Mittelniederdeutsche Lehnwörter im Altnordischen und Livländischen

Eine vergleichende Analyse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der mittelniederdeutsch-skandinavische Sprachkontakt

3. Mittelniederdeutsche Lehnwörter im Altnordischen
3.1. Der Entlehnungsbereich „Kirche und Religion“
3.2. Der Entlehnungsbereich „Handelsgüter/Handelsbeziehungen“
3.3. Der Entlehnungsbereich „Berufe“
3.4. Weitere Entlehnungsbereiche
3.5. Mögliche Gründe für den Lexemtransfer

4. Der mittelniederdeutsch-baltische Sprachkontakt

5. Mittelniederdeutsche Lehnwörter im Livländischen
5.1. Der Entlehnungsbereich „Haushaltsgegenstände“
5.2. Der Entlehnungsbereich „Haus und Garten“
5.3. Der Entlehnungsbereich „Nahrungsmittel“
5.4. Weitere Entlehnungsbereiche
5.5. Mögliche Gründe für den Lexemtransfer

6. Vergleich der mittelniederdeutschen Lehnwörter im Altnordischen & Livländischen

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit wird eine vergleichende Analyse der mittelniederdeutschen Lehnwörter im Altnordischen und Livländischen vorgenommen. Das Altnordische ist ein Sammelbegriff für die nordgermanischen Sprachen und Dialekte, die im Mittelalter in Skandinavien gesprochen wurden. Das Livländische ist die Sprache der Stammesgruppe der Liven, die im mittelalterlichen Livland, welches dem heutigen Baltikum entspricht, lebten.

Es kann angenommen werden, dass der Einfluss des Mittelniederdeutschen auf das Altnordische ein anderer als auf das Livländische war, sodass sich die mittelniederdeutschen Lehnwörter in den beiden Sprachen sowie ihre Anzahl und die Entlehnungsbereiche unterscheiden. Das Ziel der Hausarbeit ist, die genannte These zu beweisen.

In der vorliegenden Arbeit wird zunächst die Thematisierung des mittelniederdeutsch-skandinavischen Sprachkontakts vorgenommen, da dies bei der Analyse der mittelniederdeutschen Lehnwörter im Altnordischen berücksichtigt werden muss. Es werden daraufhin die einzelnen signifikantesten Entlehnungsbereiche, welche die meisten übernommenen Lexeme implizieren, präsentiert. Hierbei wurde der Thesaurus von Sabina Tsapaeva (2013) verwendet, welcher u.a. mittelniederdeutsche Lehnwörter im Altnordischen und Livländischen in den verschiedenen Entlehnungsbereichen aufführt. Des Weiteren werden mögliche Gründe für den Lexemtransfer in den einzelnen Kontexten dargestellt. Für Letzteres erweist sich die vorherige Analyse des Sprachkontakts zwischen der Geber- und Nehmersprache als hilfreich. Deswegen wird das Verfahren auch bei den mittelniederdeutschen Lehnwörtern im Livländischen angewendet. Hier weist die Arbeit ebenfalls zunächst ein Kapitel zum mittelniederdeutsch-baltischen Sprachkontakt vor (in Kapitel 4 wird geklärt, warum vom mittelniederdeutsch-baltischen und nicht mittelniederdeutsch-finnougrischen Sprachkontakt gesprochen wird), da man dies bei der Analyse der entstandenen Lehnwörter im Livländischen berücksichtigen muss. Die abschließenden Kapitel beinhalten einen Vergleich zwischen den mittelniederdeutschen Lehnwörtern im Altnordischen und Livländischen und die Präsentation der im darauffolgenden Fazit skizzierten Ergebnisse.

2. Der mittelniederdeutsch-skandinavische Sprachkontakt

„In Skandinavien können wir an dem Niederdeutschen nie vorbeikommen“ (Dahlberg 1956, S. 194). Es ist bereits bekannt, dass die heutigen skandinavischen Sprachen viele mittelniederdeutsche Lehnwörter enthalten (vgl. Braunmüller/Diercks 1995, S. 182). Da sich der mittelniederdeutsche Einfluss bei den aktuellen nordgermanischen Sprachen bemerkbar macht, ist es klar, dass das Altnordische im Mittelalter u.a. als Nehmersprache fungierte. Die nordischen Länder wurden jahrhundertelang enorm durch das Mittelniederdeutsche beeinflusst (vgl. Glück 2002, S. 303). Deswegen ist auch eine Analyse der mittelniederdeutschen Lehnwörter möglich, weil es von Letzteren sehr viele in etymologischen Wörterbüchern niedergeschrieben gibt. In diesem Abschnitt der Arbeit wird zunächst der mittelniederdeutsch-skandinavische Sprachkontakt fokussiert, da so mögliche Gründe für den spezifischen Lexemtransfer im Anschluss gefunden werden können.

