Positive und negative Koordination in Verhandlungssystemen


Zusammenfassung, 2011
6 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Positive und negative Koordination in Verhandlungssystemen

- Entwicklung: Wechselseitige Abhängigkeit von Ereignissen und Handlungen wird nicht mehr durch stabile Ordnungen und kulturell gleichgerichtete Orientierungen unter Kontrolle gehalten
- Aber: Trotz zunehmender Unordnung existiert Maß an intra- wie interorganisatorischer und intra- wie intersektoraIer und intra- wie internationaler Abstimmung und wechselseitiger Erwartungssicherheit
- Gibt auch jenseits der Grenzen von reinem Markt, hierarchischem Staat und herrschaftsfreien Diskursen in intern differenzierten und international verflochtenen modernen Gesellschaften mehr und wirksamere Koordinationsmechanismen

Das Koordinationsproblem

- Koordinationsbegriff: Formen der Abstimmung, deren wohlfahrtstheoretisches Anspruchsniveau über das durch wechselseitige Antizipation in nicht-kooperativen Spielen erreichbare Nash-Gleichgewicht hinausgeht
- „Clans": Betriebswirtschaftliche Variante von "Gemeinschaft", zugleich haben sie Ähnlichkeiten mit den „relationalen Verträgen" ; andererseits erscheinen „Assoziationen" als schwache Variante einer hierarchischen Koordination, welche (wie der demokratische Verfassungsstaat) von der Zustimmung der Koordinierten abhängt
- Schließlich könnte man auch "relationale Verträge" als charakteristische Form der Interaktion in Netzwerken interpretieren
- Klärung der Voraussetzungen und Funktionsweisen bestimmter Formen der Nicht-Marktkoordination (Reduzierung auf Varianten der (demokratisch oder vertraglich legitimierten oder autoritären) hierarchischen Koordination und der (freiwilligen oder zwangsweisen) vertraglichen Koordination)

Schwierigkeiten von Koordination durch Verhandlungen

- Lösungen, die aggregierte Wohlfahrt ("Gemeinwohl“) maximieren, werden systematisch ignoriert, wenn sie nicht gleichzeitig auch für jeden einzelnen der Verhandlungspartner eine Verbesserung gegenüber dem Status Quo versprechen
- Wenn es mehr als eine pareto-superiore Lösung geben sollte, dann besteht immer auch Gefahr, dass Verhandlungen durch Streit über Wahl zwischen diesen Lösungen blockiert werden
- Folge: Das durch hierarchische Koordination erreichbare Wohlfahrtsniveau liegt in der Regel höher als das durch Verhandlungen erreichbare Ergebnis
- Wenn Zahl der Beteiligten zunimmt, kommt es zu Kumulation von Veto-Positionen, die Wahrscheinlichkeit rasch vermindert, dass überhaupt Wohlfahrts-Verbesserungen durch multilaterale Verhandlungen zwischen egoistisch-rationalen Akteuren erreicht werden können
- „Coase-Theorem“: Alle Wohlfahrtsgewinne, die durch ideale hierarchische Koordination erreichbar wären, können auch durch freiwillige Vereinbarungen zwischen autonomen und ausschließlich egoistisch-rationalen Akteuren realisiert werden
- Bei freiwilligen Verhandlungen müsste die Partei, die von Vorhaben Nachteile zu befürchten hätte, die daran Interessierten für den Verzicht bezahlen, während in einem Zwangsverhandlungssystem (etwa, wenn Eigentumsrechte gegen negative Extemalitäten rechtlich geschützt sind) die Ausgleichzahlungen in die andere Richtung fließen müssten

- In beiden Fällen aber würde das Ergebnis von Verhandlungen zwischen egoistisch-rationalen Akteuren die aggregierte Wohlfahrt der Beteiligten maximieren

- Dementsprechend wird sowohl in den internationalen Beziehungen als auch in der Innenpolitik die Bedeutung von „issue-linkage“ und "log-rolling“ als Strategie zur Überwindung von Verhandlungsblockaden seit langem anerkannt
- Aber auch wenn Hierarchie und Verhandlungen unter den postulierten idealen Bedingungen genau das gleiche Wohlfahrtsmaximum erreichen können, so folgt daraus noch lange nicht, dass beide Mechanismen auch unter realen Bedingungen wechselseitig substituierbar wären
- In beiden Fällen kann Optimum nur unter idealisierten Annahmen erreicht werden, für die praktikable Approximationslösungen allenfalls unter besonderen Bedingungen erreichbar erscheinen (deshalb praktischen Voraussetzungen erörtern, unter denen Annäherung an Wohlfahrtsoptimum für hierarchische/ausgehandelte Koordination erwartet werden kann)

