Wortschatzarbeit. Unterrichtsversuch im Fach Französisch mit Dokumentation

Praktikum an einem Gymnasium (10. Klasse)


Praktikumsbericht / -arbeit, 2013

29 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Bedingungsfeldanalyse
1.1 Vorstellung der Praktikumsschule
1.2 Die Rolle des Französischunterrichts an der Praktikumsschule
1.3 Darstellung der von mir übernommenen Aufgaben

2. Wortschatzarbeit im Fremdsprachenunterricht
2.1 Einleitung
2.2 Wortschatz und mentales Lexikon
2.3 Wortschatzvermittlung
2.3.1 Kriterien zur Wortschatzauswahl
2.3.2 Phasen der Wortschatzarbeit
2.4 Vokabellerntechniken

3. Dokumentation eines eigenen Unterrichtsversuchs
3.1 Bedingungsfeldanalyse
3.2 Sachanalyse
3.2.1 Der Gebrauch des Subjonctif
3.2.1.1 Der Subjonctif als Modus der Willensäußerung
3.2.1.2 Der Subjonctif als Ausdruck der persönlichen Stellungnahme
3.2.1.3 Der Subjonctif in Gliedsätzen
3.2.2 Die Bildung des Subjonctif présent
3.3 Didaktisch-methodischer Begründungszusammenhang
3.4 Methodische Überlegungen
3.5 Verlaufsplanung der Stunde
3.6 Tatsächlicher Stundenverlauf und kritische Reflexion

4. Literaturangabe

5. Anhang
I. Artikel Êtes-vous pour ou contre le port de l’uniforme à l’école
II. Karikatur zum Thema Schuluniform
III. Folie über Bildung und Gebrauch des Subjonctif
IV. Arbeitsblatt zu Kleidungsstücken

1. Bedingungsfeldanalyse

1.1 Vorstellung der Praktikumsschule

Vom 10.09.2012 bis zum 05.10. 2012 absolvierte ich mein zweites Schulpraktikum am Gymnasium XXX. Es wurde im Jahre 1991 gegründet, verfügt über 26 moderne Klassenräume, neun Fachunterrichtsräume, eine dreigeteilte Turnhalle und eine Außensportanlage für Leichtathletik und Fußball. Die Schüler[1] können sich zudem in der im Schulkomplex ansässigen Stadt- und Schulbibliothek informieren. Besonders erwähnenswert ist die intensive Zusammenarbeit zwischen Schule und Bibliothek zur Förderung der Sprach- und Lesekompetenz. So hat die Bibliothek XXX z.B. am Lesesommer XXL des Landes Sachsen-Anhalt teilgenommen, um bei Kindern von 10 bis 13 Jahren die Freude am Lesen zu wecken und zu fördern. Im Rahmen dieses Projekts lesen die Schüler mindestens zwei Bücher, füllen anschließend einen Bogen mit inhaltlichen Fragen zum Buch sowie eigenen Leseeindrücken aus und bekommen dafür ein Zertifikat, welches sie ihrem Deutschlehrer vorlegen. Dieser hat dann die Möglichkeit die Leseleistung in den Unterricht einzubeziehen sowie die Beteiligung am Lesesommer auf dem Zeugnis zu vermerken, was als zusätzliche Motivation dienen soll.[2] Zudem finden regelmäßig Lesenächte unter verschiedenen Mottos in der Bibliothek statt. Die letzte lange Nacht des Lesens fand am 21. September 2012 mit dem Thema „So lonely – Liebe ist…“ statt.

Da Lebens- und Berufsnähe sowie Internationalisierung zu den Grundprinzipien der Ausbildung am Gymnasium XXX zählen, bemüht sich die Schule um die Entwicklung einer wissenschaftspropädeutischen Methodik bei ihren Schülern. Unterstützt wird sie dabei von der Universität XXX, mit der das Gymnasium kooperiert, um die Schüler frühzeitig mit universitären Praktiken vertraut zu machen. Das Gymnasium ist eines von derzeit zwanzig sog. „Prime-Gymnasien“, mit denen die Universität einen Kooperationsvertrag abgeschlossen hat, um die Zusammenarbeit zu intensivieren. Dabei verfolgt sie die Ziele, die Schüler für ein Studium zu begeistern, sie auf den Hochschulalltag vorzubereiten und hochbegabte Schüler über ein Frühstudium zu fördern.

