Der Vergleich zwischen zwei historischen Ereignissen wird nicht das genaue Abbild der damaligen Realität leisten. Wenngleich die Entwicklungen in Australien und Südafrika in ähnlicher Weise zeitversetzt von statten gingen, so gab es doch erhebliche Unterschiede. Die Problematik des Vergleichs besteht darin, dass die beiden Länder zu unterschiedlichen Zeitpunkten Maßnahmen zur Trennung der Bevölkerungsgruppen ergriffen. Die Entscheidung, sich auf den jeweiligen Beginn der Hochphase der Rassentrennung zu konzentrieren, fiel während der Auseinandersetzung mit dem Thema. Die jeweilige Sozialisationsstufe, der technische Fortschritt, das gesellschaftliche, kulturelle, politische und religiöse Leben in Südafrika und Australien differierten extrem. Die vergleichende Methode ist vor diesem Hintergrund ergo mit Vorsicht anzuwenden, auch wenn andere Autoren sich des Vergleichs in ähnlicher Weise bedienten und zu wichtigen Ergebnissen für die historische Wissenschaft gelangt sind.
Gliederung
A Einleitung
I. Forschungsanstoss und Erkenntnisinteresse
II. Forschungsstand
III. Methode
B Vergleich der Anfänge der Apartheid in Südafrika und der Segregationspolitik in Australien
I. Territoriale Trennung: Unterdrückung der Nichtweissen durch Beschränkung ihres Lebensraumes
1. Südafrika
2. Australien
3. Vergleich
II. Gesellschaft: Einschränkungen im Alltag für Nichtweisse
1. Südafrika
a. Ehe und Sexualität
b. Öffentliches Leben
c. Medizinische Versorgung
d. Bildung
2. Australien
a. Ehe und Sexualität
b. Öffentliches Leben
c. Medizinische Versorgung
d. Bildung
3. Vergleich
III. Arbeit und Ureinwohner
1. Südafrika
2. Australien
3. Vergleich
C Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht vergleichend die Anfänge der Rassentrennung in Südafrika und Australien. Ziel ist es, die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mechanismen der Segregation in beiden Siedlungskolonien herauszuarbeiten und zu ergründen, warum sich trotz unterschiedlicher historischer Ausgangslagen ähnliche rassistisch orientierte Politikformen entwickelten.
- Vergleich der territorialen Trennung und Beschränkung von Lebensräumen.
- Analyse gesellschaftlicher Einschränkungen wie Eheverbote und Passpflichten.
- Untersuchung der Rolle der indigenen Bevölkerung als Arbeitskraft oder "Störfaktor".
- Gegenüberstellung der Segregationspolitik gegenüber schwarzen Südafrikanern und australischen Aborigines.
- Bewertung der ökonomischen und ideologischen Beweggründe der Kolonialmächte.
Auszug aus dem Buch
Die Kontrolle der Ausbildung der Schwarzen
Nach dem ersten Weltkrieg wollten die Missionsschulen den Einfluss auf Verwaltung und Curriculum der staatlichen Kontrolle entziehen. Sie waren gegen die Trennung der Rassen, konnten sich aber nicht durchsetzen. Das Interesse an einer Ausbildung der Schwarzen war seit Unionsgründung nur marginal. Nur in Missionsstationen wurden die Kinder der Ureinwohner nach europäischen Maßstäben unterrichtet. Das Department of Native Affairs übernahm per Gesetz die Verwaltung und die Kontrolle über die Lehrinhalte. Der Bantu Education Act von 1953 legte ein minderwertiges Schulsystem für Schwarze fest. Die Finanzierung wurde aus Steuergeldern von Schwarzen gespeist. Unterrichtet wurde in den ersten Schuljahren in der eigenen Stammessprache und erst dann in Englisch. So wurde sichergestellt, dass Schwarze die englische Sprache im allgemeinen schlechter beherrschten als Weisse und deshalb höhere Posten für sie ausgeschlossen waren.
