Lernzusammenfassung für Neuere deutsche Literaturwissenschaften Modul III - Methodologie


Prüfungsvorbereitung, 2009

5 Seiten


Leseprobe

NdL III

Proseminar

1. Allgemeine Hermeneutik:

- Ist die Theorie des Lesens, des Verstehens und der Textinterpretation
- Autor Text « Rezipient

Auslegung

Verstehensbemühung

1.1 Kimmich – Hermeneutik

- Hermeneutik ist Reflexion, Systematisierung und Theorie einer best. Konzeption von Textauslegung und Interpretation
- Lange Tradition
- Umso radikaler Verstehen von Texten als hist.Phän.àdesto umfassender hermen. Problem
- àEntwicklung spez. Fragestellungen, Praktiken und Ziele für versch. Texte
- also: Hermeneutik nicht nur systematisch, sondern auch historisch zu definieren
- H. beschäftigt sich mit Fragen der „richtigen“: kohärenten, kompetenten, angemessenen Auslegung schrftl. Texte
- Einteilung meist in sakrale, normative, kanonische oder poetische Texte à sind wandelbar, werden zu untersch. Zeiten auch anders ausgelegt (durch histor.Kontext beeinflusst)
- Moderne Herm.: jur.,theol.,altphil. Texte unter abstr. u. umfass. Kateg. Zu Grundlagendisziplin zusammengefasst und Bemühung um allgemeinen, existenziellen Zugang zur Welt
- Schleiermacher als Begründer der mod. H.
- Antike: Plato: Herleitung der Hermeneutik von hermeneueinàVerbindung zu Hermes angenommenàDichter als Dolmetscher zw. Mensch und Göttern
- Ant.H. geprägt durch griech. (Homer-Exegeseàfremd geword.Texte kommentiert) u. jüdische Trad.(kulturelle Selbstverständlichkeit)
- Chrstl. Antike und MA geprägt von Frage nach Stellenwert des NT und sein Verh. Zum AT Methoden/Theor.Ansätze: vierfacher Schriftsinn; Allegorese; dogm. Auslegung à dagegen Luther: “sola scriptura” allein die Schrift als Quelle für Auslegungen
- Im 18.Jh.: Versuch allgemeingült. u. verbindl. Regeln aufzustellen und systematische Ausl. zu betreiben: Erklärung von Texten als Umkehrung der Produktion betrachtet

- hermen. Zirkel (von Friedrich Ast):

Verstehen des Einzelnen und des Ganzen und wechselseitige Wirkung und Korrektur aufeinander àstückweises, sukzessives, graduelles, „immer mehr Verstehen“ Problem:Zusammenfügen der Details zu einem Ganzen à Verstehen als kritisch-aufklärerischer Prozess; Dilemma des Verstehens: Nicht-wissen hört nie auf

- Schleiermacher bez. H als die Kunst, die Rede eines anderen zu verstehen
- H. mehr Kunst als technisches Verfahren
- herm. Diskussion im 20.Jh.:
- Heidegger, Gadamer, Schleiermacher, Ricoeur

Beschränkung der Hermeneutik auf Texte, oder universeller Anspruch der Auslegungskunst auf alle Bereiche des Lebens? Also das menschliche „Sein“ ansich hermeneutisch zu betrachten?

2. Gadamer – philosophische Hermeneutik

- Gespräch führen wir nicht, sondern wir sind die Geführten; Gespräch hat Eigendynamik;