2. Grenzen der hierarchischen Koordination

- Hierarchische Koordination setzt sowohl Lösung eines Motivationsproblems als auch Lösung eines Informationsproblems voraus
- Hierarchische Autorität ist nur dann normativ akzeptabel, wenn sie im Gesamtinteresse des Unternehmens oder des politischen Gemeinwesens (und nicht im privaten Interesse der jeweiligen Positionsinhaber) ausgeübt wird

Motivationsproblem

- Pessimistische Sicht: Unterstellung von amoralischen "Opportunismus“ ("self-interest seeking with guile“) für alle Akteure
- Wirkung wird im politischen Prozess noch verschärft durch Informationsasymmetrien und Kollektivhandelns-Probleme der Betroffenen
- Normative politische Theorie und auch jede andere institutionalistische Theorie ist zu Annahme gezwungen, dass menschliches Verhalten im Prinzip an Normen orientiert ist
- Möglichkeit von Markttransaktionen im Privatsektor beruht nicht nur auf rechtlichen Durchsetzbarkeit von Eigentumsrechten und vertraglichen Ansprüchen, sondern auch auf sozialen Normen, die "normale" (nicht "opportunistische“) Verfolgung von Eigeninteressen in Markt-Situationen legitimieren
- Gefahr: Auch wenn Normen von Bedeutung sind, folgt daraus keineswegs praktische Irrelevanz von Eigeninteressen (Möglichkeiten des Missbrauchs hierarchischer Autorität bleiben gegenwärtige Gefahr)
- Lösung: Institutionen, die vorhandene normative Orientierungen von Akteuren stärken und deren eigene Festlegung auf öffentliche Zwecke gegen mögliche Versuchungen schützen sollen
- Lösung: Versuch, mit Mitteln einer geschriebenen Verfassung unüberwindbare Sicherungen gegen Amtsinhaber zu schaffen, denen man eine ausschließliche Orientierung an eigenen Privatinteressen und entschlossenen Opportunismus unterstellt

Informationsproblem

- Wahrscheinliches Ergebnis von Zentralisierung ist entweder extreme Informationsknappheit oder Informationsüberlastung der Zentrale (Folge: Schlecht informierte und nicht problemgerechte Entscheidungen oder unendliche Verzögerungen)
- "Näherungsweise Zerlegbarkeit": Impliziert bestimmtes Muster von Interaktionsbeziehungen bei dem Interaktionen zwischen Akteuren, die gemeinsamem Vorgesetzten unterstellt sind, wesentlich wichtiger sind und häufiger auftreten müssen als Interaktionen mit Mitgliedern anderer Einheiten ("modulare" Ordnung)
- Folge für hierarchische Organisationen: Wahl, entweder hierarchische Kompetenzverteilung aufrecht erhalten oder zentralen Koordinationsanspruch reduzieren und sich auf horizontale SeIbstkoordination zwischen Untereinheiten verlassen
- Ergebnis: Vorteile der Dezentralisierung und der selektiven Interaktion werden preisgegeben, Tagesordnung der höheren Leitungsebenen wird überlastet und deren Informationsverarbeitungsfähigkeit überfordert
- Folge erster Fall: Überzentralisierung der Organisation
- Folge zweiter Fall: Mitarbeiter müssen selber mit zunehmender Aufgabeninterdependenz zwischen Einheiten fertig werden, Organisation verliert alle Vorteile der hierarchischen Koordination und Probleme der horizontalen Selbstkoordination entstehen

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Positive und negative Koordination in Verhandlungssystemen
Hochschule
FernUniversität Hagen
Veranstaltung
Modul 1.1: Governance - Einführung in die Thematik
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
6
Katalognummer
V279180
ISBN (eBook)
9783656720409
Dateigröße
748 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
positive, koordination, verhandlungssystemen
Arbeit zitieren
Michaela Sankowsky (Autor), 2011, Positive und negative Koordination in Verhandlungssystemen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279180

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