Am Gymnasium XXX werden laut Aussage des Direktors Herrn XXX momentan 650 Schüler in insgesamt 26 Klassen von 60 Lehrkräften (inklusive der sechs Referendare) unterrichtet. Die Lehrer werden zudem von einer Schulsozialarbeiterin unterstützt. Die durchschnittliche Klassenstärke liegt bei 25 Schülern.

Die Ausbildung und Erziehung der Schüler beschränkt sich aber nicht nur auf den institutionellen Rahmen, sondern umfasst auch den Freizeitbereich. Die Angebote sind hierbei äußerst facettenreich und umfassen sowohl musische und gestalterische, sportliche und handwerkliche als auch spielerische und technische Betätigungen. In den verschiedensten Arbeitsgemeinschaften können die Schüler ihre Neigungen entdecken, Talente ausbilden und diese mittels weiterer Förderung ausbauen.

Sportbegeisterte Schüler treffen sich z.B. in der Judo- oder Volleyball-AG oder spielen zusammen Fußball. Erwähnenswert ist, dass sich das harte Training oftmals auszahlt, denn die sportlichen Leistungen der Schüler führten das Gymnasium bereits zu diversen Landesmeistertiteln und ermöglichten sogar die mehrmalige Teilnahme am Bundesfinale von „Jugend trainiert für Olympia“. Die musisch begabten unter den Schülern können ihrer Vorliebe im Chor nachgehen.

1.2 Die Rolle des Französischunterrichts an der Praktikumsschule

Französisch kann am Gymnasium XXX ab Klasse 7 als zweite Fremdsprache belegt werden. Im laufenden Schuljahr gibt es in der Jahrgangsstufe 7 einen Französisch-, einen Russisch- und zwei Italienischkurse. Dementsprechend gibt es auch in den Jahrgangsstufen 8 bis 11 nur einen Französischkurs. In Klasse 12 gibt es einen Kurs mit zwei Schülern.

Für den Französischunterricht stehen zwei Lehrerinnen sowie seit Mitte Oktober bis Ende Mai 2013 eine junge Fremdsprachenassistentin aus der Nähe von Paris zur Verfügung.

Im Unterricht wird von Klasse 7 bis 10 wird mit den Découvertes -Bänden 1 bis 4 des Klett-Verlags und den dazugehörigen Cahiers d’activité gearbeitet. In Klasse 11 kommt Horizons, ebenfalls aus dem Klett-Verlag, zum Einsatz. In der 12. Jahrgangsstufe benutzen die Schüler neben Horizons noch Parcours aus dem Cornelsen-Verlag.

Schüler, die Interesse daran haben, ihr Wissen und ihre Kenntnisse in Französisch zu vertiefen und außerhalb des Unterrichts sprachlich aktiv zu werden, werden in bestimmten Förderstunden auf die DELF-Prüfungen vorbereitet. Jenes Diplôme d’études en langue française richtet sich an Französischlernende nichtfranzösischer Nationalität, die gewillt sind ihre Kenntnisse in der französischen Sprache nachzuweisen. Das DELF-Programm besteht aus vier unabhängigen Einheiten, d.h. aus den vier Niveaustufen A1, A2, B1 und B2, wobei A1 das elementare Niveau darstellt und für Spracheinsteiger geeignet ist, wohingegen B2 gut ausgebaute sprachliche Fähigkeiten verlangt. Nach Bestehen der Prüfung erhält man ein international anerkanntes Zertifikat.[3]

Doch nicht nur im regulären Französischunterricht können die Schüler ihr Können unter Beweis stellen, auch bei Schulolympiaden und Teilnahmen an zentralen Wettkämpfen wie dem Bundeswettbewerb für Fremdsprachen ist Köpfchen gefragt.

Zudem hat das Gymnasium XXX eine Partnerschule in dem kleinen Städtchen XXX unweit von Paris mit der regelmäßig Schüleraustausche organisiert werden, die es den Jugendlichen ermöglichen, sich Land und Leute etwas genauer anzuschauen. Sie erhalten einen Einblick in die Lebensart der Franzosen und haben die Möglichkeit sprachlich selbst aktiv zu werden.

1.3 Darstellung der von mir übernommenen Aufgaben

Während meines Praktikums habe ich versucht in möglichst unterschiedlichen Klassenstufen zu hospitieren, um zunächst einmal einen Gesamteindruck zu gewinnen.