Ausgang eines G. ist den Dialogpartnern vorher nicht bekannt

- Verstehen ist nicht „sich in einen anderen Hineinversetzen und seine Erlebnisse nachzuempfinden“ sondern sich in der Sache Verständigen à Erfahrung von Sinn, die derart im Verstehen geschieht schließt immer Applikation mit ein
- Sprache ist die Mitte der Verständigung, Sinn wird über Sprache transportiert
- Verstehen ist immer sprachlicher Natur. Es funktioniert im Modell des Gesprächs. Verstehen richtet sich nur auf den Sinn eines Textes. Verstehen ist die Überwindung von Fremdheit
- Übersetzung und Übertragung ist Auslegung (dadurch gewisser Abstand zw.Wiedergabe und Geist des urspr. Wortlauts); Anspruch an die Ü.: Sinn muss erhalten bleiben à Sprache als Medium der Verständigung wird in der Ü. besonders deutlich und auch die Probleme bei der sinnerhaltenden Übertragung; Verständigung erfolgt nicht zw. Gesprächspartnern, sondern zw. den Dollmetschern; wirkliche Beherrschung und Verstehen einer Sprache bedarf keiner Übersetzung mehr
- herm. Problem kein Problem der Sprachbeherrschung, sondern der rechten Verständigung über eine Sache
- Übersetzung ist ein Kompromiss; Darstellung erfolgt mit Eigengewichtung des Übersetzers, da versch. Varianten einer Übersetzung möglich sind à also findet eine Interpretation statt
- Fremdheit und Kontroversität zur eigenen Meinung muss zugelassen und mitbedacht werden, um Verstehen und somit Verständigung zu ermöglichen
- gemeinsame Sprache muss gefunden werden, nur so kann ein Text verstanden werden
- Interpret und Autor tragen beide zur Stiftung von Sinn bei;
- Sinn ist das rational und kognitiv Erfahrbare, grenzt sich ab von Emotionalität; Sinn ist begrent durch den Horizont des einzelnen Interpreten; aber auch unbegrenzbar durch die Vielzahl der Interpreten mit ihrem jeweiligen Horizont (also wandelbar); Sinn ist allein vom Text her betrachtet eine feste Größe, die immer gleich bleibtà beim Verstehen eines Textes fließen immer eigene Gedanken mit ein; was an Sinn aus einem Text herausgelöst werden kann, hängt vom Horizont des Rezipienten ab
- à Horizont (Befragung des Textes unter den Bedingungen des eigenen Vorwissens und der persönl. Erfahrung) des Intepreten bestimmt die Wiederherstellung des Textsinns;
- Horizontverschmelzung: Interpret trägt seinen Horizont an den Horizont des Textes und stellt ihn zur Disposition; die Sache des Textes wird zur gemeinsamen Sache; Bei der Horizontverschmelzung vereinbart sich der Interpret mit dem Text, übernimmt ihn aber nicht.;Stil und Stilebene spielen keine Rolle (gemeinsame Sprache und Horizontverschm.)
- Verstehen = Auslegung, da ein Text individuell begriffen wird und der eigene Horizont dafür Voraussetzung ist
- „ Kompromiss“ das Zulassen fremder Meinungen; der Versuch des Verstehens; die Aushandlung von Standpunkten; die Möglichkeit, den eigenen Standpunkt nicht verwerfen zu müssen; die Gegenüberstellung von Text und Interpret (welcher seinen Verstehenshorizont daran trägt)
- Frage nach Autorintention: Autor ¹ Erzähler; Autor kommt nicht im Text vor; wenn wir auf eine Autorintention schließen wollen, müssen wir annehmen, dass diese auch da ist.(das ist nicht immer der Fall) – weiterhin spiegelt der vorliegende Text nicht unbedingt die Meinung des Autors wieder (kann aber u.U. so seinàleere Stelle, die sich von Gelegenheit zu Gelegenheit des Verstehens ausfüllt), sondern offenbart bestenfalls die des Erzählers. Unser wissenschaftliches Interesse muss also der Frage gelten: „Was will der Text sagen?“ und nicht, was der Autor gemeint haben könnte
- Fragen nach Autorbiographie, hist.Kontext usw. können jedoch, wenn sie stimmig in die Interpretation passen zum textimmanenten Verstehen hinzugezogen werden um eine kohärente Interpretation zu schaffen

3.De Saussure – Strukturalismus

- Sprache nicht reine Nomenklatur
- keine vorgefertigten Vorstellungen, die schon in Worten vorhanden gewesen wären
- sagt nicht, ob ein Name lautlicher oder psychischer Natur ist
- sprachliches Zeichen = Bezeichnendes (Lautbild) + Bezeichnetes (Vorstellung)

Grundeigenschaften des sprachlichen Zeichens:

A) Beliebigkeit des Zeichens:

Verknüpfung von B+B ist beliebig àarbiträr, also auch Z=beliebig; es gibt keine natürliche Verbindung

àBeweis: verschiedene Sprachen mit versch. Bezeichnungen für Vorstellungen

- Wahl des Wortes hängt aber nicht von einer einzelnen Person ab, sondern ergibt sich als Konvention einer Sprachgemeinschaft
- Wahl der Bezeichnung ist unmotiviert =keine natürliche Zusammengehörigkeit mit Bezeichnetem,
- manchmal lässt sich Vermuten, dass sie teilmotiviert sind(Onomatopoetika, aber ganz selten vorkommend; weiterhin werden manche Bezeichnungen erst in einer anderen Sprache onomatopoetisch und sind es in der Herleitungssprache nicht; und urspr. Ono. verändern sich zu unmotivierten Zeichen und verlieren ihre onom.Eigensch. àalso kein Beleg)
- ebenso ist es mit Ausrufen, die in untersch. Sprachen verschieden sind
- àà symbolischer Ursprung dieser Zeichen ist anfechtbar

