Analyse der „Musikalischen Exequien“ von Heinrich Schütz auf Elemente einer Begräbnismesse


Hausarbeit, 2012

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Entstehungsgeschichte der „Musikalische(n) Exequien

Schütz` Hintergründe, die zur Komposition beigetragen haben

Der Tod Reuß und die erste Aufführung der Exequien

Bezeichnung als Begräbnismesse

Bibliographie

Anhang

Die „Musikalische(n) Exequien“ sind eine Kompositionsreihe von Heinrich Schütz, die von ihm anlässlich des Todes Heinrich Posthumus von Reuß komponiert wurden. Die Komposition besteht aus drei Teilen, wobei der erste eine Teutsche Begräbnismissa, der zweite eine Motette und der dritte das Nunc dimittis[1] als Doppelchor mit

„Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, sie ruhen von ihrer Arbeit und ihre Werke folgen ihnen nach.“[2]

ist. Diese drei Teile bilden das Gesamtwerk, könnten aber wie Schütz selbst sagt: „In diesem Musicalischen Wercklein (…) nur dreyerley Stücke oder Concert zu befinden“[3] auch als drei eigenständige Werke betrachtet werden.

Mit Schütz Bezeichnung „Teutsche Begräbnismissa“ beziehungsweise „Deutsche Begräbnismesse“ werde ich mich im Anschluss beschäftigen und mit der Frage, ob dies begründet geschehen ist oder ob die Bezeichnung als falsch zu bewerten ist.

Entstehungsgeschichte der „Musikalische(n) Exequien

Schütz erhielt den Kompositionsauftrag offiziell erst nach dem Tod des Fürsten von seiner Ehefrau, die vom diesem kurz vor dessen Tod über seine Begräbniswünsche in Kenntnis gesetzt worden war. Jedoch ist es wahrscheinlich, dass Reuß Schütz bereits vor seinem Tod entweder 1634 oder 1635 damit selbst beauftragte. Die Widmung Schütz: „ihrer wolseligen Gnaden bey dero lebzeiten wiederholten begehren nach in eine stille verdackte Orgel angestellet und abgesungen worden“[4] kann man unterschiedlich deuten. Entweder als wirkliches stetiges Drängen des Fürsten Schütz gegenüber zu komponieren oder, wenn das „wiederholte(..) begehren“ auf „angestellet und abgesungen“ bezogen wird, dass es bereits vor der ursprünglichen Uraufführung eine oder mehrere Aufführungen gab.[5]

Reuß begann mit seiner Todesvorbereitung im Jahr vor seinem Tod, also 1634 beziehungsweise 1635. Sehr wahrscheinlich ist es, dass es einen bestimmten Personenkreis gab, die an den Vorbereitungen mitgewirkt haben und den Fürsten unterstützt haben.[6] Die Vorbereitungen sind eine damals übliche Handhabung mit dem Thema Tod, die durch Luther, aber auch Moller[7] geprägt wurde und auch in der häufigen Begegnung mit dem Tod besonders während des Dreißigjährigen Krieges begründet liegt[8]. Der Mensch bereitet seinen Tod vor, erkennt ihn als unumgänglich an und auch als notwendigen Teil des Lebens. Dabei wird ihm bewusst, das alles in Gottes Hand liegt und sein Wort in der Bibel auch als Grundlage der „Sterbebereitung“[9] und als Trost für die Trauernden dient. Reuß ließ hierzu einen Sarg aus Kupfer fertigen und diesen mit fünfundzwanzig Bibelsprüchen und Kirchenliedstrophen beschriften. Die verwendeten Texte lassen sich zu einem Kanon von Texten zuordnen, die in der Wittenberger Reformation für den Umgang mit dem Thema Tod und Sterben in der Predigt, Seelsorge und Katechese zusammengestellt wurden.[10] Zentral am Kopfende ließ er die gängigen Auferstehungsbibelstellen: „Christus ist mein Leben, Sterben mein Gewinn“[11] und „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt“[12] notieren. Als besonders interessant zu bewerten, sind auch die beiden Bibelstellen rechts und links von seinem Kopfende: „Ich weiß, das Erlöser lebt“[13] und „Herr, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde“[14]. Beide sind in erster Person Singular geschrieben und erwecken so die Assoziation, dass Reuß selbst spricht und seine Hinterbliebenen damit tröstet, dass er sich in Gottes Hand wohl fühlt.[15] Ebenso tröstend ist auch die Bibelstelle, die Reuß um den Sargdeckel herum schreiben ließ, so dass der Leser einmal um den Sarg herum laufen muss, um alle Worte lesen zu können:

„Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Qual rühret sie an. Für den Unverständigen werden sie angesehen als stürben sie und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet und ihr Hinfahren für ein Verderben. Aber sie sind in Freuden“[16]

In diesem Bibelwort wird die Heilsgewissheit deutlich, die der Gläubige empfindet. Wie auch in den zuvor erwähnten Worten besteht die Tröstung für die Hinterbliebenen in der Erkenntnis eines ewigen Lebens und keiner ewigen Trennung vom Toten. Dieses Ewigkeitsdenken ist Hauptthema der Bibelstellen, neben Gedanken über die Vergänglichkeit und das Sterben, die auch in folgender Bibelstelle deutlich wird:[17]

