Vielen sind die Namen Jacob und Wilhelm Grimm nur in Verbindung mit ihrer Märchensammlung bekannt. Dass diese beiden Brüder jedoch eine viel größere Bedeutung für die Geschichte der Germanistik besitzen, wissen nur wenige. So ist einer ihrer größten Verdienste die Erarbeitung des „Deutschen Wörterbuchs “, von dem sie selbst nur die ersten drei Bände geschrieben haben, da dieses enorme Projekt ihre Lebzeiten überdauerte. Wilhelm Grimm, der nur den Buchstaben D beisteuerte, war bereits fast vier Jahre tot, als sein Bruder Jacob am 20.09.1863 über dem Wort „Frucht“ starb. Sein Anteil ist, verglichen mit dem seines Bruders Wilhelm, der bedeutend größere, daher soll in dieser Arbeit auch mehr auf ihn eingegangen werden.
Diese drei Bände, die später von verschiedenen Wissenschaftlern auf 32 Bände vervollständigt wurden, stellten jedoch bereits den Drehpunkt der deutschen Lexikographie dar. Das „Deutsche Wörterbuch“ war die Basis für andere, wie das wohl bekannteste Nachschlagewerk, den Duden. Es bot Anlass für viele wissenschaftliche Diskussionen und noch heute ist es Thema verschiedenster Publikationen. Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll daher neben den Vorgängern und der Entstehungsgeschichte dieses Werkes vor allem auf seinen Aufbau eingegangen werden. Dazu werden verschiedene Forschungsmeinungen sowie Kommentare der Brüder Grimm selbst einbezogen. Als Verdeutlichung der Ausführungen sollen einige Originalauszüge des ersten Bandes dienen. Abschließend wird in einer kurzen Zusammenfassung ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Vorläufer des „Deutschen Wörterbuchs“
1.1. Sprachglossare
1.2. Deutsche Wörterbücher
2. Die Entstehung des „Deutschen Wörterbuchs“
3. Ziel des „Deutschen Wörterbuchs“
4. Der Rahmen des „Deutschen Wörterbuchs“
5. Stichwortbestand
5.1. Wortansatz
5.2. Fremdwörter
5.3. Eigennamen
5.4. Fachsprachliche Begriffe
5.5. Volkssprachliche und anstößige Wörter
6. Die Wortartikel
6.1. Aufbau der Wortartikel
6.2. Etymologie
6.3. Wortbedeutung und Erklärung
6.4. Belege
7. Zusammenfassung
Zielsetzung und Forschungsfragen
Die vorliegende Arbeit untersucht das „Deutsche Wörterbuch“ der Brüder Grimm als wissenschaftliches Großprojekt. Ziel ist es, neben der historischen Entstehungsgeschichte und den Einflüssen vorangegangener lexikographischer Werke, eine tiefgehende Analyse des inhaltlichen Aufbaus sowie der methodischen Kriterien bei der Erstellung der Wortartikel vorzunehmen.
- Historische Einordnung des Projekts im Kontext der Germanistik
- Analyse der lexikographischen Vorläufer von Adelung und Campe
- Untersuchung der Kriterien zur Stichwortauswahl und Aufnahme von Fremdwörtern
- Darstellung der methodischen Struktur der einzelnen Wortartikel (Etymologie, Bedeutung, Belege)
- Reflexion über die wissenschaftliche Bedeutung und die Herausforderungen des Werks
Auszug aus dem Buch
5.2. Fremdwörter
Dieser Punkt war für Jacob Grimm sehr wichtig, meinte er doch:
Es ist pflicht der sprachforschung und zumal eines deutschen wörterbuchs dem maszlosen und unberechtigten vordrang des fremden widerstand zu leisten und einen unterschied fest zu halten zwischen zwei ganz von einander abstehenden gattungen ausländischer wörter, wenn auch ihre grenze hin und wieder sich verläuft.23
Es zeigt sich, dass er also der Meinung war, man müsse dem Eindringen von Fremdwörtern in die deutsche Sprache Einhalt gebieten, da dieser für ihn Überhang genommen hatte. Hierzu muss kurz erwähnt werden, dass Grimm laut Szlek keine Unterscheidung, wie heutzutage, zwischen Fremd- und Lehnwort macht.24
Und obwohl die Brüder Grimm allgemein nicht als Puristen galten und sich auch dagegen wehrten25, hofften sie doch einen Einfluss auf die „Reinhaltung“ des Deutschen nehmen zu können. Wie bereits die Ziele des Wörterbuchs zeigen, sollte das sprachliche Selbstbewusstsein der Deutschen gestärkt und ihnen gezeigt werden, welche Möglichkeiten die deutsche Sprache selbst besitzt, so dass es nicht immer nötig ist Wörter aus anderen Sprachen zu gebrauchen.
