Pontius Pilatus und sein Wirken auf den Gerichtsablauf im Prozess gegen Jesus Christus


Hausarbeit, 2012

13 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Vorgeschiche

Bevor ich näher auf die Geschehnisse in Jerusalem und dem Pilatusprozess eingehen werde, will ich wichtige Ereignisse vor diesen Tagen aufzeigen, die eine wichtige Rolle im „Verhör“ und im „Prozessablauf“ von Jesus Christus spielen.

Die wenigen Stunden von der Gefangennahme Jesu und seinem Prozess vor Pilatus gehören mitunter zu den umstrittensten Textpassagen in der gesamten Passionsgeschichte.

Jesus Verhaftung wurde im Garten Gethsemane vorgenommen und spiegelt sich in den Evangelien wieder (Mt 26,47-56; Mk 14,43-52; Lk 22,47-53 und Joh 18,2-11).1 Seine Verhaftung wurde durch einen „Verhaftungstrupp“ vollzogen, wobei sich Theologen und Wissenschaftler uneinig sind, aus welchen Bevölkerungsschichten (jüdisch oder römisch-jüdisch) sich dieser Trupp zusammensetzte. Ein Verhaftungstrupp aus jüdischen Milizionären wäre jedoch naheliegend. Es müssen auch nicht viele gewesen sein, denn die Initiative der Verhaftung ging von den jüdischen Autoritäten aus. Zu diesen gehörten die Hohepriester Kajaphas und Hannas. Wenn Pilatus die Verhaftung angeordnet und es sich damit um einen römisch-jüdischen Trupp zur Ergreifung Jesu gehandelt hätte, wäre Jesus sicher aus Kompetenzgründen sofort vor ein römisches Gericht oder einer römischen Verwahrung gebracht worden, denn nur wenige hundert Meter von Gethsemane entfernt liegt die Burg Antonia.2

Jesus erste Verhandlung startete somit vor einem jüdischen Gericht, welches sich vom Synedrium, der obersten jüdischen Verwaltungs- und Justizbehörde, zusammensetzte. Das Synedrium setzte sich aus dem Hoherpriester Kajaphas, den Hohenpriestern Hannas, dem Priesteradel und den Sadduzäern sowie den Schriftgelehrten und den Ältesten zusammen.3

Die Anklage gegen Jesu lautete Tempellogion4 und Messiasbekenntnis. Nach einer langen Gerichtsverhandlung fragte schließlich der Hohepriester Jesu, ob er der Sohn Gottes sei. Obwohl zur damaligen Zeit die jüdische Justiz einem Beschuldigten das Recht einräumte keinerlei Äußerungen machen zu müssen, beantwortete Jesus die Frage mit „Ich Bin`s“. Somit war die „Gotteslästerung“ für die Hohepriester „live“ zu hören und weitere Zeugen waren von Unnöten.5 Durch seine freiwillige und wahrheitsgemäße Antwort hatte Jesus seinen Feinden die Mittel in die Hand gegeben ihn zu verurteilen.

Die beim Verhör von Jesu versammelten Synedristen sind von ihrer Schuld nicht freizusprechen, jedoch darf man ihnen nicht vorwerfen, dass sie es sich mit ihrer Entscheidung zu einfach gemacht hatten, bedenkt man die Tatsache, dass Jesus wie ein politisch und religiöser gefährlicher Rebell wirkte, den es zu beseitigen galt, da man die Stadt und die Religion keinem Risiko aussetzten wollte.

Die Person Pontius Pilatus

Die Passionsgeschichten der vier Evangelien im NT sind, neben den Quellen von Josephus und Philo die wichtigsten Verzeichnisse, um eine Charakterisierung von Pilatus anzufertigen. Nun muss man jedoch bedenken, dass zur damaligen Zeit die Verfasser der Evangelien religiöse Interessen verfolgten und daher diese Quellen nur eingeschränkt zu benutzen sind.

Trotzdem entlasten alle vier Evangelien Pontius Pilatus, indem sie die Hauptschuld und die Initiative an der Kreuzigung Jesu auf die Hohenpriester und dem zurufenden Volk abwälzen. So beschreiben alle Evangelien die Feststellung von Jesus Unschuld durch Pilatus und eine darauffolgende Forderung der Menge (von den Hohenpriester und Ältesten angestiftet) für die Kreuzigung! (Mt 27,21-25; Mk 15,12-14; Lk 23,21-23, Joh 19,15)

Des Weiteren sollte die christliche Botschaft der Evangelien zur Zeit der Verfasser im gesamten römischen Reich verkündet werden. Somit wurde eine Schuldfrage an einem römischen Präfekten nicht gern gesehen. Aber auch der schwache Charakter von Pilatus lässt sich durch die Evangelien darstellen. Obwohl der große Stadthalter Pilatus sich seine eigene Meinung und Entscheidung über Jesus Urteil gebildet hatte, ließ er sich, wie bereits schon erwähnt, von der tobenden Menge davon überreden Jesus doch zu kreuzigen und nicht, wie er zuvor beschlossen hatte, frei zu lassen.