Das Mittelniederdeutsche fungierte im Mittelalter vorwiegend als Gebersprache für das Altdänische, Altschwedische, Altnorwegische und Altisländische, aber auch als Nehmersprache. Weil die Sprachen zu einer Sprachfamilie gehören, verwundet es nicht, dass das Mittelniederdeutsche Einfluss auf den Ebenen der Phonologie, der Morphologie, der Syntax und der Lexik hatte und das altnordische Wort für eine Bezeichnung teilweise auch ganz verschwand, da das Mittelniederdeutsche zur „Modesache“ wurde und die mittelniederdeutschen Lehnwörter das skandinavische Wort ersetzten, sodass Dahlberg (1956, S. 196) zu diesem Zusammenhang betreffend bemerkt: „Auf diese Weise sind leider viele einheimische, gut brauchbare Wörter verlorengegangen.“ Des Weiteren sind viele Wörter mittelniederdeutschen Ursprungs, obwohl viele skandinavische Sprecher das gar nicht mehr bemerken, sodass man von viel mehr damaligen mittelniederdeutschen Lehnwörtern im Altnordischen ausgehen kann, als im folgenden Kapitel analysiert und bei De Vries (1961: XXIXf.) aufgeführt. Willy Sanders (1974, S. 22) beispielsweise schätzt, dass in den skandinavischen Sprachen „jetzt noch 30% des Wortschatzes nd. Herkunft sind.“

Der Einfluss des Mittelniederdeutschen auf das Altnordische kam zunächst durch die Christianisierung von Skandinavien im 9. Jahrhundert zustande, weil in dieser Zeit viele religiöse Begriffe übernommen wurden (vgl. Hyldgaard-Jensen 1983, S. 668). Hierbei fungierte es allerdings eher als Mittlersprache und die eigentliche Wirkung des Mittelniederdeutschen auf die skandinavischen Sprachen wurde erst seit dem 12. Jahrhundert bemerkbar, wobei als Gründe dafür die höher stehende Kultur Norddeutschlands, die Vorherrschaft der Hanse auf dem Gebiet des Handels und Verkehrs (bis 1422), der Markteinfluss mit neuen Marktplätzen und neu entstandenen Städten in Skandinavien sowie die Hansehändler als sprachliche Vermittler (vgl. ebd.) genannt werden müssen. Für das Altschwedische, Altnorwegische, Altisländische, Altfäröische muss die Korrespondenz der Sprachen als Fernkontakt bezeichnet werden, was den Einfluss des Mittelniederdeutschen allerdings durch die ständige Interaktion der Menschen aus den Ländern aufgrund des Handels zur Hansezeit nicht als weniger signifikant darstellt. Der Einfluss auf das Altschwedische und Altnorwegische war jedoch viel stärker als auf das Altisländische und das Altfäröische (vgl. Óskarsson 2002, S. 11). Bei den erstgenannten Sprachen und dem Altdänischen kam es daher zu einer merklichen Veränderung des Charakters der Sprachen in bestimmten Bereichen, z.B. „wurden einige der entlehnten Präfixe und Suffixe allmählich auch in der einheimischen Wortbildung produktiv, was im Zusammenwirken mit anderen Faktoren zur Folge hatte, dass sich die Betonungsmuster veränderten“ (vgl. ebd.). Zu einem solchen Ergebnis kam es beim Altisländischen und späterem Isländisch und Altfäröischen und späterem Färöisch nicht und „[v]erglichen mit den festlandskandinavischen Sprachen ist der Anteil der niederdeutschen Wörter am […] Wortschatz recht bescheiden (vgl. ebd., S. 9f.).“ Den größten Einfluss hatte das Mittelniederdeutsche auf das Altdänische. Dies gilt speziell für das deutsch-dänische Grenzgebiet (folglich via Nahkontakt), „wo die Kolonisation vom Süden nördlich der Eider auch Nd. als Volkssprache bis zur Linie Schlei-Schleswig-Husum im Laufe der Zeit mit sich führte (Hyldgaard-Jensen 1983, S. 668).“ Die mittelniederdeutsche Sprache wirkte auf das Altnordische folglich sehr stark.