B) der lineare Charakter des sprachlichen Zeichens

- das Bezeichnende als etwas Hörbares verläuft nur in der Dimension Zeit.
- die Laute werden linear aneinandergereiht àvgl. auch Schrift! (da jedoch räumliche Linie der graphischen Zeichen und nicht Zeit; Zeit nur als solche, die man das Wort zu lesen benötigt)
- Täuschung durch Akzentuierung von Silben, jedoch auch nur ein Lautgebungsakt

C) Unveränderlichkeit des sprachlichcen Zeichens

- durch Sprachgemeinschaft festgelegte (auferlegte) Zeichen können nicht durch einzelne Individuen geändert werden
- auch die Masse der Sprachgemeinschaft kann Zeichen nicht einfach ändern, sondern ist an ihre Sprache gebunden, so wie sie ist
- Sprache ist eine historisch gewachsene Größe, die wir von Generation zu Generation übernehmen und nur stückweise modifizieren und ändernàSprache obliegt also nicht dem Willen (kann nicht willkürlich ersetzt werden)
- Ursprung der Sprache ist daher nicht wichtig (diachronische Betrachtung wird zurückgestellt)

Warum sich Sprache nicht einfach ändern lässt:

- Generationen mischen sich (zu jeder Zeit gibt es Menschen verschiedenen Alters in der Sprachgemeinschaft – kein Schubkastenprinzip)
- die geistige Arbeitsleistung eine Muttersprache zu erlernen allein ist zu komplex, als dass sich Sprache allgemein und spontan ändern ließe.
- Gesetze der Sprache sind oft nicht bewußt genug, um sie zu ändern – ohne Rechenschaft über die Sprache ist auch keine Umgestaltung möglich
- allgemeine Zufriedenheit der Sprachgemeinschaft mit ihrer Sprache – kein Grund zur Änderung

wichtige Aspekte:

1. Es kann nur zur Diskussion gestellt werden, was auf Normen beruht. Da das spr. Z. aber beliebig ist besteht keine Ursache, ein Wort dem anderen vorzuziehen.
2. sehr große Zahl an spr. Z., die nötig ist, um eine Sprache zu bilden
3. Die Sprache ist zu kompliziert. Sie bildet ein System, in welchem eine gewisse Logik herrscht und es bräuchte Spezialisten (v.a. Sprachwissenschaftler), um Sprache umzuformen à Erfahrung hat gezeigt, dass dies nicht geht
4. Sprache erfährt den Einfluss aller – sie wird jeden Augnblick von jedem gebraucht. Beharrungsstreben der Menge der Sprachgenossen steht Neuerungen der Spr. im Weg.

Für Sprache und ihre Entwicklung gibt es nur ein „Gesetz“: Überlieferung

D) Veränderlichkeit des Sprachl. Zeichens

- spr. Z. verändert sich, weil es sich ununterbrochen in der Zeit fortpflanzt
- nicht nur phonetische Umgestaltung oder Umgst. des Sinns, sondern Verschiebung des Verhältnisses zw. B+B insgesamt
- Veränderung der Sprache beruht auf Belibigkeit des Zeichens
- Sprache besteht gleichzeitig in der sozialen Gesellschaft und in der Zeit
- Sprache+Sprechen (sprechende Menge)

4. Roland Barthes – strukturalistische Tätigkeit

Strukturalismus:

- keine Schule; keine Bewegung; kaum eine Terminologieà sondern Methode
- Struktur, Funktion, Bedeutung, Form und Zeichen sind heute ganz gebräuchliche Wörter, durch die das alte Ursache-Wirkung-Schema kaschiert wird
- zurück zu Signifikat-Signifikant, zu Synchronie-Diachronie um zu bestimmen, was Strukturalismus ist und ihn von anderen Denkweisen unterscheidet
- Str. nicht auf wissenschaftliches Denken zu beschränken

