziologische Betrachtungen.
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V278927
ISBN (eBook)
9783656715467
ISBN (Buch)
9783656715450
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
glaube, konfession, klassenzimmer, religionssoziologische, betrachtungen
Arbeit zitieren
André Böhlmann (Autor), 2006, Glaube und Konfession im Klassenzimmer. Religionssoziologische Betrachtungen., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278927

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