Pilatus stammte aus dem römischen Rittertum und war ein Beamter der niederen Stufe. (In Rom gab es zwei Beamtenklassen: die Senatorenklasse, welche Stadthalter für größere Städte oder Befehlshaber von Legionen waren, und die o.g. Ritterklasse, welche niedere Tätigkeiten, aber von durchaus nicht unwesentlicher Bedeutung, ausführte.)6

Für eine solche Ritterstufe musste man drei Befehlsstufen durchlaufen haben, die für Pilatus` Position obligatorisch waren. Somit hatte er eine militärische Vergangenheit in der er ausgebildet wurde.7

Pontius Pilatus war insgesamt zehn Jahre lang Stadthalter von Judäa (26-36 n Chr.) und hatte einen tüchtigen Ruf. In seiner Amtszeit residierte er in Cäsarea, wo er das 110 bis 120 Kilometer entfernte Jerusalem sehr oft besuchte, um den Hohenpriester ihre Gewänder auszuhändigen und durch seine Präsenz für Ruhe und Ordnung sorgte, damit kein Aufstand erprobt werden konnte. Seinen tüchtigen Ruf bestätigte seine lange Amtszeit, denn Judäa war zu seiner Zeit nicht sehr einfach zu kontrollieren und zu beherrschen. Außer Gratus und Felix konnte kein einziger römischer Prokurator länger als vier Jahre im Amt bleiben.8 Aber auch Pilatus` Charakter muss berücksichtigt werden. Dieser wird von den meisten Quellen als schwach betitelt. Für Philo von Alexandrien ist der römische Stadthalter ein boshafter und unversöhnlicher Mensch, der von Natur aus unbeugsam, eigenwillig und unnachgiebig war. Des Weiteren war er bestechlich und gewalttätig und zu Räubereien, Misshandlungen und Beleidigungen fähig.9 Josephus bezeichnete ihn als rücksichtslosen und brutalen Antisemiten, der mit seiner Befehlsgewalt von über 5000 Soldaten, seine Missachtungen und seine Gesetzte mit Gewalt durchsetzte. In den Evangelien kommt Pontius Pilatus, wie bereits oben erwähnt, sehr gut davon. Hier wird mehrmals betont wie oft er sich für Jesus engagiert hatte und mehrfach seine (Jesus) Unschuld der Volksmenge bekundete. Er wollte Jesus auch mehrfach freilassen, was aber von der Menge nicht erwünscht war. Jedoch zeugt es von wiederum schwachem Charakter, seine Entscheidungen vom Volk her aus zu widerlegen und seine Unschuld an dem Urteil mit Händewaschen zu symbolisieren.

Willibald Bösen macht auf ein sehr umfassendes Problem aufmerksam. Welchem der Texte soll man jetzt glauben? Bösen argumentiert, dass keiner der Quellen hundertprozentig wörtlich zu nehmen ist. Das Pilatus-Bild sei in der Mitte zwischen beiden Extremen zu suchen.10 (Zwischen den Patrioten Philo und Josephus und den auf das Wohlwollen des römischen Staates angewiesenen Evangelien.)

Aber laut Bösen sagen alle Quellen über Pilatus aus, dass er ein ausgeprägtes Karriere- und Machtbewusstsein hatte, und denjenigen brutal gegenübertritt, die seinen Plänen entgegenstellten. Somit steht hinter dieser Grausamkeit, Unentschlossenheit und Feigheit kein böser, sondern ein schwacher Charakter.11

Biblische Quellen

Wie bereits bei „ die Person Pontius Pilatus“ erwähnt, werden als Hauptquellen die neutestamentlichen Evangelien verwendet. Diese sind aber in ihrer Struktur und ihrem Ablauf nicht identisch, wie das unten aufgeführte Schaubild zeigt.

[...]


1 Vgl. Bösen, Willibald (1995) S. 141-145

2 Vgl. ebd. S. 150

3 Vgl. ebd. S. 169

4 =Zerstörung des Tempels

5 Vgl. Bösen, Willibald (1995) S. 178-179 und http://de.mormonwiki.com/Jesus_vor_Gericht

6 Vgl. Flusser, David (1982) S. 108

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. Folie M96 in Bösen, Willibald (1995) S. 202

9 Vgl. Bösen, Willibald (1995) S. 203

10 Vgl. Bösen, Willibald (1995) S 204-205

11 Perowne, S. (1958) S. 71 zitiert von Bösen, Willibald (1995) S.205

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Pontius Pilatus und sein Wirken auf den Gerichtsablauf im Prozess gegen Jesus Christus
Hochschule
Universität Kassel  (Katholische Religion)
Veranstaltung
Die Joh. Passions- und Ostergeschichte als Schlüssel zum Verständnis des Johannesevangeliums
Note
2,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V279244
ISBN (eBook)
9783656720867
ISBN (Buch)
9783656721789
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pontius, pilatus, wirken, gerichtsablauf, jesus, christus
Arbeit zitieren
Markus Mopser (Autor), 2012, Pontius Pilatus und sein Wirken auf den Gerichtsablauf im Prozess gegen Jesus Christus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279244

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