Der damalige Minister für Eingeborenenfragen rechtfertigte das neue Bildungswesen für Schwarze mit der Erklärung: „Da ein Afrikaner ohnehin in der südafrikanischen Gesellschaft keinen Platz oberhalb gewisser Bereiche von Arbeit erwarten könne, sollte seine Erziehung bei ihm Respekt für körperliche Arbeit erzeugen“. 1959 wurde nichtweissen Studenten der Zugang zu den Universitäten verboten, die bis dahin allen Rassen offengestanden hatten. Stattdessen wurden ''farbige'' Universitäten eingerichtet. Der damalige zuständige Minister Hendrik Verwoerd argumentierte: "Der Schwarze muss dazu angeleitet werden, seiner eigenen Gemeinschaft in jeder Hinsicht zu dienen. Oberhalb des Niveaus bestimmter Arten von Arbeiten ist für ihn in der weissen Gemeinschaft kein Platz. Innerhalb seiner eigenen Gemeinschaft aber stehen ihm alle Türen offen. Deshalb bringt es ihm nichts, eine Ausbildung zu erhalten, welche die Aufnahme in die weisse Gemeinschaft zum Ziel hat..."
Zusammenfassung der Kapitel
A Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und begründet den Vergleich zwischen der südafrikanischen Apartheid und der Segregationspolitik gegenüber den Aborigines in Australien.
B Vergleich der Anfänge der Apartheid in Südafrika und der Segregationspolitik in Australien: Das Hauptkapitel analysiert detailliert die verschiedenen Bereiche der Rassentrennung, angefangen bei der territorialen Trennung über gesellschaftliche Einschränkungen im Alltag bis hin zur Rolle der indigenen Bevölkerung in der Wirtschaft.
C Konklusion: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass die Ähnlichkeiten in den Methoden der Segregation zwar existieren, die zugrunde liegenden politischen Motive und wirtschaftlichen Ziele jedoch signifikant divergierten.
Schlüsselwörter
Südafrika, Australien, Apartheid, Segregation, Rassentrennung, Aborigines, Kolonialismus, Siedlungskolonien, Migration, Arbeitsmarkt, Identität, Sozialdarwinismus, Landnahme, Bildungspolitik, Bevölkerungskontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt einen historischen Vergleich zwischen den Anfängen der institutionalisierten Rassentrennung in Südafrika und der Segregationspolitik gegenüber den Ureinwohnern in Australien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die territoriale Trennung, alltägliche Diskriminierung (z.B. Ehegesetze), die Rolle der indigenen Bevölkerung im Wirtschaftssystem sowie staatliche Bildungs- und Kontrollmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Parallelen und Unterschiede in der Entstehung rassistisch motivierter Politiken in zwei verschiedenen Siedlungskolonien zu identifizieren und die jeweiligen ökonomischen und ideologischen Triebfedern zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-vergleichende Methode angewandt, bei der die Entwicklungen in beiden Ländern thematisch in Kapiteln gegenübergestellt und analysiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Bereiche: Territoriale Trennung, gesellschaftliche Einschränkungen und die ökonomische Einbindung bzw. Ausgrenzung der Ureinwohner.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Apartheid, White Australia Policy, koloniale Expansion, Rassentrennung und wirtschaftliche Ausbeutung sind für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Warum spielt die Landfrage in beiden Ländern eine so große Rolle?
Land war die Grundlage der kolonialen Existenz und gleichzeitig die Lebensgrundlage der Ureinwohner; die Enteignung und räumliche Segregation waren daher zentrale Mittel der Kontrolle und wirtschaftlichen Sicherung für die weißen Siedler.
Wie unterschied sich die Absicht der Apartheid in Südafrika von der in Australien?
Während Südafrika auf eine parallele Entwicklung zur Integration billiger Arbeitskräfte abzielte, war die Politik in Australien durch den Expansionsdrang und das sozialdarwinistische Ziel der "Auslöschung" bzw. Verdrängung der indigenen Bevölkerung geprägt.
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- Hubertus Lerchenfeld (Author), 2004, Die Native Policy in Südafrika und Australien - ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27899