3. Mittelniederdeutsche Lehnwörter im Altnordischen

Es gibt 469 niedergeschriebene, bekannte mittelniederdeutsche Lehnwörter im Altnordischen (vgl. De Vries 1961: XXIXf.), die in dieser Arbeit analysiert wurden. Das ist eine Vielzahl von Wörtern, was nicht frappierend ist, weil der Einfluss des Mittelniederdeutschen auf das Altnordische groß war, wie im Kapitel zuvor festgestellt. Von den 469 Lehnwörtern gehören 33 der Wortart Adjektive an, 353 sind Substantive und 79 Verben. Wie man erkennen kann, handelt es sich bei den meisten mittelniederdeutschen Lehnwörtern im Altnordischen um Substantive (ca. 75%). 17% der Wörter sind Verben und nur 7% sind Adjektive. In den folgenden Kapiteln werden dabei die größten Entlehnungsbereiche präsentiert.

3.1. Der Entlehnungsbereich „Kirche und Religion“

Der größte Entlehnungsbereich bei den mittelniederdeutschen Lehnwörtern im Altnordischen kann mit dem Begriff „Kirche und Religion“ bezeichnet werden. Ganze 11% der Wörter können eindeutig in den Bereich „Kirche und Religion“ hinzufügt werden. Einige weitere Lexeme könnten im entfernten Sinne auch dazu gezählt werden. Insgesamt sind es 52 von 469 mittelniederdeutschen Lehnwörtern mit dem Entlehnungsbereich „Kirche und Religion“ (vgl. Tsapaeva 2013). In der unteren Tabelle werden einige Beispiele hierzu präsentiert, wobei die Spalte „Kontaktem“ die mittelniederdeutschen Lehnwörter und „Bedeutung“ die neuhochdeutschen Äquivalente beinhaltet (vgl. ebd.). Diese Tabellenform mit zwei Spalten wird im weiteren Verlauf der Arbeit immer wieder bei der Darstellung von Exempeln angewendet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2. Der Entlehnungsbereich „Handelsgüter/Handelsbeziehungen“

Der zweitgrößte Entlehnungsbereich bei den mittelniederdeutschen Lehnwörtern im Altnordischen kann mit dem Terminus „Handelsgüter/Handelsbeziehungen“ versehen werden. Hier lassen sich ca. 10% der Wörter diesem Begriff zuordnen, also nicht viel weniger als bei „Kirche und Religion“. Das sind insgesamt 45 von 469 Lexemen im Entlehnungsbereich „Handelsgüter/Handelsbeziehungen“ (vgl. ebd.). Wie auch bei den mittelniederdeutschen Lehnwörtern im Altnordischen, die dem Entlehnungsbereich „Kirche und Religion“ zuzuordnen sind, gibt es hierbei ebenfalls noch weitere Wörter, die bei dem Begriff „Handelsgüter/Handelsbeziehungen“ im entfernterem Sinne genannt werden könnten. Des Weiteren handelt es sich auch in diesem Fall meistens um Substantive. In der folgenden Tabelle werden erneut einige Beispiele von mittelniederdeutschen Lehnwörtern im Altnordischen aus dem Entlehnungsbereich „Handelsgüter/Handelsbeziehungen“ präsentiert (vgl. ebd.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3. Der Entlehnungsbereich „Berufe“

Der drittgrößte Entlehnungsbereich bei den mittelniederdeutschen Lehnwörtern im Altnordischen kann unter der Bezeichnung „Berufe“ aufgeführt werden. Hierzu können ungefähr 7% aller Lehnwörter zugeordnet werden. Das sind 31 von 469 Lexemen (vgl. ebd.), die als Beispiele für diese Gruppenbezeichnung fungieren können. Einige der Wörter werden in der folgenden Tabelle präsentiert (vgl. ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Mittelniederdeutsche Lehnwörter im Altnordischen und Livländischen
Untertitel
Eine vergleichende Analyse
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Germanistik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
22
Katalognummer
V279070
ISBN (eBook)
9783656817758
ISBN (Buch)
9783656817765
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mittelniederdeutsche, lehnwörter, altnordischen, livländischen, eine, analyse
Arbeit zitieren
MA Daniel Schroeder (Autor), 2013, Mittelniederdeutsche Lehnwörter im Altnordischen und Livländischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279070

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