Die Gated Communities sind eines der fundamentalsten stadtplanerischen Phänomene des 20. Jahrhunderts. Ihr konzentriertes Auftreten wurde erstmals in den Vereinigten Staaten von Amerika empirisch erfasst und behandelt. Doch laut Glasze ist dieses Phänomen kein lokales mehr, sondern ein mittlerweile global verbreitetes. Auch zeitlich lässt sich die Herausbildung von Gated Communities in der Städtischen Infrastruktur nicht so pauschal erfassen. Denn bereits in der Vergangenheit der Stadtgeographie wurden bewachte Viertel erfasst, die durch Mauern und anderen Sicherheitsvorkehrungen vor externen Gefahren geschützt und damit auch, von der innerstädtischen Infrastruktur segregiert wurden. “Systems of walls and class division are deeply ingrained in historic Europe as a means of wealthy people protecting themselves from the local population.” Solche bewachten Siedlungsformen sind, bereits in der Frühzeit, ein wesentlicher Bestandteil des Modells der Orientalisch-islamischen Stadt gewesen. Ehlers merkt an, dass innerhalb der Stadtstrukturen es oftmals Stadtviertel gab, die nur durch einen gesonderten Eingang betreten werden konnten und dadurch eine strikte Segregation von anderen Nachbarvierteln vorgenommen werden konnte. Diese Quartiere besaßen innerhalb ihrer Infrastruktur alle Dienstleistungen des täglichen Bedarfs. Durch diese Isolierung einzelner Stadtviertel wurde eine Trennung sozialer Gruppen angestrebt. Die islamische Gesellschaft wurde dadurch, innerhalb der Stadtmauern, untereinander nach ökonomischen und sozialen Faktoren und von dem Einfluss ausländischer Kulturen und Religionen getrennt und bewahrt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Typisierung der bewachten Wohnsiedlungen
3. Der Libanesische Bürgerkrieg 1975-1990
4. Die Entwicklung der Gated Communities während des Bürgerkriegs 1975-1990
5. Die Entwicklung der Gated Communities in der Post-Bürgerkiegszeit
6. Vergleich der Gated Communities im arabischen Raum (Libanon-Saudi Arabien)
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung und Transformation von Gated Communities (GC) im Libanon im Kontext des Bürgerkriegs sowie der anschließenden Post-Bürgerkriegs-Ära, wobei insbesondere die Rolle staatlicher Versorgungsdefizite und sozioökonomischer Fragmentierungsprozesse analysiert wird.
- Historischer Kontext der libanesischen Stadtentwicklung
- Typisierung und Charakteristika bewachter Wohnsiedlungen
- Einfluss des libanesischen Bürgerkriegs auf die Privatisierung des Wohnraums
- Vergleich der städtischen Segregationsformen zwischen Libanon und Saudi-Arabien
- Wandel von Sicherheitsbedürfnissen zu Lifestyle-orientierten Wohnformen
Auszug aus dem Buch
Die Entwicklung der Gated Communities während des Bürgerkriegs 1975-1990
Mit dem Beginn des Bürgerkrieges fragmentierte der Libanon in verschiedene ethnische und konfessionelle Gebiete, die durch die entsprechenden konfessionellen Milizen kontrolliert wurden (s.Abb.2). Die Hauptkriegsschauplätze rund um Beirut führten zu einer Stadtflucht der wohlhabenden Bürgerschichten in die ländlichen Gebiete. Die Suche nach einem sicheren Wohnort veranlasste die, vorwiegend christliche, Stadtbevölkerung zu einer Flucht in das Gebiet um Kesrouane, nördlich von Beirut. Die konservativ-christlichen Milizen, die diese Gegend kontrollierten, schufen um die Hafenstadt Jounié den Christenkanton, der als Destination für zahlreiche Flüchtlingsströme Christlicher Libanesen galt (Glasze 2003:85). Da die kriegerischen Hauptaktivitäten rund um Beirut stattfanden, wurde der Christenkanton und seine Infrastruktur vor Zerstörung bewahrt.