„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewiges Leben haben.“[18]

Das Wort aus dem 73. Psalm kann man als das zentrale Wort bzw. Motto der Begräbnisfeierlichkeiten bezeichnen. Einerseits durch die zentrale Stelle auf dem Sarg Reuß, andererseits durch die dreifache Verwendung in den Begräbnisfestlichkeiten: Sowohl als kurz im ersten Teil und als zweiter Teil der Exequien, als auch als Grundlage der zweiten Predigt.[19] Mit dem Wort aus Hiob und „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“[20] wählte Reuß darüber hinaus auch die „Kernsprüche der Seelsorge und Predigtpraxis“[21]

Diese Bibeltexte und auch Kirchenliedstrophen verwendete Schütz dann als Textgrundlage für sein Werk. Er benutzte 21 von den 25 Worten für den ersten Teil und wie bereits erwähnt den Psalm 73 und das Canticum Simeonis für den zweiten und dritten Teil.[22] Für die Vertonung hat Reuß bestimmt, die Bibelworte und Kirchenlieder mehrstimmig zu komponieren und ein Orchester ausgeschlossen. Er wünschte eine Begleitung des Gesanges nur durch die Orgel als Continuo-Instrument.[23] Darüber setzte sich Schütz, nur zweimal hinweg. Im ersten Teil verwendete er für die Vertonung von Jesaja 26, 23[24] ein Alt-Solo und für die Verarbeitung von Hiob 19,25[25] ein Tenor-Solo, um darauf einen besonderen Schwerpunkt zu legen.

Der erste Teil der Exequien wird als teutsche Begräbnismissa bezeichnet, welches wohl erst im Nachhinein geschehen sein muss, um eine möglichst häufige Verwendung zu erreichen und in den enthaltenen Bestandteilen Kyrie[26] und Gloria[27] begründet ist.[28] Das Kyrie ist in sehr ähnlichem Wortlaut in der Vertonung von Hiob 1, 21[29] direkt zu Beginn der Exequien enthalten. Das Gloria direkt nachfolgend in der Vertonung des „Also hat Gott die Welt geliebt“ und des 73. Psalm als Fortsetzung.[30] Allerdings kann man diese zwei Teile nicht als direkte Bestandteile einer Messe sehen, da es in dieser auf den genauen Wortlaut ankommt, der beim Kyrie zwar gegeben ist, aber im Gloria eben nicht. Daher bezeichnet Bolin diese als „Quasi-Gloria“ und „Quasi-Kyrie“[31].

[...]


[1] Vertonung des Lukas 2, 29-32, auch als Canticum Simeonis bekannt

[2] Offenbarung 14, aus 13

[3] Bolin (1989) S.206

[4] Bolin S.138

[5] Vgl. auch Breig S. 54

[6] Vgl. auch Bolin S.138

[7] Vgl. auch Steiger (1996) S. 191ff.

[8] Vgl. auch Pickerodt (1994) S. 28

[9] Steiger S.191

[10] Koch (1996) S.183

[11] Philipper 1,21

[12] Johannes 1, 29

[13] Hiob 19, 25

[14] Psalm 73, 25

[15] Vgl. auch Bolin S.158

[16] Weisheit 3, 1-3 (Wortlaut zu Schütz Zeit vgl. Pickerodt S.36)

[17] Vgl. auch Pickerodt S. 36 sowie Breig S. 56

[18] Johannes 3, 16

[19] Vgl. auch Pickerodt S.34

[20] Genesis 32, 27

[21] Steiger S. 194

[22] Vgl. auch Pickerodt S. 30

[23] Vgl. auch Henze-Döhring (1994) S. 48

[24] Gehe hin, mein Volk in eine Kammer und schließ die Tür nach dir zu! Verbirge dich einen kleinen Augenblick, bis der Zorn vorrübergehe.

[25] Ich weiß, dass mein Erlöser lebt

[26] Herr, erbarme dich unser! Jesus, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser!

[27] Ehre sei Gott in den Höhen und Friede auf Erden unter den Menschen, an denen Gott Wohlgefallen hat.

[28] Vgl. auch Breig S. 64 und Henze-Döhring S. 41

[29] Nacket bin ich von Mutterleibe kommen

[30] Bolin S. 159 und 161

[31] Bolin S. 159

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Analyse der „Musikalischen Exequien“ von Heinrich Schütz auf Elemente einer Begräbnismesse
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Musikwissenschaftliches Seminar)
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V279101
ISBN (eBook)
9783656719670
ISBN (Buch)
9783656719663
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, musikalischen, exequien, heinrich, schütz, elemente, begräbnismesse
Arbeit zitieren
Jennifer Böker (Autor:in), 2012, Analyse der „Musikalischen Exequien“ von Heinrich Schütz auf Elemente einer Begräbnismesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279101

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