Wie bereits erwähnt, gibt es am Gymnasium XXX zwei Französischlehrerinnen. Ich habe bei beiden hospitiert, in der Hoffnung verschiedene Unterrichtsstile und Interaktionsformen zu sehen. Allerdings muss ich anmerken, dass ich mich bei einer Lehrerin nur zwei Stunden im Unterricht aufhielt, da ihr Kurs immer parallel zu den Italienischstunden stattfand. Insgesamt habe ich in den Klassenstufen 7 bis 11 hospitiert. Dabei wurde mir noch einmal vor Augen geführt, wie sehr man sich als Lehrer an den jeweiligen Wissensstand und das Sprachniveau der verschiedenen Klassenstufen anpassen muss, um erfolgreichen Unterricht zu gestalten.

Selber unterrichtet habe ich dann in den Klassen 7 bis 10. Im Fach Französisch habe ich insgesamt 21 Stunden hospitiert und 15 Stunden unterrichtet, wovon zwei Stunden auf die 7., jeweils drei Stunden auf die 8. und 9. und sieben Stunden auf die 10. Klasse entfallen. Ich wurde seitens der Schüler stets offen und mit Neugier empfangen und freundlich aufgenommen. Die Schüler arbeiteten gut mit, wobei besonders die jüngeren Klassen hervorzuheben sind, die sich motiviert und wissensdurstig am Unterricht beteiligten. Die Arbeit in der 7. Klassenstufe hat mir besonders gefallen, da die Schüler äußerst begeisterungsfähig und lernbereit waren.

2. Wortschatzarbeit im Fremdsprachenunterricht

2.1 Einleitung

„[…] Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“[4] Mit diesem Zitat möchte ich auf die Sinnfälligkeit der Wortschatzarbeit im Fremdsprachenunterricht aufmerksam machen. Wenn Menschen miteinander kommunizieren wollen, müssen sie ihre Gedanken in Worte fassen. Mit Hilfe von Wörtern wird unsere Welt beschreib- und interpretierbar. Wer in einer Gesellschaft bestehen will, ist darauf angewiesen, ihre Sprache zu erlernen. Ausgehend von diesem Standpunkt möchte ich im folgenden Theorieteil meines Berichts auf einen elementaren Aspekt des Fremdsprachenunterrichts eingehen, den der Wortschatzarbeit. Vokabeln werden jedoch nicht dadurch gespeichert, dass man sie auswendig lernt und nur gelegentlich wiederholt, sondern einzig durch den kontinuierlichen Gebrauch in sinnvollen Kontexten können sie langfristig behalten werden.[5] Daher kann die Aufgabe des Lehrers nicht allein darin bestehen, die unbekannten Wörter zu nennen und diese zu übersetzen. Vielmehr ist es seine Pflicht, diese auf anschauliche Art und Weise einzuführen, zu ihrer Anwendung zu motivieren und den Schülern Lerntechniken an die Hand zu geben, die die kognitive Verankerung fördern.

Im Folgenden sollen zunächst die Termini Wortschatz und mentales Lexikon näher definiert werden, bevor ich darauf eingehe, nach welchen Kriterien der zu lernende Wortschatz ausgewählt wird und in welche Phasen die Arbeit mit ihm eingeteilt werden kann. Zudem sollen Lerntechniken aufzeigt werden, die die Schüler beim Vokabellernen unterstützen können.

2.2 Wortschatz und mentales Lexikon

Damit wir uns in einer fremden Sprache miteinander verständigen können, müssen wir uns ein gewisses Wortschatzinventar aneignen, denn ohne dieses ist eine Kommunikation in der Fremdsprache ausgeschlossen. Daher kommt der Wortschatzarbeit seit der kommunikativen Wende in den 1970er Jahren eine zentrale Rolle im Fremdsprachenunterricht zu.[6]