„Im Gegensatz zu den Strandhotels im Beiruter Stadtzentrum und im Süden von Beirut, die zum Schauplatz von Kämpfen oder von Flüchtlingen aus Südlibanon besetzt wurden, blieben die Hotels im Kesrouane in den 1970er Jahren von kriegerischen Auseinandersetzungen verschont.“ (Glasze 2003:77)
Dadurch konnte der Flüchtlingsstrom, zum Teil, von den in Takt gebliebenen aber leerstehenden Apartments der Beach Resorts aufgefangen werden. Die Flucht vor dem Bürgerkrieg führte laut Glasze (2003:85) zu einer Verknappung an Wohnraum in Kesrouane und zu einem großen Anstieg der Nachfrage und gleichzeitig zu einer rasanten Zunahme der Bodenpreise (s.Abb.3).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Gated Communities als globales Stadtphänomen und Darlegung der zentralen Fragestellungen der Hausarbeit.
2. Typisierung der bewachten Wohnsiedlungen: Theoretische Kategorisierung bewachter Wohnkomplexe nach ihrer Baustruktur, Funktion und infrastrukturellen Ausstattung.
3. Der Libanesische Bürgerkrieg 1975-1990: Historischer Überblick über die konfessionellen und politischen Hintergründe, die zur Fragmentierung des libanesischen Staates führten.
4. Die Entwicklung der Gated Communities während des Bürgerkriegs 1975-1990: Analyse der Entstehung von Sicherheitsenklaven und Strandresorts als Reaktion auf das staatliche Versagen während der Kriegswirren.
5. Die Entwicklung der Gated Communities in der Post-Bürgerkiegszeit: Untersuchung der städtebaulichen Nachkriegsentwicklungen und des Wandels der Motivationslage hin zu Lifestyle- und ökonomisch motivierten Enklaven.
6. Vergleich der Gated Communities im arabischen Raum (Libanon-Saudi Arabien): Gegenüberstellung der unterschiedlichen Genese von Gated Communities in Libanon und Saudi-Arabien unter Berücksichtigung kultureller und politischer Faktoren.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Auswirkungen bewachter Wohnsiedlungen auf die gesellschaftliche und städtische Entwicklung im Libanon.
Schlüsselwörter
Libanon, Gated Communities, Bürgerkrieg, Stadtentwicklung, Segregation, Fragmentierung, Infrastruktur, Wohnkomplexe, Sicherheit, Lebensstil, Post-Bürgerkriegszeit, Konfessionalismus, Urbanisierung, Immobilienmarkt, Sozialdisparität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Gated Communities (bewachte Wohnsiedlungen) im Libanon und wie sich deren Entwicklung vom Bürgerkrieg bis zur Nachkriegszeit verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Stadtgeographie, soziale Segregation, die Auswirkungen von bewaffneten Konflikten auf die Infrastruktur und der Einfluss von politischem Versagen auf die private Wohnraumgestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Motive für die Entstehung dieser Wohnformen im Libanon zu identifizieren und zu erklären, warum sich der Fokus von der reinen Sicherheitsbedürftigkeit hin zum Lifestyle-Aspekt verschoben hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse stadtgeographischer Konzepte und greift dabei maßgeblich auf die Forschungsergebnisse von Georg Glasze sowie weitere empirische stadtsoziologische Daten zurück.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der ersten bewachten Strandresorts während des Bürgerkriegs, den späteren Bauboom von Kondominien in der Nachkriegszeit sowie einen Vergleich mit Saudi-Arabien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Libanon, Gated Communities, Fragmentierung, Sicherheit, Segregation und staatliches Versagen.
Warum spielt das "Versagen der staatlichen Strukturen" eine so zentrale Rolle?
Da der libanesische Staat wesentliche Versorgungsleistungen wie Strom und Wasser nicht garantieren konnte, übernahmen private Gated Communities diese Aufgaben, was deren Attraktivität und Notwendigkeit für Bewohner massiv erhöhte.
Was unterscheidet die Entwicklung der Gated Communities in Saudi-Arabien von der im Libanon?
Während im Libanon die Privatisierung aus einem staatlichen Versagen und Sicherheitsbedarf resultiert, dienen Gated Communities in Saudi-Arabien primär der oktroyierten kulturellen Segregation von Arbeitsmigranten.
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- Roman Kühn (Author), 2014, Die Entwicklung der Gated Communities im Libanon, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279221