- strukturalistische Tätigkeit: Aufeinanderfolge geistiger Operationen

- Ziel: ein Objekt so rekonstruieren, dass in dessen Rekonstruktion dessen Funktion sichtbar wird und nach welchen Regeln es funktioniertàStruktur also in Wahrheit nur ein Simulacrum (Imitation des natürlichen Objekts), welches zum Vorschein bringt, was im nat.O. unsichbar bliebe
- der strukturale Mensch nimmt das Gegebene, zerlegt es (in Elemente, die allein für sich keine Bedeutung haben) und setzt es wieder zusammen à daraus bildet sich etwas Neues: das allgemein Intelligible, welches die Welt nicht nachbilden will, sondern eine neue Welt bildet, in der die natürliche Welt verständlich gemacht werden soll
- Strukturalismus ist Nachahmung, daher kein technischer Unterschied zw. Kunst und Wissenschaft àTexte von beiden unterliegen der MIMESIS, welche auf der Funktion gründet
- Bsp: Einzelelemente (Fragmente) in Märchen, die immer wieder auftreten; Komposition der Elemente
- Veränderung der Fragmente haben Veränderung des Ganzen zur Folge
- Paradigma: kleinster Unterschied der Objekten/Einheiten einer Klasse, aus deren Vorrat ausgewählt werden kann (Potentialität)
- Syntagma: Verkettung der Einheiten zu einem Sprachgefüge (Aktualität)
- Form des Arrangements ist nicht zufällig sondern beabsichtigt
- Mensch strebt nach Schöpfung von Bedeutung und schaut heute noch wie die Griechen der Antike mit Begeisterung auf die Natur – das zeichnet Menschsein aus
- Rekurrenzzwang der Einzelelemente
- Bedeutung / Wert ergibt sich erst im Gesamtwerk/Organismus, also entsteht auch Sinn erst in der Betrachtung des Ganzen

5. Iser – Rezeptionsästhetik

- Interaktion zw. Text und Leser
- Text entwickelt je nach Zeit, Leser usw. andere Bedeutung, Bedeutung entsteht erst durch den Leser
- Richtung gegen Hermeneutik; keine Interpretation
- Text vermittelt mehr als nur Sinn, sondern ist auch als Kunstwerk zu betrachten, welches Emotionen hervorrufen soll
- Lesen ist Aktualisierung eines Textes , Text entfaltet seine Bedeutung erst durch den Leser; Bedeutung kann versch. sein, da Realisierung des Textes verschieden
- Interpretation als eine mögliche Aktualisierung des Textes?
- Wenn literarischer Text auf nur eine Bedeutung in sich reduzierbar wäre, wäre er Ausdruck eben dieser einen Bedeutung, die auch ohne den lit. Text existierte und der Text wäre nur die Illustration derselben; ein lit. Text bietet aber mehrere Möglichkeiten der Realisierung des Lesers

- Abgrenzung einzelner Textarten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Literarische Texte: bringen eine eigene Wirklichkeit hervor, bilden sie aber nicht ab
- Literarische Texte zeichnen sich durch Unbestimmtheit aus
- der literarische Text bietet Leerstellen, die der Leser füllen mussàUnbestimmtheit wird stück für Stück abgebaut à das macht Literatur so interessant; wären keine Leerstellen gesetzt, so empfände man Literatur als langweilig; Kennzeichen moderner Literatur ist deswegen ihre Unterdeterminiertheit
- Leerstellen entstehen durch Bestimmtheit von aufeinandertreffenden Ansichten (Modi); je mehr Bestimmtheit in einem Text ist, desto mehr Leerstellen gibt es àgleichzeitig ablaufende Handlungsstränge, die aber nacheinander dargestellt werden müssen; keine Kommentierung der Wechsel

(vgl. z.B. auch Schnitttechnik bei Lindenstraße;GZSZ...)

- Unbestimmtheit nicht nur auf Gegenstände bezogen, sondern auch auf die Art der Darstellung; Leser muss Darstellungen erst in seine Erfahrungswelt „übersetzen“
- es ist ein athropologischer Reflex Unbestimmtheit auflösen zu wollen, insofern der Mensch als ein Erklärungswesen verstanden wird, welches Sinnzusammenhänge erkennen will
- Bedeutung eines Textes entsteht durch „schematisierte Ansichten“àModus (Darstellungsweise, z.B.: direkte Rede; auktorialer Erzähler...)

[...]

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Details

Titel
Lernzusammenfassung für Neuere deutsche Literaturwissenschaften Modul III - Methodologie
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Autor
Jahr
2009
Seiten
5
Katalognummer
V278929
ISBN (eBook)
9783656728306
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lernzusammenfassung, neuere, literaturwissenschaften, modul, methodologie
Arbeit zitieren
André Böhlmann (Autor), 2009, Lernzusammenfassung für Neuere deutsche Literaturwissenschaften Modul III - Methodologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278929

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