Unter Wortschatzarbeit versteht man „jegliche[n] Umgang mit lexikalischen Einheiten der Zielsprache innerhalb und außerhalb des Unterrichts […], welcher der Verbesserung der fremdsprachlichen Kompetenz dienen kann“.[7] Im Fremdsprachenunterricht gibt es vier kommunikative Fertigkeiten, die es zu erwerben bzw. aus Lehrersicht zu vermitteln gilt. Zur Aneignung dieser ist ein bestimmter Wortschatz erforderlich, ein rezeptiver (passiver) Wortschatz für die beiden Kompetenzen Hören und Lesen und ein produktiver (aktiver) für die Kompetenzen Sprechen und Schreiben. Unter rezeptivem Wortschatz versteht man die Gesamtheit der Wörter, die der Lernende versteht, wenn er sie hört und liest, jedoch selbst nicht anwenden könnte und würde. Der produktive Wortschatz hingegen ist die Menge aller Wörter, die er selbst beim Sprechen und Schreiben zu gebrauchen in der Lage ist.[8] Daneben existiert noch der potentielle Wortschatz. Damit sind „diejenigen Wörter einer Sprache [gemeint], die die Lernenden nie zuvor gehört oder gelesen haben, aber dennoch bei einer eventuellen Begegnung verstehen würden.“[9] Der rezeptive Wortschatz ist umfangreicher als der produktive. Dies ist damit zu begründen, dass Wörter immer in einem sprachlichen Zusammenhang auftreten, der auf die Bedeutung von unbekannten Wörtern schließen lässt. Besonders im Anfängerunterricht nehmen die Schüler den Wortschatz zunächst einmal rezeptiv und überwiegend mündlich auf. Das neue Wort ist demnach zu Beginn lediglich Bestandteil des rezeptiven Wortschatzes. Erst nach einer gewissen Zeitspanne hat sich das Wort durch Übung und Wiederholung im Gedächtnis verankert, so dass der Schüler zum aktiven Wortgebrauch übergeht.[10]

[...]


[1] Um eine leichtere Lesbarkeit zu gewährleisten, wird im weiteren Verlauf dieses Berichts auf geschlech-terdifferenzierende Schreibweisen verzichtet. Es sei jedoch angemerkt, dass die maskuline Form stets generische Funktion hat.

[2] Mehr dazu auf der Homepage des Lesesommers XXL Sachsen-Anhalt, abrufbar unter: http://www.lesesommer-sachsen-anhalt.de/ (Zugriff: 08.12.2012).

[3] Mehr dazu auf der Homepage des Centre international d’études pédagogiques, abrufbar unter: http://www.ciep.fr/delfdalf/index.php (Zugriff: 08.01.2013).

[4] Zitiert nach Wittgenstein in: Bleyhl, Werner (1995): „Wortschatz und Fremdsprachenunterricht oder: Das Problem sind nicht die Lerner“, in: Bausch, Karl-Richard et al. (Hg.): Erwerb und Vermittlung von Wortschatz im Fremdsprachenunterricht. Arbeitspapiere der 15. Frühjahrskonferenz zur Erforschung des Fremdsprachenunterrichts, Tübingen: Narr, S. 20-31, S. 20.

[5] Vgl. Reinfried, Marcus (2006): „Wortschatzarbeit – l’empire des mots , in: Nieweler, Andreas (Hg.): Fachdidaktik Französisch. Tradition – Innovation – Praxis, Stuttgart: Klett, S. 174-189, S. 180.

[6] Vgl. Reinfried (2006), S. 174.

[7] De Florio-Hansen, Inez (52009): „Fremdsprachenlernende zu Wort kommen lassen oder Wortschatzar-beit: aktiv, individuell und interaktiv“, in: Jung, Udo O. H. (Hg.): Praktische Handreichung für Fremdsprachenlehrer, Frankfurt am Main: Lang, S. 180-187, S. 181.

[8] Vgl. Doyé, Peter (1971): Systematische Wortschatzvermittlung im Englischunterricht, Hannover: Schroedel, S. 15.

[9] Denninghaus, Friedhelm (1976): „Der kontrollierte Erwerb eines potentiellen Wortschatzes im Fremd-sprachenunterricht“, in: Praxis des neusprachlichen Unterrichts 23/1976, S. 3-14, S. 3.

[10] Vgl. Reinfried (2006), S. 175.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Wortschatzarbeit. Unterrichtsversuch im Fach Französisch mit Dokumentation
Untertitel
Praktikum an einem Gymnasium (10. Klasse)
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
29
Katalognummer
V279109
ISBN (eBook)
9783656728818
ISBN (Buch)
9783656728795
Dateigröße
2254 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Französisch, Fachdidaktik, Praktikum, Gymnasium, Bedingungsfeldanalyse, Sachanalyse, Stundenplanung, Unterrichtsvorsschlag, Subjonctif, Wortschatzarbeit, mentales Lexikon, Wortschatzvermittlung, Semantisierung, Vokabellerntechniken
Arbeit zitieren
Patrizia Scamarcio (Autor), 2013, Wortschatzarbeit. Unterrichtsversuch im Fach Französisch mit Dokumentation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279109

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