Grimm war sich bewusst, dass es unmöglich war alle Fremdwörter aus dem Wörterbuch auszuschließen, da die Mehrheit von ihnen sich längst dem Sprachgebrauch angepasst hatte: „Fällt von ungefähr ein fremdes wort in den brunnen einer sprache, so wird es solange darin umgetrieben, bis es ihre farbe annimmt und seiner fremden art zum trotze wie ein einheimisches aussieht.“26 Das zeige sich vor allem in Ortsnamen, aber auch in Wörtern wie Abenteuer oder Armbrust. Viele Fremdwörter waren und sind längst mit dem Deutschen verwachsen. So nennt er als Beispiele die Namen von Tieren oder Pflanzen, für welche gar keine andern Ausdrücke bekannt sind. Mehrere Begriffe drangen bereits im Altertum durch
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Brüder Grimm für die Germanistik und führt in das enorme Projekt des „Deutschen Wörterbuchs“ ein.
1. Die Vorläufer des „Deutschen Wörterbuchs“: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die historische Entwicklung von Glossaren und Wörterbüchern bis zur Zeit der Grimms.
2. Die Entstehung des „Deutschen Wörterbuchs“: Hier wird der Entstehungsprozess des Projekts im Kontext der politischen Situation der Gebrüder Grimm und der Zusammenarbeit mit der Weidmannschen Buchhandlung geschildert.
3. Ziel des „Deutschen Wörterbuchs“: Der Autor beschreibt die wissenschaftlichen Ambitionen, die Identitätsstiftung und die beabsichtigte Zielgruppe des Wörterbuchwerks.
4. Der Rahmen des „Deutschen Wörterbuchs“: Dieses Kapitel definiert den zeitlichen und sprachlichen Geltungsbereich des Wörterbuchs, insbesondere das Verständnis von „Deutsch“.
5. Stichwortbestand: Es wird analysiert, nach welchen Kriterien Stichwörter, Fremdwörter, Eigennamen und Fachbegriffe für das Werk ausgewählt wurden.
6. Die Wortartikel: Ein ausführlicher Abschnitt über den internen Aufbau der Artikel, die Etymologie, die Bedeutungserklärungen und die Verwendung von Belegmaterial.
7. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über die gewaltige Leistung und den Stellenwert des Werks als Basis für die zukünftige Germanistik.
Schlüsselwörter
Deutsches Wörterbuch, Brüder Grimm, Germanistik, Lexikographie, Sprachgeschichte, Wortartikel, Etymologie, Fremdwörter, Wortschatz, Sprachwandel, wissenschaftliches Projekt, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm, Sprachpflege, philologische Methodik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das „Deutsche Wörterbuch“ der Brüder Grimm als ein monumentales Wissenschaftsprojekt des 19. Jahrhunderts und beleuchtet dessen historische Genese sowie methodische Grundlagen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Lexikographie-Geschichte, dem Aufbau der Wortartikel, der Etymologie, der Stichwortselektion und der wissenschaftlichen Intention der Brüder Grimm.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Brüder Grimm durch das Wörterbuch die deutsche Sprache dokumentierten und welche wissenschaftlichen Prinzipien sie dabei anwendeten, um den Wortschatz historisch und systematisch zu erfassen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Methode, indem sie die Vorrede des ersten Bandes des Wörterbuchs auswertet, Kommentare der Brüder Grimm heranzieht und diese mit moderner fachwissenschaftlicher Literatur abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Vorgängerwerke, die Entstehungsgeschichte, die Definition des sprachlichen Rahmens sowie eine detaillierte Aufschlüsselung der Artikelstruktur (Stichwortbestand, Etymologie, Bedeutung, Belege).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die historische Sprachbetrachtung, das „Urwort“, die diachrone Sprachanalyse, der Umgang mit Fremdwörtern und die Rolle des Wörterbuchs als nationales Identitätssymbol.
Wie gingen die Grimms mit der Problematik von Fremdwörtern um?
Die Brüder Grimm waren skeptisch gegenüber einem unreflektierten Vordringen von Fremdwörtern, erkannten aber an, dass viele Begriffe durch Sprachwandel vollständig in das Deutsche integriert und somit als heimisch zu betrachten sind.
Warum war die Etymologie für Jacob Grimm so bedeutend?
Für Grimm war die Etymologie die „Würze“ des Wörterbuchs; er sah in ihr das Werkzeug, um die ursprüngliche, sinnliche Wurzel eines Wortes freizulegen und die Entwicklung der Sprache vom Konkreten zum Abstrakten nachvollziehbar zu machen.
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- Ines Rieck (Author), 2004, Das 'Deutsche Wörterbuch' der Brüder Grimm als Wissenschaftsprojekt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27922